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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-07-10 · Heft 28 (10.7.1903) · p. Seite 329

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 28 (10.7.1903)
Date
1903-07-10
Page
Seite 329 (sequence 7)
Language
German
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329 ehmen sei. aben. Die durch das s russische ion gegen iuug nicht er ganzen 1 Aufrechtienheit gebteilung." ^ischinewer nen Rück en Ameriusnahmsnehr zufriedliche ' ameria, sogar in solcher deutscher Ple h rv e Kischenew und Ordre trauhlm. im Juli.! sie bei natürlich iegenderi e Menge luffallen, icht noch tet ansigebiete» tzseldern lediglich >ers auf genauer Da ist :uch deönigreiel ige stock matte> it beiber artei ai;en Ber roh ge tark ge } unter ialismw Stund lntisemi .chsZiel. n, sons u" fun Freisinn' ob nicht wäre»! - so fiel der berüchtigte „alldeutsche" Chauvinist Professor hasse in Leipzig-Stadt, der von Ansang an aus seinem antisemitischen Herzen privatim keine Mördergrube gemacht und sich schließlich, aus Angst vor dem Durchfall, den Hetzern Fritsch und Liebermann mit Haut und Haaren verkauft hat, ut der Stichwahl durch seinen sozialdemokratischen Gegner, Der angeblich nativnalliberale Herr — diese Schablone verlangt der sogenannte gute Ton in „Klein-Paris" — erntete so den Lohn seines heißblütigen Fanatismus. Die beiden Dresdens r Stadtkreise, die ja längere Zeit die zweifelhafte Ehre genossen, durch Parteibrüder des vormals freisinnigen Antisemitenpapstes O. Zimmerinann vertreten 'zu sein, fielen diesmal zum ersteninal ohne Stichwahl dem verketzerten Proletariat zu, und die Antisemiten blieben nebst ihrer unreiwilligen bürgerlichen Gefolgschaft im Hintertreffen. Sv hat der politische Antisemitismus irr dem einstigen Lande deutscher .'lusklärnng und Bildung, das unter seinen vier Millionen keine 10000 Israeliten beherbergt (und noch dazu gewiß keine aufdringlichen oder sog. „unangenehmen"), völlig abgewirtschaftet. Wie eine Ironie kommt noch, sicher auch zum letztenmal, der einzige restliche Vertreter aus der sächsischen Lausitz, wo man faktisch die „Mitbürger mosaischer Konfession" an den Fingern abzählen kann, ins Parlament. In der ziveiten Hauptbrutstätte des Antisemitismus, in Hesse n, liegt die Sache so, daß die antisemitische Agitation in der preußischen Halbprovinz Kn rh essen nochmals, wenn auch, abgesehen vom sofort durchgedrungenen Hauptführer Liebermaun von Sonnenberg, erst in den Stichwahlen siegreich gewesen ist, ja, Kassel sogar — freilich mit Hilfe der Nationalliberalen — erobert bat, während sie im Großherzogtum Hessen, wo sie ja,;uie letzten Winter inein Spezialaufsatz hier auseinandersetzte, -chon bei den jüngsten Landtagswahlen auf den Sand geriet, nun vollkommen abgesagt worden ist. Es ist ein außerordentliches Verdienst der dort starkeil deutschsreisinnigen Partei, im Interesse der Besiegung des rabiaten antiseinitischen Hetzertums in den Wahlkreisen Gießen nub Alsfeld-Lauterbach, die vormals stets in ihrem Besitz gewesen, energisch für den Sieg der gut liberalen Nationalüberalen Heiligenstädt und Wallau mitgewirkt zu haben, für dieselbe Landesfraktion also, deren Vertrauensmänner im rheinhessischen Bingen-Alzey, die freilich seitens zahlreicher Wähler nicht befolgte Stichwahl-Parole für das Centrum gegen den bekannten freisinnigen Volksparteiler Schmidt, den früherell Reichstagspräsidenten, ausgaben. Niedriger gehängt lverden muß als interessantes Dokument von der Reichstagswähl 1903 das überaus warme Eintreten des Juden Otto Wolfskehl in Darmstadt, des ehemaligen nationalliberaleu Parteiführers »nd ersten Landtagspräsidenten (seine eigenen Parteigenossen zwangen ihn, voriges Jahr auf den Präsidentensitz und das Abgeordnetenmandat unter antisemitischem Drucke zu verzichten) für den nationalliberal-antisemitischen Mischmaschkaudidäteu Rechtsanwalt Stein, der auf die Forderungen der ihn offiziell unterstützenden „Christlich-Sozialen" und „Deutschen Reformpartei" weitgehendste Rücksicht genommen und doch dem sozialdemokratischen Gastwirt Cramer für die alte Residenz der Ludwige hat weichen müssen. Mit billigen Witzen über den Niedergang des Freisinns und der Hoffnung, dieser werde doch nicht iin Bunde mit der Sozialdemokratie etwas erreichen, suchte Wolsskehl in der großen, entscheidenden Heerschau der „reichstreuen" Kartellbrüder sich am 13. Juni den „deutschnationalen" Mannen lieb Kind zu »lachen. Dazu ist jeder Kommentar überflüssig. Bei dieser Gelegenheit sei noch im Anschluß an den einschlägigen Artikel in der vorigen Nummer bemerkt, daß auch der Redakteur Dr. Heinrich Braun, der in Frankfurt a. O. - Lebus gewählt wurde, Jude ist. Im übrigen hat in Süddeutschland die antisemitische Wahlpolitik im ganzen nicht eben günstig abgeschlossen, soweit man nicht die relativen Verluste der stets gut philosemitischeu „DeutschenVolkspartei" — die ja allerdings ziffernmäßig fast ganz wieder ausgeglichen worden sind — in dieser Hinsicht bedauern und die in der Hauptsache nnerschüttert gebliebene Herrschaft der Centrumspartei mit aufs antijüdische Konto schreiben ivill. An Einzelheiten ist da mancherlei Kurioses zu erwähnen. In Fürth, wo unter tätiger Beihilfe von Demokratie und Judenschaft die Dentschfreisinnigen ihr früher sicheres Mandat von der Sozialdemokratie zurückeroberten, verbreitete letztere cm Stichwahltage noch gefälschte Flugblätter, auf denen angeblich „Unsere israelitischen Mitbürger" für die Sozi eintraten. In München trennten sich die katholischen Christlich-Sozialen unter dem Judenfresser Wenng von den sie vor den Kopf stoßenden Centrumsleuten, die nun hinwiederum jenen die antisemitische Luft durch Hetz-Zettel ans den Segeln zu nehmen versuchten. In Ulm gelang es dem Verleger des nie recht florierenden Hetzvrgans„Ulmer Schnellpost",Dr. Eugen Rübling, trotzdem er seine seit Jahren gelehrt-verbrämte Judenschnüffelei und Jndeuhatz durch sein Auftreten als Kandidat des in Württemberg zur Zeit fest im Sattel reitenden „Bundes der Landwirte" verkappt hatte, mit seinen über 3000 Stimmen nicht, die Stichwahl zwischen den beiden demokratischen Parteien zu verhindern, die schließlich für die bürgerliche entschied. Die vielen fesselnden und bedeutsamen Einzeltatsachen, die sich für den jüdischen Standpunkt aus dem im ganzen befriedigenden, hitzigen Wahlkamps in Süddeutschland ergaben, wollen wir demnächst ausführlicher beleuchten. L. F. Michaelis Sillirrltrin. Von Leopold Katz-Rybnik. m 10. Juli tritt der Inspektor der Waisenverpflegungsanstatt zu Breslau, M. Silberstein, der den Lesern der „Allgemeinen Zeitung des Judentnnis" durch seine jüdischgeschichtlichen Streifzüge bekannt ist, in das achtzigste Jahr seines arbeitsreichen Lebens. Eines Lebens, das des Segens nicht eiltbehrte, des Segens für ihn und des Segens für zahlreiche Glücksstieskinder, die aus seinem Geistesborn geschöpft und aus seinen: Liebesquell getrunken. Und ob auch der Mann an der'Schwelle des Alters steht, das nach des PsalmistenMeinung Mühe und Beschwerden bringt, er leitet noch mit wunderbar unverminderten Kräften die große Anstalt. Nicht, wie man wähnen könnte, mit verschränkten Arme»! oder voiil grünen Tische aus: unzühligemale des Tages schreitet er treppauf, treppab, um in alle Ecken der Räume und in alle Winkel der Herzensschreine seiner Pfleglinge zu schauen. Oder sagen wir: Zöglinge, denn er hat seine Aufgabe uicht im pflegeil allein, sondern im „pflegen und erziehen" erfaßt und erfüllt. Denrgemäß war es ihm gelungen, die Verwaltung durch das Gewicht seiner Gründe von der Notwendigkeit der Verwandlung der anfechtbaren „Ko st pflege" in die Pflege der Kinder „durch die Anstalt selbst" zu überzeugen. Und das lvar die erste siegreiche Tat seines Geistes nach der vor dreiunddreißig Jahren erfolgten Uebernahnie der Anstalt. Daß ein in der Vollkraft der Jahre steheilder Leiter einer Anstalt danach strebt, sie nach seinen Allsichten und Erfahrungen in vielseitigem Interesse zu entwickeln, liegt in „der Natur des ringenden Menschen. Er jmuß es auch als seine Pflicht ansehen, seine Schutzbefohlenen — und Waisenkinder bedürfen des Schutzes ganz besonders — bis zu ihrer Entlassung so zu lenken, daß sie draußen in der Welt auf sicheren Füßen stehen,

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