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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-06-17 · Heft 29 (17.6.1903) · p. Seite 347

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 29 (17.6.1903)
Date
1903-06-17
Page
Seite 347 (sequence 13)
Language
German
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347 icht die meiner sie im , hinzu, Untreue rahlend eg über sie Mal 'e, „das; si mehr >e süße wird." > erregt >ie Alte keinem , meine s wärst hnlosen „doch," bohren, e Seele ate mir lein, —! ihr in sie mit .eraubt! r glückrderben den hin ialomes Frieden wirkte;r Ein- Königs, l er an wch zu zrüßteu .usalem Stadt, nd dem te diese sunden: ’ Leben, allerlei en und anchem ligs bei .üheren nte hi», seinem c Verin die erledigt, zebenen mstigen ugung, die ihm sein mächtiger Gönner Antonius durch die völlige Lossprechung von dem auf ihm lastenden Verdachte des Priestermordes erwiesen. Er hatte auch den Bericht des Statthalters, des Gatten Salomes, über alle wichtigen Ereignisse während seiner Abwesenheit vom Hofe vernommen und seinem scharfen, 'pühenden Auge war die auffällige Verwirrtheit nicht ent-! langen, mit der Josefus manchen Fragen seines königlichen Zerwandten begegnete, sowie die düstere Miene und der ausreichende Blick. Dem König, dessen Seele ja stets von Miß- > rauen gegen seine Umgebung erfüllt war, konnte die Veränderung im Wesen des Josefus nicht entgehen und zu Besinn der Unterredung scholl, die er mit dem Statthalter!ütte, ward es ihm klar, daß dieser seinem königlichen Herrn twas zu verbergen hatte. Unnlutig kürzte der König die Audienz und mit einigen urzen Worten entließ er den sichtlich Befangenen. Was wnnte es nur sein, das Josefus abhielt, seinem königlichen Gebieter mit derselben Herzlichkeit zu nahen, die dieser ihin ntgegenbrachte? Hatte er ihm doch neuerdings seine Gnade rwiesen, indem er während seines erzwungenen Aufenthaltes » Laodicea die Regierungsgeschäfte ganz in seine Hände legte, atte auch jetzt bei seiner Heimkehr alle Verordnungeir und c-rlasse gutgeheißen, die Josefus während seiner kurzen Herrschaft angeordnet, ja, sich 'sogar dazu herabgelassen, die veisen Maßregeln und die Leitung der.Staatsgeschäfte lobend .u erwähnen: weshalb nun dieses soilderbare, Verdacht erweckende Benehmen, das jener heute zur Schau trug? Sollte inch er zum Verräter an seinem Könige werden, der Treuesten iner? Aber da durchzuckte ihn plötzlich die Erinnerung an sein urzes Gespräch mit Salome, seiner Schwester, die ihn mit änderbar geheimnisvollen Mieneil um eine längere Unterredung rsuchte, alleiil, hatte sie bittend hinzugefügt, erst des Abends ind nachdein Herodes mit seiner Gattin vereint gewesen sei in baulichem Gespräche — ah, das mußte es sein, sicher gab es ine kleine eheliche Zwistigkeit zwischen Salome und ihrem Satten zu schlichten und die Uirterreduilg des Abends sollte ■m König bestimmen, versöhnend einzuwirken. Das also war es, was Josefus so verwirrt erscheinen ließ vor seinem öniglichen Herrn. Ulld das hatte er so ernst genommen, gleich llerrat gewittert, wo doch sicherlich nichts anderes als Liebeszezänke und geringfügige Eifersüchteleien sich dahinter verbargen! Jetzt mußte er selbst darüber lachen, und mit diesem »eiteren Lächeln auf den Lippen eilte er in den sonnenburchfluteten Garten hinaus, in dessen schattig-kühlen Laubgängen er die Königin inmitten ihrer Frauen erblickte. Auf einen Wink des Königs hatten sich die Eunuchen und Me Frauen, die die Königin auf ihrem Gange ins Freie geeiteten, entfernt und die beiden Gatten blieben allein. Ringsumher prangten in bezaubernder Fülle die Rosen und dufteten, mit berauschender Frische lieblich leuchtende Veilchen und blühender Jasmin. Mitten in der., sinn- und augenverwirrenden Farbenpracht erhob auf hohem schlanken Stiele in blendender Reinheit die Lilie ihr stolzes Blumenhaupt, auf das jetzt in leuchtender Farbenschöne die strahlen des goldig flutenden Sonnenlichtes sich senkten. Den Arm um den schlanken Leib Mariamnes schlingend »nd sie mit heißer Leidenschaft an seine Brust pressend, geleitete sie der König zu einem von Jasmin- und Balsam- Stauden nmrankten, mit leuchtendem Lorbeer gedeckten Platze hin. „Verhülle mir doch Deine lieblichen Züge nicht?" flehte der König, „zu lange schon habe ich diesen Anblick entbehrt, nach dem es mich heiß verlangt hat all die Tage her, seit ich Dich verließ." Jähe Röte färbte das Antlitz der Königin und in ihren großen blauen Augen blinkten verräterische Tränen. „Wie, Mariamne, Tränen in diesen Augen, deren leuchtender Glanz die Sonne meines Lebens ist. .. Du weinst. .. und ich Tor, der ich mich vermaß, dies holde Augenpaar aufleuchten zu sehen in seliger Lust, wenn ich heil heimkehre ans der Gefahr..." „Und hätte die Gefahr Dich verschlungen?.. . Was dann?" kam es atemlos von den Lippen der Königin. „Dann, Mariamne?" und ein forschender Blick suchte in den Mienen seiner Gattin zu lesen, „quäle doch Deine Seele nicht mit Schreckbildern — nein, freue Dich mit mir, daß wir aufs neue miteinander vereint sind. Mein geliebtes Weib," fuhr er fort, und sein brennendes Auge senkte sich mit heißem Verlangen auf die mit sichtlicher Erregung kämpfende Mariamne, „lehne Dein Haupt an meine Brust, sei lvieder meine holde Blume und verscheuche von Deiner marmorweißen Stirne die düsteren Falten des Unmutes!" Aber da hatte die Königin mit raschem Griffe seinen umschlingenden Arm von sich geschleudert und sich von seiner Umarmung loßreißend, richtete sie sich empor. „Mariamne, was soll dieser haßerfüllte Blick?" Und eine Zornesfalte erschien auf der Stirne des Königs. „Laß ab von mir, Herodes!" rief in atemloser Erregung die Königin. „Entehre mich nicht durch Deine verräterischen Küsse!" „Was wagst Du, Mariamne?" Und mit wildfunkelnden Augen erhob sich drohend seine Gestalt. Auch die Königin hatte sich von der Rasenbank, auf der sie geruht, erhoben und stand jetzt hoch aufgerichtet, mit fieberhaft geröteten Wangen und heiß lodernden Angen vor dem Gatten. Eine Minute bangen Schweigens folgte, dann aber ermannte sich der König und mit ansgebreiteten Armen sich seiner Gattin nähernd, sagte er mit einschmeichelnder Stimme: „Meine Mariamne, gestehe, daß Du Scherz treibst mit deur König — nun ist's aber genug — zu lange hast Du mich gequält — nun sollen zur Strafe Deine Rosenlippen mich solange küssen, bis ich Dir Deinen grausamen Scherz verzeihe!" „Das Recht, grausam zu scherzen, gebührt Dir allein, Herodes!" rief zornfunkelnd die Königin und mit wilder haßerfüllter Geberde stieß sie den König von sich. Ein wilder gurgelnder Laut entrang sich der Brust des Königs. „Ja, grausam zu scherzen," fuhr in steigender Erregung die Königin fort. „Dir schien's bloß Scherz, und was verfchlug's, hätten Deine Schergen Ernst gemacht!" „Mariamne... Du weißt?... Die kennst meinen Befehl?" kam es keuchend aus dem Munde des Königs. „Wohl kenne ich ihn und weiß, was von der Liebe eines Mannes zu halten ist, der das Leben der Gattin in die Hände eines Knechtes legt." Wie ein Rasender war der König auf sie losgestürzt und ihre Hände mit eisernem Griffe umklammernd, bohrte sich sein glühendes Auge fest in ihr Gesicht. „Josefus!" keuchte er. „Er verriet Dir meinen Befehl? — Ha! Der treue Josefus! Und was war sein Lohn? Bekenne, Weib! Du lohntest ihn mit Deinen Küssen! Die Lippen, die sich voll Abscheu einem Herodes weigerten, die suchten in ehebrecherischer Lust den Mund des feilen Verräters! Bekenne Deine Schuld, Verworfene!" Und mit der entfesselten Wut des Tigers schleuderte er die schlanke Gestalt seiner Gattin zur Erde hin. Einen Augenblick verharrte sie wie leblos, das Antlitz im Rasen bergend, dann richtete sie sich auf und wandte sich zum Gehen. „Verweile!" rief gebietenden Tones der König.

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