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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-07-03 · Heft 27 (3.7.1903) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 27 (3.7.1903)
Date
1903-07-03
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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67. Jahrgang. No. 27. Koriin, 3. Juli 1903 en, mit ten und Juden, rn, von >en, wo >e gegen n Feldrchte zu erlegen, ihn ersich an dt, den eiligten en verrß den n stets )e von errechtd zum amnes, ' alten Zügel Hände rators ihrem üdische ) dem beschick herorelang n des befreit, alles n die rnen, ver- und bodeu ahren 'gl.) Herr für schon olksvon und dem icht olksrnde unhen rng. Der Gemeindevote. Vellage zur „Allgemeinen Leitung dcK IudentumK Korrelpanden?m und Aachrichtrn. Deutschland. Berlin, 29. Juni. Gestern und heute tagte hier eine vom Hilssverein der deutschen Juden einberufene Konferenz, an der alle diejenigen Organisationen teilnahmen, die sich in hervorragendem Maße an den Sammlungen für unsere in Kischinew durch die Exzesse geschädigten Glaubensgenossen beteiligt haben. Das Präsidium bestand aus den Herren James Simon (Hilfsverein der Deutschen Juden), Justizrat Lachmann (Jewisli Colonisation Association), Dr. Rosenthal-Breslau (Alliance Israölite Universelle), Dr. Alfred Stern, Wien (Israelitische Allianz), Elkan Adler, London (Anglo-Jewish Association). Der Versammlung lagen die Berichte verschiedener Herren vor, die im Aufträge der Vereine Kischinew besucht hatten, um sich an Ort und Stelle von der Größe des Schadens zu überzeugen und die Zwecknläßigkeit des Verteilungsmodus der Hilssgelder zu prüfen, den das Komitee in Kischinew anwendet. Die Summe des bisher angemeldeten Schadens beträgt 2 332 890 Rubel. Die Geschädigten sind ganz überwiegend Leute, Handwerker, Kleinkaufleute, Arbeiter, Kutscher rc. Der Schaden, den die besser Bemittelten erlitten haben und der ebenfalls nicht unerheblich ist, konnte in diese Summe nicht eingerechnet werden, da diese Klasse der Geschädigten aus leicht begreiflicher Rücksicht auf ihren Kredit Bedenken trägt, ihren Schaden öffentlich mitzuteilen. Die genaue Liste der Verletzten stellt sich aus 47 Todte, 92 Schwerverwundete und 345 Leichtverwundete. Die Getöteten und bis jetzt an den Folgen der Verletzungen Erlegenen haben zusammen 55 Witwen und 123 Kinder hinterlassen. Dem Hülfskomitee in Kischinew sind bisher an Geldern ca. 700 000 Rubel zngeflossen. darunter ca. 460 000 Rubel aus Rußland, der Rest aus den verschiedenen Ländern Europas und Amerikas. Diese Gelder hat das Komitee in einer Weise verwendet, die den Beifall aller Delegierten gefunden hat. Nachdem die erste unmittelbare Not durch Verteilung von Lebensmitteln, von Kleidung, Wäsche rc. einigermaßen eingeschränkt war, hat sich das Komitee, welches mit feinen Vertrauensmännern aus ca. 100 Personen besteht, die Aufgabe gestellt, die Geschädigten in einer Weise zu unterstützen, daß dieselben wieder zu einer selbstständigen wirtschaftlichen Existenz gelangen können. Natürlich sind in erster Linie die nötigsten Mittel für die Erhaltung der Familien der Opfer, ^fowie für die dauernd arbeitsunfähig Gewordenen in ausreichender Weise sicher gestellt worden. Diese Klasse umfaßt etwa 100 Familien. Die ihrer Existenzmittel durch die Krawalle Beraubten fiiib leider unvergleichlich zahlreicher; diese Kategorie umfaßt über 2700 Familien. Endlich kommt noch die zuverlässig kaum zu übersehende Zahl der indirekt Geschädigten hinzu, die ihre Arbeit verloren haben, weil die Werkstätten zerstört worden oder deren Geschäfte infolge der eingetretenen allgemeinen Krisis in Kischinew stocken re. Da die dem Komitee in Kischinew zur Verfügung stehenden Mittel nicht einmal für die zweite Kategorie ausreichen, konnte die dritte nur in ganz geringem Umfange, in Fällen der allergrößten Not berücksichtigt werden. Auf Grund des übereinstimmenden Urteils der nach Kischinew entsandten Vertrauensmänner der westeuropäischen Vereine wurde die bisher befolgte Methode der Verwendung der Gelder für gut befunden und zugleich dem Komitee in Kischinew seitens der an der Konferenz beteiligten Korporationen weitere größere Mittel zur Verfügung gestellt. Neben den für die unmittelbare Unterstützung bestimmten Geldern wurde ferner noch eine Anleihe für kleinere Darlehen bewilligt, sowie zur Unterstützung von jüdischen Handwerkern. Auf Grund der bisherigen Erfahrung wird versucht werden, den jüdischen Handwerkern Beschäftigung und damit Lebensunterhalt zu geben. Es wurde ferner durch Herrn Bergel, der im Aufträge des Hilfsvereins und der Logen in Kischinew war. bekannt gegeben, daß mehr als 400 Prozesse wegen Schadenersatz schweben, obgleich die Hoffnungen auf materielle Erfolge aus diesen Prozessen leider in Rußland sehr geringe sind, da nach russischem Gesetz die Klagen auf Ansprüche nicht gegen den Staat oder die Gemeinde, sondern nur gegen die einzelnen Beamten und die Excedenten sich richten können. Einstimmig hat ferner die Konferenz beschlossen, eine Emigration nicht nur nicht z u n n t e r st ü tz e n , s o n d e r n ihr mit allen Mitteln entgegen zu treten, da hierfür keine Gelder vorhanden sind. Eine lange und eingehende Diskussion über diesen Punkt hat gezeigt, daß eine Emigration in diesem Moment zu einer Katastrophe von unübersehbarer Tragweite führen müsse, vmb daß daher derselben in jedem Falle zu widerraten ist, auch wenn dies als Härte erscheint. Die Versammlung, die ein erfreuliches Bild des Zusanlmenarbeitens aller bei diesem Liebeswerk betätigten Korporationen bot. schloß mit warmen Daukesworten des Vorsitzenden an die Erschienenen, für welche die Herren Dr. Stern. Elkan Adler und Rabbiner Dr. Horowitz das Wort ergriffen, um ben Herren James Simon und Dr. P. Nathan ihrerseits zu danken für die Einberufung der Konferenz und für ihre mühevolle unb aufopfernde Tätigkeit. S. Berlin, 29. Juni. Die Generalversammlung des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Ber hin fand heute Abend im Altstädter Hof statt. Trotz der verhältnismäßig kleinen Zahl der Erschienenen gestaltete sich die Verhandlung zu einer ungemein lebhaften und anregenden, wozu nicht zum wenigsten das mehrfache Eingreifen der beiden Repräsentanten Professor Geiger und Professor Blaschke beitrug. Der Vereinsvorsitzende Justizrat Breslauer, welcher die Versammlung eröffnete, gab einen ausführlichen Bericht des Vorstandes. In offener Weise, ohne jede Beschönigung legte er die Mängel bloß, welche sich bei der Agitation des Liberalen Vereins zur Zeit der letzten Repräsentantenwahl gezeigt, und deckte die Gründe auf, welche die Gegenpartei zum Siege geführt haben. Nicht allein das Schlagwort des Sonntagsgottesdienstes, dessen Einrichtung in unwahrer und unlauterer Weise den Wählern dargestellt worden, habe den Gegnern den Wahlsieg erringen helfen, sondern die kräftige Agitation, welche von den kleinen Neligionsvereinen ihren Ausgang genommen und eine wesentliche Unterstützung im Centralverein für die Interessen der jüdischen Gemeinde gefunden hätte. Auch für den Liberalismus seien kräftige Hilfstruppen vorhanden, welche nur aus ihrem Jndifferentismus ausgerüttelt werden müßten. Keine Zeit sei gelegener als die jetzige, nachdem es durch die Verhandlungen in der Repräsentantenversammlung evident geworden, wohin die Strömung gehe, daß es den Konservativen nicht daran gelegen sei, hohe Zwecke zu erreichen, sondern daß sie nur ihre Majorität ausnützen, um ihre Schlepper bei der letzten Wahl in Gemeindeämtern unterzubringen. Durch die Ausschreibung einer Schrift über das Wesen des Judentums habe der Liberale Verein in idealer Richtung zu wirken gesucht, durch seine „Mitteilungen", für welche nunmehr ein ständiger tüchtiger Mitarbeiter gewonnen sei, habe er ebenfalls die idealen Anschauungen, die er vertrete, in der Oeffentlichkeit zu verbreiten sich bemüht, wie er auch nicht Nachlassen werde, in kräftiger und energischer Weise auf die Verhandlungen im Centralverein zu reagieren. Zum Schluß gedachte der Vorsitzende des schmerzlichen Verlustes, welchen der Verein durch das allzu frühe Hinscheiden des Herrn Julius Grünwald erlitten hat. Einen breiten Raum in der nachfolgenden Debatte nahmen die Beschlüsse des Synagogenverbandes ein, die in der gestrigen Repräsentantenversammlung (siehe im Hauptblatt) ebenfalls zum Gegenstand einer lebhaften Diskussion gemacht worden waren, und in weit kräftigerer Weise als in der Repräsentanz wurde gegen diese Einspruch erhoben. Mehrfach beklagt wurde bei diesem Thema der Mangel an Solidarität unter den liberalen Repräsentanten und auf den Zusammenschluß der Konservativen hingewiesen. Die fernere Diskussion betraf fast nur Punkte, welche sich auf eine frühzeitige und energische Agitation zur nächsten Repräsentantenwahl beziehen und deren Erörterung an dieser Stelle untunlich ist. Der Vereinsleitnng wurde in der Diskussion mannigfache Arbeit für die nächste Wahl mit auf den Weg gegeben; an ihr wird es sein, die Arbeit zu gedeihlichem Ziele zu führen; aber nicht allein von den Herren des Vorstandes welche durch schwere Berufspflichten in Anspruch genommen find, ist

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