Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-07-03 · Heft 27 (3.7.1903) · p. Seite 315

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 27 (3.7.1903)
Date
1903-07-03
Page
Seite 315 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3224737-3228527-3228555--59917-3296466
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

i, 1. Juli, chlresultat : verloren. Stimmen diesn:al e wirksan: ein : W. lnd West- Böckler elsungen) -Kamenz) ann vou man dort Ahlrvardt e Herren esdirektor ten, so oft raren, der ant: im Volk: itet wird ltisemitis ffichts der r komisch ohne die National en wurd: l Parteier n Ziffer:- aus. Irl )at bei de Stimmen e Beihilfe rtanter ist nservatiw eisinniger der Stich nehr al eses Plu rnuß der! se beider gilt mul ^entrunrs kenswerß Verfafsnn; des allge , dageger Ungnnste? erdrückunr chaftlicherr entrumsaan der: nn, da st s in den Finanzüber die ehr verammelten gen aus» zuschließen. Der Kongreß hat durch die einhellige Zustimmung, die w mir zu teil werden ließ, der wissenschaftlichen Bedeutung dieses Blattes ein gebührendes Zeugnis ausgestellt. Das Urteil über dessen religiöse Billigkeit, da es mich als Juden der Verachtung der Welt preisgeben will, überlasse ich den anständigen Menschen. MeineUeberzeugung und meine Studien haben mich in die reinen Höhen philosophischen Denkens emporgehoben; gegenüber den tollen Wüterichen, die mit ihren haßerfüllten Worten der wilden Hetzjagd in Bessarabien die Wege ebnen, bekenne ich wich mit Wollust zu den Juden. Ich bin wieder Jude, wenn man mir vorwirft, ein Jude zu sein. Der Geist Gottes ist bei den Verfolgten, nie und nimmer bei den Verfolgern." Für urrsere Agrarier, die in letzter Zeit rricht viel Frerrde erlebter:, wird es ein neuer Tropfen in ihren Wermutskelch sei::, wem: sie erfahren, daß Luzzatti von der italienischen Negierung gebeter: wr:rde, die Leitung der Handelsvertrags- Verhandlungen mit Deutschland und Oesterreich zu führen und daß er nach reiflicher Erwägung diesen Auftrag übernommen hat. r Wir brauchen wohl nicht erst zu versichern, daß wir keine Sympathie für die serbischen Körngsmörder haben. Was uns aber einigermaßen in Erstaunen setzt, was uns als geradezu lächerlich erscheint — wenn etroas lächerlich sein kann, was ans die Belgrader Schreckenstaten Bezug hat — das ist, daß Nuß lau d zuerst, ja allein offiziell und entschieden die Bestrafung der Mörder des serbischen Königspaares verlangt hat. Quis tulerit Gracchos! Rußland will für Gerechtigkeit eintreten! Als ob hochgestellte und militärische Mörder russischer Zarer: rncht statt bestraft zu werden, ehedem belohnt worden rvären! Doch diese gehören einstweiler: der Vergarrgenheit an. Wie aber steht es mit der Bestrafung der Kisch ine wer Massenmörder? Soweit von einer Bestrafung in Kischinew überhaupt d:e Rede ist, gleicht sie nrehr einer versteckten Belohnung uitb einer irrdirekter: Aufforderung, hinzugehen und das Gleiche zu tun, als einer ernsten Bestrafung der feigsten, infanrsten imb grausigsten Verbrechen, welches die moderne Zeit kennt. Nicht wir, die wir berufsmäßig die Interessen des Judentums vertreten, sondern ein weltliches Weltblatt, die „Daily News" vom 15. d. M. schreibt: „Die Kischinewer Metzeleien sirrd weit schrecklicher als die Ereignisse vom letzten Donnerstag. Vorn menschlichen Standpunkte ist es ebenso verbrecherisch Inden zu massakrieren als einen König zu erschießen." Aber nicht nur schrecklicher, sondern auch weit weniger entschuldbar sind die Mordtaten von Kischinew als die von Belgrad. Daß König Alexander göttliches rvie menschliches Recht mit Füßen getreten hat, ist bekannt. Dies allein erklärt ja auch das Zustarrdekomrnen der Verschwörung, die Sympathie der ganzen Armee mit den Verschwörerin, die Gleichgültigkeit des Volkes, den Jubel der Belgrader Bevölkerung, die Bereitwilligkeit hervorragender Männer aller politischen Parteien, sofort die Regierung zu übernehme:: und ihr Zusammenarbeiten mit den Verschworenen nach gescheherrer Tat, und last not least, das Dankesvotum der Nationalversammlung für die Befreier des Vaterlandes. Aber noch mehr. Es liegt kein Grrrnd vor anzunehmen, daß die Verschworenen in den Konak eingedrnnger: sind mit der Absicht, das Königspaar zu ermorden. Sie wollten nur, und mit nur zu gutem Grunde, die Abdankung erzwirrgen. Verschiedene Umstände, Mißverständnisse, unvorhergesehene Gefahren, Sorge um das Gelinger: des Unternehmens, das ihnen urrd damit auch das eigene Leber: gefährdet schien, dazu die erklärliche Aufregrrng trieben sie weiter, als sie selbst hatten gehen wollen urrd schließlich war der Königsmord nur noch ei:: verzweifelter Akt der Notwehr. Daß die Minister auch Lediglich infolge eines Mißverständnisses erschossen rvorden sind, ist bekarmt. Die Mörder und Frauenschänder von Kischinew hingegen sind von vorne herein auf Raub und Mord ausgegangen, haben Wehrlose überfallen und auf die bestialischste Weise verstümrrrelt, gemartert urrd gemordet: Männer, Frauen und Kinder. Ist die russische Gerechtigkeitßliebe so groß, in Kischinew, vor der eigener: Tür kann sie Genugtung der empörten Merrschheit geben, in Belgrad kaun sie nur neues Urrheil heraufbeschrvören. Also in Kischinew gilt es für Recht zu sorgen! Zwischen Rußland und Amerika soll eine gewisse Verstimmung eingetreten sein, so telegraphiert das Büreau Reuter, und Rußland soll sogar der Regierung der Vereinigten Staaten notifiziert haben, daß es Roosevelts Entschluß tief bedaure, die jüdische Bittschrift über die Vorgänge in Kischinerv der russischer: Regierung zu übermitteln. Es hoffe, die Vereinigten Staaten werde:: mit den ihr:en dargebrachten Sympathie-, ärrßerunger: zufrieden sein. Das Auswärtige Amt werde die Petition zurückweisen auf Grund seiner Politik, sich jeder Einmischung in die innerer: Angelegenheiten fremder Mächte zu enthalten und für sich selbst auf einer gleichen Behandlnrrg zu bestehe::. Nach der „Newyork Times" soll auch der russische Botschafter Graf Cassini über die Wendung der Dinge in Unruhe sein weger: der Haltung Roosevelts in der Kischinewfrage urrd erwäge ganz offen die Möglichkeit seiner Abberrrslrrrg. Mar: wird gut daran Um, diesen Nachrichten eir: volles Maß vor: Mißtrauer: entgegerrzülrringen. Zur Richtigstellung bringen rvir zunächst über den Empfang der jüdischen Deprrta tion bei Präsiderrt Roosevelt der: folgenden Bericht ur:seres Nervyorker Korrespondenter: vom 16. d. M.: „Gestern empfingen der Staatssekretär Hay und Präsident Roosevelt eine Deputation hervorragender jüdischer Bürger, unter denen Leo N. Levi als Präsident des Unabhängigen Ordens Bene-Berith und Sinron Wolf als Obmann der politischen Sektion des amerikanischen Gemeindebundes sich befanden, um eine Denkschrift über die Greuel in Kischinew entgegenzunehmen. Beide Herren sprachen ihre Entrüstung über die begangenen Schandtaten aus und versprachen, die Frage in gründliche Erwägung zu ziehen, ob eine Jnterverrtior: möglich sei. Präsident Roosevelt sprach von den günstigen Eindrücken, die er sowohl im Privatleberr wie irr amtlicher Stellung vor: den Juden empfangen hatte; er erwähnte der Teilnahme der Juden an dem Unabhärrgigkeitskanrpfe. des alten Friedhofes vor: Newport, welcher Longfellow zr: einer Ode begeistert hatte, sprach davon, daß zwei Juden sich in seinem Negimente im spanisch-amerikanischen Kriege ausgezeichnet hatten, und daß er als Polizeipräsident von Newyork einen russischen Inden wegen Tapferkeit bei einem Brande zun: Polizisten gemacht hatte, wie auch daß er in derselben Eigerrschaft, als ein ausländischer Antisemit (Ahlwardt) Hetzreden gegen die Juden hielt, die zu ver" bieten das Gesetz keine Harrdhabe bot, eine aus jüdischen Poliziste:: gebildete Abteilung zun: Schutze des Redners abordnete, un: damit zu demonstrieren, daß der Hetzredner gegen die Jude:: von Juden beschützt werden müsse. Offenbar ist Rußland bemüht, sich die Wohlmeinung der amerikanischen Regierungskreise zu erwerben, denn, wie Roosevelt erzählte, kam der russische Botschafter Graf Cassini zu ihm, um ihn zu versichern, daß die russische Regierung das Möglichste getar: habe, um die Urheber des Aufruhrs zu bestrafen. Derselbe Graf Cassini, der ursprünglich die russischen Juden als Blutsauger bezeichnete, an denen das russische Volk verdiente Rache genommen habe, trat bald daraus mit einem Interview an die Oeffentlichkeit, in welchem er erklärte, er zähle warme Freunde unter den Juden urrd seine Tochter verkehre intim mit der Familie des Newyorker Kaufmanns Louis Stern (bekannt aus einer unangenehmen Affäre mit einem Badekommissär irr Kissingen)." Da aber der Wortlaut der Antwort des Präsidenter: Roosevelt für die Beurteilur:g der eingangs erwähnten Reuter-Meldung sehr wichtig ist, lassen wir diesen hier ebenfalls folgen:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.