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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-07-03 · Heft 27 (3.7.1903) · p. Seite 320

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 27 (3.7.1903)
Date
1903-07-03
Page
Seite 320 (sequence 10)
Language
German
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S20 „Auf Befehl des Vali Arif Pascha, Gouverneurs unseres Vilajets. und in Gemäßheit eines Dekrets S. M. des Sultans bringe ich hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß es jeder Israelitin, die aus Bulgarien oder Ostrumelien gebürtig ist und nicht den türkischen Nationalitätsausweis (die Hamidio-Karte) besitzt, verboten ist, die Ehe mit einem türkischen Untertan einzugehen. gez. Der Großrabbiner von Adrianopel Abraham Svmach." * * * Das Leben der bulgarischen Juden im Jnilern des Fürstentums läßt auch weiterhin nichts an Regsamkeit vermissen. Das Zentralkonsistorium von Sofia hat den Ban einer Synagoge beschlossen. Die Kosten werden aus 150 000 Franks veranschlagt, von denen 70 000 Franks auf dem Wege der Subskription und 80 000 Franks durch Inanspruchnahme eines Kredits bei der Banque Nationale aufgebracht werden sollen. Die Subskriptionslisten sind bereits eröffnet worden; der Kredit von der Bank ist auch bereits bewilligt worden. * * * Der Großrabbiner Dr. Ehrenpreis hat sich wieder als eifriger Verfechter jüdischer Interessen bewährt. Erstens hat er sich an der Spitze einer Delegation an das Ministerium des öffentlichen Unterrichts gewandt, um eine Staatssubvention für die israelitischen Schulen des Fürstentums zu erwirken. Er ist ferner bei demselben Ministerium dahin vorstellig geworden, daß in den bulgarischen Gymnasien für die jüdischen Schüler ein besonderer Religionsunterricht erteilt werde. Lshl und Bewegung der Milchen Bevölkerung in dm letzten drei Jahrzehnten. Bon Dr. Arthur Ruppin. ie letzten Jahre sind für die jüdische Bevölkerungsstatistik insofern von großer Bedeutung gewesen, als die erste amtliche Volkszählung in Rußland vom Jahre 1897 zum erstenmal genauen Aufschluß über die Zahl der Juden in diesem judeureichsten aller Länder brachte und diese Zahl über alle Erwartung hoch, nämlich auf 5 189 000 bestimmte; sodann dadurch, daß die mit dem Jahre 1881 infolge der antijüdischen Politik der russischen Regiernng beginnende Answanderuug der Juden aus Rußland, Rumänien und Galizien nach England, Amerika und Palästina bedeutende Verschiebungen in der Verteilung der Juden auf die einzelnen Länder herbeiführte. Man darf mit annähernder Richtigkeit die Zahl der Juden, die au dieser Auswanderung teilnahmen, auf eine Million annehmen. Hiervon haben sich etwa 100 000 in England, etwa 800 000 in den Vereinigten Staaten von Amerika und vielleicht je 50 000 im übrigen Amerika und in Palästina niedergelassen. Die Zahl der Juden in England hat sich infolgedessen in der Zeit von 1881 bis 1900 um mehr als das dreifache, nämlich jvou 46 000 auf 160 000, die der Vereinigten Staaten um mehr als das sechsfache, nämlich von 150 000 auf über 900 000 erhöht. Wir habeil hier eine Bevölkerungsbeivegung vor uns, wie sie in solchen Dimensioneil und innerhalb eines so kurzen Zeitraums bei den Juden seit dem Ausgange des Mittelalters kaum je vorgekommen ist. Die Zahl der gesamten Juden der Welt ist in der folgenden Zusammenstellung für das Jahr 1900 angegeben, ivobei in den Ländern, in denen offizielle Daten über die Zahl der Juden existieren, die Daten der dem Jahre 1900 zeitlich am nächsten stehenden Volkszählung, auf volle tausend bezw. hundert abgerundet, zu Grunde gelegt sind. In den anderen Ländern mußten Schätzungen beilutzt werden. Die Zahl der Juden betrug hiernach: 1. in Enropa: Rußland . . . '. 5 189 000 Oesterreich. 1 225 000 Ungarn. 851 000 Deutschland. 587 000 Rumänien. 269 000 Großbritannien. 160 000 Niederlande.. 104 000 Europäische Türkei ...... 76000 Frankreich. 72 000 Italien. 38 000 Bulgarien. 28 000 Schweiz. 13 000 Ostrumelien . 7 000 Bosnien. 5 900 Griechenland. 5 800 Dänemark .. 4100 Serbien. 4 000 Schweden u. Norwegen .... 3 700 Belgien. 3 000 Spanien und Portugal .... 2500 Luxemburg. 1 000 8 649 000 2. Amerika: Vereinigte Staaten. 900 000 klebriges Amerika. 100 000 1000 000 3. Afrika: Marokko. 200 000 Algerien. 49 000 Tunis. 45 000 Aegypten. 16 000 Tripolis. 10 000 klebriges Asrika. 80000 400000 4. As ien: Palästina. 75 000 Persien. 20 000 Arabien. 15 000 klebriges Asien. 100 000 210000 lohne die russische» Gebietsteile) 5. Australien und Oceanien: 15000 10 274000 Die Gesamtzahl der Juden stellt sich hiernach auf 10 274 000 und geht damit über die bisherigen Schätzungen, welche diese Zahl auf 7 bis 8 Millionen veranschlagte, erheblich hinaus. Vielleicht ist hierbei der Hinweis nicht ohne Jntereffe, daß nach den Angaben von Beloch, Mommsen und anderen die Zahl der Juden im römischen Reiche zu Beginn der christlichen Zeitrechnung 44/s Millionen, die Zahl aller Nichtjuden 50 bis 55 Millionen betrug. Man geht nun wohl nicht fehl, wenn man annimmt, daß die Zahl der Nichtjuden im Gebiete des damaligen römischen Reiches heute mehr als 300 Millionen beträgt, woraus sich eine Vermehrung um etwa das sechsfache ergibt. Da die Juden trotz der ihnen im Altertum und Mittelalter zugesprochenen großen Fruchtbarkeit sich in diesen zwei Jahrtausenden nur etwa um das Doppelte vermehrt labe», so läßt sich daraus ermessen, in welchem Umfange sie durch Verfolgungen und Uebertritte zum Christentum an Zahl verloren haben müssen. Die eben erwähnte große Fruchtbarkeit der Juden kann heute nicht mehr allgemein als Charakteristikum der Juden bezeichnet werden. Sie existiert nur noch in den weniger civilisierten Ländern, dagegen nicht mehr in den kulturell am weitesten fortgeschrittenen Ländern. So entfielen z. B. in Preußen in den Jahren 1893 bis 1897 jährlich auf 1000 Christen 38,15, auf 1000 Juden aber nur 22,13 Geburten, und wenn die niedrige Geburtenziffer der Juden auch durch eine günstigere Sterbeziffer teilweise wieder wett gemacht wird, so betrug doch

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