Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 29 (17.6.1903)
- Date
- 1903-06-17
- Page
- Seite 346 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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346 das Amt des Schofarblasens übernehmen wolle. Sie boten ihr» eine nicht gar große Summe, die aber ausreichen würde^, ihn bei seiner Mutter abzulösen, umsomehr, da die Mädchen herangeivachsen und wohl im stände waren, der fleißigen, Frau Menkvwske zur Hand zu gehen . . . „Ob er nur nicht zn schwach wäre —" meinte der eine. „Versuchet nur, versuchet nur," bat David mit glühenden. Wangen und aufgehobenen Händen. „Und ob die Mrs. Beile Menkowske auch einverstanden sein würde." „Sie lvird ja meinem Glück nicht entgegentreten, ich koienUs ja kaum noch ertragen, da auf dem Markt zu stehen, ich hab's ihr zuliebe solange getan, nun wird sie mir zuliebe einwilligen." Und er kannte seine Mainmh und ihren Stolz, daß er, der elende Knabe, der aus fernein Lande schrecklicher Vorurteile wegen ausgestoßen war, nun im groben Reiche eine ehrenvolle Stellung einnehmen solle, — — nur über die Feiertagszeit und bis die Mädchen angelernt waren, solle er ihr noch' helfe», dann »volle sie ihn freigeben. So wirkte er denn zur Freude aller am zweiten Neujahrstage wieder mit und blies so schön, das; es Steine Hütte erweichen können, daß es klang wie die Tuba des jüngsten Gerichts und wieder wie Erbarmen spendend und Versöhnung. Tkio, Tkio, sprachen die Andächtigen mit und schlugen sich an die Brust, bewegten stürmisch die Oberkörper, schlangen die Gebetmäntel fester um die Schultern. Tkio. . . Trnoh . . . Tkio . . . Und der Jüngling blies mit Begeisterung, und blieb auch nachher bescheiden, als er wie eine kleine Berühmtheit aus der Pettycoatlane betrachtet wurde. Sein Rühm verpflanzte sich sogar in weitere Gegenden, sogar bis zur Great Portlandstreet... vor; Schul zu Schul. .. (Forts, folgt.) Vrrlunkknr Metten. isistorische Erzählung aus Judäas öLönigszeit. Von Carola Buchheim. XVI. n ihren Füßen, sagst Du, Lysippe? Und Du sahst es wirklich, es narrte Dich kein Trugbild?" „So wie meine Augen sich jetzt zu dem göttlichen Antlitz meiner erhabenen Salome erheben, so täuschte sie auch kein Trug, als sie Deinen verblendeten Gatten anbetend vor der Königin sahen." „So hat sie auch den verächtlich schwankenden Josefus zu ihrem Sklaven gemacht, wie ihr dies ja bei allen anderen so gut gelungen ist — von ihm, von meinem Gatten," setzte Salome wie im Selbstgespräch hinzu, „hätte ich mich dessen nicht versehen, auch er — weshalb auch nicht, einfältige Salome, — es genügt ja, wenn sie ihre an seichte Gewässer gemahnenden Augen erhebt und mit der scheinheiligsten Miene der Unschuld um sich blickt." „Von Dir allein, meine süße Fürstin," kam es zischend aus dein'welken Munde der alten Griechin, „hängt es ab, wie lange der Anblick der Verhaßten noch Dein Auge beleidigen soll!" „Was vermag ich gegen sie und den Zauber, mit dem sie alle, selbst den König, gefangen hält?" Mag' sie doch ihre Macht über das Herz des Königs allein ausüben, daß sie Dir, o Salome, auch den Gatten raubt. .." „Den Gatten,-Lysippe," warf verächtlichen Tones Salome ein, „der meinen Augen ein Greuel ist, und dessen Anblick mein Herz verwundet!" „Wohl wahr, die Götter haben dem Josefus nicht die Macht verliehen, Wohlgefallen vor den schönen Augen meiner göttlichen Salome zu finden, allein," setzte sie, als sie im Antlitz der Fürstin eine wilde Zornesglnt auflodern sah, hinzu, „gibt dies der Königin das Recht, Deinen Gatten zur Untreue zu verleiten, darf jene es wagen, mit Dir, die Du strahlend bist wie Aphrodite, an Schönheit zu wetteifern." „Zn oft schon, Lysippe, hat ihr Milchgesicht den Sieg über mich errungen!" seufzte Salome, „o daß es das letzte Mal wäre!" entrang es sich mit wildem Wutschrei ihrer Kehle, „daß sie verdorre, diese Puppenfratze, und daß es ihr nicht mehr gelänge, mich zu hintergehen." „Das zn erringen, liegt in Deiner Hand, meine süße Salome. Säume nicht länger, handle, ehe es zu spät wird." „Was rätst Du mir zn tun?" kam es hastig und erregt von Salomes Lippen. „Sie zn verderben!" rief mit verzerrtem Munde die Alte „Es könnte sonst leicht die Stunde kommen, an der es keinem Manne unter der Sonne nach Dir verlangen möchte, meine Blume, und alle, alle ihr, nur ihr, huldigten, nicht als wärst Du schön wie Hebe, nein! als glichest Du der alten zahnlosen Lysippe." „Davor behüte mich der Himmel," lachte Salome, „doch," uhr sie nach einer Weile sinnend fort. „Deine Worte bohren, sich wie spitze Pfeile in mein Herz. Dn bist eine treue Seele und ich weiß, Du rätst mir das Beste, ... so helfe, rate mir auch heute, meine gute Lysippe, ich vertraue nur Dir allein, — die Mutter ist alt und blöde, Herodes, mein Bruder ist ihr in wahnwitziger Leidenschaft ergeben — und," schloß sie mit höhnischem Lachen, „jetzt hat sie mir selbst den Gatten geraubt! Darum, Lysippe, lege ich mein Geschick in Deine Hände." „Die es zum besten lenken und Dich, o Herrin, zur glücklichsten machen werden, indem sie die Verhaßte dein Verderben preisgeben." Und dabei kauerte sie sich ans den Boden hin und neigte ihren zahnlosen Mund ganz nahe zu Salomes Ohr in langem heiseren Flüstern. Gleich dem verheerenden Blitzstrahl, der in den Frieden eines leuchtenden Sonnentages zuckend herniederführt, wirkte die Heimkehr des verhaßten Herodes auf das Volk. Lähmende Niedergeschlagenheit bemächtigte sich der Einwohner Judäas bei der unerwarteten Ankunft des Königs, und kein jubelnder Ruf der Begeisterung erschallte, als er an der Spitze seines Gefolges in kriegerischem Gewände hoch zu Roß in die Stadt einzog. Die Soldaten allein begrüßten ihren Kriegsherrn mit heller Freude; denn glich Jerusalem während der Abwesenheit des Königs einer düsteren Stadt, deren Bewohner einzig und allein ihrer stillen Arbeit und dem häufigen Besuche des Gotteshauses nachgingen, so hatte diese öde Ruhe jetzt mit der Rückkehr des Königs ein Ende gefunden: von neuem winkte ihnen ein abwechselungsreiches, frohes Leben, mannigfache Zerstreuungen, Cirkus, Schauspiele und allerlei öffentliche Belustigungen, wie auch kriegerische Hebungen und frische, fröhliche Jagden, an denen teilzunehmen so manchem tapferen Krieger gestattet war. Hochmütiger denn je war die Haltung des Königs bei seinem Einzuge gewesen, verächtlicher noch als in früheren Tagen glitt sein hochfahrender harter Blick über die Leute hin, die ihm begegneten, die bebende Angst beschlich bei seinem unverhofften Anblick und die in stummer demütiger Verneigung den scheuen Blick zu Boden senkten. Es war am Tage nach der Rückkehr des Königs in die Stadt; am Vormittage hatte er Regierungsgeschäste erledigt, Abgesandte empfangen und die Glückivünsche seiner ergebenen Freunde und Anhänger entgegengenommen zu dem günstigen Verlaufe seiner Reise und zu der erneuten Gunstbezeugung,