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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-08-07 · Heft 32 (7.8.1903) · p. Seite 382

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 32 (7.8.1903)
Date
1903-08-07
Page
Seite 382 (sequence 12)
Language
German
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382 sächlich der gründlichen, lichtvollen Darstellung des Dr. Karl Sigmund Barach.l) Es gibt kaum eine Schrift, die ein solch intensives, klares Licht über die Aristotelische Herzdenkseele verbreitet, als die ziemlich unbekannte von Barach: „De motu cordis“, welche hier zum erstenmal tu Erzerptet: nach handschriftlichen Ueberliefernngen erscheillt (verfaßt 1220 bis 70). Sie behandelt die Frage nach den: Seelen sitz, dem körperlichen Organe, dem Tontizilinm der Seele. Nicht nttr in unfern Taget: der vorherrschettden, ttatttrtvissenschaftlichct: Geistesrichtung, auch iu dunklet: Jahrhunderten der vielgeschtnähten Scholastik hat man sich diese Frage aufgeworfen. Die Tettdenz, det: psychischen und Vitalerscheinttnget: eine tttaterielle Grnttdlage zu gebet:, die Funktiot:ett und Vermöget: der Seele ztl lokalisieren, d. h. an tttaterielle Organe, durch welche sie sich aktttalisieren, geknüpft vorzustellen, ist tticht etwa bloß der moberitcu Wissenschaft eigentümlich. Unter dem verflackernde!: Lichte besser oder schlechter gedeuteter antiker Einsichten cutftaubeu das Mittelalter hindurch verschiedene Hypothese!: über den Seelensitz. Unter diesen ist die bestfundierte, von religiöser: Voraussetzungen unabhättgigste die ir: der Schrift De motn cordis vorgetragene. Unabhängig vor: Barach gelangt auch B. Hanrean in Paris iu seiner Schrift: Memoire sur deux ecrits iutilules: Do molu cordis, eit: Abdruck aus dem2. Teile des XXVIII. Bandes der „Memoires de l’acud. des inscr. et helles lettres“ zt: ähttlichet: Resultaten. Bezüglich der Attsichtet: über det: Sitz oder das körperliche Organ bestätigt sich das zuerst von C. Prantl (Gesch. der Logik III, 1 bis 3) ttachgelviesette Gesetz der Abhängigkeit aller geistigen: Entwicklungen des Mittelalters von der Stoffzttfuhr atts den Speichern atttiker Bildung. Auch auf det: Gebietet: der Psychologie ttttd Sotnatologie begegtten tvir in: Mittelalter feiner eigetttlichet: Initiative; alle, die sich mit den Problemen der physiologisch-psychologischen Wissenschaft beschäftigen, betveget: sich an dem Gängelbande des zugeführtet: traditionellen Materials, welches allein die Wandlung und das Fortschreitet: der Attsichtet: vermittelt. Der Unterschied zwischen den einzelnen besteht attch hier vorttehtnlich iu dem geringere:: oder größeren Anteil au Geist, Scharfsinn und Kombinativnsgabe, wodurch sie befähigt erscheinet:, entweder bloß gedanketllos die überkottunenen Lehret: zu reproduzieren, oder dieselbe!: folgerichtig ansznbilden tntd bis it: ihre äußerste:: Konsequenzen zu entwickeln. Diese Abhängigkeit des Mittelalters bezüglich der Ansichtel: über das Seeletwrgat: erhellt schot: aus dem Uu:- stande, daß bis zuut Ende des 12. Jahrhunderts, d. h. solange die Physischen Schriftet: des Aristoteles durch lateinische Uebersetzungen nicht zugänglich waren, die platonische Ansicht über das Seeletwrgat: die ausschließlich herrschende war; daß diese von der Mitte des 12. Jahrhunderts von der Zeit an, als die svtnatolvgischen Schriftet: Galens durch lateinische Uebersetzttuget: aus den: Arabische:: bekanttt lvurden, etttsprechende Modififattoueu erfuhr; daß sie nach der Verbreitung der physischen Schriftet: des Aristoteles in: 13. Jahrhundert ganz von: Schattplatz verschwattd, einer attdern, an Aristoteles und seine arabischen Kommentatoret: angeknüpften Anschauung weichetld. Au: besten :u:d ausführlichsten tvar das Mittelalter über die Ansicht Platotts tntterrichtet, der das unsterbliche Prinzip der Seele, das Göttliche in: Menschen, von der nieder:: und sterb- ') Mxcerpla e lil>ro Alfredi Anglici, De motu cordis item Costaben-Lucae, De dittereulia animae et spiritus über translatus a Johanne Hispalensi. Als Beiträge zur Geschichte der Anthropologie und Psychologie des Mittelalters. Nach handschriftlicher Ueberlieferuug herausgegeben und mit einer einleitenden Abhandlung und Anmerkungen versehen von Dr. Karl Sigmund Barach. Jnsbruck 1878. liehen Seele abgesondert, oben im Haupte wohnet: ließ; tntd ztvar wirkten zt: dieser Belehrung mehrere, seit det: frühesten Zeiten viel gelesene Autoren mit: zunächst Chalcidins, der Uebersetzer des Timacus dttrch seinen Komutentar (eap. 231 u::d 210), da:::: Macrobitts in: VH. Bttche cap. IX. Saturmilivriim und Appulejus, der Madaurenser in: I. Buche De Dogrnate Dlatonis. Die Ansicht Platons, zu der sich auch Augustinus (vrgl. Gcmganf, utethahysische Psychologie des Augustintts (1852, S. 279 bis 292) bekannte, war daher diejenige, welche das frühere Mittelalter zu der feiniget: tnachte. Wir fiubeit sie schot: bei Jsidorus Hispalensis in: 7. Jahrhundert (Qrigin.^Lib. XI. Kap. I.). Auch Alcuin und Hrabattus Maurus bekennen sich zu der Platonische!: Ansicht (Alcuini opera [Cura Frobenii, Ratisbonae 1777] p. II). Diese beide:: und Jsidorus sind es, welche durch ihre Schriftet: det: atttikett Begriff der Gebundenheit psychischer Vorgänge an eit: materielles Organ in den Komplex der Vorstellungen der christliche!: Welt übertraget: haben. (Forts. folgt.) Zn heule. Bilder von M. I. Berdyczewski. Die Tante. /»^eh doch schon beten/' wurde Joseph am frühen Morgen von seinem Vater Moses ermahnt. „Es ist ja noch Zeit," erwiderte Joseph unwillig. „Was, Zeit? ist das Beten eine Last?" „Ich gehe schon. . ." „Kauf mir auf dem Wege ein Achtel Tabak, aber milden, weist Du jeueu mit dem gelben Umschlag." „Gut." „Hier hast Du einen halben Rubel, aber verlier nicht den Rest, Du zerstreuter Mensch." „Warum schickst Du nicht Chawa? Sie verliert ja nicht." „Seht mal, nichts darf man ihm sagen. Vergiß nur nicht, das Gebetbuch mitzunehmen. „Ich habe es im Riemensäckel" Er holte es hervor und ging — zu Tante Marie ging er. Er hatte sie noch nicht gesehen. Sie war auch nach Turnvva zur großen Hochzeit gekomnlen, wohin sein Vater ihn aus Ladhzena mitgenommen hat. Sein Großvater, der fromme Rabbi Hirsch sollte die letzte Tochter dein Manne geben, und da »varen die Söhne und Töchter alle zusammengekommen mit Hans und Gesinde. Nur Tante Marie kam allein. Sie mußte dem Gesetze nach nach zehnjähriger kinderloser Ehe von ihrem Manne Michel sich scheiden lassen. Michel war gar nich! zufrieden mit dem Gesetz; wenn er seine Marie hatte, braucht» er keine Kinder. Sie war ja gut und schön und fromm. Aber was soll der Mensch machen, wenn es so geschrieben steht. Sr schieden sie von einander unter Tränen. Michel tat kurz darauf ein armes Mädel heiraten. Marie aber lvvllte zuir Schrecken der Ihrigen von keinen: zweiten Manne hören. Uni wenn mich Gott strafen wolle, aber er ist ja gut und kenn mein Herz. Seit damals Pflegte sie auf der Wanderschaft voi einem Verwandten znm anderen zu sein und verrichtete dabe manches gute Werk. Auch als die Mutter von Joseph i» Wochenbett starb, kam sie hin und führte drei Monate dm verwaiste Hans. Sie war ihm damals wie eine Mutter. E wußte nicht, warum sie plötzlich sich zur Reise bereitete. Bteil

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