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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-07-03 · Heft 27 (3.7.1903) · p. Seite 316

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 27 (3.7.1903)
Date
1903-07-03
Page
Seite 316 (sequence 6)
Language
German
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Bl „Ich brauche mich nicht aufzuhcllten bei einer so offenkundigen Tatsache, wie es die allgemeine Empörung ist, die das amerikanische Volk angesichts der schrecklichen Unruhen gegen die Juden in Kischinew empfunden hat. Ich habe nach meiner Erfahrung in diesem Lande noch keinen so mittelbaren und tiefen Ausdruck von Sympathie für die Opfer und von Abscheu über die schreckliche Katastrophe erlebt wie diesmal. Es ist natürlich, daß zugleich die ganze civilisierte Welt ihr lebhaftes Mitgefühl ausgedrückt hat, aber am stärksten ist dies in den Vereinigten Staaten geschehen. Ich denke, daß die Vereinigten Staaten, wenn ich so sagen soll, das Land sind, welche seit Beginn ihres nationalen Wettbewerbs am meisten bemüht waren, zu erkennen die Schuld, die sie der jüdischen Rasse gegenüber haben, und sich bestrebten, Gerechtigkeit zu üben an den amerikanischen Bürgern, welche jüdischen Stammes oder Glaubens. Infolgedessen habe ich einen Grad von persönlicher Sympathie und persönlichen Abscheus gegenüber dieser schrecklichen Tragödie empfunden, so stark wie nur einer von Ihnen, meine Herren. Genau so würde ich meine Sympathie ausdrücken, wenn eine ähnliche Katastrophe irgend ein christliches Volk treffen sollte. Ich würde es immer selbst für unwürdig halten, wenn ich in „meiner gegenwärtigen Stellung nicht dieselbe tiefe Sympathie und denselben Abscheu empfinden würde über jede Schmach, die dem jüdischen Volke in irgend einem Teil der Erde angetan würde. Ich weiß gewiß, daß durch allgemeine Manifestationen in diesem Lande manches Gute hervorgerufen wurde; gleichviel aus welchen Ursachen sie hervorgegangen und welchen Zwecken sie gegolten haben. Es ist erfreulich zu erfahren, ja, es gereicht uns zur Genugtuung, daß die russische Negierung die Gefühle des Abscheus und der Empörung teilt, die die amerikanische Nation über die Unruhen in Kischinew empfunden hat, und daß sie fest entschlossen ist. nicht allein derartige Unruhen zu verhindern, sondern auch die Uebeltäter zu bestrafen. Diese Regierung hat dieselbe Ansicht über jene Gewalttaten, mit welchen unsere Negierung die Tumulte und die Lynchjustiz betrachtet, die zuweilen in unserem Vaterlande Vorkommen, und welche auch nicht gerade unser Volk und unsere Regierung charakterisieren. Der russische Gesandte hat mich aus eigner Initiative besucht und mir im Anschluß an das, was er dem Staatssekretär Hay bereits gesagt, direkt, ohne daß ich ihn danach gefragt, versichert, daß der Gouverneur von Kischinew abgesetzt sei, daß etwa drei- bis vierhundert Teilnehmer arl jenen Unruhen verhaftet und daß es sich von selbst verstehe, daß diese nach der vollen Strenge des Gesetzes bestraft werden sollen. Ich werde den Wünschen, die Sie mir vorgetragen haben, besonderes Augenmerk zuwenden, soweit bei der augenblicklichen Lage irgend eine fernere offizielle Kundgebung von Nutzen sein könnte für jene Unglücklichen, für die ich so innige Sympathie empfinde. Keine von den Angelegenheiten, die in letzter Zeit die allgemeine Aufmerksamkeit in Anspruch genommen, hat mich so lebhaft beschäftigt, wie diese Frage. In welcher geeigneten Richtung die segensreiche Aktion aber auch fortgeführt werden wird, tu jedem Falle wird sie die Aufrichtigkeit der historischen Position Amerikas klarlegen, jeden Menschen nach seinem Rechte als Menich, und ohne Rücksicht auf seine Abstammung. Rasse und Lebensstellung zu behandeln." Man sieht nun also, was von jener Reutermeldung zn halten ist. Der Präsident Roosevelt hat die Bittschrift nicht überreicht und die Intervention abgelehnt, während dort von einer Verstimmung zwischen ben beiden Mächten gerade wegen dieser Intervention gefabelt wird. Man muß überhaupt alle Mitteilungen englischer und amerikanischer Blätter in dieser Sache kritisch prüfen. Auch die Nachricht eurer Londoner Zeitung, daß der russische Minister des Auswärtigen, Graf Lambsdorff, dem Zaren Vorstellungell über den üblen Eindruck, den die russische Politik gegen die Juden im Anstande hervorgerufen, gemacht, und seine Demission angeboten habe, daß ferner die beiden schuldigen Minister entlassen werden sollen, diese voll der „Birmingham Daily Post" als durchaus zuverlässig gebrachte Nachricht wird leider — ebenfalls zu den übrigen gelegt werden müssell. Mus Ärr Berliner Gemeinde. 8. Berlin, 28. Juni, heutige letzte Sitzung der Repräfentanten-Verfamml u u fl vor Beginn der Ferien nahm trotz einer sehr reichhaltigen, aus 15 Punkten bestehenden Tagesordnung nur wenig mehr als eine Stunde in Anspruch; doch bot sie durch eine an die Subventionierllng eines Religionsvereins sich anschließende Debatte ein lvesentlich größeres und prinzipielles Interesse als manche ihrer Vorgängerinnen. Die ersten sechs Punkte werden debattelos genehmigt. Eine Wohltäterin, die nicht genannt sein will, hat dem Hospital ein Kapital von 6000 Mark zur Errichtung einer Bettstiftung überweisen lassen. Als Gebühr für Einsargung von Leichen und Transport derselben bis zur Bahn wird der Betrag von 300 Mark festgesetzt. Der Mietszins, der bisher 630 Mark für die Blumenhalle auf dem Friedhofe in Weißensee betragen hatte, wird nunmehr mit Rücksicht auf die Vergrößerung der Halle auf 1200 Mark festgesetzt. Für die Anbringung einer Uhr aus dem Vorplatze des Friedhofs in Weißensee werden 380 Mark bewilligt. Zun: Ankauf einer Sammlung liturgischer Musikalien werden 500 Mark genehmigt. Die Musikalien stammen aus dem Nachlaß des Oberkantors Lichtenstein und sind meist Kompositionen von Rosenfeld und Lewandowski. Professor Geiger regt an, falls noch keine Bestimmung über die Musikalien getroffen sei. diese als Grundstock einer musikalischen Bibliothek an die Gemeindebibliothek anzugliedern. Justizrat Dr. Lachmann bittet um protokollarische Festlegung dieser Anregung und teilt mit, daß voraussichtlich die verschiedenartigen Musikalien zum Teil der Gemeindebibliothek, zum Teil aber den Synagogen selbst überwiesen werden müßten. Natürlich wird die Gemeindeverwaltung, wie Herr Martin Simon auf Anfrage des Herrn Bodenstein erklärt, das dauernde Eigentumsrecht an diesen Musikalien bei den Erben nachsuchen. Der Bericht der gemischten Kommission zur Beratung über die Art der Vorbereitung von Gemeindebeschlüssen hinsichtlich der Wahl von Mitgliedern der Verwaltungskommissionen wird in die geheime Sitzung verlegt, der Rechnungsabschluß für das Reichenheim'sche Waisenhaus wegen Abwesenheit des Referenten Syndikus Dr. Minden vertagt. Es folgte nunmehr die Vorlage betr. Subventionierung des Religionsvereins Adaß-Jeschurun, an welche sich die oben bereits gekennzeichnete längere Debatte anschloß. Der Verein war um 1500 Mark Subvention vorstellig geworden, die Subventionskommission hat nach eingehender Prüfung nur 1000 Mark bewilligt und der Gemeindevorstand hat sich diesem Anträge angeschlossen. Der Vorsitzende der Versammlung, Herr Loewenberg, hatte bereits im geschäftlichen Teile der heutigen Sitzung auf den Eingang einer Resolution hingewiesen, die wir hier im Wortlaut folgen lassen müssen, um den Gang der Diskussion verständlich zu machen. Eine vom Verband der Synagogen vere ine von Berlin und den Vororten einberufene öffentliche Versammlung, die am 3. d. M. in Dräsels Festsälen tagte, hat nämlich folgende einstimmig gefaßten Beschlüsse dem Gemeindevorstand und der Repräsentanz zugehen lassen: 1. Die Versammlung protestiert gegen die beabsichtigte Festsetzung der Subventionen an die Synagogenvereine nach Maßgabe der von den Mitgliedern dieser Vereine gezahlten Gemeindebeiträge; 2. die Gemeindeverwaltung wird ersucht, diejenigen Bücher aus den Bibliotheken und dem Schulgebrauch der jüdischen Gemeinden zu entfernen, deren anderskonfessioneller Inhalt geeignet ist, das jüdische Bewußtsein der Kinder zu verwirren; 3. die Gemeindeverwaltung wird gebeten, an den hohen Feiertagen Jugendgottesdienste nach traditionellem Ritus einzurichten; 4. die Versammlung richtet an die Gemeindeverwaltung die Bitte, die Schulinspizienten der jüdischen Gemeinde dahin anzuweisen, daß sie bei ihren Inspektionen ihre Kopfbedeckung dann nicht abnehmen, wenn in den betreffenden Klassen Unterricht erteilt wird, an dem die Knaben bedeckten Hauptes teilnehmen müssen. Eingangs der Sitzung hatte auch Vorsteher Justizrat Dr. Lachmann die Erklärung abgegeben, daß der Gemeindevorstand Punkt 1 der Resolution der Subventionskommission überwiesen habe. Als erster Redner in der Diskussion legte Prof. Geiger ein kräftiges Veto gegen diese Resolution ein. Er erklärte, daß er sich freuen würde, wenn seine Ausführungen nicht blos als seine persönliche Meinung aufgefaßt würden, sondern wenn sich sämtliche Kollegen ohne Unterschied der Parteistellung ihnen anschließen würden. Da der Verein Adaß Jeschurum, dessen Leistungen er nicht näher kenne, höchstwahrscheinlich an der bereits erwähl Recht, klarzul ihn nii weisun Punkte als Sü Me er Lehrer zuweni Untere nehme! eine gl Znspizi iügen gleichg Gemeii;UM 2 ine Z Religii Hemeii mng Funkt iie Sö Recht, vürse zeschle nicht, chluß rkläre valtur v geg, st erst. n die Me Sy wgenl oen m peziell ch de eiftuti ie Lei Rit F tzung Verein amme ehen 0000 er Vl amho anz ) ach Q deberl aß bi ch be -chülk ieser inspiz em d 5 a ch entio erwa ttney nd ki chaffe neue < haltui mmml ich, d Rachd >on a 'leirnr.

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