Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1903)
- Date
- 1903-07-31
- Page
- Seite 370 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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370 Pakuda, 1060, (Herzeilspflichten II., 5) ist das Gehirn die Stätte der Geisteskräfte nnd die Ouette der Empfindungen. In der Einleitung äußert er sich unter Berufung auf zahlreiche Bibelstelle», in denen vom Herzen gerade die Rede ist („Gott will das Herz): „Ganz bestimmt weiß ich es, daß aller Organe Pflichten nicht erfüllbar sind ohne den zwecklichen Willen des Herzens und die Absicht der Seele ... Da die Tat sich gründet ans die Denktätigkeit des Herzens und dessen tieferen Inhalt, so geziemt es sich auch, daß die Wissenschaft von den Herzenspflichten naturgeinäß der Lehre von den Pflichtgeboten der Organe vorangehe. Für diese gibt es eine bestimmte Zahl (613), doch jene sind zahllos." Der Widerspruch mit der zuerst erwähnten Ansicht läßt sich, wenn überhaupt, nur lösen, wenn man die erstere psychophysisch und letztere symbolisch anffaßt. Der sp. j. Dichter-Philosoph Jehuda Halevi, geb. 1085, arabisch Abnl Hassan, den Hein« poetisch verherrlichte, hat im Knsari IV. 25, V. 12, ans Plato stin Timäus sich beziehend, dessen Ansichten mit denen des Aristoteles verquickt: „Das Herz ist der König, das Gehirn ist unter die Sinne, die ans demselben hervorgehen, verteilt. Das Zwerchfell scheidet das vegetative vom animalische» Leben, wie der Hals das animalische vom rationellen . . . Die bildende Kraft befindet sich im vorderen Teil des Gehirns, die vorstellende im mittleren, die Erinnerung im Hintere» Teile, die Urteilskraft im ganzen, zumeist aber bei der vorstellenden Kraft." „Ich habe dir diese Elemente der Philosophie mitgeteilt, damit die Philosophie nicht etwa den Eindruck ans dich mache, daß du glaubtest, wenn du ihr nachgehst, durch klaren Beweis Beruhigung zu finden; aber eben ihre Elemente nimmt der Verstand nicht an und sie fügen sich den Gesetzen der Logik nicht. Außerdem stimmen nicht zwei von ihnen überein, ausgenommen die Jünger, die einer Schule angehören, es sei nun der des Empedokles oder des Pythagoras, oder der des Aristoteles, oder der des Plato, und so noch viele, die keiner mit dem anderen übereinstimmen." Maimnni Moreh (um 1135) I, 29 und 39: „Was den Ausdruck „in seinem Herzen" anbelangt (und dieser Ausdruck kommt auch bei Noä vor, wo es heißt: „Der Eivige sprach in seinem Herzeil", Gen. 8,21), so höre hierüber meine Erklärung: wenn man nämlich von einem Menschen sagt: er sprach etwas in oder zu seinem Herzen, so versteht man darunter, daß er dieses etivas in sich gedacht, es keinem andern mitgeteilt habe; in eben diesem Sinne sagt man auch von Gott, wenn er etwas vorhatte, was er zur Zeit, als es nach dem ewigen (Gottes) Willen zur Ausführung kam, keineul Propheten mitgeteilt: er sprach es in seinem Herzen, ein Ausdruck, der demjenigen ähnlich ist, der von Menschen gebraucht wird. . . Dann bedeutet es auch einen Gedanken, als: „Mein Herz ist mir nicht entgangen" (2. K. 5, 26), d. h. ich hatte meine Gedanken bei mir, als sich die Begebenheit zntrug . . . ferner bedeutet es Entschluß (Sinn, Ueberlegung), als: Der ganze Ueberrest Israels eines Herzens, oen David als König einzusetzen (1. Ehr. 12, 33), das heißt eines Sinnes; ferner: Toren sterben hin ans Herzlosigkeit (Spr. 10, 21), das heißt ans Mangel an Beratung. Dahin gehört auch der Ausdruck: mein Herz wich nicht solange ich lebe (Hiob 27, 6), das heißt: meine Gesinnung wich nicht ab davon... Dann bedeutet es den Willen. In diesem übertragenen Sinne wird es auch in Beziehung auf Gott gebraucht, als: Wie es in meinem Herzen nnd meiner Seele ist, wird er handeln (I.Sam. 2,35), das heißt: er wird handeln nach meinem Willen . . . Ferner bedeutet es Verstand, als: der Dnmmköpfige wird beherzt, das heißt verständig (Hiob 11, 12) . . . So heißt es: Du wirst dir zu Herzen nehmen (Deut. 4, 39), ferner: er nimmt sich nicht zu Herzen (Jer. 44, 19) und andere ähnliche Stellen, wo es durchgängig einen betrachtenden Verstand bezeichnet, wie es in diesem Sinne heißt: Hat euch der Eivige nicht ein Herz zum Erbarmen gegeben (Deut. 29, 4) . . . Was aber den Ausdruck anbelangt von: Du sollst den Ewigen, deinen Gott lieben von ganzem Herzen, (Deut. 6, 5), so soll dies meines Erachtens soviel heißen, als: ans allen Kräften deines Herzens, das heißt deines Körpers, welch sämtliche aus dem Herzen entspringen, oder deutlicher: Du sollst den Zweck aller deiner Tätigkeit darin setzen, ihn (Gott) zu begreifen, wie wir bereits in unserem Kommentar zur Mischna nnd in unserem Werke „Misclma Tora" bemerkt haben." Auch in seinen Aphorismen bekennt sich Maimnni zur Aristotel'schen Herzensseele. (Vergleiche Schein tob Ihn Falaquera, g. 1228, More hamore 107.) Saoidche Kolaun. (fine Geschichte aus dem jüdischen Lamilieulebe». Von B. Herwi. V. ovidche, Ihr könnt mir doch helfen," sagte am Abend, als er die Sachen fortpackte, die schöne Verfucherin, die wieder mit ihm sprach, mit ihm liebäugelte und mit der roten Jacke. . . „Dovidche Posaun . . . ich könnt Euch sehr lieb haben, wenn Ihr mir dazu verhelft. . . Gott gerechter, wie Euer Haar duftet, Ihr seid ein schöner Mensch, Ihr werdet noch Euer Glück machen . . ." „Nur, wenn Ihr mich liebt, Jane," stieß er hervor und drückte ihre Hände." „Seht nur mal an, der keusche Josef," lachte die moderne Potiphar, die ihr Ziel nicht mehr fern sah. „Da, nehmt die Jacke, Miß Jane. . . und gebt drei Schilling — die anderen iverde ich zulegeu . . ." Sie ließ ihn nicht mehr zur Besinnung kommen, reichte ihm schnell das Geld und nahm triumphierend lächelnd das Päckchen in Empfang. „Auf Wiedersehn." sagte sie und flog davon. Daß es solche Seligkeit auf der Welt geben könnte, hatte Dovidche nie gedacht. Singend ging er nach Haus. Am Herde stand die Mutter nnd kochte die Suppe. Die Knvbelwurst stand schon aus dem Tisch. Sie schmeckte ihm wie das köstlichste Gericht. Es war ihm so leicht zu Mut, als trüge er Flügel. . . . Er ging dann au den Schrank, nahm die Schillinge heraus und legte sie in die kleine Kasse, die er der Mutter überreichte. „Na, Mutterleben, Du hast's durchgesetzt, da sind die acht Schilling für die rote Sammetjacke." Es machte gar keinen Eindruck auf Frau Beile. „Ich hab's gewußt," sagte sie, „die eitle Jane natürlich, keine andere, wer weiß, wer da hat bluten müssen!" Dovidche erschrak. Dies schreckliche Mißtrauen der Mutter wagte sich selbst au das entzückende Geschöpf, das ihn liebte. Jetzt war er dessen sicher. Ihr Händedruck hatte es ihm verraten. Im ersten Augenblick war es ihm, als hätte sich eine Schlange um seine Finger gewunden, so kühl und glatt berührte es ihn, dann aber drückten dieselben Finger so energisch seine Hand, daß er darin ein Zugeständnis ihrer Liebe sah. Kein Schlaf kam in dieser Nacht in seine Augen. Er machte sich Vorwürfe, die Mutter belogen zu haben, die gute Frau, die so unbegrenztes Vertrauen zu ihm hatte.. .