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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-07-24 · Heft 30 (24.7.1903) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 30 (24.7.1903)
Date
1903-07-24
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 dem Gute ein, dessen Eingangstor mit Guirlanden und Fahnen einen freundlichen Empfang bot. Einen recht angenehmen Eindruck gewährte der Anblick des Wohnhauses, welches der Geschäftsführer im Ehren-» amt, Herr Mühlenbesiher S. Rosenthal, der überall den liebenswürdigen Führer machte, in sachgemäßer und geschmackvoller Weise hatte umbauen lassen. Es enthält die Wohnränme für den Inspektor, einen geräumigen Lehr-, Speisesaal und Schlafräume für die Zöglinge, sowie Räumlichkeiten, welche bei eventuellen Krankheitsfällen in Benutzung zu nehmen sind. Das Ganze ist weit und luftig angelegt; überall herrscht peinliche Ordnung und Reinlichkeit. Die Eleven, die nunmehr den Anwesenden vorgestellt wurden, sahen frisch und gesund aus. Die Antworten, die sie auf an sie gestellte Fragen, die an sie gerichtet wurden, erteilten, zeigten, daß sie praktisch mit allen landwirtschaftlichen Tätigkeiten vertraut gemacht wurden und daß sie mit Lust und Liebe an dem von ihnen erwählten Berufe hängen. Aus den kurzen Aufsätzen, die die jungen Leute über das, was sie gelernt, hatten ansertigen müssen, war zu ersehen, daß der theoretische Unterricht nicht hinter dem praktischen zurücksteht. Nach den: Rundgang durch die Felder und Ställe, der allgemein lebhaftes Interesse hervorgerufen hatte, wurden die Gäste von dem Posener Damenkomitee, welchem Frau D. Gellert. Frau Jeanette Herz, Frau Licht, Frau Medizinalrat Mankiewicz und Frau I. Rosenthal angehören mit einem Frühstück bewirtet. Der Vorsitzende Oberamtmann Cohn begrüßte offiziell die Erschienenen und sprach dem Leiter Herrn Rosenthal, sowie dem Damenkomitee den herzlichen Dank der Gesellschaft aus. Hiernach fand eine Besprechung der anwesenden Gesellschafts- und Vorstandsmitglieder des Bodenkulturvereins statt, in welcher die Aufnahmebedingungen der Zöglinge prinzipiell erörtert wurden und der Beschluß gefaßt wurde, weitere Zöglinge auf Neuhof aufzunehmen. Zwar siegt eine große Anzahl von Anmeldungen vor, die aber zum größten Teil keine Berücksichtigung finden konnten, da es sich entweder um kränkliche oder schwächliche junge Leute handelt, oder andere Bedenken vorliegen. Es sei an dieser Stelle nochmals betont, daß die Bodenkulturgesellschaft nur gesunden und kräftigen Zöglingen Aufnahme gewähren kann. Neue Anmeldungen nimmt Herr Rosenthal, Posen, Naumannstraße 15, entgegen. Die Besichtigung hat alle Erschienenen davon überzeugt, daß das bedeutsame Unternehmen in guten Händen liegt, und daß, wenn auch noch manche Verbesserungen zu hoffen, mannigfache Erfahrungen zu sammeln sind, man doch beruhigt , und vertrauensvoll der Zukunft entgegensehen kann. =■= Berlin, 20. Juli. Wegen Beleidigung des Lehrers R. Weichel m Könitz, dessen Ehefrau, der Richter und Subalternbeamten des Konitzer Gerichts wurden von der Strafkammer des hiesigen Landgerichts der Rechercheur G. George zu einem Jahre Gefängnis, der Redakteur Mäher zu 500 Mark und der Buchdruckereibesitzer G. König zu 800 Mark Geldstrafe verurteilt. Der Prozeß rollte wieder einmal die Könitz-Affäre auf. Aber derselbe ist zu wenig wichtig, um hier in voller Ausführlichkeit wiedergegeben zu werden. Es handelte sich um eine von George verfaßte Broschüre und einen Artikel in der „Berl. Morgenpost", in dem schwere Beschuldigungen gegen den Lehrer Weickel, dessen Ehefrau, die Behörden rc. erhoben waren. Der Versuch, den Wahrheitsbeweis zu führen, mißlang George, so daß auf die oben angeführten Strafen erkannt wurde. — Gestern gelangte vor dem Schöffengericht des Landgerichts I. eine Beleidigungsklage zur Verhandlung, welche von dem Kaufmann Hermann Lewinski, dem Tempeldiener Nossek und der Fleischermeisters-Ehefrau Pauline Levy, sämtlich zu Könitz, dem Fleischermeister I. Eisenstädt zu Prechlau und dem Fleischermeister Eisenstädt zu Schlochau gegen den früheren Redakteur der „Staatsbürger-Zeitung", jetzigen Abgeordneten für den Kreis Schlochau, Otto Böckler. angestrengt worden war. Die fünf Kläger sind derzeit im Prozeß Masloff als Zeugen vernommen worden. Ihr Auftreten und ihre Aussagen wurden in einem Artikel unter der Ueberschrift „Der Blutmord in Konih", der am 1. Februar 1901 in der „Staatsbürger-Zeitung" erschien, in einer Weise kritisiert, daß die Klagenden fcariit den Vorwurf des wissentlichen Meineids erblickten. Der Vertreter der Kläger, Rechtsanwalt Sonnenfeld, beantragte unter Hinweis darauf, daß in gleichen Fällen frühere Angeklagte zu Freiheitsstrafen verurteilt worden seien, auch gegen den Beklagten Böckler eine Gefängnisstrafe. Der Verteidiger Rechtsanwalt Ulrich, trat für eine gelinde Strafe ein. die er damit begründete, daß die Wogen der Erregung über den heute noch unaufgeklärten Winter'schen Mord zur damaligen Zeit besonders hoch gingen. Der Gerichtshof trug diesem Umstande Rechnung und verurteilte den Beklagten zu einer Geldstrafe von 300 Mark. Den Klägern wurde die Publikationsbefngnis in drei Zeitungen zugesprochen. Breslau, 19. Juli. Der Verwaltungsbericht des Verbandsausschusses des Bezirks-Gem eind ev e rb and es Breslau - Liegnitz für das Geschäftsjahr 1902/1903 liegt uns vor. Um den Verband finanziell zu kräftigen und damit seine Leistungsfähigkeit zu erhöhen, war das Augenmerk des Vorstands in erster Reihe daraus gerichtet, weitere Einzelmitglieder zu gewinnen. Durch eifrige Propaganda zunächst in Breslau fiitb zu den 144 Mitgliedern des Vorjahres 53 neue Mitglieder gewonnen, so daß in Breslau jetzt 197 Mitglieder mit einem Jahresbeiträge von 1398 Mark sich befinden. Aber auch seitens der Provinzialgemeinden wurde kräftige Unterstützung zu teil. Aus Görlitz sind 6, aus Liegnitz 32, aus Schweidnitz 5, ans Strigau 7, ans Wohlau 4, aus Namslau zu den 2 alten 7 weitere Mitglieder, aus Loewenberg 1 Mitglied beigetreten, sodaß unter Hinzurechnung der bereits im Vorjahre beigetretenen je 4 Mitglieder aus Guhrau und Winzig nunmehr aus den Provinzialgemeinden insgesamt 73 Mitglirder mit einem Jahresbeiträge von 400 Mark dem Verbände angehören. Die Gesamtzahl der Einzelmitglieder beläuft sich demnach seinerzeit auf 270 mit Jahresbeiträgen von zusammen 1798 M. Der schwere Kampf, den die kleinen Verbandsgemeinden um ihre Existenz kämpfen, und die finanzielle Bedrängnis, in welcher sie sich wegen ihrer geringen Mitgliederzahl ständig befinden, haben wiederum eine größere Zahl von Subventionsanträgen zur Folge gehabt. Der Verband hat an 13 Gemeinden 1600 Mark verteilt. Nicht geringern Erfolg hatte die Aussendung der Wanderprediger und die Gewährung von Vorbeterbeihilfen. 11 Gemeinden hatten Anträge auf Zusendung von Predigern eingereicht, von denen 8 berücksichtigt werden konnten Um Vorbeterbeihilfen hatten 10 Gemeinden gebeten. Neun wurden berücksichtigt. Widriger Umstände wegen haben im vergangenen Jahre nur 13 Schulen inspiziert werden können, die von 131 Schülern. 62 Knaben und 69 Mädchen, besucht werden; ohne Religionsunterricht sind nur 4 Kinder in den genannten Gemeinden. In 9 Gemeinden fungieren eigene Lehrer, in 4 Gemeinden Lehrer aus Nachbargemeinden; von den Lehrern sind 7 geprüft, 6 ungeprüft. Unter Vorsitz des Rabbiner Dr. Guttmann hat am 10. Dezember v. I. eine Konferenz der Herren Inspektoren behufs Besprechung über die Schulbuchsrage stattgefuuden, da sich ergeben hatte, daß in der Mehrzahl der Gemeinden mannigfache Lehrbücher in Gebrauch waren, welche zum größten Teil unzweckmäßig waren. Die Aussprache hat ergeben, daß die Herren Inspektoren sich für die Benutzung von nur zwei Lehrbüchern für den Religionsmlterricht ausgesprochen haben und diese in den von ihnen inspizierten Schulen einführen werden. Ein neuer Zweig der Verbandstätigkeit ist die Versicherung der Beamten unter Gewährung von Prämienbeihilfen. 13 Gemeinden kamen infolge eines warmen Appells um Gewährung einer Prämienbeihilfe ein. Acht konnten berücksichtigt werden. Den Ausschuß des segensreich wirkenden Verbandes bilden die Herren: Stadtrat Pringsheim, Breslau. Vorsitzender; Landgerichtsrat Wollstein, stellvertretender Vorsitzender; Rabbiner Dr. Guttmann, Breslau; Dr.med. Reich, Breslau; H. Cohn, Liegnitz; Rabbiner Dr. Freund, Görlitz; Justizrat Friedmann, Glogan; Justizrat Ledermann. Hirschberg; M. Fränkel, Schweidnitz. H. Bad Elrnen bei Schoerrebeik a. G., im Juli. Vorige Woche erschien bei dem seit Beginn der Saison im hiesigen Soolbade zur Kräftigung seiner Gesundheit weilenden Herrn Rabbiner Dr. Rahm er eine Deputation des Vorstandes des Magdeburger „Vereins für jüdische Geschichte und Literatur", die Herren Oberstabsarzt a. D. Dr. Rosenthal, der derzeitige Vorsitzende des Vereins, und der Herr Vorsteher Max Weil, um unter entsprechender Ansprache des Erstern dem Herrn Rabbiner eine künstlerisch ausgestattete Adresse zu überreichen, die folgenden Inhalt hatte: „Hochwürdiger Herr Rabbiner! Hochzuverehrender Herr Doktor! Die Generalversammlung des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur hat in ihrer Sitzung vom 25. April d. I. beschlossen, Ew. Hochwürden in Anbetracht Ihrer Verdienste um die jüdische Literatur im allgemeinen und um unsern Verein im besondern „zum Ehrenm itgli ede und zugleich zum dauernden Ehrenvorsitzenden" zu ernennen. Indem wir Ew. Hochwürden zu dieser Ernennung von Herzen Glück wünschen, sprechen wir die Hoffnung aus, daß Sie bei bester Gesundheit Ihre Tätigkeit den Bestrebungen unseres Vereins zur Förderung desselben itnb zum Segen des Judentums noch recht lange widmen

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