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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-07-10 · Heft 28 (10.7.1903) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 28 (10.7.1903)
Date
1903-07-10
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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geben Zeugnis von der außerordentlichen Beliebtheit des Jubilars in den iveitesten Kreisen und von der Anerkennung seiner reichen Verdienste auf dem Gebiete des öffentlichen Wohls, die ihm von israelitischer und christlicher Seite zu teil geworden. Leider werden solche Männer, wie der Jubilar, immer mehr zur Seltenheit. Es bleibt nur zu wünschen übrig, daß sich auch die jüngere Generation bestrebt, in die Fußstapfen der bewährten Alten zu treten, lim trotz aller Hindernisse, die dem Israeliten im Wege stehen, für die idealen Güter der Gesamtheit einzustehen und dafür Opfer zu bringen. — Stratzbnrg i. E., 8. Juli. Eine schwere Wahlausschreitungkam am Sonntag in dem elsässischen Kantonsstädtchen Hochfelden vor. Hochfelden gehört zum Wahlkreise Straßburg- Land, in dem der bisherige klerikale Neichstagsabgeordnete Haust gegen den Demokraten. Rechtsallwalt Blumenthal, der, mie schon früher bemerkt, nicht der jüdischen Kollfession angehört, unterlegen ist. Die Niederlage hat unter den Anhängern des durchgefallenen „schwarzen" Kandidatell leidenschaftliche Erregung hervorgerusen. Jil einzelnen konfessionell gemischten Gemeinden wurden gegen Protest all teil und Juden nicht nur Beschimpfungen der genieinsten Art, sondern auch Drohungen ausgestoßen und Sachbeschädigungen verübt. In Hochfelden rotteten sich nachts nach 11 Uhr 150 bis 200 Katholiken, verheiratete Männer, meist jedoch junge Burschen vor der Wirtschaft „Zum goldenen Löwen" zusammen und durchzogen schreiend und johlend den Ort. Das elektrische Licht wurde ausgelöscht. Die Fensterläden des Fruchthändlers Aron lvurden mit Steinwürfen bombardiert. Auch etwa süllfzehll Revolverulld Pistolenschüsse wurdell abgefeuert, und wo durch den furchtbaren Lärm aus dem Schlafe aufgeweckte Protestanten und Juden sich am Fenster zeigten, wurden sie beschimpft und bedroht. Als die Gendarmen, fünf an der Zahl, die schon in der Nacht vorher von dem Vorhaben Kenntnis erhalten, zwei der schlimmsten Radaubrüder verhafteten und in das Wachtlokal abführten, vernahm man die Rllfe: „Jetzt die Messer heraus, das Wachthaus muß gestürmt werden." In wüstem Lärm rannte die Horde vor das Wachtlokal, an dem zwei Scheiben bemotiert wurden. Es gelang ihnen jedoch nicht, die Gefangenen zu befreien. Mit dem Revolver in der Hand trieben die Gendarmen die Ruhestörer auseinander. Erst morgens gegen zwei Uhr trat allmählich Ruhe ein. Der Vorfall wurde telephonisch nach Straßburg berichtet, voll wo die Nachricht eintraf, daß auf spezielles Verlangen militärische Hilfe zur Verfügung stehe. Sowohl in Hochfelden, als auch in Memmenheim lautet die Parole der Katholiken, nichts mehr von den Protestanten und Juden 311 kaufen. In letz terem Orte be° k0mm en di e Iuden keine Milch mehr voll den Katholiken zu kaufen. Angehörige aller Bevötkerungsschichten^beteiligten sich an dem Wahlexzeß. Oesterreich-Ungarn. □ Wien, 6. Juli. In der vorigell Woche fand hier der dritte ö st e r r e i ch is ch e Z i 0 n i st e n t a g statt. Voll allgemeilleul Interesse loar nur ein Referat über die Gestaltung unb Zukunft der österreichischen Kllltusgemeilldell und das zionistische Progrannll für dieselbell. Es fordert die Einberllsung eines Judentages behufs Vorlage einer Reichsverfassnng der österreichischell Jndenschast an die Legislative ulld die Ausgestaltung der Kultusgemeinden zu Volksgemeinden. Dieses Ziel sei llur durch die Verdrängung der gegenwärtigen Machthaber zu erreichen. Im Gegensatz hierzu trat der Korreferent für die Gewinnung der Knltusvorstehungen durch friedliche Aufklärung ein. Dell Kerir eines anderen Referats bildete die schroffe Ablehnung aller Sollderverbände innerhalb des Zionisillus als Schädigung der Disziplin ulld Spannkraft. Die gegenteilige Ansicht lvurde von den Kultursionisten vertreteil, die ihren Bestrebungen innerhalb des zionistischen Programms durchaus Raum gegeben wissell wollen. — Das von dem rühmlichst bekannten Direktor Moritz Lazarus iil L e m b e r g mit dem Kostenaufwands von 500 000 Krollen errichtete, ill Bezllg auf hygienische Einrichtung den berühmtesten Anstalten Europas angepaßte jüdische Krailkenhalls, ist am 7. v. M. feierlichst eillgeloeiht ulld tags darauf feiner Bestimmung übergeben Word eil. Es ist dies die erste größere Stiftung dieser Art in Galizien und verdiellt deshalb besondere Allerkennung. Bei dieser Gelegenheit will ich allch eine Notiz berichtigen, die Sie jüngst ill „Nah nnb Fern" gebracht haben. Es ist richtig, daß Direktor Lazarus 12 000 Kronen zu denr Koscziuszkv-Denkmal in Krakau gespendet hat, e§ ist aber liicht richtig, daß diese Spende, wie es dort heißt, weil von einem Joden herrührend, zurückgewiesen lvurde. Sie ist vielmehr dankbar angenonnnen worden. — Der Rekurs der Beerdigllngs-Bruderschaft in Prag gegen die teilweise Expropriation des alten jüdischen Friedhofes. der ja die größte historische Sehenswürdigkeit der böhmischen Hauptstadt ist, lvurde leider abgelviesen. — In Aussee ist Alexander v. Lederer alls Budapest, der Präsident der ungarischen Seeschiffahrtsgesellschaft „Adria", ein Mann, der im wirtschaftlichen Leberl Ungarns eine große Rolle spielte, im 60. Lebensjahre gestorben. Von Aah und jfern. — Zu Justizräten sind ernannt worden die Rechtsanwälte We rtheim, Senfs, Dr. Arnold Werner, Louis Cohn, S. Rosenthal. Königsberger, Dr. Eugen N. Wolfs, Markwald- Grau, Lilienth al, W. Bernste in, Friedrich S. F r iedlän der Dr. H. O berneck, Salz, Raphael in Berlin, Abraham in Rixdors, Marcus in Guben, Berger in Königshütte, Epstein in Kattowitz, Bendix, M. Reumann, I. Cohn und Henschel in Breslau, Mankiewicz. Dr. Epstein und Dr. Baer in Frankfurt a. M., Steinhardt in Danzig, Wollmann in Magdeburg, Glogowski in Ra witsch, Voß in Ostrowo, Jacob sohn ill Posen. — Denr Königlichen Konzertmeister a. D. und Chordirigenten der Synagoge in der Lützowstraße Fabian R ehfeld ist der Titel „Professor" verliehen worden. — Der kürzlich hier verstorbene Fabrikbesitzer Salonloli Mosse hat außer dem Betrage von 100 000 Mark, die all seinen! Beerdigungstage an die Angestellten und Arbeiter verteilt würben, weitere 250 000 Mark für eine Stiftung zm Unterstützung Kranker oder sonstiger Hilfsbedürftiger bestimmt. — Am 5. d. M. feierte die Gemeinde L u b l i n i tz (Ostpr.) das 25 jährige Amts jubilüum ihres verdienstvollen Rabbiners Dr. S. Friedmann. — Den Frankfurter I. P. Müller-Preis von 9000 Mark erhielt zur Hälfte der Wiener Historiker Dr. .Heinrich Friedjung. — Ein jüdisches Blatt macht Professor Ludwig Friedländer in Straß - bürg i. E. zllm Juden, während derselbe bereits als Christ geboren ist. — In Basel fand aul 5. d. M. die feierliche Einweihung des Schweizerisch-Israelitischen Waisenhauses statt. — Zum Oberrabbiner von Haag wurde der bisherige Oberrabbiner von Gröningen A. van Loen gewählt. — Der außerordentliche Professor Dr. Salvatore Ottolenghi in Siena ist zum ordentlichen Professor für gerichtliche Medizin nach Rom berufen worden. — Der König von England hat Sir Edlvard Law so n in London zum Pair ernannt und dem Sir Richard Salmon, Generalanwalt der Transvaal- Verwaltung den Bath-Orden, sowie ferner Herrn S. M. Grün wall den k. Verdienstorden verliehen. — Am 5. d. M. fand der Verbands tag der jüdischen Literaturvereine Englands-in London statt. — In Odessa fand am 26. v. M. vor dem Gericht die Verhandlung wegen der Ritualmordhetze in Dubossarh statt. Professor Sikorski aus Kiew, der als Sachverständiger vorgeladen war, sprach sich entschieden gegen die Blutlüge aus. Das Urteil ist noch nicht gefällt worden — Der russische Ahlwardt Kruschewan sängt an. seinen Gönnern sehr unangenehm zu werden — durch seine Schulden und Angriffe! Sein Blatt „Snamja" ist wieder auf einen Monat verboten worden. — Der „Kiewljanin" publiziert einen Tagesbefehl des Generals Dragomirow, des Generalgouverneurs von Kiew, wonach 40 Juden, lvelche während der Straßenunruhen vom 17. Mai sich verteidigen wollten, zur Arreststrafen verurteilt wurden. — Die Staatsbank iw Kischinew erhielt aus Petersburg die Weisung, die im April und Mai erfolgten Wechselproteste zu annullieren und die Wechsel der betreffenden dortigen Firmen zu diskontieren. — Die Mitteilung, daß auf dem Zionistenkougreß in Basel der Hauptgegenstaud der Diskussion die Kolonisation der palästinischen Provinz Wad El Arisch; bilden werde, die unter englischem Protektorat steht und wo man 100000 Juden anzusiedeln die Absicht hat. sowie daß die Verhandlungen mit der englischen Negierung bereits erfolgreich geführt seien, entbehrt nach unseren Informationen der Begründung. Es Handel! sich um ein anderes Terrain, das erworben werden und wofür Dr. Herzl von der J. C. A. 75 Millionen Franks verlangt haben soll. Das Gesuch wurde jedoch abgelehnt. — Die Zahl der Juden iw Massaua, dem Hauptorte der italienischen Kolonie Erythräa (Ost afrika), ist derart angewachsen, daß dieselben eine eigene. Synagoge zu errichten beabsichtigen. Unter den ersten Spendern figuriert der Kriegsminister Ottolenghi, welcher 50 Lire votiert hat.

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