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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-06-26 · Heft 26 (26.6.1903) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 26 (26.6.1903)
Date
1903-06-26
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 Er schilderte dessen Werdegang, wie er aus bescheidenen Verhältnissen heraus sich zu einer achtunggebietenden Stellung emporgearbeitet habe. Arbeitsfreudigkeit, Klarheit in der Anordnung, Rechtschaffenheit, Bescheidenheit und Fürsorge für seine Arbeiter seien die Grundzüge seines Wesens gewesen. Das ihm von der Handelswelt entgegengebrachte Vertrauen sei in seiner Wahl zu dem verantwortungsvollen Amte eines Handelsrichters zum Ausdruck gekommen. Obgleich unverheiratet, habe er doch den Mittelpunkt eines großen Familienkreises gebildet und sich inmitten seiner zahlreichen Geschwister und deren Kinder nie vereinsamt gefühlt. — Nach einen: abermaligen Chorgejang wurde die Leiche des allgemein geachteten und angesehenen Mannes im Erbbegräbnis der Familie beigesetzt. Ehre seinem Andenken! A. F. Potsdam, 22. Juni. Ein erhebendes Fest beging die Synagogengemeinde zu Potsdam am 17. d. M. Auf dem Boden der alten Synagoge, welche vor 157 Jahren durch die Munifizenz Friedrichs des Großen erbaut wurde, erhebt sich das neue Gotteshaus, welches an dem genannten Tage seiner Bestimmung übergeben wurde. Eine illustre Versammlung füllte den im Barockstil vom Baumeister Kerwien prächtig erbauten Tempel. Nach Uebergabe des Schlüssels durch den Baumeister an den Bürgermeister, welcher denselben dem Vorsitzenden des Gemeindevorstandes Justizrat Dr. Friedländer aushändigte, wurde die Synagogenpforte geöffnet, und unter Orgelklängen hielten die Thorarollen und die Ehrengäste, darunter der Bürgermeister und mehrere Stadträte (der Oberbürgermeister und der Oberpräsident waren durch die Einweihung der Elektrizitätswerke am Erscheinen verhindert) den feierlichen Einzug. Der gesangliche Teil wurde durch eine Lewandowskiffche Komposition „Na Towuw unter der bewährten Leitung des Chordirektors Herrn Th. Schönberger eingeleitet. Das Solo darin sang in bekannter Meisterschaft der Oberkailtor der Potsdamer Gemeinde Herr I. Schönberger. Rabbiner Dr. Rieger aus Hamburg, welcher der ehrenvollen Einladung zur Einweihung gefolgt war, zündete unter einem ergreifenden Gebete die ewige Lampe an und schloß mit dem üblichen Segensspruch. Nun begann die Liturgie. Vorbeter und Gemeinde sangen abwechselnd Schma jisroel, Echod und Gadlu. Dann setzte der Chor mit großer Begeisterung den Lewandowski'schen S’u sclieorim roscliechein ein. Die Thorarollen wurden nun in die heilige Lade gestellt und Herr- Schönberger rezitierte Uw’nucho jomar. Der Vortrag war edel, vornehm und von tief religiöser Empfindung durchdrungen. Nachdem die letzten feierlichen Akkorde verklungen waren, hielt der Vorsitzende des Gemeindevorstandes Justizrat Dr. Friedländer eine Ansprache. In beredten Worten schilderte er das Historische der alten Synagoge, auf deren Boden sich nun der neue Tempel erhebt. Nur der großen Opferfreudigkeit sämtlicher Gemeindemitglieder, meinte der Redner, ist es zu verdanken, daß das neue Gotteshaus nun vollendet sei. Alle Mitglieder der Gemeinde, sogar die zarte Jugend, wetteiferten mit einander für die würdige Ausgestaltung des neuen Tempels, der zur Ehre Gottes errichtet, nunmehr eine Zierde der Stadt bildet. Der Rede folgte ein Sologesang „Herr, den tief im Herzen trage", von Frau Michaelis, Mitglied der Gemeinde, mit schöner, wohlgebildeter Stimme vorgetragen. Mit den Schlußworten des Liedes „Sei Du mit mir" begann der Rabbiner der Gemeinde, Dr. Kaelter, seine Weihepredigt, der er die Worte „Wahrheit, Liebe und Frieden" zu Grunde legte. In poetischer Sprache, getragen von großer rhetorischer Begabung, entwickelte der Redner diese drei Leitsterne des Judentums. Mit einem Gebet auf den Landesfürsten schloß die nach Form und Inhalt geistreiche Predigt. Zum Schlüsse sang der Chor mit großer Exaktheit und Präzision das Lewandowski'sche Hallelujah. Unter Orgelklängen verließ die zahlreich versammelte Gemeinde, auf welche die Feier einen weihevollen Eindruck machte, das Gotteshaus. Am Abend schloß sich ein Festessen an, an welchem fast die ganze Gemeinde teilnahm, bei dem der Repräsentant der Gemeinde, Herr Rudolph Hirschberg, inr Namen des Festausschusses die Festversammlung begrüßte, Justizrat Dr. Friedländer in schwungvoller Rede ein Hoch auf den deutschen Kaiser ausbrachte, der den Bau der Synagoge mit seinem Wohlwollen begleitete, in welches die Versammlung begeisternd einstimmte, Rabbiner Dr. Kaelter auf den Gemeindevorstand toastete, Gemeindevorsteher Herr Nathan die drei anwesenden Rabbiner Dr. Tobias Cohn, den früheren vortrefflichen Seelsorger der Potsdamer Gemeinde, der als Ehrengast an der Einweihung und dem Festmahl teilnahm, Dr. Rieger, den jetzigen Prediger des Hamburger Tempels, und den jetzigen Rabbiner Dr.Kaelter feierte, und derRepräsentant HerrZilenzige von den Verdiensten des Herrn Oberkantor Schönberger um die Regelung, und musikalische Ausgestaltung des Gottesdienstes sprach. Kp. Aus bcv Provinz Posen, im Juni. Anfangs dieses Monats verstarb in Czempin der Kaufmann Abraham Markus. Derselbe war langjähriges Vorstandsmitglied der dortigen Synagogengemeinde. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde in Lobsens ha! eine eingehende Renovierung der dortigen Synagoge beschlossen. — Dr. Rosenblüth in Fürth ist zum Rabbiner der Gemeinde Rogaser gewählt worden. -- Der Gemeindevertretung in Wreschen Hai beschlossen, für das Etatsjahr 1903 100 Prozent der Staatssteuer als Korporationsbeitrag zu erheben. — Der jüdische Schulvorstand in Koschmin hat einen Umbau des dortigen Schulhauses beschlossen.- Der Vorstand der Synagogengemeinde zu Gollantsch hat beschlossen^ für das Etatsjahr 1903 an Korporationsbeiträgen 180 Prozent der Staatssteuer zu erheben. Benthen O.-S., 22. Juni. Am 7. d. M. fand hier der Verbandstag der Rabbiner Oberschlesiens statt. Anwesend waren die Kollegen Cohn-Kattowitz, Münz-Gleiwitz, Kopfstein-Beuthen, Frledmann-Lublinitz, Löwenthal-Tarnowitz, Kaatz-Zabrze, Bäck-Oppeln, Emmerich-Beuthen und Ellguter-Neisse. Aus den zur Verhandlung gelangten Punkten der Tagesordnung heben wir hier nur hervor eine Besprechung der Stellung der Rabbiner und eine eingehende Erörterung des Kollegen Kaatz über die Stelle Deuteronomium IV, 19 und ihre Auffassung bei Delitzsch (Bibel und Babel II. S. 37). An die Ausführungen des Redners schloß sich eine längere Diskussion. Auf dankenswerte Anregung des Kollegen Friedmann wurden einzelne Fragen von praktischer Bedeutung besprochen. ----- Magdeburg, 19. Juni. Der Ausschuß des Sy nag og enge mein de -Verband es der Provinz S ach sen veröffentlicht seinen Verwaltungsbericht für das Geschäftsjahr 1902/1903. Die Gemeinden in Mühlhausen i. Thüringen und Quedlinburg sind dem Verbände beigetreten, so daß die Zahl der Verbandsgemeinden auf 21 gestiegen ist und somit der größere Teil sämtlicher Gemeinden der Provinz Sachsen nunmehr dem Verbände angehört. Namentlich ausgesührt sind es folgende: Aschersleben, Bitterfeld. Bleicherode, Burg, Calbe a. S., Egeln. Eisleben, Erfurt, Gardelegen, Halberstadt. Halle a. S., Magdeburg, Mühlhausen i. Thür., Neuhaldensleben. Nordhausen, Quedlinburg, Schönebeck, Stendal, Suhl, Tangermünde und Zeitz. Auch die Zahl der außerordentlichen Mitglieder hat sich nicht unwesentlich vermehrt, insbesondere haben die Gemeinden Burg und Nordhausen und die jüngste der Verbandsgemeinden, Mühlhausen, eine beträchtliche Anzahl von Mitgliedern dem Verbände neu zugeführt. Trotzdem ist der Stand der Kasse kein besonders günstiger. Die Einnahmen betrugen Mark 1660,20, die Ausgaben Mark 2686,40^ Aufgewendet sind die Mittel zur Deckung derjenigen Ausgaben, welche für die Förderung der Verballdszwecke unbedingt notwendig waren. Zu diesen gehört in erster Reihe der Religionsunterricht. Derselbe wurde mit Hilfe von Verbandsmitteln in folgenden Gemeinden erteilt: in Burg, in Gardelegen, in Neuhaldensleben, in Merseburg, in Tangermünde, in Zeitz, im ganzen 34 Kindern. Die Erfolge des Unterrichts sind durchweg zufriedenstellend, zum Teil geradezu erfreulich. Gleichen Erfolg haben auch die übrigen Einrichtungen des Verbandes: die Entsendung von Predigern zu den hohen Festtagen, die Vornahme voll Jnspektiollen und das Halten von jüdischen Zeitschriften. Am 11. Mai 1902 ist hier der Gemeindetag abgehalten worden. Vertreten waren bei demselben 7 Verbandsgemeinden dllrch 9 Delegierte. Anwesend waren ferner die Rabbiner von Halberstadt sowie mehrere Mitglieder des Vorstandes und des Repräsentantenkollegiums der Gemeinde Magdeburg. Der Gemeindelag wählte auf die satzungsmäßige Dauer von drei Jahren die unten aufgeführten Herren zu Mitgliedern des Ausschusses; er setzte den Etat fest und beschloß die Einführung von Inspektionen in der ganzen Provinz. Zwecks Ausführung dieses Beschlusses hat am 25. November 1902 in Halberstadt eine Ausschußsitzung stattgefunden. Die Beratungen, welche namentlich die Einteilung der Jnspektionsbezirke zum Gegenstände hatten, gewannen dadurch ein besonderes Interesse, daß sich all demselben auch Mitglieder des Vorstandes und der Repräsentantenversammlung der altehrwürdigen Gemeinde Halberstadt beteiligten. Zur Zeit ist der Ausschuß mit einer Angelegenheit befaßt, welche die Interessen aller Synagogengemeinden aufs lebhafteste berührt. Zwei städtische Verwaltungen unserer Provinz (Aschersleben und Stendal) haben in ihren Schlachthäusern die Schlachtung nach

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