Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1903)
- Date
- 1903-07-31
- Page
- Seite 371 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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371 t, wie es ein Herz lber den en Gott meines i deines ins dem 'eck aller wie wir nnserein i seinen Herzens- ■>, More md, als :iit, die :r roten hr lieb ter, Ivie werdet m- und loderne bt drei reichte nd das könnte, ls. Die hm ivie s trüge heraus reichte, ie acht Nutter liebte. >n vereine rtt beergisch e sah. laben, tte.. . vor seine Seele trat Jsäckchens Einsegnungstag, zu dem er ihm nicht die lang versprochene silberne Uhr schenken konnte . . . Dann wieder fielen ihm Bibelsprüche ein, die ganz auf seine Auserwählte paßten . . . schlank wie ein Reh und glutüugig wie Judas schönste Tochter . . an das Hohe Lied dachte er und die Verse strömten ihm von den Lippen. Darüber erwachte der Bruder, der neben ihm schlief. „Hast Du mir die Uhr schon gekauft, Dovidche," fragte er kindlich. Ob ers ihm beichten sollte? Nein, er will dieses schreckliche Gefühl mit sich hernmtragen, zur Sühne, weil er vom Pfade der Wahrheit abgewichen .... vielleicht könnte er auch etwas extra verdienen, ob er nicht doch die Stelle an der Hampstead-Synagoge annehmen sollte . . . davon könnte er doch ganz anders leben, womöglich mit einer jungen Frau . . . Mit einer jungen Frau! Wie dieser Gedanke ihn erregte! Reich zu sein, ihr Freude zu machen, sie mit kostbaren Gewändern zu erfreuen, mit Schmucksachen und allerlei Zierrat, gerade wie es für sie paßte, für feinen Abgott, den er liebte mit der ganzen Kraft seiner jungen Seele, mit der unentweihten, reinen, keuschen Zärtlichkeit, die in elementarer Weise in ihm geboren war ... Wie die Mutter nur so von ihr sprechen konnte! Daran war nur die Nachbarin auf dem Markt, die alte verrunzelte Hühuerfrau schuld, die gönnte keinem jungen Wesen seine Schönheit, — nein, diese Augen konnten nicht lügen, dieser Händedruck nicht . . . aber morgen mußte er Gewißheit haben, all seinen Mut wollte er zusammennehmen, um sie zu fragen- Früh war er aufgestanden, hatte im Tempel seine Obliegenheiten erfüllt und war dann aus den Markt gegangen, der ihm mit einem Mal so widerlich vorkam. Er schauderte in der Idee, daß einst sein Weib auch da sitzen sollte, schmierigen Leuten die oft so schmierige Ware anzubieten. Auch für Liä und Säre mußte etwas anderes gefunden werden, das stand bei ihm fest, das war seine Pflicht. Wenn er nur gesund bliebe! Er hatte oft so ein quälendes Stechen in der Brust und im Rücken, und die letzten Male, als er Schofar geblasen, war ihm der Atem ansgegangen er wollte doch mal zu einem Arzt gehen, vielleicht, daß der Barbier an der Ecke .... Die Schwester war schon da, so konnte er ruhig einmal herumspringen, vielleicht daß der ihm etwas gab . . . Es war noch sehr früh am Morgen. Kunden waren noch nicht in der kleinen, schmutzigen Bude, in der es so aufdringlich nach Seifenwasser und ranzigem Oel roch. Mr. Roby Adler, der Besitzer, war ein noch junger, hübscher Mensch mit leichtsinnigen, etwas frechen Manieren. Gestrenge Mütter, die etwas auf sich hielten, hatten es ihren jungen Töchtern verboten, je den kleinen Laden zu betreten . . . David hörte etwas hinter dem bunten, zerknüllten Vorhang flüstern .. . . Augenscheinlich hatte man das Oeffnen der Ladentür nicht bemerkt . . . ein weibliches Wesen bewegte sich hin und her . . . Der kleine, zerbrochene Spiegel reflektierte noch mehr . . . plötzlich erbebte David . . . unwillkürlich stützte er sich auf den Stuhl, der vor ihm staub .... ein Stück von einem roten Aermel war zum Vorschein gekommen, mit Goldband besetzt... und noch einmal ... er lauschte angestrengt- „Und nun Good bye, sweet Jane und abends auf Wiedersehn, und Du versprichst mir feierlich, nicht mehr mit dem Judenjungen — dem Dovidche Posaun zu scharmieren .... wenn ich's merk — ich sag Dir . . . Jane . . ." „Gott, was bist Du außer Dir, Bob! Die Jacke wollt ich haben, billig haben, die schöne rote Jacke .. . weiter nichts . .. mit Dovidche Posaun mich einlassen, heißt ein Metier und na .. und dann, er hinkt doch! ..." Ein schmerzliches Stöhnen drang aus des verzweifelten Davids Brust. . . „Und übrigens," fuhr Jane fort, „Du bist doch auch ein Jude, weshalb sprichst Du so verächtlich von ihm?" „Nu, es gibt noch einen Unterschied, — ich gehöre erstens zu den aufgeklärten .. . und dann .. . alter Kleiderhänder, der in die Häuser schnorren geht . . . und ich, dagegen!" „Na, good bye darling!" „Daß Dich keiner sieht . . . so . . . hier heraus . . ." „Na und grüß mir Deinen Dovidche Posaun . . ." Wie war die Welt verwandelt, als der arme Junge unverrichteter Sache wieder auf die Straße trat? Alles verloren, alles vorbei, Liebe und Treue und Hoffnung und Vertrauen. — Die gute Mutter hat recht gehabt, die gute Mammy war doch eine kluge Frau . . . aber sie soll es nicht erfahren, wie weh man mir getan, wie man mich betrogen — ganz allein mit mir will ichs tragen — ganz allein . . ." Mühsam schleppte ex sich fort, dem Instinkt folgend, bog er ein, um zur Schul' zu geheim er hatte die Schlüssel noch in der Tasche, — mit kraftlosen Händen schloß er auf . . . dann tappte er sich vorwärts bis zu der Stelle, an der er gewöhnlich den Schofar blies . . . dort knickte er zusammen, dort blieb er bewußtlos liegen. Um die sechste Stunde ward er da erst gefunden. Vergebens hatten die Seinen ihn erwartet, Beile Menkowske tröstete sich von Stunde zu Stunde, daß er gewiß nach Hampstead gewandert, um Geschäfte zu machen . . . als er gar nicht wieder kam, wurde sie unruhig, die Kinder auch. . . Jsäckche lief die Straße» auf und ab ... „Gott, wie schön das wäre," dachte er, „wenn ich jetzt die Uhr hätte ... so muß ich noch vierzehn Tage warten . . . bis Dovidche sie mir gibt, ... wo ist er nur, der gute, gute Bruder!" Das war ein Aufsehen, ein Jammern und Schreien in der Pettycoatlane gewesen, als man ihn auf einer Art Bahre anbrachte, zur Besinnung erwacht, aber schwach, kaum fähig ein Wort hervorzubringen . . . Beile schrie nicht und jammerte nicht. In stillem Schmerz rang sie die Hände, geisterbleich starrte sie den Doktor an, den der Synagogenvorstand gleich geschickt . . . „Schwache Konstitution," meinte dieser nach der Untersuchung, ... durch das Schofarblafen die Lunge zu sehr angestrengt, schließlich vielleicht eine große Aufregung . . ." „Nein," sagte Frau Menkowske ,. . „eine große Aufregung hat er nicht gehabt, das weiß ich ganz genau, — wo sollt' er auch?" Um Dovidches bleichen Mund flog ein Lächeln. „Es ist gut so," sagte dies Lächeln. Die Frauen der Gemeinde pflegten ihn, schickten ihm Hühnersuppen und gedämpfte Früchte... Die Mutter wich nicht von seiner Seite, die Männer der Gemeinde besuchten ihn und vertrösteten ihn aus die Genesung. Dovidche wußte es besser. Die Lunge konnten die Aerzte ihm vielleicht wieder zusammenflicken, das Herz war gebrochen, das ging nicht wieder zu heilen. Nur über Jsäckches Barmizwah wollte er noch leben, das Fest nicht zerstören. Am Morgen des feierlichen Tages rief er den Bruder an sein Bett . . .