Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1903)
- Date
- 1903-07-10
- Page
- Seite 327 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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327 2V Parteim t Fröhlich zialdemoläft haben te Sozialus bisher »ralischem ntarischen ger Seite nämn Antiar einem n Polen, vor der rigen Ervtimme in t Vorder- Boecklers oder dem ter. ist sogar dem der trete mit ng aller Hränken, sie Wahl ialdemorben sich, Anwälte ls Zeug rts Ausß Juden es etwas gestehen, -habt zu r Juden en, den aft. als iten in men gelvegung. es hieß: c Mann n Kassel en von es antin suchte nmlnng >err von ifft, aus ie Ausanders h auch diesem er bisherige Vertreter dieses hohen Postens, Graf Pininski, hat für die Juden nichts getan. Man kann sogar eher behaupten, daß •a* ihr Gegner war. Der neue Statthalter Graf Potocki hat nun in dieser Woche die Repräsentanz der israelitischen Kultus- Gemeinde in Lemberg, die voll dem Reichsratsabgeordneten Dr. Byk geführt wurde, empfangen. Abgeordneter Dr. Byk richtete namens des jüdischell Kultllsvorstandes eine Allsprache an den Statthalter und bat denselben, die jüdische Bevölkerung seiner Fürsorge teilhastig werdell au lassen durch Verwirklichung ihrer gesetzmäßigen vollen Gleichberechtigung md durch Bekämpfung der unbeschreiblichen Not und des Äends, der in erschreckender Weise wachsellden Erwerblosigkeit and der Verzweiflungspollen Lage der weiterr Schichten der irdischen Landbevölkerung. Der Statthalter antwortete in ängerer Rede, welche von den Mitgliedern der Deputation ehr sympathisch aufgenonlmen und au mehreren Stellen mit lebhaftem Beifalle begleitet wurde. Der Eedankengang dieser Rede war folgender: Der Statthalter werde sich in seiner amtlichen Stellung gewiß tets ausschließlich von den Grundsätzen einer strikten Gerechtigkeit leiten lassen, wobei der Unterschied des Glaubens absolut nicht in die ÜZagschale fallen werde. Er halte im allgemeinen die Religion hoch, ohne Unterschied, ob sie die seine oder eine fremde fei, und achte da- ]eu auch in gleicher Weise den jüdischen Glauben. Die Bedeutung der jüdischen Bevölkerung erkenne er nicht bloß wegen ihrer numerisch gewaltigen Zahl, sondern auch deswegen an, weil sich der ganze Handel im Lande fast ausschließlich in ihren Händen befindet. Das allgemeine Landesinteresse, welches die Entwicklung des Handels fordert, müsse daher seine volle Aufmerksamkeit und feine Rücksichtnahme herberführen. Die Verhältnisse des Landes seien ihm bekannt, und er müsse daher dem Abgeordneten Dr. Byk beipflichten, daß Armut und 'tot der jüdischen Masseü, besonders in den kleinen Städten, unsagbar eien. Der Hunger lasse begreiflicherweise mitunter manche Grenze oerkennen und könne auch leicht zu Ausschreitungen führen. Selbst abgesehen vom allgemeinen Menschlichkeitsgefühl nlüsse daher auch die öffentliche Sicherheit sein Interesse für diese wirtschaftliche Notlage und ihre Ursache im hohen Grade wecken. Gleich bei Uebernahme seines Amtes habe man in polnischen und ruthenischen Blättern lesen können, daß sich anti semitische Exzesse in Galizien vorbereiten, ia noch mehr, daß sie organisiert werden. Der Statthalter habe sofort eine allseitige Berichterstattung abverlangt und könne die beruhigende Mitteilung machen, daß nicht ein Wort an jenen Zeitungs- Meldungen wahr sei. Er knüpfe jedoch daran die entschiedene Erklärung, daß er derartige Erscheinungen oder auch nur deren Vorbereitungen mit aller Energie und allen staatlichen Mitteln Niederkämpfen werde. Zum Schluffe dankte der Statthalter in herzlichen Worten für die ihm dargebrachten Glückwünsche.^ Das sind schöne Worte! Hoffentlich folgen ihnen auch ebenso löbliche Taten. Anläßlich des am Beginn dieses Jahres stattgehabten 100 jährigen Jubiläums des vom Zar Alexander I. errichteteil russischen Ministeriums (Ministerkomitees) ist vor kurzem ein umfangreiches vierbändiges Werk „Zur Geschichte der Tätigkeit des russischen Ministerkomitees" erschienen, aus dem wir über die Pläne des Baron Hirsch und die Gründung der «1. C. A. eine Reihe von wertvollen Aufschlüssen erhalten. Man schreibt uns darüber ans St. Petersburg: „Die russische Regierung setzte auf die Gründung der „Jüdischell Kolonifationsgefellschaft" ursprünglich sehr große Hoffnungen. Die Versuche, die Judenfrage in Rußland zu lösen, schrieb Finanzminister Bunge über den Plan des Baron Hirsch, hat bisher zu keinem Resultat geführt. „Der Umstand, daß die Judenfrage weder im Guten noch im Bösen gelöst werden konnte, beweist nur, daß auf dem Wege der Gesetzgebung überhaupt nichts erreicht werden kann. Das Judentum hat entweder triumphiert oder schwer gelitten, in beiden Fällen aber hat die nichtjüdische Bevölkerung dabei nichts gewonnen." Auch Jgnatiew selber mußte als Generalgouverneur von Kiew berichten, daß die über die Juden verhängten schlveren Verfolgungen weder folgerichtig noch zielbewußt waren, und Zar Alexander fügte diesem Bericht die Randbemerkung „Jawohl!" hinzu. Man faßte nun den Plan näher ins Auge, die Juden aus Rußland auszuweisen. Der Gouverneur von Podolien äußerte sich in seinem Jahresbericht pro 1888, daß die Ausweisung der jüdischen Proletarier aus Rußland „nützlich wäre". Der Zar fügte in einer Randbemerkung hinzu: „Und auch sehr wünschenswert!" Der Gouverneur von Kiew schlug vor, Juden, die nach überseeischen Ländern auswandern wollen, eine Reiseunterstützung aus den Karobkageldern zu gewähren. Der Zar fand den Vorschlag beachtenswert ulld schrieb in einer Bemerkung: „Dem Minister des Innern zur Beachtung!" Auch der Polizeimeister von Odessa sah sich bemüßigt, mit Ratschlägen zu kommen, und schlug vor, jüdische Rückwanderer au der russischen Grenze zurückzuweisen. Der Zar äußerte sein Einverständnis, indem er ein „Ja" am Rande schrieb. Man kann sich denken, wie gelegen nun der Baron Hirsch der ratlosen russischen Regierung kommen mußte. Vom Jahre 1892 beginnend, im Laufe von 25 Jahren ganze 3 500 000 Juden aus Rußland fortführen, ein solcher Plan mußte der russischen Regierung wie eine Erlösung erscheinen. Die russische Regierung war über das Anerbieten des Baron Hirsch um so mehr erfreut, als er von ihr für die Evakuierung des russischen Reiches von seiner jüdischen Bevölkerung so gar keine Gegenleistung forderte. Freilich, im ersten Jahre sollten nur 25 000 Juden aus Rußland nach Argentinien befördert werden, wobei diesen 25 000 einige Hundert alte erprobte jüdische Landarbeiter aus den südrussischen Kolonien als Avantgarde vorausgehen sollten, um für die nachfolgenden Kolonisten alles vorzubereiten. Dann aber sollte die Befreiung des Landes von den „Hebräern" unaufhaltsam vor sich gehen und alljährlich 140—150 000 Juden ans Rußland nach dem Eldorado in Argentinien gehen. Vor Freude wollte sich die russische Regierung dem Baron Hirsch dankbar erweisen und seine Sache, wenn auch nicht direkt durch Subventionen, so durch Gewährung von verschiedenen Privilegien an die abziehenden Juden doch indirekt fördern. In der Sitzung des Ministerkomitees wies MarineministerAdmiral Tschichatschew darauf hin, daß Argentinien größer als Frankreich und sehr wohl geeignet sei. alljährlich 130 000 Juden auszunehmen. Er schlug deshalb vor, der J. C. A. für jeden ausgewanderten Juden 5.84 Rubel zu zahlen, und zwar unter der Bedingung, daß sie in je 5 Jahren 650 000 Juden aus Rußland befördert. Der Minister des Innern Durnowo hielt diesen Vorschlag für nicht ausführbar. Der Finanzminister Abasa bekämpfte den Vorschlag, die J. C. A. aus den Erträgnissen der Karobka zu subventionieren, da die Karobkagelder zur Unterhaltung der jüdischen religiösen und Wohltätigkeitsinstitutionen erforderlich sind. Auch glaubte er, die Möglichkeit, große Massen von Juden nach Argentinien zu befördern, bezweifeln zu müssen. Der Antrag des Marineministers wurde einstweilen zurückgestellt, obwohl der Minister des Innern bereits im Jahre 1892 einzelnen jüdischen Emigranten aus den Karobkageldern eine Reiseunterstützung zu gewähren begann. Eiü weiteres Privilegium bestand darin, daß von Juden, welche vor ihrer Emigration ihrer Militärpflicht nicht genügt haben, die bekannte Strafe in Höhe von 300 Rubel nicht eingetrieben wurde. Diese Praxis wurde jedoch nur unter der Hand befolgt, ohne daß sie Gesetzkraft erlangt hätte. Man scheute nämlich die zur Erlangung von Gesetzkrast erforderliche Publikation, durch welche zahlreiche Juden veranlaßt werde,! könnten, das Privilegium zu Militärhinterziehnngen zu mißbrauchen. Aus Scheu vor der erforderlichen Publikation wurde auch einem weiteren Privilegium keine Gesetzkraft verliehen, wonach wegen leichter, nicht ehrenrühriger Vergehen verfolgten jüdischen Emigranten die Strafen erlassen wurden. Jüdische Rückwanderer wurden, falls sie im Auslande noch kein Bürgerrecht erworben haben, auf Staatskosten zurückbefördert, wobei der Staat sich an der von der J. C. A. hinterlegten Kaution im Betrage von 100000 Rubel schadlos hielt. Der Staat behielt sich vor, die Tätigkeit der J. C. A. zu inhibieren, falls die Rückwanderung größere Dimensionen annehmen sollte. Der einzige Minister, der sich von vornherein keineJllusionen gemacht hat, war der geistvolle Bunge, der ein Finanzgenie ersten Ranges gewesen sein soll. Er schrieb gutachtlich: „Eine jüdische Massenemigration ist nur nach einem reichbesiedelten Lande mit einer unternehmungslustigen aber dennoch etwas zurückgebliebenen Bevölkerung