Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1903)
- Date
- 1903-07-10
- Page
- Seite 333 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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333 s schändzngleich x Herzen aus das it ihrem waren, ein, wo- )e» deren, woigungen, Nimbus >el soviel iel ihrer : auf den erklingen tum sich rdeutum t waren >gen, die gleichen rchlichen rrung in sind die die einn. Wir sn, das; 48 Buch cks wenn Fragen ristliches >em das eidenc als anfsemitisch cht einr Wett- Bründe and allzen der eit desto und der h unser cklichste» weis zu ch, aber ^slichkeii >ie Entrankheit kommen sie, von dein Lehrer, von all den edlen Herren, die stets ein freundliches Wort für ihn gehabt — von der Orgel in der Synagoge — ob er noch jemals diese zaubervolle Musik hören, noch je den gewaltigen Ton des Schofars auf sich wirken lassen konnte! dor kurzer Zeit war er dreizehn Jahre alt geworden. Die feierliche Einführung in den Bund Israels, die Barmitzwa war air den frühen Herbst geplant — mit heiligem Schauer, mit emsigen Fleiße war er darauf vorbereitet — nun versank alles vor ihm, und er mußte sich undankbar und lieblos schelten, daß er nicht alles freudig vergaß, als die Mutter ihn rief. Aber dem Rufe mußte Folge geleistet werden. .DieHerren des Vorstands brachten auch das Reisegeld zusammen und ckner von ihnen, ein reicher Teehändler, der mehrmals im Jahre nach London fuhr, nahm ihn nüt dorthin. Einen kleinen Koffer hatte man für ihn gepackt. Schöne neue Hemden lagen darin, die mit roten Zeichen gestickt tvaren. D. M. stand deutlich da. . . Das hatte er noch nie früher gesehen, das war nun wirklich sein Eigentum, ganz stolz fühlte er sich in dein Besitz all der Herrlichkeiten, es schien ihn;, als wäre er fürs Leben ausgesteuert. In die Synagoge ging er noch einmal und da es ein Tag im Monat Ellul war, so wurde nach dem Gebet einmal Schofar geblasen — aber David sah nicht hin zu dem Platz, woher die Töne kamen, die ihm durch Mark und Bein gingen, es war ihm von dem überfrommen Lehrer gelehrt worden, nur in ehrfurchtsvoller Bewunderung für den göttlichen To», der soviel heilige Erinnerungen hervorrief, aufmerksam zuzuhören. Ein Schauer überlief ihn. Wie eine Vision der Zukunft mH er sich am Altar stehen, sah er, wie er die seidenen Schnüre der Vorhänge auseinanderzog, die das Allerheiligste verbargen, er sah sich mit dem ungefügen Instrument im Arm, Wort und Gesang beisteuernd zu der hehren Festesstnnde ... er hörte wie im Traum die Töne, die dem Horne entstiegen, nachdem er es an die Lippen gesetzt. Würde er auch nie mehr das hohe Ziel erreichen, in Amt und Würden, im Talar zu einer aufhorchenden Gemeinde zu reden, sie zu lehren, zu trösten, zu ermahnen — so schien es ihm auch schon ein herrliches Amt mit Posannenstößen, deren Ursache gesetzlich geheiligt, die Wirkung auf die religiösen Gemüter zu erproben. Er schlich sich nach dem Gottesdienst zu dem Knltusbeamteu, der den Schofar unter Verschluß hielt — er bat ihn, ihm diesen in die Hände zu geben, damit er auch einmal versuche, die Töne herauszulvcken, und siehe da, es gelang, anfangs schwach, aber nach einiger Anstrengung erscholl es rein und stark heraus. Eine rechte Lehrstunde gab der Mann dem Knaben im verschlossenen, abgelegenen Raum, damit niemand die zn so Unrechter Zeit klingenden Töne hören konnte, aber niemand war froher als der arme Junge, der das — anfangs so schwer scheinende — Blasen förmlich instinktiv erlernt hatte und nun davon träumte auf der Reise, bei der Ueberfahrt, >vv er so elend war, daß er keinen anderen Gedanken fassen konnte. „Halte ans," schienen die Töne ihm zu sagen, „der große Gott, der da Schvsar blasen läßt zur Erinnerung an den denkwürdigen Tag von Jericho, der sendet auch dir jetzt den Rachhall jener Klänge als Beruhigung für dein Leiden." Der reiche, brave Teehändler sorgte väterlich für ihn. „Stets will ich dankbar sein", versicherte David weinend beim Abschied, und immer wieder küßte er die Hand des Gütigen. „Das tue, mein Sohn!" ivar dessen Antwort. „In der Dankbarkeit unterscheidet sich der Mensch nicht einmal von vielen Tieren. Und zeige uns deine Dankbarkeit, indem Du die Dir eingepflanzten Gebote beherzigst und Deine Pflicht tust gegen Gott und Menschen." In den Ohren brauste es dem Jungen noch von der Seekrankheit. Es verschmolz sich ihm mit demSchinettern der Schofarklünge. So war etwas Göttliches in seinen Sinnen, in seinein Herzen, als er das fremde Land betrat. * * * Mistreß Beile jMenkowske stand mit den drei Kindern, und.vielen Freunden an der Liverpoolstreetstation. Alle waren wie wild vor Aufregung, alle wollten Dovidche gleich zuerst sehen, ihn empfangen, seine Sachen tragen, ihm London zeigen. Endlich hielt der Zug. Ein rotes Tuch sollte wehen, hier und dort. „Nun nimm Dein Tüchelchen," sagte der Teehändler, „jetzt sind wir da." So fanden sie sich gleich. Frau Beile Menkowske schrie auf, als sie ihren Sohn sah. Wie verändert er war. Ein elendes, kleines Jüngelchen hatte sie verlassen, und einen hübschen, aufgeschossenen Knaben mit guten Manieren fand sie wieder. Wie hatte sie sich nach ihm gebangt! Und nun hielt sie ihn am Herzen und ließ ihn nicht los . . . „Habe ich Dich wieder, hat Gott mir die Gnade geschenkt, mein Kind, my boyf mein goldener Jung, und wie groß Du bist — aber wie blaß . . . Gott, Gott, wenn Du wüßtest, wie ich in den Nächten nach Dir geweint, und iiüe ich mich am Tage gequält" (eigentlich wollte sie nach alter Art gequollen sagen, aber sie besann sich noch zur Zeit). Und dann fcnueit die Geschwister . . . Alle weinten vor Freude, da ging auch dem heimgekehrten Sohn das Herz auf, er mischte seine Tränen mit den ihren und tat das heilige Gelübde, ein girier, hilfreicher Sohn, ein treuer Bruder zu werden. „Jsäkche," sagte die Mutter (sie sprach natürlich das I wie Ei aus), „geh, trag dem Jungen das Gepäck. Gott gerechter, was für'n feiner Koffer." „Hast Du uns anyüiing mitgebracht?" so fragten die Schrvestern. Neirr, daran hatte er nicht gedacht. Er hatte ja auch nie Geld in Händen gehabt. „Aber ich werde Euch etwas laufen," versprach er, „ich werde schon bald etwas hm und verdienen." „Mir eine Dollh." „Und mir ein book." Verständnislos sah er sie an . . . Sie übersetzten es ihm gleich ... „Wie die Kinder sind," meinte die Mutter, „siehst de, ich Hab mir mein reines Daitsch beibehalten und hier im Osten Londons wohnen lauter Daitsche, wirst Dich bald ganz glücklich fühlen und Königsberg vergessen." „Nie, Mutterleben, nie, aber ich werde mich hier auch schon einleben . . . Mlltterle, ist hier auch eine Synagoge?" „Eine Schub meinst! Na und was für eine!" „Und hat sie auch ne Orgel, Mntterleben?" „Gott behüt, Dovidche, wozu 'ne Orgel? Der Rabbi singt ilnd predigt, und machts wunderschön . . „Aber in der Reform ist 'ne Orgel," berichtete Lea, die ältere Schwester, die zu Dovidchens Erstaunen Liä gerufen wurde, „und unten am Square die stoekbrokcrs die reichen, die gehen immer hin." „Und Heymanns in Ilampstead drüben, die sind auch ganzjewisli people, aber die geh'u nur in die Pilgrims laue Gimpel, in der der berühmte Reverend Predigt und die einzige Tochter ist da getraut worden, Heu von — 't was splendid!" Sprudelnd berichtete es Jsäkche — er halle gerade dort in der Nähe ans Mannnys Geschäft etwas abzugeben gehabt, da wäre er auch in die clmrch gegangen, hätte alles gesehen und gehört.