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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-07-03 · Heft 27 (3.7.1903) · p. Seite 324

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 27 (3.7.1903)
Date
1903-07-03
Page
Seite 324 (sequence 14)
Language
German
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324 mit leidenschaftlichen Flüchen die unschuldige Mariamne und den verräterischen König. Da trat Josefus ein: „Was treibt Dich her?" herrschte Salome dem Eintretenden entgegen. „Mein Unstern, ivie ich sehe," entgegnete Josefus, und der schwache Versuch eines Lächelns zeigte sich auf seinen Lippen, „denn meine Herrin scheint mir heute nicht gnädig gesinnt." „Heute und immer, Josefus," kam es rasch aus dem Munde Salomes, „und Du würdest Dir großen Dank verdienen, wenn Du mein Auge mit Deinem Anblicke verschonen wolltest!" „Ich beklage es tief," erwiderte mit höhnischem Lächeln ihr Gatte, „daß Gott mich so werden ließ und daß mein Angesicht nicht Gnade findet vor den Augen meiner Herrin. Ach!" setzte er mit erheuchelter Traurigkeit hinzu, „weshalb ziert mein Haupt auch nicht gelbes Haar, weshalb gleichen meine Augen nicht jenen blauen des. . ." „Schweige, wenn Dir Dein Leben lieb ist," fuhr wie rasend Salome auf, „und wage es nicht, den Namen jenes von Euch hinterlistig getöteten, jenes göttergleichen Jünglings durch Deine unreinen Lippen zu entweihen! Was führt Dich her? Wie lange muß ich Deinen verhaßten Anblick noch ertragen?" „Solange, Herrin, als bis ich Dir die Befehle des erhabenen Herodes mitgeteilt." „Nun und was befiehlt der erhabene Herodes? Vollende!" „Der König, Salome, hat mir neuerdings einen Beweis seiner Gnade gegeben.. ." „Hat er Dir gestattet, abermals einen Unbequemen aus dem Wege zu räumen?" „Der König, mein erhabener Herr," fuhr Josefus fort, ohne auf Salomes giftig geschleuderte Worte zu hören, „hat gnädigst gestattet, daß während der Zeit, in der er dem Reiche fern ist, sein getreuester Knecht Josefus die Staatsgeschäfte leite.. . ." „Doch nicht auch alle Mordtaten allein besorge?" fiel mit höhnischem Lachen Salome ein. „Du scherzest, Salome, und die Zeiten sind ernst. Ueber dem Haupte unseres geliebten Königs hat sich drohend das Unheil gesammelt, und Gott der Allgütige gebe, daß die Wolke des Zornes im Angesichte des Imperators sich nicht unheilbringend auf das Geschick unseres geliebten Herodes herniedersenke." „Vollende!" gebot kurz und scharf Salome. „Der König begibt sich mit Tagesanbruch nach Laodicea." „Bist Du gekommen, mir dieses zu künden, wovon jeder Sklave bereits Kenntnis hat?" „Es ist ein harter Schritt, den unser geliebter Herodes unternimmt. Gott, der Allmächtige, verleihe ihm seinen Schutz. Herodes sendet mich zu Dir, um Dir seinen Willen kundzutun, daß alle Macht in meine Hände gelegt und daß nur mein Wille geschehe im Lande und" — setzte er zögernd hinzu, „und im Palaste des Königs — und daß Du," fuhr er nach einer Weile fort, ohne daß Salome etwas erwidert hätte, „während der Abwesenheit des Königs Deine Gebete mit den unsrigen vereinst und täglich Bittopfer bringst, aus daß der Richterspruch des Antonius für unseren geliebten König ein milder sei!" „Der Richterspruch," höhnte Salome, „und mein Bruder unterwirft sich diesem Richterspruche, trotzdem er ja nichts verbrochen — — oder sollte er doch?" Und ein hohnvolles Grinsen verzerrte ihr Gesicht. „Die Feinde des Königs — und wo wäre der Mächtige, der keine Feinde besäße, — haben ihn bei Antonius verklagt und die Macht des Imperators ist groß." * * * Beladen mit Schätzen von unermeßlichem Werte, seltenen Juwelen, rieserigroßen Diamanten und zahllosen Reihen milchweißer Perlen, Kleopatras schönem Halse zugedacht, mit vollgefüllten Säcken von goldenen und silbernen Geräten, mit Tonnen voll Geld, mit herrlichen Pferden, den schönsten und feurigsten Arabiens. — so hatte Herodes, der König der Juden, mit einem zahlreichen Gefolge von Reitern und Söldnern, von Dienern. Köchen und Sklaven sich nach Laodicea begeben, wo sich das Kriegslager des Antonius befand, der im Felde gegen die Parther lag. Dahin hatte ein Befehl des siegreichen Feldherrn ihn vorgeladen, um sich von dem schweren Verdachte zu reinigen, der auf ihm ruhte, und die Anklage zu widerlegen, die Alexandra, die schwer heimgesuchte Mutter, gegen ihn erhoben. Mit Bitten und Beschwörungen hatte sie sich an Kleopatra und an den allmächtigen Herrscher gewandt, den von Herodes heimtückisch gedungenen Mord an der geheiligten Person des jüdischen Hohenpriesters zu sühnen und den verbrecherischen König zu bestrafen. Im Grunde ihres Herzens erhoffte Alexandra, daß den Verräter die härteste Strafe treffen werde, ja, in ihrem stets regen Geiste nährte sie den Gedanken, Antonius werde von Kleopatra dazu bewogen werden, dem Herodes die widerrechtlich errungene Herrschaft über Judäa zu entreißen und zum König über das jüdische Reich den Erstgeborenen Mariamnes, den rechtmäßigen Thronfolger aus dem Stamme des alten Königsgeschlechtes, der Hasmonäer, einsetzen und die Zügel der Regentschaft für das unmündige Kind in Alexandras Hände legen. O wenn doch der Allerbarmer den Sinn des Imperators erleuchten wollte und sein Machtspruch in ihrem Sinne lauten würde! Jubelnd würde das jüdische Volk eine solche Umwälzung begrüßen, freudejauchzend dem neuen rechtmäßigen Regenten huldigen, überglücklich das Geschick preisen, das vom gelobten Lande daS schwere Joch der herodeanischen Knechtschaft genommen, unter den: sie nun jahrelang geseufzt und Gut und Blut den kriegerischen Gelüsten des Königs geopfert hatten. Wie von schwerem Drucke befreit, würde das Volk wieder dankbar seinem Gotte opfern, alles heidnische ausrotten, das sich auf Befehl des Königs in die Heilige Stadt gedrängt, jeden heidnischen Zierrat entfernen, der die geweihte Stätte Palästinas entwürdigt, all die verschiedenartigsten Belnstigungsorte, wie Theater, Zirkusse und kriegerische Spiele abschaffen und die Gebäude dem Erdboden gleich machen, die dazu dienten, das Volk Israels dem wahren Glauben abtrünnig zu machen. lForts. solgt.j Sprechsaal. Geehrter Herr Redakteur! ^it Nr. 23 der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" schreibt Herr Rabbiner Dr. Wreschner in Samter: „Dagegen halte ich es für sehr erwünscht, daß der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens den Vorstand der Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung veranlaßt, antisemitische Werke, wie die bezeichneten von Glaubrecht und Höcker, aus seinem Musterkataloge zu streichen." Gemeint sind Glaubrecht, „Das Volk und seine Treiber", und Höcker, „Entstehung des Christentums". Diese Bücher sind in dem Musterkatalog der Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung nicht enthalten, viel weniger noch in dem Katalog „Bücher für Volksbibliotheken", welcher den Anschaffungen der Gesellschaft zu Grunde liegt. Ich habe Herrn Rabbiner Dr. Wreschner ersucht, seine mir unerklärliche Behauptung im Interesse unserer Gesellschaft zurückzuziehen und bitte Sie, auch diese Erklärung zu veröffentlichen. Berlin, 24. Juni. Hochachtungsvoll I. Tews, Generalsekretär der Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung. Druck und Verlag von Rudolf Moffe in Berlin, verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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