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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-07-24 · Heft 30 (24.7.1903) · p. Seite 353

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 30 (24.7.1903)
Date
1903-07-24
Page
Seite 353 (sequence 7)
Language
German
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353 lle Maß- . Er bat in seiner sr Depu- Nutschnik outation, :s in den efen und mg vor, r tragen, flohenen geringste Meldung, nter dem n Neffen d dieses streuung Zwecken iner der tischinew ü. März Sekretär folgende techapelr, einen dessen nne, der erregte), i, seien danach, radition der es bhängig ral und bhängig ch dem es ihm, egangen torischen Viele i Rassenunischen. sollten, ht mehr mistische be nicht Demi sie ui' Ausindeten irk — er > in der er einer ren, vor an der in deren ijse, wie Die ganze Welt verlange nach einer solchen Bewegung — aber gerade die Juden könntezr sie geben. Das Alte Testament sei besser den Bedürfnissen des modernen Lebens gewachsen als das Neue Testament, denn es gehe mehr auf die sozialen und politischen Tugenden ein, während das Christentum individualistisch sei. Eine jüdisch-ethische Bewegung würde die Juden im Westen zum geistigen Lebenskern derNarionen machen, in denen sie lebten. Wir brauchen eine diesseitige Religion, und diese kann nur unter den Juden entstehen. Die Juden seien bisher nie Propagandisten gewesen. Sie müßten es jetzt werden; sie allein verständen am klarsten, daß Gerechtigkeit die Basis alles sozialen Lebens sei. Mögen sie die Träume ihrer Propheten erfüllen." Wie nicht anders zu erwarten, haben diese, von der herrschenden Auffassung, daß alles Heil vom Christentum komme und zu erwarten sei, so ungemein abweichenden Ansichten sehr großes Aufsehen erregt. Auf die lebhaften Proteste anderer Ethiker, z. B. eines Mr. Salter, welcher meinte, „weder Coit, noch er, oder andere „Arier" hätten in die ethische Bewegung eintreten können, wenn sie jüdisch gewesen wären, und gerade das sei das Große in Adlers Idee, daß er eine universelle Basis für das Heiligmenschliche habe schaffen wollen", erwiderte Dr. Coit n. a.: „Was würde denn das schaden, ivenn wir arische Lekturer nicht in die Bewegung gekommen wären? Sind wir so epochemachend? Wenn es Adler durch sein Verbleiben im Judaismus gelungen wäre, Hunderttausende von Juden an sich zu ziehen, würden wir dafür nicht gern unsere Stellung in der ethischen Bewegung aufgeben? Würde nicht eben dieses Vorgehen des Judentums einen gewaltigen Einfluß ans die in Formenfrömmigkeit erstarrte Christenheit ausgeübt haben? Auch würde ja ein Judaismus in meinem Sinne (befreit von orthodoxem Formelwesen) den Richtsemiten durchaus nicht ausschließen. Es würde für mich unendlich viel anziehender gewesen sein, zu einer ethischen Bewegung innerhalb des Judentums bekehrt zu werden, als zu einer Bewegung, die aus zahllosen vereinzelten Individuen besteht, welche aus hundert verschiedenen Sekten Herkommen, oder ohne irgend eine historische und idealistische Tradition ausgewachsen sind. Unsere Bewegung sollte die Erbin einer großen sozialen und religiösen Gruppe sein, mit mächtigen und erhabenen Erinnerungen, die Erbin der moralischen Aristokratin der Erde, statt ein Parvenü. Es ist intereffant, daß hier von einem Nichtjnden indirekt widerlegt wird, was in neuester Zeit so oft behauptet worden, daß die Semiten keine Anlagen für Staateubildung besitzen, wie überhaupt seine Aeußerungen über die Mission des Judentums. Einem ähnlichen Gedanken begegnen wir in der soeben von Dr. Albert Löwh veröffentlichten Arbeit über „Die Echtheit der Moabitischen Inschrift im Louvre", aufs neue geprüft, (Wien 1963), Seite 15. „Seit ihrem ersten Auftreten in der Weltliteratur blieben die Juden anerkannte Bannerträger der biblisch-ethischen Vorschriften, welche einen andauernden Einfluß auf die'moralische Gesittung aller Kulturvölker ausgeübt haben." Aufgaben des Verbandes der Litersturoereine. Von E. Goldschmidt in Dortmund. H^er zu der Konferenz der Literaturvereiue am diesjährigen Himmelfahrtstags in Cassels Hotel in Berlin gewesen ist, hat vielleicht im stillen die Beobachtung gemacht, daß fast jeder Delegierte, bei aller Anerkennung der Leistungen des Verbandes, einen besonderen Wunschzettel seines Vereins an den Verband abzugeben hatte. Es kann uns daS nicht zu sehr wundernehmen. Die meisten Vereine sind auf Anregung des Verbands entstanden. Alljährlich geht den Vereinen von der Verbandsleitung eine Rednerliste zu, aus der sie sich ihre Redner ad libitum aussuchen. Maßgebend für die Wahl ist in der Regel der Umstand, daß der ins Auge gefaßte Redner gut spricht, das heißt, daß er es versteht, durch seinen Vortrag die Zuhörer etwa eine Stunde recht angenehm zu unterhalten. Hat man sich diese Gewißheit verschafft und die Präliminarien erledigt, so freut sich der Vereinsvorstand, einen Abend interessant ausfüllenzu können; ob der Vortrag zu dem vorangegangenen in Beziehung steht, das ist eine Frage, die kaum erörtert wird. Man hat im Laufe der Zeit sich nun so an diese Art von Vereinstätigkeit gewöhnt, daß sich die Meinung heransgebildet zu haben scheint, die Aufgabe eines Literaturvereins bestehe einfach darin, daß man während des Winters zuweilen — gewöhnlich allmonatlich einmal — den Vortrag eines von auswärts verschriebenen Redners auhört, der um so mehr Zuhörer anlockt, je klangvoller sein Name oder je vielversprechender sein Titel ist, um im Auseinandergehen die Meinung auszutauschen, ob der Redner gut oder weniger gut gesprochen hat, und dann das Gehörte recht schnell zu vergessen. Nun hat aber eine solche Vereinstätigkeit auch eine sehr ernste Seite: Solche Reden kosten Geld, und Geld haben die wenigsten Vereine! Flugs hat sich die Meinung gebildet, der Verband, der die Vereine ins Leben ries, habe auch eine gewisse Verpflichtung, nunmehr für ihre Unterhaltung mitzusorgen. Die Vereine glauben sich deshalb berechtigt, von dem Verbände zu verlangen, daß er ihnen die Vorträge zum mindesten gegen ein möglichst bescheidenes Honorar zugängig mache. Diesem Verlangen zu entsprechen, ist aber die Verbandsleitung bei bestem Willen, den wir gern zugestehen wollen, nach der augenblicklichen Lage der Dinge nicht im stände. Es entsteht nun die Frage, wie ist da ein Ausgleich zu schaffen beziehungsweise wie ist dieser Misere auf die Dauer zu begegnen? Das dürfte nur dadurch möglich werden, daß die Vereine endlich anfingen, ihre Aufgabe richtig zu erfassen! Die Vereine bezwecken doch hauptsächlich, ihren Mitgliedern die Kenntnisse der Geschichte und Literatur unserer Glaubensgenossen zu vermitteln, damit diese daraus die Entwicklung des Judentums, seine jeweilige Stellung unter den Nationen der Erde und seine Bedeutung für die Welt richtig erkennen und beachten und Erscheinungen innerhalb des Judentums im Lichte der Geschichte verstehen und beurteilen lernen, um nötigenfalls vorgefaßten Meinungen durch Aufklärung und Belehrung begegnen zu können. Dieses erhabene Ziel dürfte aber durch zusammenhanglose Vorträge nicht leicht zu erreichen sein. Die Zuhörer können auf solche Weise niemals einen klaren lleberblick über das ganze Gebiet bekommen oder eine tiefere eingehendere Kenntnis der Materie sich aneignen. Die Planlosigkeit der Arbeit muß deshalb — wenn anders Ersprießliches von der Tätigkeit der Vereine erwartet wird —- endlich einmal aufhören und einem systematischen Vorwärtsstreben Platz machen! Wiederholentlich ist darauf nicht nur in den Blättern, sondern auch in den Verbandsmitteilungen aufmerksam gemacht und verlangt worden, daß alljährlich ein bestimmter Abschnitt der Geschichte nach jeder Richtung hin in fortlaufenden Vorträgen gründlich bearbeitet werde. Diese Arbeit würde am besten von Vereinsmitgliedern selbst — wenn nicht ganz, so doch zum Teil — geleistet; man sollte meinen, daß es nicht allzu schwer sei, einige Damen und Herren in jedem — selbst in ganz kleinen Vereinen — ausfindig zu machen, die die Scheu vor dem öffentlichen Auftreten zu überwinden vermöchten, und die Arbeit so unter sich

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