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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-07-10 · Heft 28 (10.7.1903) · p. Seite 334

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 28 (10.7.1903)
Date
1903-07-10
Page
Seite 334 (sequence 12)
Language
German
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334 Ja, Mutters Geschäft, davon war ja noch gar rricht die Rede gewesen. „Du wirst erstaunt sein, Dovidche, was ich für schöne Sachen habe zum Handeln, manchmal Kleider von wirkliche Ladl/s, und Mäntel und Hüte . . . weißt de, vom Kopf weg kauf ich se manchmal und ich habe schöne Kundschaft und verdien schon was. Da seh Dir nur meinen Schabbesstaat an, den Hab' ich Dir zur Ehr' heut angezogen, wie ich zu Hans ko nun', zieh' ich mir's Malbisch aus, Jook here, da sind wir arn Markt... da ... die Leit alle gute Freunde . . Uni) sie begrüßten ihn . . kamen von ihrem Fischschragen, von dem her es gar nicht lieblich roch, und von den geflüchteten Hühnern, von den Nüssen und Kartoffeln und billigen Gemüsen . . . „Also so sieht des Dovidche aus. . . 'n bischen elend . .." „Dovidche ist wohl sensiek gewesen," meinte ein anderer, „er geht noch so sonderbar . . ." Dabei hatte der arme Junge sich enorm angestrengt, um das Hinken zu verbergen. Er hatte den einen Arm der Mutter, voil der anderen Seite ben des Bruders genommen und sich mehr schleifen lassen — jetzt aber hatten sie ihn losgelassen, die Marnmy zeigte ihm stolz den bullten Kram, den sie auf ltligehobelten Brettern aufgestapelt hatte, Tücher, Schürzen, ja Strümpfe, znsamnlellgebundene Stiefel, Bänder, Hüte hingen über den kurzen Leinell, die kreuz urld quer aufgespalmt warell . . . heut hatte eine Bekannte sie vertreten . . . Mit lauteul Gekreisch erzählte sie, wie eine eook sie betrügerl wollte . . . und wie sie beinahe den polieeman geholt hätte . . . Mrs. Beile Menkowske hörte aber nicht recht zu, sie sah nur nach Davids Beinell, das Hinken erschreckte sie. „Bist noch so schwach von der Seekrankheit?" fragte sie teilnehniend. „Gott gerechter, ich denk noch, wie wir alle krank waren, was ist's für'n Leiden! alle jüdischen Kinder sollens nich nötig habell, es durchzumachen . . . aber — Allgütiger ... du hinkst ja wirklich, du hinkst ja. . . ist das nur von jetzt, daß Du noch so schwach bist — oder. . .?" Sie wagte es nicht auszusprechen. „Nu, Mammeleben," antwortete er zärtlich wie abbittend ... und strich sich verlegen das dunkelblonde, lockige Haar von der hoher: Stirn ... „Das koulmt noch voll der russischen Reise, weißt Du, von den Geschwüren am Bein und der kranken Hüfte.. . Dreimal hat der Herr Professor mich geschnittell.. . aber es hat nie weh getan, ich niußte immer so starkes Zeug riechen ... es sind noch viele Narben da, weißt Du, Mutterleben, so groß, daß Du kannst Hühnereier hineiulegen ... sie bleibell drin liegen . . Die Fra:: heulte laut auf. Darulll nun die Freude auf Dein Kommen, im solltest Du mir helfen, träger: und schleppen . . . und nn hinkst de . . ." Die Geschwister standen verlegen da . . . Der kleine Jsäkche wischte sich mit dem Rockärmel Augen und Nase. Rahel streichelte mitleidig des Bruders Arm, und Säre, wie sie die Mammi rief — früher hieß sie Sarah — versteckte sich in die Kleiderfalten der Mutter . . . „Das gute Seidene! Willst Du wohl!" rief diese. „Gott, was hast de getan, Hab' ich gedacht, Du wirste de alte jiddishe Frau was Gut's tun . . . hinkt er, — Hab ich gedacht, er wird hin und her taufe« können, vom Markt nach Haus und zu de Kinderll — hinkt er — Gott, wie hart strafst Du mich!" Mutterleben, sollst^ sehen, wie ich kann taufen, sieh nur mal her . . . es geht ganz fix —" und er fing an, die voll den Neisestrapazen noch schwachen Beine in Bewegung zu setzen, aber er torkelte und wäre umgefallen, wenrl die Mutter ihn nicht gehalten hätte. „Wenn ich's gewußt hätt," flüsterte sie — „oßer hätt ich ihn kommen lassen, er hätts ja da drüben besser gehabt . . ." Der Handelsgeist überwog die Mutterliebe, — sie hing der letzteren nur ein Mäntelchen um. Und der Junge dachte in Bitternis: Welin sie nur früher geschrieben hätte, würde sie es doch erfahren haben . . . (Forts, folgt.» Versunkene Welten. historische Erzählung aus Judäas Hönigszelt. Von Carola Buchheim. XV. Unbemerkt von der in sich zusammengesunkenen Gestalt Alexandras war jetzt die Königin eingetreten. Alexandras vom Weinen geröteten Augen sahen wie abwesend nach der Eintretenden hin. Nicht allzu oft geschah es, daß sie den Besuch ihrer Tochter empfing; es verlangte sie auch gar nicht nach ihrem Anblick, zri tief, zu schneidend wirkte der Anblick jener Züge, die ihr in grausamer Klarheit das teure Bild des Entschlafenen vor das entsetzte Auge riefen. Jetzt aber, seit der König ferne war, hatten die beiden königlichen Frauen des österen Gelegenheit, ungestört mir einander beisammen zu sein. „Sei gegrüßt, erhabene Alexandra." unterbrach die Königin zuerst das Schweigen, „und vergib Deiner Tochter, wenn ihr Eintritt Dich in Deinen Gedanken an ben Unvergeßlichen störte." „Ich habe keine anderen Gedanken inehr, Mariamne, mein Geist zieht mich mit aller Macht zum Grabe hin und erst, wenn ich dort oben am Throne des Höchsten erscheinen und an den Stufen des Thrones mein Engelskind finden werde — dann erst darfst Du Deine Mutter glücklich preisen." „Und es lebt sonst kein anderer Wunsch in Alexandras teurem Herzen?" „Einzig der Wunsch zu sterben und dort im Jenseits meinen herrlichen Aristobul als leuchtenden Cherub wieder zu sehen." „Ist Alexandras Seele so weich geworden," kam es herbe von den Lippen der jungen Königin, „oder mangelt ihrem so hohen Geiste das Beivußtsein, daß es für sie noch eine heilige Pflicht zu erfüllen gibt . . . ." „Du mahnst mit Recht, Mariamne!" rief Alexandra und wildes Feuer loderte in ihren Augen. „Ich darf nicht von hinnen scheiden, ohne der Rache genügt zu haben. Wie wollt' ich denn in jenen lichten Höhen meinem Engelskinde gegenübectreten und hätte die Untat nicht gerächt... Ja, Mariamne, flehe zu Gott, daß Antoniussein hartes Urteil fälle über den Priestermörder ... Doch da naht Josefus, jener heimtückische Verräter, rede Du mit ihin, ich lasse Dich allein, mir graut vor seinem verruchten Anblick." „Verzeih Deinem Knechte, erhabene Königin, daß er Dir naht, allein der König sendet einen Boten an Dich, dessen Ankunft ich Dir zu melden komme." „Laß ihn eintreten!" gebot die Königin und ein univilliger Blick traf den noch regungslos verharrenden Josefns. „Was soll Dein Zögern.?" kam es schroff von den Lippen der Königin, „hast Du mir noch eine Kunde zu bringen?" „Erhabene Königin, gestatte inein Verweilen, während der Bote des großen Königs vor Deinein Angesichte erscheint." „Lautet so;der Befehl meines Gatten? Und gab er Dir die Weisung, meine Schritte zu bewachen und meine Handlungen auszuspähen?"

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