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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-07-31 · Heft 31 (31.7.1903) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 31 (31.7.1903)
Date
1903-07-31
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 etwa bis zur Epoche der Gesetzgebung Beziehungen zwischen den Massai und den semitischen Stammverwandten mit Jordan bestanden haben. Das erscheint doch höchst merkwürdig! Hauptmann Merker aber will alles von den Häuptlingen und Notabelen der Massai erfragt haben und gedenkt seine Ermittelungen demnächst zu veröffentlichen. Berlin, 26. Juli. Am 22. d. M. ist hier der allgemein geachtete Geheime Sanitätsrat Dr. Julius Wohl nach kurzem Krankenlager gestorben. Wohl war einer der ältesten Aerzte Berlins. Er hat es auf 81 Jahre gebracht. Ein geborener Berliner, hatte Wohl hier seine Schulbildung erhalten, hier seine Fachstudien gemacht und hier dann ein Feld für das Wirken als Arzt gefunden. 1822 hier geboren, besuchte Wohl das Friedrich-Werdersche Gymnasium, von dem er 1841 zur Universität entlassen wurde. 1845 promovierte Wohl mit einer Arbeit über die Bleikolik zum Doktor. 1848 trat er einem Aufrufe des Medizinalstabes der Armee folgend, in das preußische Sanitätskorps ein. Er wurde zuerst als Lazarettchirurg im Lazarett in Posen beschäftigt und kam dann als Kompagniechirurg zu einem schlesischen Landwehrregiment. Mit diesem nahm er am badischen Feldzuge teil. 1850 und 1851 diente Wohl als Assistenzarzt in der ehemaligen schleswig-holsteinischen Armee. Er machte die Schlacht bei Jdstedt und den Sturm auf Friedrichstadt, beide in gefährdeten Stellungen, mit. Nach der Rückkehr aus Schleswig-Holstein war Wohl einige Zeit in Hohensaathen als Cholera-Arzt tätig. Später wurde er mit der ärztlichen Ueberwachung der bei den Meliorationsarbeiten an der Oder beschäftigten Arbeiter betraut. 1853 ließ sich Wohl in Berlin als Arzt nieder. Unter anderem wirkte er hier 37 Jahre lang als Gewerksarzt. Bis in die letzte Zeit beteiligte sich Wohl an den ärztlichen Standesbestrebungen. Ehre seinem Andenken! — Berlin, 20. Juli Der Frauenverein der Berliner Bne- Brithlogen zur Pflege armer jüdischer Wöchnerinnen hat seinen Jahresbericht und seine Satzungen veröffentlicht. Der Verein zählt circa 500 Mitglieder und hatte im verflossenen Jahr eine Einnahme von circa 12500 Mark. Aus dem Statut seien folgende Paragraphen, die über die Tätigkeit des Vereins Auskunft geben, angeführt: § 8. Die Pflege wird nach vorangegangener Prüfung eines Gesuches jeder achtbaren bedürftigen jüdischen Wöchnerin gewährt. Die Anmeldung ist an eine der Vorstandsdamen zu richten; diese Anmeldungen sind der Reihe nach in ein Meldejournal einzutragen. § 9. Die Pflege beschränkt sich nicht nur auf die Pflege der Wöchnerin und des Kindes, sondern umfaßt auch die Arbeiten zur Aufrechterhaltung der Ordnung des Haushalts. § 10. Die Dauer der Wochenpflege ist im allgemeinen auf 10 Tage festgesetzt, doch kann sie in besonderen Fällen mit Bewilligung des Vorstandes bis auf 14 Tage ausgedehnt werden. 8 11. Bei besonderer Bedürftigkeit soll außer d.er Pflege, Unterstützung von Lebensmitteln und hygienischen Erfordernissen gewährt werden. 8 12. Die Ausübung der Pflege geschieht durch die für diesen Zweck vom Vorstand gewählten Pflegerinnen, welche auf ihre Befähigung von einem Arzt einer Prüfung zu unterziehen sind. § 13. Nach jeder Meldung für eine zu leistende Pflege hat sich die recherchierende Dame sofort über die Würdigkeit und Bedürftigkeit im Haushalt zu unterrichten, die Petentin genau über die Leistungen unserer Pflegerinnen zu verständigen. Jede Pflegschaft wird der Aufsicht einer Dame des geschäftsführenden Ausschusses unterworfen. Die Pflegerin darf nur bei einer gesunden Wöchnerin die Pflege antreten; bei eintretender Erkrankung der Wöchnerin oder bei außergewöhnlichen Fällen hört die Pflege seitens des Vereins auf. Vorsitzende des Vereins ist Frau Paula Neufeld, Straßburgerstraße 57. v. Kolberg, 26. Juli. Eine seltene Feier war es, welche dem Rabbiner der hiesigen Synagogengemeinde, Dr. S. Goldschmidt, am 15. d. M. zu begehen vergönnt war. Vierzig Jahre waren an diesem Tage verflossen, seit er sein Amt hier angetreten, welches er während dieser langen Reihe von Jahren ununterbrochen in rastlos tätiger, treuer Arbeit und uneigennütziger Weise zu Nutz und Frommen seiner Gemeinde verwaltet hat. — Die Reihe der Ehrungen begann mit einer Feier im Jüdischen Kurhospital. Gegen 9 Vs Uhr versammelten sich im großen Speisesaale die Insassen des Hauses und die Schüler der hiesigen Religionsschule. Beim Eintritte des Gefeierten sang ein von dem Lehramtskandidaten Herrn Meisel gebildeter Chor der Pfleglinge das „Gott grüße Dich". Nach der poetischen Ansprache eines Schülers ergriffen Herr Kantor Dobrowolsky, sowie im Namen der Kurgäste Herr Rabbinatskandidat Salomonski das Wort und feierten die Verdienste des Herrn Dr. Goldschmidt um die Religionsschule einerseits, sowie um seine segensreiche Wirksamkeit für das Kurhospital andererseits. Tief gerührt dankte der Jubilar und hob in seinen Worten hervor, daß er in der Erziehung der Kinder und dem Wirken für sie stets seine Hauptaufgabe erblickt habe. Solange es ihm durch die Gnade Gottes vergönnt sei, werde er dieser seiner Aufgabe treu bleiben. Abermaliger Gesang schloß die Feier, die aus alle Anwesenden einen tiefen Eindruck machte. — Hieran schloß sich in der Wohnung des Jubilars der Empfang der Gratulanten. Um. 12 Uhr erschienen die Vorstände der hiesigen Synagogengemeinde, der Chewrah-Kadischah, des Frauenvereins und des Jüdischen Knrhospitals, mn dem Jubilar die Wünsche der Gemeinde und der bezüglichen Vereine darzubringen. Der Vorsitzende des Vorstandes, Herr Alb. Moses, gedachte in kurzer aus dem Herzen kommender Rede der Verdienste des Gefeierten um die Gemeinde und sprach im Namen derselben den Wunsch aus, daß es dem geschätzteil Seelsorger vergönnt sein möge, auch den fünfzigsten Jubeltag in voller Rüstigkeit begehen zu können. Nachdem auch die Führer der übrigen Abordnungen ihre Glückwünsche dargebracht, dankte der sichtlich gerührte Jubilar in herzlichen und bewegten Worten, lvelche in der Hoffnung gipfelten, daß es ihm beschieden sein möge, der Gemeinde bis zu seinem letzten Atemzuge seine Kräste zu widmen. Zahlreiche Blumenspenden und wertvolle Geschenke zeugen von der Liebe und Achtung, deren sich Herr Dr. Goldschmidt hier allgemein erfreut. Nachdem das anfangs geheim gehaltene Jubiläum in weitere Kreise gedrungen war, versäumten es die Behörden und Schuldirektoren der hiesigen Stadt nicht, auch ihrerseits die aufrichtigsten Glückwünsche zu über-- seuden. E. Jnowrazlaw, 21. Juli. Seinen achtzigsten Geburtstag feierte heute der Stadtrat und Stadtälteste A. Kurtzig. Der Jubilar hat sich um das Wohl der Stadt, als auch um das Wohl der jüdischen Gemeinde, deren Vorsteher er durch eine lange Reihe von Jahren war, erworben. Obgleich in Rücksicht seines Alters und seiner Gesundheit dieser Freudentag nur im engsten Kreise der Familie gefeiert werden sollte, hatten dennoch Magistrat, Vorstand und Repräsentanten es sich nicht nehmen lassen, dem ehrenwürdigen Greis persönlich ihre Herzenswünsche darzubringen. Ehre dem Ehre gebührt! s. Lttblirritz, 21. Juli. Die Feier des 25jährigen Amtsjubiläums ihres Rabbiners. Dr. Fried mann, welche die Synagogengemeinde am 5. d. M. beging, war eine von Anfang bis Ende wohlgelungene. Am Vormittage erschienen im Hause des Jubilars die Gemeindebehörden, die Vorstände der jüdischen Vereine, die Schuljugend und die Deputationen des oberschlesischen Rabbinerverbandes, die alle nach einander unter Ueberreichung von schönen Geschenken ihre Glückwünsche darbrachten, für welche der Jubilar in herzlichen Worten dankte, namentlich für die Liebe, mit welcher die Vorbereitung dieses Festtages in die Wege geleitet wurde. — Am Nachmittage fand dann der Festgottesdienst in der Synagoge statt, bei welchem Rabbiner Dr. Kopfstein-Beuthen die Festrede und der Jubilar eine Ansprache hielt, die beide von tief ergreifender Wirkung waren. Nach dem Minchah- Gebete rüstete man sich zum Festessen, an welchem auch die hiesige Geistlichkeit, die Deputationen der städtischen Behörden und des Oberschlesischen Gemeindebundes teilnahmen. Die Tafel wurde durch eine große Anzahl von Reden gewürzt, zwischen denen auch „Tafellieder" gesungen wurden. An dieses Festessen der Herren reihte sich noch ein gemütliches Beisammensein der Gemeindemitglieder und ihrer Familien. So dürfte die gelungene Feier allen Teilnehmern eine dauernde, angenehme Erinnerung sein. i. Hannover, 14. Juli. Hier wird seit einiger Zeit die Gründung einer Cigarettenfabrik (Gesellschaft mit beschränkter Haftung) geplant, die solche israelitische Arbeiter beschäftigen soll, welche aus religiösen Bedenken am Sabbat und an jüdischen Festtagen sich behindert fühlen, Fabrikarbeit zu verrichten. Demgemäß soll statutenmäßig der Betrieb an den jüdischen Festtagen ruhen. In einer Versammlung, welche zur Vorberatung der einer demnächstigen Generalversammlung zur Beschlußfassung vorzulegenden Statuten im Hotel de Vries stattgefunden hat, wurden die einzelnen Paragraphen besprochen und eine Uebereinstimmung erzielt. Es sollen Aktien ven je 50 Mark gezeichnet werden. Das Grundkapital ist zunächst auf 5000 Mark festgesetzt. Ueber a/4 der 5000 Mark sind bereits gezeichnet. Man darf dem Unternehmen besten Erfolg wünschen.

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