Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1903)
- Date
- 1903-07-31
- Page
- Seite 367 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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367 TT gerichtet, the einst md der 'I. volle Schrift, äußeret!. bei vart die tung zu mrchaus pste zur des ihre rsaffaire i Oesterjtnu§ zu chenfalls iutransir dürfte, itein im iaubens-!s Oberfür die Haltung Schachilisch die brachtet, Beispiel 'ischineiv lstoi dah-orthoilnsehen, np und onieren- >b, nicht!be und predigt Ghetto deshalb, i Ghetto Ile azziie panes ienisches l ihrem md die i nozze, nt auch ch Heine seinem ng entimischen m, daß rtretern te sogar r Tage großen e Tratnif dem Kühling Art) ißt. adition. : Aristoiter die Gemahlin des deutschen Reichskanzlers, die es früher bei ihrem Aufenthalt in Rom nie versäumt haben soll, bei Dater Abraham Artischocken a Ja gindea zu versuchen. Wie ein König kommandiert Padre Abraham in seinen vier Sälen. Ist doch die Küche, deren Ruhm und Geheimnis diese Zubereitung der Artischocken nach jüdischer Art ist, bereits gegen 100 Jahre seinem Geschlechte zu eigen. Der Name Artischocke entspricht dem syrischen ardl sclianki, Erddorn, und ist wie das italienische carcisfi arabischen Ursprungs. Wenn heute friedlich die Italiener in Olivenöl gesottene Artischocken „earoisü fritti" essen und dazu „via koscher" trinken in der Straße Rua, nicht weit vom Platze der Tränen am alten Ghetto, so ist das jedenfalls ein Wandel der Zeiten zum Besseren gegenüber der Leidensgeschichte, die uns Gregorovius in seiner Abhandlung „das Ghetto und die Juden in Rom" berichtet. Unter dem Weinberg an der appischen Straße befanden sich die Katakomben des alten Friedhofs der Juden. Noch stehen kunstreiche Sarkophage mit Widderköpfen an den Kanten und den Figuren eines harfespielenden David und eines Moses, dessen siegreiche Arme Aron unterstützt. Wir sehen auch den siebeiiarmigen Leuchter eingeritzt. Hier, wo honigbeladene Bienen einen Korb umschwirren, ruht vielleicht Josephus, dort am Myrthenbaum vielleicht Philo. Aber aus den Särgen dieser Katakomben, in deren Kammern die Juden des alten Rom schlummern, hat es einen deutschen Dichter angeweht, wie den Propheten Ezechiel: „Diese Gebeine sind das Haus Israel. Aber der Herr wird unsere Gräber auftun und uns in das Land Israel bringen!" Sie schlummern schon lange hier, diese vertrockneten Gebeine. „O denkwürdiges Schauspiel. In Rom zog Jerusalem ein, ans einer Tragbahre ward der goldene Schaubrottisch, der siebenarmige Leuchter und die Trompete zur Verkündigung des Jubeljahres hier zum kapitolinischen Jupiter hineingetragen. Aber schon Josephus ahnte, daß dieses Rom in Flammen versinken und Jerusalem daraus auferstehen wird." Schon unter den ersten Kaisern hatte Rom eine zahlreiche jüdische Gemeinde, wie wir u. a. auch aus den Scherzen eines Horaz und Juveal wissen. Eine Gesandtschaft des Herodes wurde angeblich von 8000 in Rom ansässigen Glaubensgenossen zu Angustus begleitet. Die zur anderen Seite des Tiber führende Brücke hieß poas Judaeorum.. Im Mittelalter mußten sie einen gelben Hnt tragen und am Karneval mußten sie 1130 Goldgulden als Festtribut und am Korso das Wettrennen eröffnen. Papst Paul IV. wies ihnen eine Art Zwinger an. Wehe ihnen, wenn sie ihn in der Woche vom Palmsonntag bis zum zweiten Osterfeiertage verließen. Das war christliche Toleranz damals! Allerdings als Paul IV. starb, zertrümmerte das Volk seine Bildsäule und schleifte sie samt der päpstlichen dreifachen Krone durch die Straße. Seit der Zeit, wo die Juden Spaniens 1492 nach Rom geflüchtet waren, gab es im römischen Ghetto auch die Synagogen Castillana. Catalona und Siziliana und viertens ben tempio (Tempel), die älteste und zugleich die größte Synagoge, worin auch die Preise an die Schüler der Talmud-Thora verteilt wurden, fünftens endlich die scuola nuova, denn unter Alexander VI. war den spanischen Juden die Gegend am Grabmal der Metella als Ghetto angewiesen worden. So stieg die Zahl der Juden in Rom während der spanischen Verfolgungen auf 5000 Seelen und am 26. Juli 1556 zogen sie in das erst kürzlich niedergerissene Ghetto an dem durch seine finstere Familientragödie bekannten Palazzo Cenci ein. „Rua" heißt noch heute als Erinnerung an Spanien die Hauptstraße des alten, mit acht Toren verschlossenen Ghetto, in der heute Vater Abraham seine Artischocken nach jüdischer Art zum Frühlingsfeste darreicht. Wenn die mittelalterliche Pest und die Cholera in Rom waren, wurde das Ghetto in auffallend geringem Maße heimgesucht. Auch die Missionspredigten bekehrungseifriger Dominikaner, welche die angesehenen römischen Juden, wie Pontecoro, Volterra, Mose Servadis und Jordan Pierleone, über den zweiten Vers des 65. Kapitels im Jesaias alljährlich in der uralten Michaeliskirche auf dem Fischplatze mit anhören mußten, haben ihnen schließlich nichts geschadet. Obwohl Pio nono den Juden nicht wohlwollte (wie auch der Mortara-Fall bewies), sind doch unter ihm die Mauern des römischen Ghetto gefallen, und das neue Königreich Italien hat die Juden den übrigen Bürgern gleichgestellt, so daß sie wieder ungefähr so dastehen wie im alten Rom. Möge diese Freiheit zum Segen sein! bf?. ifiopf und tzer?. Von Dr. B. Placzek (Brünn). iel Häupter und kein Kopf! — soll einer beim Anblick eines Parlaments gerufen haben. „Nichts als Parteien, Klubs, Fraktionen, Cliquen, und jede derselben hat mehrere Häupter, d. h. Obmänner und Stellvertreter. Aber einen Kopf, einen leitenden, die Atome zu einem Ganzen zusammenfassenden Kopf kann ich nicht entdecken." „Und auch kein Herz!" würde ein anderer hinzugefttgt haben, „kein selbstloses, für das Wohl, die Ehre, den Aufschwung, die höchsten Interessen der Gesamtheit warm fühlendes Herz." In alten Zeiten hätte der Ausruf bei gleichem Anblick und Anlaß anders gelautet: das Wort „Kopf" wäre darin gar nicht vorgekommen. Wie seltsam! Der Kops, der Sitz fast aller Sinnesorgane, welche dem Geiste die Eindrücke der Außenwelt vermitteln, die so das Material zum Aufbau seiner Gedankenwelt liefern und deren Wahrnehmungen den Ausgangspunkt für eine „animalische Logik" bilden sollen, wurde im Altertums nicht figürlich für das Denken genommen. Hatten denn die Alten kein „Kopsbrechen" sich zu machen, daß sie nie die Denkarbeit im Kopfe! verspürten? Warum hat ein solches Aper^ue »reines Wissens noch Keiner zu machen versucht, geschweige denn untersucht? Wo blieb da der „Muskelsinn, das Mnskelbewußtsein, die Muskelempfindung", welche von Weber,Hitzig», «.angenommen werden? Wie erklärt sich dies nach dem Weber'schen und Fechner'schen Gesetze von den Wechselbeziehungen zwischen Reizen und Reflexen, auf deren Grundlage Wundt seine Theorie von den „unmittelbaren Bewegungsempfindungen" aufgestellt? Selbst Wundt, einer der erlesensten und klarsten Geister der Gegenwart ein Bahnbrecher für eine neue Beobachtungs- und Betrachtungsweise der Welt, streift die von mir bemerkte Tatsache nicht mit einem Hauche. Bon Kopf und Herz sprechen und dein nicht alsogleich gedenken, Emile Zolcck), der sein Herz — und welch ein Herz, — den Kopf beherrschen ließ, und dessen Kopf — o dieser von Geist überquellende Kopf — dem Herzen die Ziele wies, ein Kopf, „der die höchsten, freiesten Gedanken barg" (Lombroso), ein Herz, „daS die Welt umfaßte" (Anatole France)? Vom Kampfe des Logischen gegen das Unlogische reden, ohne dich zu erwähnen, Zola, der mit beispiellosem Heroismus, mit seinem den Posaunen deS jüngsten Gerichtes entlehnten Rufe „J’accuse" als Streiter auftrat gegen die greulichsten Exzesse des Unlogischen? Die Tier- und Meuschenseele, die umgekehrte Metempsychose, den animalischen Atavismus, den Rückschlag in die tierische Denkweise behandeln und achtlos an dir vorübergehen, Zola, der im La bete liumaine drastisch wie kaum ein anderer das Tier im Menschen erfaßt und geformt?! Wenn je einer den Altruismus, diese Formel der reinsten enttierten Humanität, als die aufopfernde Hingabe für das Recht, die Freiheit, das Wohl der anderen, in der edelsten, >) Unter dem ersten Eindruck seiner Todesnachricht niedergeschriebe».