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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-07-10 · Heft 28 (10.7.1903) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 28 (10.7.1903)
Date
1903-07-10
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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seither bewilligten Honorare als „klägliche" bezeichneten, deshalb nicht berechtigt. Man nominierte noch verschiedene Redner, deren Berufung für den kommenden Winter in Aussicht genommen wurde, und besprach mancherlei Angelegenheiten von lokaler Bedeutung. Dangch schloß der verdienstvolle Vorsitzende, Herr Hähnlein-Bochum, die Versammlung, dem auch an dieser Stelle der Dank für sein warmes nie ermüdendes Interesse, mit dem er den Vereinen und der Sache allezeit begegnet, ausgesprochen sei. 0. Witten, 4. Juli. Dem allgemein geachteten Lehrerund Kultusbeamten I. Ostwald hier ist aus Anlaß seiner Pensionierung der Adler der Inhaber des Königlichen Hausordens von Hohenzollern verliehen und gestern von den Mitgliedern der städtischen jüdischen Schulkommission überreicht worden. — Bürgermeister Dr. Haarmann betonte in einer längeren, sehr schönen Ansprache, Herr Ostwald habe sich in einer nahezu 46jährigen Amtstätigkeit mit Liebe und pädagogischem Geschick der ihm anvertrauten Jugend gewidmet. Auch über den Rahmen seiner Lehrtätigkeit hinaus habe sich Herr Qstwald durch sein gemeinnütziges Streben nützlich gemacht und namentlich in jüngeren Jahren manche erfolgreiche Anregung gegeben, was in der Bürgerschaft dankbare Anerkennung gefunden. Ueber seine Wirksamkeit als Kultusbeamter und sein Streben innerhalb der jüdischen Gemeinde könne er (Redner) natürlich aus eigener Anschauung kein Urteil besitzen. Doch habe er als erster Beamter der Stadt auch diesem Teile der Amtstätigkeit des Herrn Ostwald sein Interesse zugewandt und allezeit nur Gutes vernommen. Die Allerhöchste Auszeichnung gelte sowohl dem Lehrer als dem Kultusbeamten. So ungern die städtischen Behörden beit treuen Beamten aus seinem Wirkungskreise entließen, so konnten sie sich doch der Wahrnehmung nicht verschließen, daß er nach so langer, anstrengender Tätigkeit der Ruhe bedürfe, und sie hoffen und wünschen, daß Herr Ostwald sich des wohlverdienten Ruhestandes noch recht lange erfreuen möge. Auf diese sichtlich von Herzen kolumende Ansprache des Herrn Bürgermeisters dankte Herr Ostwald tiefgerührt: Die Gnade unseres Königs erfülle ihn mit freudigem Stolze. Indes beglücke ihn auch das erhebende Bewußtsein, daß er die allerhöchste Auszeichnung dem Wohlwollen der städtischen Behörden verdanke. Das Gefühl der Dankbarkeit werde ihn bis zur letzten Stunde seines Lebens begleiten. t. Köln, 2. Juli. Zu den übrigen hier bestehenden jüdischen Vereinen wurde am 22. v. M. noch ein neuer gegründet. Der „Verein der jüdischen Jugend" stellt sich die Aufgabe, den Zusammenschluß junger Leute behufs Kräftigung ihrer Anhänglichkeit an das Judentum und den Sinn für alle anderen idealen Interessen zu fördern. Die Fortbildung auf geistigem Gebiet, sowie die Pflege edler Geselligkeit bilden weitere Hauptpunkte im Programm des jungen Vereins. Als Redner des Abends traten aus: Herr Gottschalk, der in herzlicher Weise die zahlreich Erschienenen willkommen hieß, Herr Referendar Dr. Ebel, der in begeisterter und begeisternder Rede die Zwecke und Ziele des neuen Vereins schilderte und Herr Rechtsanwalt Ludwig Cahen I, um den Verein namens der hiesigen Loge \u beglückwünschen. Es erfolgten gleich am ersten Abend 135 Anmeldungen, ein Beweis, wie sehr die Gründung am Platze war. Der Vorsitz wurde durch einstimmiges Votum Herrn Rechtsanwalt Dr. Auerbach übertragen, in dessen Persönlichkeit die Gewähr liegt, daß der junge Bund einer gesunden Entwicklung entgegengehen wird. Auch wir geben ihm ein herzliches vivat, floreat, crescat auf den Weg. ----- Karlsruhe, 2. Juli. Zur Errichtung einer Lungenheilstätte für Israeliten in Adelsheim hat Freifrau Adelheid v. Rothschild, die in Paris verheiratete Tochter des vor zwei Jahren in Frankfurt am Main verstorbenen Baron Wilhelm v. Rothschild, eine halbe Million Mark gespendet. Die Stiftung erhielt den Namen „M. A. v. Rothschild'sche Lungenheilanstalt" zum Andenken an den Gründer des Hauses M. A. v. Rothschild. Dem hochherzigen Unternehmen ist bereits die Staatsgenehmigung 'erteilt worden. Der Großherzogliche Verwaltungshof hat die Verwaltung der Stiftung einem Verwaltungsrat übertragen, der wie folgt zusammengesetzt ist: Bezirksrabbiner Dr. Leopold Löwenstein-Mosbach (Vorsitzender), David Wertheimer-Adelsheim (Vorsteher), Rechtsanwalt Dr. Max Friedberg- Karlsruhe, Kaufmann Julius Ettlinger-Mannheim, Kaufmann Eduard Bauer-Mannheim, Börsenmakler Michael Moses Mainz-Frankfurt arn Main. Arzt Dr. Gustav Stiebel-Frankfurt am Main und Daniel August Worms-Frankfurt am Main (Sekretär). Der Verwaltungsrat wird die notwendigen Vorarbeiten für die Herstellung der erforderlichen Baulichkeiten in tunlicher Bälde in die Wege leiten. ---- Stuttgart, 23. Juni. Der 72. Rechenschaftsbericht der israelitischen Waisenanstalt „Wilhelmspflege" in Eßlingen pro 1902—1903 ist erschienen. Von besonderem Interesse ist die Mitteilung im Vorbericht über eine Stiftung des verstorbenen Herrn Salomon Hirsch in Portland, Vereinigte Staaten. Der Verschiedene war gebürtig in Hohebach und verweilte in der Wilhelmspflege in den Jahren 1846—53 als Zögling. Von da wanderte er nach Amerika aus, erwarb sich in seltenem Maße das Vertrauen seiner Mitbürger und genoß die hohe Auszeichnung, in Konstantinopel die Vereinigten Staaten als Gesandter zu vertreten. Aus dem Ertrag der gestifteten 1000 Dollar sollen zwei Zöglinge gelohnt werden, die sich durch Betragen und Fleiß ganz besonders auszeichnen. Der König von Württemberg hat gelegentlich der Ueberreichung des Rechenschaftsberichts sein Lob für das Wirken der Anstalt mitteilen lassen. Die Königin bedachte, wie schon seit einer langen Reihe von Jahren, auch diesmal wieder den Sparhafen der Zöglinge mit einer reichen Spende. In der Absicht, den Wirkungskreis der Anstalt soweit möglich zu erweitern, wurde in die neuen Statuten die Bestimmung ausgenommen, daß Kinder deutscher Eltern, die in Württemberg nicht heimatberechtigt sind, auch daselbst keinen Unterstützungswohnsitz haben, ausgenommen werden können, wenn entweder der Vater oder die Mutter dieser Kinder in Württemberg geboren sind und eben diese Kinder selbst die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. Der Verein sorgt ebensowohl für Waisen, wie für verwahrloste Kinder. Die Zahl der Zöglinge ist im Vorjahre auf 23 gestiegen, ein erfreuliches Zeichen für das vortreffliche Wirken dieser alten und segensreichen Institution. Die Einnahmen betrugen 36171,32 Mark, die Ausgaben 18 692,77 Mark, das Vermögen 439959.55 Mark. Den Ausschuß der Anstalt bilden nunmehr die Herren: Kommerzienrat E. Beuzinger, Bernhard Edenseld, Kassierer, Eugen Fellheim, M. H. Goldschmidt, erster Vorstand, Direktor Nathan Gunz, Adolf Gutmann, Fritz M. Kahn, Rechtsanwalt Max Kaulla, Schriftführer, Kirchenrat Dr. Kroner, zweiter Vorstand, Rabbiner Dr. Stößel, Dr. «red. Sigmund Weil, Adolf Wolf, und als Ehrenmitglied: Geh. Hofrat Ernst Pfeiffer. L. St. Hechiugen, 3. Juli. Gestern feierte einer unserer angesehensten Mitbürger, der Fabrikant Julius Levi, seinen 70. Geburtstag. Die „Hohenzollernschen Blätter" schrieben schon vorher: „Obgleich die Feier in aller Stille stattfinden soll, können wir uns nicht versagen, des in allen Kreisen beliebten und hochgeschätzten Jubilars beglückwünschend zu gedenken. Wie nicht gleich ein anderer hat sich Herr Levi durch sein hingebungsvolles Walten und Wirken auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens reiche Anerkennung und unleugbare Verdienste erworben. Nahezu vier Jahrzehnte hat er an der Verwaltung der israelitischen Gemeinde eifrigen und tätigen Anteil genommen und auf jede Weise die Schule, den Kultus, das Gemeinde- und Armenversorgungswesen in fortschrittlichem Sinne zu fördern gesucht. Seit einigen Jahren steht Herr Levi, wie bekannt, an der Spitze der israelitischen Gemeinde- und Schulverwaltung. Fast gleichzeitig mit dieser Ehrenstelle wurde er durch das Vertrauen seiner Mitbürger, nachdem die neue Gemeindeordnung in Kraft getreten war, mit der Berufung in die Stadtvertretung bedacht. Die seinerzeitige Gründung der höheren Mädchenschule und dann der Frauenarbeitsschule, die der Jubilar mit seinem Heimgegangenen Freund, unserem unvergeßlichen Ludwjg Egler, nachdrücklichst förderte und stützte — heute noch wirkt er im Aussichtsrat beider Anstalten — haben weitere Blätter an den Lorbeer gefügt, den der jetzt „70 jährige" für sein Wirken sich erworben hat. Möge dem Herrn Jubilar noch ein recht langer, ungetrübter Lebensabend beschieden sein! Möge er noch lange in der bisherigen geistigen und körperlichen Frische im Dienste des öffentlichen Wohls tätig sein!" Dem ist noch hinzuzufügen, daß der gestrige Festtag des Herrn Levi in einer für den Jubilar und seine Gemeinde höchst ehrenvollen Weise gefeiert wurde. Deputationen der Stadtverwaltung (an deren Spitze der Stadtbürgermeister), der israelitischen Kultusgemeinde, der Frauenarbeitsschule, der höheren Mädchenschule, Vertreter des Bureaupersonals und der Arbeiterschaft von der Fabrik, deren Begründer und Mitbesitzer Herr Levi ist, Freunde und Verehrer aus Beamten- und Bürgerkreisen brachten ihre Glückwünsche dar unter teilweise recht kostbaren und sinnigen Widmungen. Eine Menge sonstiger Huldigungen, Blumenspenden. Telegramme, Briese rc.

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