Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 27 (3.7.1903)
- Date
- 1903-07-03
- Page
- Seite 319 (sequence 9)
- Language
- German
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319 und Entmvkratisch leder Jude ändidnten: ühlhausen- Schwiegec- Leo Aron; iverordnete der „Freiin FrantchtsanwaU st Gutfeld-!ichtensteii!- : Fabrikaiu nslau, die ru, ferne i, enblio nitz, welch ett. ndidatuven bibatitveii; chstagsat^ eit Jahren ir mit der Wie dein : Vertrete! entarische i sie in bin htlich bin fionen mn ich werben Reichstag cbots, der der Ueber iten. Die tisemitische hen", Ahi schwunden ihnen cu wenn sie ich allerlei Iten. Sn des Volkderjenicze n hrung dee nicht blo ser Ding i. elegenhei Handels irauf aus -russische! en Juden, ei höhere nthalt an Confessio- Wir geben ii: salta! Parteiei von de liedensar egnng bei euch er lörikke aus dem Orient. Schumla. 7. Juni. Konstantinopel. H^as, glauben Sie wohl, trieben die Juden Konstanti- V'V' nopels in diesem Winter? Nun, sie amüsierten sich, sie tanzten, sie tanzen fortwährend. Wenn Sie sich davon überzeugen wollen, werfen Sie bitte nur einen Blick auf die täglichen Vergnügungsanzeigen, welche in einem Monat die englischfranzösischen Zeitungen dieser Stadt veröffentlichen, und zu Ihrer Ueberraschung werden Sie finden, daß unter einem Dutzend Bällen mindestens 7 sind, die von Jriden veranstaltet wurden. Hier einige Namen der festlichen Veranstaltungen, die übrigens recht verlockend klingen: 1. Großer Maskenball der deutsch-israelitischen Wohltätigkeitsgesellschaft in Pera. 2. Matinee des Wohltätigkeitsklubs jüdischer Jünglinge. 3. Ball des israelitischen Hospitals Or-Ahaim. 4. Ball des Brüdervereins. 5. Matinee mit Tanz (Kinderball) zum Besten der israelitischen Allianz. 6. Matinee der Vereinigung jüdischer Mädchen in Pera. u. s. w. u. s. w. Zweierlei läßt sich meiner Meinung nach aus dieser langen Reihe festlicher Veranstaltungen schließen, welche sich an die große Oeffentlichkeit ivenden, daß nämlich das Elend in dieser Stadt ungemein groß sein muß und daß sich unter den aschkenasischen sowohl wie den sephardischen Juden eine beträchliche Zahl Unterstützungsbedürftiger befinden. Das Hospital Or- Ahaim, das einzige jüdische Hospital, vermag sich nicht ohne öffentliche Zuschüsse zu erhalten, da es ja nicht mit festen Einnahmen rechnen kann, und auch einige jüdische Schulen sind nur mit Hilfe der Bälle, welche sie alljährlich veranstalten, im stände, ihr Budget auszugleichen. In der Tat birgt die jüdische Gemeinde in Koustantinopel, welche 50000 Seelen zählt, eine entsprechend große Zahl Elender und Unglücklicher. 2000 Familien leben von problematischen Geschäften, die man nur schwer detaillieren kan»; hauptsächlich ist es Hausierhandel mit alten Kleidern und mit in Zersetzung begriffenen Lebensmitteln wie Fischen, Gemüsen, Zitronen. Orangen, Salzfleisch, Eiern re.; 5000 Familien ernähren sich im Kleinhandel, 500 nur vom Betteln. 1200 Familienhäupter schlagen sich kümmerlich als Handelsangestellte durchs Leben; 1000 andere betreiben schon Geschäfte, in denen ein Kapital von ea. 5000 Piaster rouliert. Nur etwa 100 Familien können sür reich gelten. Von Rechts wegen sollte diesen die Erhaltung und Unterstützung der wohltätigen Anstalten obliegen; aber sie verstehen, sich geschickt dieser Pflicht zrr entziehen, indem sie in örtlicher wie in moralischer Hinsicht so entfernt wie möglich von ihren Glaubensgenossen leben. Das ist der Grund, warum die besten Wohltätigkeitseinrichtungeu dieser Gemeinde auf so wenig soliden Fundamenten ruhen; und das ist auch der Grund, warum die braven Komitees unsere Konstantinopler Juden tanzen lassen. Saloniki. Ich hatte bereits Gelegenheit es zu sagen: Saloniki ist die Stadt der Initiative. Die landwirtschaftliche Gesellschaft „Karmel", die der J. C. A. ihre Statuten und Pläne unterbreitete, hat die freudige Mit° teilung als Antwort erhalten, daß das Zentralkomitee der I. C. A. bereit sei, ihnen als Darlehen oder als Beitrag 240000 Piaster zur Verfügung zu stellen, wenn es ihnen gelingt, einen Fonds von 60 000 Piaster zu begründen. Infolgedessen fordert die Karmelgesellschaft diejenigen, die sich der Landwirtschaft widmen wollen, auf, pro Familie 450 Piaster bei der Bank Modiano in Saloniki einzuzahlen. Und ein fernerer Beweis ihrer Rührigkeit. Prof. Papageorgion von der Universität in Athen hielt hier vor einigen Monaten einen Vortrag über die Ritualmordbeschuldigung, der ein beredtes und überzeugendes Plaidoher zu Gunsten der Juden darstellte. Dieser Vortrag wurde von einem israelitischen Blatte in Saloniki ins Jüdisch-spanische übersetzt. Das Publikum war davon so begeistert, daß sich sofort eine Gesellschaft zur Verteidigung des Judentums gegen die Blutbeschuldigung bildete und im ganzen Land eine umfassende Propaganda einleitcte. Sie hat mehrere tausend Exemplare dieses Vortrags in griechischem Text drucken lassen und verkauft das Stück zu dem geringfügigen Preis von 0,30 Franks. * * * Nun etwas von einer andersgearteten Initiative unter den dortigen Inden! Saloniki beherbergt in seiner: Mauern einen jungen Erfinder; er heißt Joseph Nehama und ist Elektrotechniker. Erst neulich wurde er von: Sultan für feine Arbeiten an der neuen Moschee in Saloniki durch einen Orden ausgezeichnet. Diese Moschee ist die erste und einzige, die eleklrisch beleuchtet ist. Seine neueste Erfindung ist ein elektrischer Apparat, dem er den Name:: „Phrophon Nehama" gegeben hat. Er gibt bei ausbrechendem Feuer selbsttätig das Alarmsignal. Unter der Einwirkung der Hitze setzt dieses Pyrophon ein Läutewerk in Bewegung, das die Schläfer auch aus dem tiefsten Schlummer zu wecken im stände ist. Der Erfinder hat eine Photographie und eine Beschreibung seines Apparates beim Minister Veröffentlichen Arbeiten eingereicht und verlangt zur Ausbeutung feiner Erfindung ein Patent für 15 Jahre. * * * Ich muß alsdann noch des Verlustes gedenken, den Saloniki in der Person des Doyens des türkischen Journalismus erlitte:: hat. Er hieß Saadi Halevy und ist vor kurzem in: Alter von 85 Jahren gestorben. Er stannnte von einen: gewissen Bezalel Levi Aschkeuasi ab, einem Deutschen, der zu Anfang des 18. Jahrhunderts von Amsterdam nach der Türkei auswanderte. Letzterer gründete in Saloniki eine Druckerei, die eine große Zahl hebräischer Werke in die Welt sandte. Der Buchdruckerberuf vererbte sich dann in der Fauülie. In: Jahre 1875 erhielt der verstorbene Saadi Halevy von der türkischen Regierung die Erlaubnis, eine Zeitung in jüdischspanischer Sprache in eigenen: Verlage erscheinen zu lassen, der er den Namen „La Epoca“ gab. Seine Söhne hatte er schon lange vorher als Teilhaber in seine Druckerei ausgenommen. Diese hatten auch ihrerseits im Jahre 1875 die Konzession für ein neues Blatt erhalten, das von da ab in französischer Sprache unter dem Titel ,,Le Journal de Salonique“ erschien. Saadi Halevy erfreute sich eines großen Ansehens, und ein zahlreiches Gefolge hat dem ehrwürdigen Greis die letzte Ehre erwiesen. Bulgarien. Von den bulgarischen Juden gibt es inuner wieder etwas Neues zu berichten. Bei ihren rumänischen Brüdern begegnet ihre Lage offenbar einer günstigen Beurteilung, da sie die bulgarische Regierung um die Erlaubnis gebeten haben, hierher auswandern zu dürfen. Wie einige Zeitungen bereits gemeldet haben, sind diese abschlägig beschieden worden. Augenblicklich leiden die bulgarischen Juden ein wenig unter der Ungunst, in die alle Untertanen des Fürsten Ferdinand, die bekanntlich große Freunde der Macedonier sind, bei der türkischen Regierung gefallen sind. Nicht uninteressant ist in dieser Beziehung die offizielle Bekanntmachung, die seit kurzem in den dreizehn Synagogen Adrianopels zu lesen ist: *