Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 27 (3.7.1903)
- Date
- 1903-07-03
- Page
- Seite 4 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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4 kreuz des Franz Joses-Ordens verliehen. — Eine Nachricht, die Ihre Leser interessieren und sicher auch freuen wird: der rühmlichst bekannte jüdische Gelehrte Salomon Buber in Lemberg wurde für seine Verdienste als langjähriger Censor der dortigen Filiale der Nationalbank zum kaiserlichen Nat ernannt. — Der Oberrabbiner von Mako, Abraham Kornfeld, ist an einem Herzleiden gestorben. Der Verblichene wirkte 31 Jahre als Rabbiner. — Hier ist der emeritierte Musterhauptschuldirektor und pensionierte städtische Lehrer AronKohn im 78. Lebensjahre gestorben. Er war ein tüchtiger Schulmann und wegen seines unermüdlichen Humanitären Wirkens in lueitefteu Kreisen geachtet und geschätzt. — Beim Hiesigerl Zivillandesgericht fand am 26. d. M. die erste Tagfahrt über eine seltsame von dem galizischen Grundbesitzer L. Ehrenbrod gegen den ehemaligen galizischen Landsmannminister Adanl v. Jendrzej o wicz und die Jewish Colonisation Association in Paris erhobene Schadenersatzklage statt. Ehrenbrod, der von Dr. Ludwig Grann Vertreter! wird, fordert einen Schadenersatz von 40 000 Kronen für die ihm von der genannten Gesellschaft mit Herrn v. Jerrdrzejowicz gemeinschaftlich zerstörte Existenz. Der Kläger, der Miteigentümer eines Gutes war, das von dem ehemaligen Minister an die Kolonisationsgesellschaft verkauft rvurde. behauptet, durch ungl aubliche Ränke und Gewalttätigkeiten eitens des Vertreters der Gesellschaft und des Beklagten von dem Gute „Slobodka Lesna" verdrängt worden zu sein, und schildert einige angeblich von den Angeklagten begangene Nechtsbrüche, die selbst für galizische Verhältnisse als „stark" bezeichnet werden müßten. Die Beklagten, vertreten durch Dr. Knopfmacher und Dr. v. Boschan, bezeichnen .die Angaben der Klage als einen „Roman". Ersterer machte überdies die Einwendung, daß die Jewisli ColonisaUo| Association in Oesterreich nicht zum Geschäftsbetrieb zugelassen sH die Klage daher wegen örtlicher Inkompetenz abzuweisen sei. Daß Gericht beschloß, über diesen Punkt Erhebungen zu pflegen. Sollte sich ergeben, daß die Kompetenz des Gerichtshofes gegeben sei, so wird den Beklagten eine Frist zur Erstattung der Klagebeantwortung erteilt, im anderen Falle die Klage abgewiesen werden. Van Sah und Jroi. Die Pariser Akademie der Medizin hat den Professor für Augenheilkunde an der hiesigen Universität, Geheimrat Hirschberg, zum korrespondierenden Mitglieds gewählt. — Ein auswärtiges Blatt macht den hier jüngst verstorbenen Professor Dr. Max Fränkel zum Juden, ein anderes sogar den Schauspieler Josef Kainz. Etwas nlehr Vorsicht wäre bei solchen Meldungen doch wohl am Platze! — In Potsdam fand am 24. d. M. eine Delegiertenversammlung der „Deutschen Tierschutzvereine" statt, in der beschlossen werden sollte, bei der Regierung dahin zu wirken, daß ein Gesetz erlassen werde, daß sämtliches Schlachtvieh vor der Tötung durch Schlag zu betäuben sei. Ein von der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" abgeordneter Metzgermeister, Herr Mayersohn, stellte den Antrag auf Ablehnung dieses Absatzes, und wurde derselbe hierauf auch mit Majorität abgelehnt. — Herr Isidor Caspari aus Bütow. der unter den Verfolgungen gewisser Antisemiten ganz be^ sonders zu leiden gehabt hat, war auf Grund einer Denunziation des Bruschkeschen Ehepaares in Kolberg wegen Meineides in Anklagezustand versetzt worden und hatte sich am 25. Mai in Köslin zu verantworten. Die Aussagen der Entlastungszeugen und die Verteidigung durch Herrn Rechtsanwalt Heidemann in Köslin veranlaßten den Staatsanwalt, selbst die Freisprechung zu beantragen. Nach Vernehmung von zwei Zeugen wurde die Verhandlung geschlossen und Herr Caspari freigesprochen. Das Denunziantenpaar wurde vom Gericht als „ganz unglaubwürdig" bezeichnet. - In Köthen wurHe laut Anschlag am Schwarzen Brett des städtischen höheren Instituts der jüdisch-wissenschaftliche Verein „Maccabia" für immer aufgelöst. Weiter sind zwei Studierende relegiert worden, zwei haben das Consilium abeundi unterschreiben müssen. — In Gesece wurdest in der Nacht vom 6. auf den 7. Juni auf dem israelitischen Friedhof vier Grabdenkmäler umgeworfen und demoliert. Der Täter, ein auswärtiger Arbeiter, sitzt bereits im Gerichtsgefängnis. — Der dänische Folkething wählte H. Trier von der Linken-Reformparter mit 95 Stimmen bei sechs Stimmenenthaltungen zum PräsidentÄ^ wieder. — Bei der Deputation, welche von Belgrad aus nach Wien f reiste, um daselbst den neuen serbischen Herrscher zu begrüßen, befanden sich auch als Vertreter der deutsch-israelitischen Gemeinde Herr Lewensohn, als Vertreter der spaniolischen Gemeinde der Rechtskonsulent des österreichisch-ungarischen Konsulats Dr. D. Alcalay und Herr Zivko Leonevic; ferner gehörten der Deputation an die Herren: Bankier Venzion Bully und Gemeinderat Asriel. — Vor der Warschauer Gerichtskammer fand vor einigen Tagen die Appellverhandlung statt in Sachen der durch das Petrikauer Kreisgericht am 20. Dezember v. I. wegen Plünderung jüdischer Geschäftshäuser in Czenstochau verurteilten vierundfünfzig Personen. Wie erinnerlich, haben im September v. J. in Czenstochau einige hundert Personen bei helllichtem Tage Juden überfallen, mißhandelt und deren Läden geplündert. Das Militär mußte von der Feuerwaffe Gebrauch machen, wobei zwei Personen erschossen und sieben schwerverwundet wurden. Von den 71 Angeklagten wurden vom Kreisgericht in Petrikau 17 Personen ganz sreigesprochen, dagegen 29 in die Strafkompagnien gesteckt, 20 zu Gefängnisstrafen und 5 zu Haftstrafen verurteilt. Die Angeklagten wurden von 12 Advokaten verteidigt und das endgültige Urteil lautet: vier Personen neuerdings sreigesprochen, acht zu zwei Monaten Gefängnis, einer zu vier Monaten, drei zu sechs Monaten, drei zu sechs Wochen verurteilt. Das Urteil gegen die übrigen 33 wurde bestätigt. — Das Wölfische Büreau meldet offiziös aus Lodz: „Die Meldungen der Auslandspresse über die hiesigen Unruhen vom 14. Juni widersprechen in jeder Beziehung der Wahrheit. Die Zahl der Teilnehmer an den Kundgebungen betrug nicht 5000, sondern einige Hundert. Verhaftet wurden 58 Personen, von denen sich 12 als Neugierige erwiesen und daher in Freiheit gesetzt wurden. Von einem antisemitischen Charakter der Bewegung war keine Rede. Außer einem verletzten Revieraufseher' der sich aus dem Wege der Genesung befindet, gab es weder Tote noch Verwundete." — Finanzminister Witte empfing, wie die Blätter melden, eine aus einem Christen und zwei Juden bestehende Abordnung der Kischinewer Kaufmannschaft, die ihm verschiedene Bitten vortrug. Besonders ersuchten sie um Fortdauer des Kredits für Personen, deren Wechsel protestiert sind, um Verlängerung des Zahlungstermins für Wechsel, um Vergrößerung der Zahl derjenigen, welchen Kredit gewährt wird, und um Gestattung von Solawechseln in einigen Fällen, um die Erlaubnis, temporär ein Komitee aus 5 Personen des Kaufmannsstandes bilden zu dürfen, damit dieses überall da eintreten könne, wo die Notwendigkeit dies erfordert. Der Minister versprach sein niöglichstes zu tun. — Ausgeraubt und vernichtet wurden in Kischinew an 100 Weinhandlungen, 41 Fruchthandlungen, an 300 Kolonialhandluugen, 9 Hutmagazine, 4 Fabriken, 8 Fischhandlungen. 4 Gemüse- und Fleischbuden, 1 Heulager, 51 Brotbuden, 15 Geschirrhandlungen, 16 Magazine mit fertigen Kleidern, 21 Manufakturhandlungen, 45 Galanteriehandlungen, 20 Fleischerläden, 28 Schuhwarenläden, 2 Holzlager, 3 Drogenhandlungen und 2 Apotheken. — Als Gegenstück zu dem aus Petersburg gemeldeten Attentat auf den Redakteur Kruschewan erzählt ein aus Kischiuew kommender Reisender, daß dort ein 16 jähriger jüdischer Bursche von zwei russischen Studenten auf offener Straße überfallen und erstochen wurde. — Kardinal Vaughan, Erzbischof von Westminster, einer der hervorragendsten katholischen Kirchensürsten der Neuzeit, ist in London gestorben. 1899 richtete er an den Monsignor Merry del Val, den Geheimkämmerer und' Vertrauten des Papstes ein Schreiben, worin er sich namens der englischen Katholiken bitter über die rohe antisemitische Sprache des „Osservatore Romano" und der übrigen römischen Vatikanpresse beklagte. Es erfülle die englischen Katholiken mit Entrüstung, daß Blätter, welche sich als direkte Sprachrohre des Papstes ausgeben, jedes Mittel, selbst das Märchen des Ritualmordes, benutzen, um die Israeliten anzuschwärzen. Der Kardinal bat den Monsignor del Val, diese Beschwerden zur Kenntnis des Papstes zu bringen. — Der Lordmayor von London, Sir Marcus Samuel, wurde am Geburtstag des Königs von England zum Baronet erhoben. — Einer jüdischen Dichterin, Frau Emma Lazarus, die im Jahre 1887 in ihrer Vaterstadt Newyork im Alter von nur 38 Jahren starb, ist soeben am Piedestäl der riesigen Freiheitsstatue auf Bedloes Island im Hafen von Newyork eine Gedächtnistafel aus Bronze mit ihrem Namen und dM Sonett, das sie 1885 schrieb uud der Statue widmete, errichtet worden. In diesem Gedicht ruft sie der: Schutz der Freiheitsgöttin fürdje wenige Jahre zuvor aus Rußland vertriebenen, nach den Vereinigten-Staaten ziehenden Juden an. .... _ .«?:-=• 'V _\./ ' .**0' ■ v ■■