Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1903)
- Date
- 1903-06-26
- Page
- Seite 311 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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David Neu mark in Rakonitz, der auch der Uebersetzer des ersten Bandes der Ethik ins Hebräische ist. Zugleich bitte ich Sie, in nächster Nummer folgende drei Druckehler zu korrigieren. S. 293, Sp. 2, Z. 19 gewonnenen statt genommenen, Z. 34 Aussprüche statt Ansprüche; zu S. 294, Sp. 1, j. 17 habe ich zu bemerken, daß mein Register die (bereits erwähnten) 1000 Notizblätte r des zweiten Bandes betrifft. Was dort teht. gibt fast keinen Sinn. Meran, 21. Juni. Hochachtungsvoll Nahida Ruth Lazarus. * Geehrter Herr Redakteur! ^^err W. Bambus erklärt die Pläne der von uns begründeten +J Jüdischen Orient-Kolonisations-Gesellschaft in einem längeren, n der „Jüd. Presse" erschienenen Artikel und einem kleineren „Eingesandt" in der „Allg. Ztg. des Judentums" für „Chimäre" resp. .Phantasie" und warnt als getreuer Eckart vor der Beteiligung an dieser „Gründung". Da Herr Bambus grundsätzlich weder gegen jüdische Kolonisation im allgemeinen noch gegen eine solche „im Orient" etwas einzuwenden hat, gründen sich seine Kassandrarufe einzig auf die in dem Prospekt der I. O. K. G. enthaltene Rentabilitätsberechnung. Im folgenden seien feine Einwände antikritisch beleuchtet. * * * 1. „Die Gesellschaft will gegen eine Aktienleistung von 300 Mark and eine jährliche Ausgabe von 100 Mark pro Hektar Olivenpflanzungen uilegrn und verheißt vom dritten Jahre an einen Ertrag von 100 Mark pro Hektar, wenn Gemüse als interkalare Kultur angepflanzt wird, sogar das Doppelte." Also wörtlich, Herr Bambus! Wir konstatieren demgegenüber, daß von einer „Verheißung des doppelten Ertrages" im Prospekt nirgends die Rede ist! (Was Herr Bambus meint, ist offenbar folgendes: Er nimmt an, wir beabsichtigten Gemüsekultur neben den im vollen Ertrage stehenden Olivenpflanzungen zu treiben. Freilich steht das gerade Gegenteil in unserem Prospekt. Es heißt da: „Bis eine Olivenpflanzung ihren durchschnittlichen Ertrag erreicht, kann in den breiten Zwischenräumen 10 Meter) Gemüsebau betrieben werden, der in Deutschland erfahrungsgemäß reichlich über 1000 Mark pro Hektar bringt. Wir werden für den Orient, wo einer eventuell geringeren Verwertungsmöglichkeit der gewöhnlichen Sorten jedenfalls die Chance, Frühgemüse für den Export zu ziehen, gegenübersteht, mindestens die gleiche Ziffer an- -lehrnen können. In jedem Falle dürfte hiernach ein Ertrag von 100 Mark schon vor den Olivenernten pro Hektar gewonnen werden können." Es geht daraus hervor, daß Gemüsebau nur solange als mierkalare Kultur geplant ist, „bis eine Olivenpflanzung ihren durch, ^chnittlichen Ertrag erreicht". Es ist also ein Ertrag von 500 Mark uro Hektar in Aussicht genommen, und zwar von Gemüse, so lange und insoweit nicht die Oliven Pro Hektar soviel ergeben.) 2. Wir wollen annehmen, daß diese Materialisation immaterieller Erscheinungen gutgläubig ist. Sie läßt sich wenigstens auf ein den ganzen Angriff durchziehendes grundsätzliches Mißverständnis zurückühren. Herr Bambus — „legt ihr nicht aus, so leget unter!" — unterstellt, uns überall die sehr merkwürdige Auffassung, daß Olivenbäume bereits vom dritten Jahre an „vollen Ertrag" liefern sollten, und setzt dieser „Chimäre" sein eigenes sachverständiges Gutachten entgegen, wonach Oliven erst nach ungefähr 10 Jahren Ertrag bringen. Hiermit spricht er eine jener Wahrheiten aus, die niemand bezweifelt. Wir können uns ihm nur „voll und ganz" anschließen. Aber wir erlauben uns, seine Schlüsse aus dieser verblüffend neuen Tatsache abzulehnen. Denn: a) wir haben niemals behauptet, daß „Olivenplantagen vom dritten Jahre an oder etwas später eine jährliche Rente von 500 Mark" rgeben. In unserm Prospekt steht wörtlich folgendes: „Die Ernte beträgt dann je nach der Art der Pflanzung vom dritten Jahre au oder etwas später von 1 Mark (schon abzüglich der Erntekosten) aufsteigend bis zu 20 Mark und mehr per Baum. Als ein mäßig gerechneter Durchschnitt kann 5 Mark per Baum angesehen werden. Dies entspräche 500 Mark per Hektar." Wir meinen, das sei klar genug, um jedes Mißverständnis auszuschließen. Es wird angenommen, daß im dritten resp. vierten Jahre jeder Baum durchschnittlich 1 Mark Ertrag bringt, und daß dieser Ertrag von da an jährlich steigt bis zum Beharrungszustande voller Ernten, für die wir den sehr mäßigen Durchschnitt von 5 Mark per Baum, d. h. 500 Mark für 100 Bäume des Hektars rechnen. (Die deutschen Kolonisten in Palästina rechnen 1600 Mark per Hektar). b) Herr Bambus scheint bestreiten zu wollen, daß Oliven im dritten Jahre überhaupt eine, wenn auch noch so kleine Ernte liefern. Für jeden Sachkenner geht klar aus dem Prospekt hervor, daß wir nicht Samen oder fingerlange Stecklinge, sondern ca. 8 jährige Bäume pflanzen wollen, die bereits ein bis zwei Jahre okuliert sind' In der Rentabilitätsberechnung steht nämlich unter „einmaligen Aus gaben": „100 Bäume inklusive Pflanzen 100 Mark." Olivenkerne oder Stecklinge kosten aber nicht eine Mark pro Exemplar! Unsere Ernte im dritten Jahre wird also gewonnen von ca. elfjährigen Bäumen drei Jahre nach ihrer Umpflanzung. Da Herr Bambus selbst angibt, daß „mail im ganzen Orient eine Frist von 10 bis 12 Jahren rechnet, bis der Oelbaum Ertrag bringt", so löst sich dieses Rätsel der Natur höchst befriedigend auf. Herr Bambus hätte die Lösung selbst finden können, da eine Fußnote des Prospektes die Ni chtsachv er ständigen auf einen 16 Seiten langen Artikel der Zeitschrift „Palästina" hinweist. 3. Ganz kurz noch einige Hinweise! Herr Bambus meint, junges Gemüse ließe sich aus dem Orient nicht aussühren, weil es aus der Seefahrt verdirbt. Der Prospekt spricht wohl von Export, aber nicht von Export nach Westeuropa. Wir denken speziell an einen Export nach Aegypten, und zwar nicht zum wenigsten nach den Schiffahrtsstationen am Suez-Kanal, wo für die durchpassierenden Schiffe ein sehr erheblicher Bedarf vorliegt. Die Anlegung von Konservenfabriken für die Verarbeitung streift Herr Bambus selbst, freilich ohne die Konsequenzen daraus zu ziehen. 4. Was den Wasserbedarf bei Gemüsebau betrifft, so hätte Herr- Bambus nicht so Unrecht, wenn wir verpflichtet wären, unsere Kolonisation da zu betreiben, wo in der Tat der Wassermangel namhafte Aufwendungen an Brunnenanlagen und Motoren erfordert. 6. Auch die Steuern und Abgaben, die bei Herrn Bambus „gerade bei der Oelbaumkultur sehr erhebliche sind", kommen in bestimmten Gegenden in Fortfall. Endlich sei noch darauf hingewiesen, daß der Prospekt den Zweck der Gesellschaft wörtlich folgendermaßen bezeichnet: „Der Gegenstand des Unternehmens ist: Genossenschaftlicher Landwirtschaftsbetrieb im Orient in Verbindung mit industrieller und kommerzieller Verwertung landwirtschaftlicher Produkte. Hauptsächlich ist intensive Landwirtschaft in Aussicht genommen, besonders Baumzucht, Seidennnb Tabakbau, Gemüsekultur, Geflügelzucht rc." Daraus muß Jeder (der lesen kann oder will) ersehen, daß es sich in den angehängten Rentabilitätsberechnungen nur um einige beispielsweise Angaben über die Rentabilität intensiver Landwirtschaft im Orient handelt, die gegenüber dem im Prospekt angegebenen Gegenstand des Unternehmens keinen größeren Wert beanspruchen, als eben den von Beispielen. Am Schluffe seines Artikels sagt Herr Bambus: „Getreu der Praxis, welche in den Kreisen, aus deren Mitte die neueste Gründung hervorging, bei ihrer Vereinskabrikation auch sonst geübt wurde — es sei nur an die „Gesellschaft zur wirtschaftlichen Erforschung und Erschließung Palästinas" erinnert —, ist es auch im vorliegenden Falle geflissentlich vermieden worden, diejenigen zur Mitberatung und Mitwirkung heranzuziehen, welche sich aus ihrer vieljährigen theoretischen und praktischen Beschäftigung mit den einschlägigen Fragen ein kompetentes Urteil erworben, aber zugleich soviel Selbständigkeit bewahrt haben, nicht zn jeder Projektenmacherei mameluckenhaft Ja und Amen zu sagen. Glaubt man, der Mitarbeit dieser wirklich Berufenen entraten, auf bomin68 novi sich beschränken zu dürfen, deren Legitimation eine durch keinerlei Sachkenntnis getrübte Laienhaftigkeit bildet, so hat der Fernstehende, wenn's den Geldgebern recht ist, dagegen nichts weiter einzuwenden." Diesem Herzenserguß gegenüber sei festgestellt, daß unsere „Vereinsfabrikation" in Wirklichkeit