Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1903)
- Date
- 1903-08-07
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
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2 aber dieses Prinzip gelten soll, dann müßten wir, wenn Rußland deutsche Studenten jüdischen Glaubens von seinen übrigeres nur höchst selten ausgesuchten Hochschulen ausschließt, alle russischen Studenten von deutschen Hochschulen ausschließen, da in Deutschland die Inden nach der Verfassung gleichberechtigt sind. Wir wollen aber nicht, wie die „Kreuzzeitung" aus Instinkt und alter Gewohnheit, zu Rußland Hillabsteigen. Jrrowrazlaw, 2. August. Ueber den Begriff „Eigentumsrecht" herrscheil Meinungsverschiedenheiten zwischell ben jüdischen Gemeindemitgliederu und dem Synagogenvorstande. Schon seit langen Jahren gehen Vorstand und Repräsentanten-Kollegium mit der Absicht um, eine neue Synagoge zu erbauen. Aus diesem Grlinde wurden von diesen Körperschaften schon eine Menge Sitzungen abgehalten und Beschlüsse gefaßt. Die allzu große Baufälligkeit der alten Syllagoge zwillgt ben Vorstand, dem Projekte lläher zu treten. Die Inhaber von Sitzplätzen in der Synagoge verlangen, daß auch ihr Eigentumsrecht ihrer Sitzplätze auf die neu zu erbauende Synagoge übergehe. Der Vorstand ist anderer Ansicht, er behauptet, daß das Eigeutunisrecht der Sitzplätze in der Synagoge den Inhabern solange gesichert bleibt, wie die Synagoge benutzt wird, mit dem Augenblick aber, lvenll diese niedergerissen, aufhöre. Man ist aber der Zuversicht, daß eine Einigkeit zwischen den Parteien erzielt werden wird. — Bochum, 2. August. Zu ihrem Bericht über den dreizehllten ordentlichen Gemeinde tag des Verbandes der Synagogen- Geure in den Westfalens möchte ich noch folgende Einzelheiten nachtragen: Zn Punkt 2 der Tagesordnung: Rechenschaftsbericht des Rendanten und Erteilung der Decharge" gab der Rendant, Dr. Coblenz, eine genaue Uebersicht über die Kassenverhältnisse des Verbandes wie folgt: Kassenbestand am Schlüsse des Verbandsjahres 1901/02 Mark 1246,06, Einnahmen während des Verbandsjahres 1902/03 Mark 2603.40, Summa Mark 3849,46. Die Ausgaben beliefen sich auf Mark 2638,66, ulithin war am 31. März 1903 ein Kassenbestand vorhanden von Mark 1210,80. Das Vermögen der Beamten-Pensionskasse beträgt Mark 23 000 in Effekten, wozu noch ein Kassenbestand von Mark 868,30 kommt. Der fünfte ordentliche Gemeiudetag, der 1895 in denselben Räumen stattsand und sich zuerst mit dem Slatutenentwurf der Beamten-Pell sionskasse beschäftigte, konnte zu keinem Resultate gelangen llnd verwies die ganze Materie s. Z. an eine Kommission. Wohl niemand hätte damals zu hoffen gewallt, daß die Kasse ihre segensreiche Tätigkei gerade ausgenommen haben wird, wenn diese Räume einmal wieder Zeugen der Verhandlungen des Genreilldetages sein würden! Hätte sich der Gemeindeverband in den zlvölf Jahren seines Bestehens kein anderes Verdienst erworben wie das der Gründung dieser Kasse, so sollte dies genügen, alle westfälischen Gemeinden zum Beitritt zu veranlassen, damit sie und ihre Bealllten der Segnungeil dieser Einrichtung teilhaftig würden. An den vierten Punkt der Tagesordnung, Ailtrag Herford: „Der. Gemeindelag wolle die Frage erörtern, ob und in welcher Weise für die Synagogen-Gemeinden Westfalens bezw. des Königreichs Preußen das Recht zu erlangen sei, an den höheren Lehranstalten de il jüdischen Religionsunterricht erteilen zu lassen" knüpfte sich eine längere Erörterung, die 31t einer interessanten Aussprache über die gegenlvärtige Handhabung der Erteilung des israelitischen Religionsunterrichts an höheren Lehranstalten in den verschiedenen Orten führte; auch auf die mannigfachen Gesetzesbestimnlungen über diesen Gegenstand wurde aufmerksam gemacht. Jnzwischell war ein Antrag Coblenz eillgegangen, der das Resultat dieser Erörterungen zusalnmenfaßt und einstimmig zur Annahme gelangte. Der Antrag lautet: „Der Gemeindetag betrachtet die Regelung der Einsührullg des Religionsunterrichts an höheren Lehranstalten mit Rücksicht aus die Erfahrungen, welche der D.-J. G.-B. in Berlin auf diesem Gebiete gemacht hat, als eine Aufgabe, die in erster Linie nur von den in Betracht kommenden Einzelgemeinden durchgeführt werden kann. Demgemäß empfiehlt der Gemeindetag der Gemeinde Herford, gegen den ablehnenden Bescheid des Provinzial-Schulkollegiums bei dem Kultusminister vorstellig zu werden!" Zum allgemeinen Bedauern des Verbandes hat sein bisheriger Vorsitzender. Herr Moritz Katzenstein- Bielefeld, wie bereits gemeldet, aus Gesundheitsrücksichen sein Amt niederlegen müssen; auch der seitherige Schriftführer, Dr. Coblenz- Bielefeld, will seines Amtes nicht länger walten. Mit seltener Pflichttreue und ungewöhnlicher Ausdauer haben diese beiden Männer zwölf Jahre lang die Geschäfte des Verbandes geführt. Die schönen Erfolge sind in erster Linie ihrem rastlosen «Streben zu danken. Sie haben sich dadurch für alle Zeiten ein Ruhmesblatt in den Annalen des Gemeinde-Verbandes gesichert. Dr. Bonin-Wat tenscheid berichtet nunmehr, daß in einer inzwischen stattgefundenen Ausschuß-Sitzung der Beschluß gefaßt worden sei, die Gemeinde Dortmund als Vorort des Verbandes zu wählen. Der Ausschuß hat sich konstituiert und zu seinem Vorsitzenden Herrn Isidor Goldschmidt-Dortmund, zum stellvertretenden Vorsitzenden Herrn M. Liebenfeld-Bochum und zum Schristsührer und Rendanten Herrn Siegfried Freund Dortmund gewählt; zum Sekretär wurde Lehrer Emauuel Goldschmidt gewählt. Den Ausschuß des Verbandes bilden nun die Herren Isidor Goldschmidt-Dortmund,!. Vorsitzender; M. Liebenfeld-Bochum, II. Vorsitzender; S. Freund-Dortnnlnd, Schriftführer und Rendant; M. Katzenstein, Rabbiner Dr. Coblenz, R.-A. Dr. Frankenstein, Bieleseld; Rabbiner Dr. David-Bochum; Simon Löwenstein-Rietberg; Seligmann Neukamp-Soest; Leffmann Stern-Hagen; Seminardirektor Dr. Spanier, R.-A. Dr. Cohn, Münster; Ostwald-Witten; D. Kleestadt- Gelsenkirchen; Dr. med. Bonin-Wattenscheid. Einer von Berlin an den Verband gelangten Anregung zu eventueller Anstellung von Wanderschächtern, um das Gewerbe des Schächtens vom Lehramt zu trennen, glaubte die Versammlung keine Folge geben zu dürsen, da nach Feststellung durch die Vertreter der Verbandsgemeinden ein Bedürfnis hierfür nicht vorliegt. In keiner einzigen Verbandsgemeinde wird das Schächtamt vom Lehrer ausgeübt. Herr Isidor Goldschmidt- Dortmund macht darauf aufmerksam, daß binnen kurzem die Gemeindeverwaltung Dortmund ein deutsches Gesangbuch für die Synagoge herausgeben wird, welches auf Wunsch auch Verbandsgemeinden zum Selbstkostenpreise zur Verfügung gestellt werden soll. Da sich nun der Preis des einzelnen Buches um so niedriger stellt, je höher die Auflage werden kann, so liegt es im Interesse aller Gemeinden, die das Buch besitzen möchten, ihre Aufträge baldigst zu erteilen. Bei einer Auflage von 1000 Exemplaren würde beispielsweise ein Buch mit Notendruck inkl. Einband Mark 0,70—0,75 kosten; bei einer Auflage von 2000 Exemplaren stellt sich der Preis auf nur Mark 0,45—0.50, und bei einer solchen von 5000 Exemplaren gar nur noch auf Mark 0,30—0,35. Dr. Coblenz-Bielefeld nahm schließlich noch Veranlassung, daraus hinzuweisen, daß die Beratungen auf dem vorjährigen Verbandstage in Dortmund, die Marks-Haindorsffche Stiftung in Münster betreffend, nicht ganz ohne Erfolg geblieben seien. Eine ganz hervorragende Tätigkeit hat in dieser Hinsicht Dr. Hulisch-Herford an den Tag gelegt, welcher der Kasse der genannten Stiftung im abgelaufenen Verbandsjahre größere Mittel zugeführt hat. Dr. Coblenz knüpft daran den Wunsch, daß das edle Beispiel seines Kollegen nicht vereinzelt bleiben, sondern in den Verbandsgemeinden Nachahmung finden möchte. g. Siegen U W., 31. Juli. Am 23. d. M. fand hier im Beisein des Vorstandes und der Repräsentanten der hiesigen Gemeinde die Grundsteinlegung zur neuen Synagoge statt. Der feierliche Akt wurde von Herrn Lehrer und Prediger Grünewald vollzogen. — Seit Begründung der Gemeinde, etwa 25 Jahre, mußte sich diese mit einem gemieteten Betraum behelfen, der jedoch heute nicht mehr ausreicht und überdies weder in gesundheitlicher, noch in ästhetischer Beziehung den Anforderungen entspricht, die an ein Gotteshaus zu stellen sind. Daß es aber der Synagogengemeinde in Siegen, dem Hauptorte im Wahlkreise Stöckers, wo das Judentum ohnehin gegen Vorurteile und falsche Vorstellungen genug zu kämpfen hat, besonders daran gelegen sein muß, auch nach außen würdig aufzutreten, bedarf Glaubensgenossen gegenüber wohl kaum einer näheren Erörterung. Dank der eifrigen, rastlosen Tätigkeit des Vorstehers, Herrn M. L. Stern, und der Opferwilligkeit der Gemeinde, soll nun ein würdiges Gotteshaus erstehen, das, im Mittelpunkt der Stadt gelegen, zugleich auch ein Schulzimmer enthalten wird. Der schöne Kuppelbau, zu welchem der Königliche Bauinspektor, Herr Fürstenau, Steglitz-Berlin die Entwurfszeichnung geliefert hat, soll bis Juli kommenden Jahres fertiggestellt sein. B. Effeit a. d. Ruhr, 29. Juli. In der heutigen Stadtverordnetensitzung widmete Oberbürgermeister Zweigert dein in Marienbad plötzlich verstorbenen Kommerzienrat Moritz Beer einen ehrenden Nachruf. Er wies auf die hervorragende Stellung hin, welche Beer in der rheinisch - westfälischen Industrie eingenommen habe und betonte dann besonders seinen ausgeprägten Wohltätigkeitssinn. Das Kollegium erhob sich zum Andenken an den Verstorbenen von