Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1903)
- Date
- 1903-06-26
- Page
- Seite 307 (sequence 9)
- Language
- German
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807 >en Kranz n ewigen Züge der mag den ihnen nur Hefen und diese Ur- Wirrwarr, muß vor Ratte der gar nicht lliene sein iedrigeren wen insoaS Jahr-? Nehmen das Gebot;. Gewiß, war auch die Bibe Lohn für rund vorg die Zeit Menschen,!, vielleicht friger Belnzähligen ilung gen nötigen n, darum u, denen cgedanken denn der lkunktnua und he Städte des Erlist wurde t gemacht Und nur: des mit n Genua, mdern in Entdecker iredes in chienenen Christoph 3etoi, der annahnl von ihm Paulus juden i» kirchliche nanlens olumbus bräischen t haben, von dem zehalten? Mehr noch als der Jude war zur Zeit Eolumbus' der Renegat oder der Neuchrist in Spanien verachtet. Schon brannten die Scheiterhaufen der Inquisition lichterloh lind die Vertreibung der Juden war eine längst beschlossene Sache. Die spanische Jsabella hätte sich nie entschlossen, meint D. Vicente Paredes, einen Mann jüdischer Abstammung zur Entdeckungsfahrt auszuschicken. Dieser Ueberzeugung soll auch Columbus gewesen fein und deshalb seine Abstammung sorgfältig verschwiegen haben. Worauf gründet ilun D. Vicente Paredes seine Behauptung? In dem Testament der Maria de Santa Maria, der genannten Mntter des Weltentdeckers, heißt es: D. Diego, mein Sohn, oder jeder, der Erbe dieses Majorats fein wird, soll, nachdem er Besitz davon ergriffen hat, mit meiner Ueberschrift zeichnen. Dieselbe besteht aus einem X mit darüber stehendem 8. einem M. mit einem darüber stehenden A. und 8. und dann einem Y mit darüber stehendem 8. 8. 8. A. ' 8. X. M. Y. Das ist allerdings dasselbe Zeichen, dessen Columbus sich bediente! 8X bedeutet, nach Paredes Ansicht, Christoforus, MAS von unten nach oben gelesen: Matris, von oben nach unten: Santa Maria. YS Ysabel, die Schwester des Columbus. Die ganze Entdeckung des gelehrten Akademikers ist nur durch einen einzigen Umstand sehr zu bezweifeln. So wenig ivie der Ort ist nämlich mit Bestimmtheit das Jahr der Geburt des Columbus allzugeben. Die Ansichten darüber differieren zwischen 1446 und 1456. Als Salomo Ha-Levi sich im Jahre >391 mit all seinen Kindern taufen ließ und sich von seiner Gattin, welche im Judentum verharrte und als treue Jüdin starb, für immer trennte, war seine Tochter rvenigstens ein Jahr alt; sie war somit, wenn Columbus nicht später als 1446 geboren wurde, bei seiner Geburt nicht weniger als 56 Jahr alt gewesen! Der Entdecker Amerikas bleibt nach wie vor ein Italiener und der Sproß einer alten christlichen Familie.. Sprichwörter der Spaniolen. Von Max Hochdorf. 3m ersten Heft des 27. Bandes von Gröbers Zeitschrift für romanische Philologie läßt Abr. Danon spaniolische Sprichwörter abdrucken, die einen interessanten Einblick in das Leben der Levantiner Juden gewähren. In Reiseschilderungen wird ihrer meist nur sporadisch erwähnt. So hat B. der Bhzantinologe Krumbacher in seinem Werkchen über eine griechische Fahrt die Habgier u>ld Unehrlichkeit der rhodesischen Juden verurteilt und dennoch mit warmen Worten den gegen diese Unruhe auf das schärfste abstechenden Sabbatfrieden der Insel beschrieben. Jüngst preist Houston-Chamberlain in seiner bekannten unklugeil Rhapsodenart die Rassenreinheit dieser Gruppe und ist geneigt, sie weit über den jüdischen Mischmasch des Westens zu stellen. Wer im Ghetto von Smyrna herumgestreift ist, in Saloniki beim Brunnen nahe der Aja Sofia gestanden hat, von dem die jüdischen Knaben in weitbauchigen Blechkannen Wasser holen, oder wer vom Kloster der Mewlewi-Derwische in Salonik an einem schönen Tage durch das Armenquartier zur Wardarstraße hinunterging, der wird von diesem Getümmel und Getöse der Männer, Weiber und Kinder fast betäubt worden sein. Wie eine einzige Familie leben all diese Menschen beisammen, lieben und zanken sich, wie es ihnen gerade ums Herz ist, auf offener Straße und schreien in den eigentümlich hohen Kopstönen, die eine Eigenart der spaniolischen Sprach» laute sind. Und da sie mehr auf der Straße als im Hause, mehr in der Masse als in der Abgeschloffenheit leben, ist aus ihrer Mitte das Sprüchwort erwachsen: „Vor Gott und seinen Nachbarn kann man nichts verbergen." Das Leid wohnt nicht bei den Steinen, sondern bei den Menschen, heißt es in ihrer Volksphilosophie, und darum muß Barmherzigkeit üben, wer gebeil kann. Teilnehmen soll jeder an dem Sonnenschein eines schmächtigen Glückes, und auch die Aermsten und Verwaisten dürfen nicht vergessen werden. Das sagt die schölle Sentenz: Wer keine Mutter hat, hat hundert. Geben ist seliger denn Nehmen. Der Türke ist von großem Mitleid gegen den Bettler, und wenn er ihm selbst nicht spenden kann, tut er ihm wenigstens mit einem freundlichen Worte wohl. Und auch sein jüdischer Landsmann denkt: Salz und Brot, aber gastfreundlich sein. Wenn der jüdische Lastträger, Botsmann und Handwerker das Tagewerk hinter sich hat, dann will er seine Dürftigkeit auf ein paar freudige Stunden los sein. Er ist zufrieden mit Brot und Käse, aber zwei Lichter will er auf den Tisch. Der levantinische Orient ist noch in jedem Wortsinne nach Sonnenuntergang sehr dunkel. Die Bedürfnisse des Magens sind in diesen Ländern unglaublich gering, und das Wohlgefallen am Hellen ein schöner Zug. Ist einer dann zu weit gegangen in seiner Neigung zum Aeußerlichen, dann soll er sich mit dem biblischen Wort trösten, das im Spaniolischen neue Prägung bekommen hat: Das Auge ißt mehr als der Mund. Bei einem jüdischen Antiquitätenhändler im Bazar von Saloniki habe ich es einmal probiert, wie weit es möglich ist, mit diesen Kaufleuten zu feilschen, ohne sie in Zorn zu bringen. Es war eine regelrechte diplomatische Aktion, die mit der ganzen männlichen Familie geführt wurde, vom langbärtigen Greise abwärts bis zum Jüngling, der eben erst im Geschäft mittun darf. Sie zogen und zupften mich am ganzen Leibe und wandten wundervolle Kniffe auf. Als alles nichts half, brach der Aelteste den italienisch geführten Handel ab und sagte zu mir auf Griechisch: „Die wollen dich alle bloß übers Ohr hauen. Jetzt werd' ich mit dir griechisch reden, was die anderen nicht verstehen. Dann werden wir schon einig werden." Sie verstanden ihr Familienoberhaupt als geborene Sprachgenies nur zu gut, aber sie waren viel zu treffliche Schauspieler, um sich etwas merken zu lassen. Nach zwei Tagen hatten sie Meine Wohnung ausgeforscht, und dann Hab' ich den Gegenstand um einsiebentel des anfangs geforderten Preises erstanden. Es Hilst nichts, der jüdische Handelsmann in der Levante ist auch ein Spitzbube. Er hat das Sprichwort: „Wer von Gott wenig verlangt, ist ein Narr", und meint, „wer beim Menschen so verfährt, ein noch größerer." Die Klugheitsregeln für den Handelsmann sind ebenso zahlreich wie charak» teristisch. Die Ohren eines Handelsmannes sind bei ihnen sprichwörtlich geworden. Schweigen ist für sie auch Gold, Reden nicht Silber, sondern kurz heraus Dreck (lodo). Natürlich nur da, wo es für seinen Vorteil nicht am Platze ist. Sonst ist er von einer prächtigen Geschwätzigkeit. Sein Hang zur Selbständigkeit dokumentiert sich in dem Satz: „Hilf Dir nur mit Deinem und verlange von keinem" oder: „Auf andere harren, das tun die Narren." Er ist ein starker Fatalist und glaubt an die Wahrheit, es falle das Laub nicht vom Baume, ohne daß die Stunde Gottes kommt. Gott schenkt kein Geld, doch er schafft Mittel, es zu verdienen. Es ist gesorgt, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Der Spaniole sagt: Wer zum Himmel speit, deni fällt es wieder ins Gesicht. Klug muß der Mensch sein. Er soll nicht dem