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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-07-03 · Heft 27 (3.7.1903) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 27 (3.7.1903)
Date
1903-07-03
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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Tochter am Dienstag verstorbenen Herrn Sanitätsrat Dr. Weil zu Grabe getragen. Der Verstorbene hat über 40 Jahre bis aus fast 93 Lebensjahre hier eine umfangreiche Praxis ausgeübt und sich durch seine hervorragenden Eigenschaften als Arzt wie als Mitmensch allseitiger Verehrung und Achtung erfreut. Lange Jahre war er Mitglied der Stadtverordnetenversammlung. Bis zu seinem Ende Mitglied unseres Schulvorstandes. Auch unser Literaturverein verliert an ihm sein eifriges Mitglied, dem die Interessen des Judentums sehr am Herzen lagen. Sein Leichenbegängnis zeugte von der Verehrung, die er genoß; möge sein Seele in Frieden ruhen. p. Bochttm, 21. Juni. Unter Vorsitz des Herrn Rechtsanwalts Dr. Frankenstein-Bielefeld tagte heute im Stadttheater der dreizehnte ordentliche Gemeindetag der Synagogengemeinden Westfalens, der sich die Generalversammlung des Vereins „Israelitisches Altertum in Westfalen" anschloß. Der verlesene Bericht ergibt überall eine eifrige Tätigkeit auf dem Gebiete der sozialen und bildungsfreundlichen Bestrebungen des Judentums in Westfalen. Der Kassenbericht, den Dr. Coblenz-Bielefeld erstattete, ist ein recht günstiger. Die langjährige Schuldenlast ist abgetragen. Am 1. April 1902 war ein Bestand von 1246,06 Mark vorhanden, die Aktiva betragen im abgelausenen Jahre 1210,80 Mark, der Reinüberschuß 863,70 Mark. Die Witwen- und Waisenpensionskasse vermochte 33000 Mark an pensionsbedürftige Personen zu verteilen. Gegenwärtig werden unterstützt 3 Waisen aus Bochum, je eine Witwe und Waise aus Dortmund, das gezahlte Gesamtwaisengeld für Kranke betrug 367.17 Mark. Dem Vorstande wurde einstimmig Entlastung erteilt. Ein Antrag der Synagogengemeinde zu Herford betreffend Einführung des jüdischen Religionsunterrichtes an höher» Lehranstalten rief eine eingehende Diskussion hervor. Der Deutsch-israelitische Gemeindebnnd hat sich früher schon cm den Kultusminister gewandt bezüglich der Einführung des jüdischen Religionsunterrichtes an sämtlichen höheren Lehranstalten. Eine Antwort ist bis jetzt nicht erfolgt, jedoch ist aus den Einzelversügungen des Kultusministers zu ersehen, daß er gewillt ist. den Forderungen des Bundes gerecht zu werden. Der Bund fordert die einzelnen Verbände auf, dahin zu wirken, daß der jüdische Religionsunterricht bis in die obersten Klassen der höheren Lehranstalten erteilt wird, sich unmittelbar an die Unterrichtsstunden anschließt und die Aufnahme des Urteils in das Zeugnis gewährleistet wird. In der Diskussion wurden viele Klagen laut über den ablehnenden Standpunkt, den manche Kuratorien höherer Lehranstalten und das Provinzialschulkollegium einnehmen, so in Herford' und Soest. Dr. David-Bochum, Meyer-Herford und Dr. Coblenz- Bielefeld empfehlen ein energisches Vorgehen von Fall zu Fall. Dr. Spanier-Münster und Dr. Bonin-Wattenscheid weisen auf den Umstand hin, daß ein gesetzliches Recht in dieser Hinsicht nicht bestehe, das müsse geschaffen werden. Der Israelitische Gemeindebund müsse energische Schritte tun, damit endlich der Religionsunterricht der Juden an höheren Lehranstalten dem der übrigen Konfessionen gleichgestellt werde. Obligatorische Einführung sei notwendig, wenn er sonst nicht an Ansehen bei den Schülern verlieren solle. Es wurde dann folgende von Dr. Coblenz-Bielefeld beantragte Resolution allgenommen: „Der Gemeindetag betrachtet die Regeluilg der Einführung des Religionsunterrichtes an höheren Lehranstalten mit Rücksicht aus die Erfahrungen, welche der Deutsch-Israelitische Gemeindebund in Berlin auf diesem Gebiete gemacht hat, als eine Aufgabe, die in erster Linie nur von den in Betracht kommenden Einzelgemeinden durchgeführt werden kann. Demgemäß empfiehlt der Gemeindetag der Gemeinde Herford gegen den ablehnenden Bescheid des Provinzialschulkollegiums bei dem Kultusniiuister vorstellig zu werden." Zum Vorort wurde Dortmund neugewählt, als Vorsitzender des Ausschusses Isidor Wolsstein,'als Schriftführer und Kassierer S. Freund, beide von Dortmund, und an Stelle des durch Tod ausgeschiedenen Vorstandsmitgliedes Mendel-Bochum Dr. David-Bochum. Der Ausschuß wurde wiedergewählt, zu Revisoren Jakob Wolff und Schild-Dortmund neugewählt, zum Vorstandsmitglied Hanf-Witten neugewählt. Die Wahl des nächsten Verbandstages wird dem Ausschüsse überlassen. Dem Gemeindetag schloß sich um Uhr die zweite Generalversamnllling des jüdischen Asylvereins für die Provinz Westfalen unter Vorsitz des Herrn Dr. Kempenich-Dortmuud au. Den Rechenschaftsbericht erstattete Dr. Coblenz-Bielefeld. Nach diesem hatte der Verein im abgelausenen Jahre eine Einnahme von 9301 Mark, eine Ausgabe von 324,20 Mark. Da- Vermögen des Verbandes beläuft sich auf 133 126.84 Mark. Der Verein bezweckt, für jüdische Kranke und Altersschwache zu Unna ein Asylheim zu bauen. Für den wohltätigen Gedanken herrscht unter der jüdischen Bevölkerung warme Sympathie. Dem eifrigen Förderer dieses Werkes Friede-Dortmund erstattete die Generalversammlung innigsten Dank. Dem Vorstande wurde Decharge erteilt. Bei den Vorstandswahlen wurde Porta-Unna und Friede-Dortmund wieder- und Liebenseld- Bochum, Isidor Goldschmidt-Dortmund neugewählt. r. Fürth, 26. Juni. Am 11. d. M. fand Hierselbst die diesjährige Ausschußsttzung und Generalversammlung des Landesvereins für israelitische Kultusgemei nden in Bayern statt. Die Gemeinden München, Nürnberg. Fürth, Bamberg, Ansbach, Schweinsurt, Kissingen, Bayreuth, Sulzbürg, Burgkundstadt, Burgpreppach, Kitziugen rc. waren vertreten. Justizrat Gunzenhäuser aus Fürth leitete als Vorsitzender die Versammlung. Rabbiner Dr. Werner berichtete als Vorsitzender der Abwehrkommission über deren Tätigkeit im verflossenen Vereiusjahre, Herr Martin Lebrecht aus Nürnberg über die Organisation des Armenwesens, und an beide Referate knüpfte sich eine rege Debatte an. — Von 69 Gemeinden Bayerns lagen Gesuche um Unterstützung vor, welche sich auf Förderung des Religionsunterrichtes und anderer Ausgaben der Gemeinde bezogen. Fast sämtliche Gesuche wurden berücksichtigt, und die stattliche Summe von 8600 Mark wurde bewilligt. Justizrat Ofner-München referierte über die durch die neue Gesetzgebung notwendig gewordene Veränderung der Statuten. Bei den verschiedenen Punkten, die während der Versammlung beraten wurden, wurde auch auf einzelne allgemeine jüdische Organisationen in Deutschland hingewiesen; Rabbiner Dr. Werner legte es in seinem Referate den Vertretern der Gemeinden ans Herz, in ihren Kreisen für den Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens nach Kräften tätig zu sein. Hoffentlich wird diese Anregung wie manche andere von anderen Herren ausgegangene von Erfolg begleitet sein. Der bisherige Ausschuß und die Vorstandschaft wurden einstimmig wiedergewählt. Aus den diesmaligen Beratungen konnte man so recht ersehen, welche Notwendigkeit der Landesverein für die jüdischen Gemeinden Bayerns ist und welchen mannigfachen Segen er stiftet. Hoffentlich wird er noch immer mehr und mehr Förderer und Freunde finden, um in die Lage gesetzt zu sein, allen A»lsprüchen, die an ihn gestellt werden, zu genügen. Möge er zum Segen der Gesamtheit wachsen und blühen! Gesterreich-Nngarn. Q Wien, 29. Juni. Rabbiner Dr. Kaminka ist aus Kischinew zurückgekehrt und hat dem Vorstande über die Organisation der Hilfe ulld die Tätigkeit des an Ort und Stelle wirkenden Ceutralkomitees, an dessen Sitzungen er teilgenommen, eingehend Bericht erstattet. Nach einer genauen Berechnung des Schadens und des Millimums der erforderlichen Hilfe ergab sich, daß für die ca. 2700 in äußerste Not gebrachten Familien mindestens 1 108 000 Rubel auszubringen sein werden. Dabei ist für die Geschäftsleute und Handwerker, deren Hab und Gut zertrümmert wurde, nur eine Entschädigung von durchschnittlich 33 Prozent und für die Wittwen und Waisen von den Ermordeten (ca. 150 Seelen) llur die nach ben lokalen Verhältnissen bemessene, sehr bescheidene Unterstützung zur Gründung einer Existenz, beziehlmgsweise zur Erziehung der Kinder in Aussicht genommen. Die diesbezüglichen, zum großen Teil auf Grund der Ermittelungen und Berichte der für die Familien der Ermordeten vom Komitee eingesetzten Kuratoren bereits bewilligten Subventionen schwanken zwischen 1000 bis 250 Rubel als einmalige Unterstützung pro Kops. Eine in vielen Fällen gebotene Erhöhung wird nur möglich sein, wenn das Ergebnis der Spendensammlungen das obige Minimalerforderllis übersteigen sollte. Bis Mitte Juni waren beim Komitee in Kischinew (zu dessen Mitgliedern die angesehensten, in ganz Rußland das größte Vertrauen genießenden jüdischen Persönlichkeiten gehören) ca. 620 000 Rubel (1 550 000 Kronen) eingegangen, wovon etwa die Hälfte aus Rußlands selbst, wo fast in allen Gemeinden Sammlungen veranstaltet und von den entlegensten Städten Beiträge gesandt wurden (zum Beispiel aus Baku 8000 Rubel, aus Port Arthur 2400; eine Sammlung des jüdischen Wochenblattes „Woskhod" ergab ca. 43 000 Rubel, der „Nowosti" 24 000 Rubel). Das Ergebnis der Sammlung der Israelitischen Allianz zu Wien beläuft sich auf ca. 200 000 Kronen. — Dem Vizepräsidenten der Produktenbörse Kommerzienrat und Kultusvorsteher Jonas Weil wurde das Ritter-

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