Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1903)
- Date
- 1903-07-31
- Page
- Seite 364 (sequence 6)
- Language
- German
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364 j£in sukerltandmes Luch. (Staatsrat Bloch und Professor Subotin über die Iudenfrage.) 5u der Judenfrage, die feit mehr als zwei Jahrzehnten in Ost- und Westeuropa von der Tagesordnung nicht mehr weichen will und durch die Ereignisse von Kischinew in Rußland eben wieder brennend geworden ist, hat ein russischer Gelehrter, Professor A. S. Subotin, jetzt das Wort ergriffen. Der bekannte russische Schriftsteller ist wie sehr wenige berufen, sich über diese Frage zu äußern. 1886 von der Regierung in die bekannte Pah len'sch e Kommission zum Studium der Judenfrage berufen, beschäftigt sich Professor Subotin seit 17 Jahren eingehend mit jüdischen Angelegenheiten. Ihm stand auch das von dieser Kominisston auf amtlichem Wege aufgebrachte riesige statistische Material zu Gebote. Endlich hat er bei seinen Studien sich noch den Arbeiten des vor einigen Jahren verstorbenen Staatsrats Bloch, des berühmten Friedensapostels, bedient. Dieser ehemalige Jude und spätere einflußreiche Berater des Zaren Nikolaus II. hatte, wie die Eingeweihten wissen, sich fleißig mit jüdischer Statistik besaßt und die Ergebnisse seiner Studien in seinem umfangreichen mit 140 Tabellen und 350 Karten versehenen fünfbändigen Werke niedergelegt. Leider ist die ganze Auflage dieses wertvollen BucheS gelegentlich eines in der Druckerei ansgebrochenen Brandes bis auf wenige Exemplare vernichtet worden, und so wäre das gesamte in demselben aufgestapelte statistische Material dem Judentum verloren gegangen, wenn es Professor Subotin nicht jetzt in seinem Buche „Die Judenfrage in gehöriger Beleuchtung (Untersuchungen von I. S. Bloch), St. Petersburg 1903" ausgiebig benutzt und so einem großen Publikum zugänglich gemacht hätte. Nunmehr steht es jedem einsichtsvollen Christen frei, sich über die Jndenfrage statt aus den seichten ungemein gehässigen Artikeln einer verkommenen antisemitischen Presse aus einem umfangreichen wissenschaftlich-ernsten Werk zu orientieren. Wir aber »vollen im nachstehenden einzelne »vichtige Kapitel aus diesem Werke in kurzen Auszügen »viedergeben und zugleich den Wrmsch a»lssprechen, es möchte sich ein jüdischer Mären finden, der das ganze Werk ins Deutsche übertragen und veröffentlichen läßt. Ursache der Judenverfolgung. Schon Staatsrat Bloch hat mit scharfem Blick die lvahre Ursache der modernen Judenverfolgung erkannt: Nicht Religion- und Rassenhaß, auch nicht der vielfach beschuldigte genleine Brodneid, am wenigsten aber ist die eigene Schlechtigkeit der Juden selbst der Grund, weshalb sie so heftig angegriffen nnd unablässig verfolgt werden. Einzig und allein die eigene Schwäche der Jubel» ist die Ursache des Antisemitismus! Wer hilflos und schivach ist, wer sich selber nicht kraftvoll zu verteidigen vermag und stets auf den gutwilligen Schutz anderer angewiesen ist, der muß stets gelvärtig sein, von feigen Wölfen, die sich an keinen Starken heranwagen, allgegriffen, gehetzt und verfolgt zu werden. Die Hauptakteure in den großen Judenkrawallen am Beginn der 80er Jahre des verflossenen Jahrhunderts waren nicht etwa die „furchtbar ausgebeuteten" Bauer»» des betreffenden Ortes, wo diese Krawalle stattgefimden haben, sondern fremde Arbeiter aus Großrußland, die bis dahin nie einen Juden vor Augen gesehen haben und folglich auch nie von einem Inden irgendwie geschädigt wurden. Auch brachen die Unruhen in den größeren Städten aus, während die Städtchen und Dörfer, wo die „ausgebeuteten" Bauern ivohnen, sich anfangs ganz passiv verhielten. Nicht die Ausbeutung der Bevölkerung durch die Juden, sondern die Anfachung der Raub- und Mordlust des Pöbels vvnseiten einer Anzahl Hetzer war die Ursache jener Krawalle. Sie begannen, als man dem Pöbel vorredete, die Regierung, wolle die Juden nicht länger schützen und der Zar habe sie dem geliebten rechtgläubigen Volke der Russen zur Plünderung preisgegeben. Sie hörten auch sofort auf als die Regierung den Räubern blos mit dem Finger gedroht hatte. Bezeichnend endlich ist die Tatsache, daß im Wilnaer Militärbezirke gar keine Unruhen vorkamen, da Graf Totleben den Pöbel keinen Augenblick im Zweifel ließ, daß jeder Versuch zu einem Krawall sofort mit Waffengewalt unterdrückt iverde. Der Segen einer größeren jüdischen Bevölkerung. Des weiteren führt Staatsrat Bloch aus, daß die Juden die Bevölkerung, in deren Mitte sie wohnen, nicht nur nicht ausbeuten, sondern im Gegenteil materiell in hohem Grade bereichern und sittlich veredeln. Zum Beweis dessen führte Bloch statistische Zahlen aus 35 den Juden verbotenen Gouveri»eli»ents an und stellte ihnen die Daten aus den Gouvernements des Ansiedelungsrayons gegenüber. Das Ergebnis dieser Gegenüberstellung ist geradezu frappierend. In den 35 „judenreinen" Gouvernements zahlen die Bauern der Regierung für ihren früher den Gutsbesitzern gehörenden Boden eine jährliche Ablösungsyuote von 4,7 Prozent, lvährend die Bauern des Rayons eine solche in Höhe von 5,6 Prozent zu zahlen im stände sind. Die Bevölkerungszunahme in 14 Gouvernements mit einer zahlreichen jüdischen Einwohnerschaft betrug in 20 Jahren (1858—1878) 31,5 Prozent, während sie in den 11 dem Rayon benachbarten Gouvernements für den gleichen Zeitraum nur 20 Prozent betrug. Dementsprechend haben sich die Dörfer des Ansiedelnngsrayons um ein Drittel, die Städte um das Doppelte gegenüber den Gouvernements des übrigen Rußlands vermehrt. Die günstigere materielle Lage der Bauern wird auch durch anderweitige Zahlen von A. Malschinski bestätigt. Derselbe hat die ökonomische Lage der Bauern ii» 15 Gouvernements des Rayons studiert und sie der der Bauern im übrigen europäischen Rußland gegenübergestellt. Bauern, denen es „ausgezeichnet gut" geht, gab es im ersten Gebiet 9,5 Prozent, im letzteren 0 Prozellt. Das Prädikat „sehr gut" verdiente die Lage der Bauern im Rayon in 23,9 Prozent, außerhalb desselben nur in 0,5 Prozent, das Prädikat „gut" in 48,1 gegen 13,8 Prozent der Fälle. Umgekehrt verdient das Prädikat „befriedigend" im Rayon 18,5, außerhalb desselben 66,2, während endlich das Prädikat „schlecht" im Rayon gleich 0, außerhalb desselben 19,4 Prozent aller Fälle verdienen. Im russischen Gosen geht es also keinem Bauer direkt schlecht, während es 81.5Prozent mehr als befriedigend geht, dagegen geht es in den judenreinen Gouvernements keinem Bauer ausgezeichnet gut, fast dem fünften Teil direkt schlecht und der großeil Mehrheit von 66 Prozent nicht gut. Wir empfehlen diese Zahlen Herrn von Plehwe, dem neuen Haman, zur eingehenden Beachtung. Daß, entsprechend ihrer günstigere» materiellen Lage, die Baueri» des »Anstedelungsrayons auch sittlich und moralisch höher als ihre Standesgenossen im Innern Rußlands stehen, läßt sich schon a priori denken. Bloch hat jedoch zahlreiche statistische Beweise dafür erbracht, daß die Zahl der schweren Verbrechen, der Trunksucht und anderer Folgen der Armut im Ansiedelungsrayon weit geringer ciU im übrigen Rußland ist. Der Jude als Kaufmann. Ebenso wenig wie man berechtigt ist, die Bevölkerung, in deren Mitte die Juden lvohnen als Ausgebeutete hinzustellen, darf man mit irgend einen, Schein von Recht die Juden als Ausbeuter verschreien. Zwar hat die Pahlensche Kommifsioll festgestellt, daß im Ansiedelungsrayon die Juden 55,5 Prozent aller Handelstreibenden stellen. Allein schon der von diesen jüdischen Händlern erzielte Umsatz betrügt nur 47 Prozent des Gesamtumsatzes. Der Grund für diese Erscheinung ist in der Armut der Inden zu suchen, welche das GrvS der jüdischen Kausleute zwingt, sich ansschließl es, da Handel ist. D nnd e täglic bei dei Jude > Prinzst iührt. wische einem dem C Ei Kailfm dem ck lich, d, dem < Kaufni gehen Aber c von ui jüdisch als Kc Preisei Preis ab. 3!vürti ivürde gestatt M hat B! iviesen Taufet aölkeri die Bi nnglü die N> ihnen kamen armen sie fick gedach »enter Juden von u Preise, Die ii »utati u Pa T : ft) Ute ein. I u der eich t »ervoi 16 Pr Stöbt 'Man ist, >r Tatsa Unter Unter diesll der I der 3