Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1903)
- Date
- 1903-07-10
- Page
- Seite 336 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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336 „Wappne Dein Herz, o Fürstin!" unterbrach sie der Statthalter. „Die nächste Stunde schon kann die Nachricht seines Todes bringen. . ." „Was sagst Du? Seines Todes, seines sicheren Todes?" Mein Auge sollte sich des freuen und mein Ohr diese Himmelsbvtschaft vernehmen?" „Von Lavdicea kommt schlimme Kunde. Herrin, und unheimliche Gerüchte durchschwirren die Stadt!" „O so wollte ich doch aufjauchzen und preisen den Herrn ans ganzer Seele! Dank. Josefus. für diese Kunde! Dn sühntest damit die Schuld Deines Lebens! Hervdes tot! Die Welt befreit von diesem Scheusal, mein Aristobul gerächt! Die Wege des Herrn sind recht und sein Zorn trifft das Haupt des Schnldigen! Mein Aristobul, der Dn an Gottes Thron inmitten seiner Engelscharen weilest, Du bist gesühnt!" „Fürstin, Dein Sklave harrt eines Wortes der Vergebung ans Deinem Munde," und dabei sank er zur Erde hin und seine Lippen pressten sich in inbrünstigem Flehen auf das in weichen Falten herabivallende Gewand der Königin. Da teilte sich mit unhörbarem Griff der Purpurvorhang, der das Gemach der Königin nach jener Seite hin mit dem großen Speisesaal verband, und durch die schmale Oeffnung herein spähte das alte Gesicht Lysippes, der griechischen Sklavin. Ein höhnisches Grinsen verzerrte ihren'Mund. Nasch hatte sie sich, ungesehen von dem knieendeu Josefus und der freudestrahlenden Mariamne, wieder zurückgezogen, die Vorhänge schlossen sich und stiller lautloser Frieden breitete sich über den Raum. Jetzt war die Königin rasch von ihrem Sitze emporgeschnellt. „Verlaß mich jetzt, Josefus, es verlangt mich zu Alexandra hinzueilen, ihr die Botschaft zu bringen, daß wir besreit sind von dem Tyrannen, ivir und das Volk Israel! Los und ledig seiner Blutherrschaft! Befreit die Welt von dem Anblick dieses königlichen Henkers! Wie jubelt mein Herz und wie jauchzt meine Seele!" Da teilte sich der Purpurvorhang und herein stürzte mit atemloser Hast Hanna, die Kammerfrau der Königin: „Herrin! Der König naht!" <Forts. folgt.) SprechsWl. Verehrliche Redaktion! Nr. 25 Ihres geschätzten Blattes wird berichtet: „Dieselbe Auffassung besteht in Altona." Demnach „hätte das Vergraben der Asche abgesondert von den Gräbern stattzufinden." Diese Angabe ist unrichtig. Auf die Anfrage des Dentsch-Jsraelitischen Gemeiudebundes hinsichtlich der Feuerbestattung hat der verehrliche Vorstand der hochdeutschen Jsraeliten-Gemeinde Altona erkärt „daß ein Krematorium hier nicht vorhanden ist. Bisher haben wir noch keine Gelegenheit gehabt, zu dieser Frage Stellung zu nehmen." Vom Unterzeichneten ist ein Gutachten in der Zeitschrift „Hameassef", Heft 111, Jahrgang 5663, veröffentlicht worden, in welchem nach eingehender Untersuchung entschieden wird, daß die Beisetzung von Aschenurnen auf dem jüdischen Begräbnisplatz durchaus unzulässig ist. Altona, 30. 6. 03. Hochachtungsvoll Oberrabbiuer Dr. M. Lern er. * Geehrter Herr Redakteur! Vl^it Bezugnahme auf meine Besprechung in Nr. 23 dieses Blattes " erkläre ich hiermit, daß die antisemitische Schrift von Glaubrecht „Das Volk und seine Treiber" nicht, wie ich irrigerweise zuerst vermutete, in einem Katalog der Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung, sondern — wie ich mich nachträglich überzeugte — in dem für Anlegung von Volksbüchereien gleichfalls maßgebenden Bücherverzeichnis der Berliner Schriftenvertriebsanstalt „Volksbibliotheken" (1903, Nr. 382 der Stammbibliotheken) empfohlen wird. Das zweite von mir angeführte Werk von Höcker, dessen genauer Titel „Der Sieg des Kreuzes" 1. Bd. „Unter dem Joche der Cäsaren, Bilder von der Entwicklung des Christentums" lautet und in dem Katalog der Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung „Bücher für Volksbibliotheken" v. I. 1901 (S. 23) aufgeführt lst, ist trotz seiner ungerechten Beurteilung des Judentums von ungleich höherem und reinerem Charakter. Ich würde dieses Werk auch kaum erwähnt haben, wenn es nicht zu Mißbrauch geführt hätte. Es ist übrigens auch in die hiesige Bibliothek wieder eingestellt worden, nachdem die antisemitischen Randbemerkungen entfernt waren. Es bedarf wohl auch kaum der Versicherung, daß es mir durchaus kern lag, der durch ihre hochherzigen, liberalen Bestrebungen wohlverdienten. Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung durch-meine Darlegungen irgend einen Makel anzuhängen. Ich würde es vielmehr lebhaft bedauern, wenn meine Zeilen nach dieser Seite eine Mißdeutung erfahren würden. Hochachtend Samter, im Juli 1903. Dr. L. Wreschner. * Sehr geehrter Herr Redakteur! T^^ie Herren Dr. Oppenheimer und Trietsch haben es zweckmäßig gefunden, auf meine kurze Warnung mit einer langen Auseinandersetzung zu antworten, die Ihren Lesern wohl zum größten Teil unverständlich geblieben ist, weil sie sich eigentlich gegen einen Artikel richtet, den ich nicht in Ihrer geschätzten Zeitung, sondern in der „Jüdischen Presse" veröffentlicht habe. Ich werde mich hüten, Ihren Lesern nun auch durch ein Eingehen auf diese Einzelheiten lästig zu fallen. Falls sich jemand soweit dafür interessiert, kann er meine ausführliche Kritik dieser angeblichen Widerlegung in Nr. 22 der „Jüdischen Presse" finden. Hier beschränke ich mich auf zwei Erklärungen: 1. Meine Bedenken gegen die Kolonisationspläne der Herren Dr. Franz Oppenheimer und Trietsch halte ich in vollem Umfange aufrecht und werde sie demnächst in einer besonderen Broschüre noch näher begründen. '2. Die gesamte Widerlegung bringt nur sine wichtige Bemerkung, nämlich die von den Steuerverhältnissen, und diese ist deshalb wichtig, weil aus ihr hervorgeht, daß der ganze Plan nur auf Chperu zugeschnitten ist, denn nur dort existieren die angeführten Steuerverhältnisse, und nur dort gibt es (wie Herr Trietsch behauptet) die achtjährigen Olivenbäume bereits gepfropft so billig zu kauseu. Nun steht die Sache aber so: Nachdem die jüdischen Kolonisationsversuche auf Chperu schon fünfmal gescheitert sind, hätte Herr Trietsch nie Geld für neue Experimente dort bekommen. Darum sucht er dasselbe unter der Verhüllung, als sei in erster Linie an Palästina gedacht. Hat meine Warnung weiter nichts erreicht, als klarzustellen, daß es sich nur wieder um Chpern handelt, dann hat sie ihren Zweck vollkommen erreicht. Im übrigen ist für mich die Zeitungspolemik erledigt, während ich, wie gesagt, die ausführliche Beleuchtung dieser Kolonisationspläne in einer Broschüre mir Vorbehalte. Berlin, 2. Juli. Hochachtungsvoll W. Bambus. * Löbliche Redaktion! Nr. 26, Jahrgang 67 Ihres werten Blattes findet sich mein Etablissement als antisemitisches bezeichnet. Da ich mit vielen Geschäftsleuten jüdischer Konfession in Geschäftsverbindung stehe und ich nie antisemitischen Tendenzen gehuldigt habe, bin ich genötigt, ans Grund des § 11 des Preßgesetzes das Verlange): zu stellen, in der nächsten Nummer zu berichtigen, daß das Cafo Schweizerhof kein antisemitisches ist und ich <der Inhaber) niemals feindlich gegen die Andersgläubigen gesinnt war. Indem ich Ihnen im Vorhinein meinen Dank ausspreche, stehe ich auch mit Referenzen hiesiger jüdischer Familien zu Diensten und zeichne Hochachtungsvollst Carlsbad, 28. Juni. Franz Tschammerhöll Cafe, Schweizerhof. Druck und Verlag von Rudolf Messe in Berlin, verantwortlich für die Redaktion: Max Lauchwi 1z in Berlin.