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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-06-19 · Heft 25 (19.6.1903) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 25 (19.6.1903)
Date
1903-06-19
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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Der Ausschuß hat im verflossenen Geschäftsjahre die ersten Schritte zur Erledigung dieser frage getan, uild die gemachten Erfahrungen berechtigen zur Hoffnung. )aß sich im diesseitigen Bezirke der Beschluß des neunten Gemeindeages leicht zur Ausführung bringen ließe, wenn hierfür auch die nötigen Mittel gefunden werden könnten. Die Versammlung beschließt aher, den Deutsch-Israelitischen Gemeindebund um Gewährung iner Subvention zu diesem Zwecke anzugehen. In der sich anschließenden Ausschußsitzuug wird Herr Bankier Goldschmidt zum Verbandsvorsteher gewählt. Präsenzliste: Rabbiner Dr. Feilchenseld, Schönlank, Zilberberg, Friedländer, Goldschmidt.Friedenthal (Posen).Justizrat Breslauer (Rawitsch), RabbinerDr. Lewin (Wreschen) und Silberstein (Moschin). — Chemnitz, 29. Mai. Nach dem eben erschienenen Verwaltuugsericht des Vorstandes der hiesigen Israelitischen Gemeinde für >as Jahr 1902 zählt unsere Gemeind^ 1136 Seelen. Die Anzahl der Abständigen Haushaltungen betrug 250 und diejenige der steuerahlenden Mitglieder derselben 363. Aul 16. März feierte unsere Ohebrah Kedoschah das Jubiläum ihres 25 jährigen Bestehens. Infolge ines gegen die Gemeinde Plaueil i. V. bei dem Königlichen Oberverwaltungsgerichte ergangenen Urteils fand am 15. Mai zu Dresden iw Gemeindesitzungssaale eine Konferenz der Vorsteher der Gemeinden Dresden, Leipzig, Chemnitz und Mauen statt; zu derselben uar als Vertreter unseres Vorstandes Herr Max Bergmann erschienen. 9ie Konferenz beschloß einstimmig die Absendung einer Petition an -as Königliche Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts, in welcher dem Wunsche Ausdruck gegeben wurde, daß die rechtlichen Verhältnisse der israelitischen Gemeinden Sachsens aus dem Wege der Gesetzgebung geregelt werden möchten. Eine Antwort auf die ab- ^esandte Petition ist bisher noch nicht erfolgt, weil dieselbe voranschtlich den nächsten Landtag beschäftigen wird. Diese Angelegenheit ihrte zu einer Abänderung der §§ 21 Absatz 4 und 26 unseres Geneindestatuts, welche in gemeinschaftlicher Sitzung der Gemeindeollegien am 24. Mai beschlossen und unterm 5. Juli seitens des königlichen Ministeriums des Kultus und öffentlichen Unterrichts beätigt wurde. — Am 19. Mai hielt der Vereirl israelitischer ehrer Mitreldeutschlands (gleichzeitig mit der hierorts tagenden deutschen Lehrerversammlung) seine Jahresversammlung im Sitzungssäle der Saxonia-Loge ab. Die Verhandlungen, welchen die Mitlieder des Vorstandes und der Gemeindeverordneten sowie auch viele lemeindemitglieder beiwohnten, erweckten lebhaftes Interesse und egten Zeugnis ab von dem Streben der israelitischen Lehrerschaft ach beruflicher Fortbildung im Dienste der jüdischen Schule und des Judentums. — Aus Anlaß des Ablebens des Königs Albert veranstaltete ie Gemeinde am 29. Juni einen feierlichen Trauergottesdienst. An er Beisetzungsfeier in Dresden konnte unsere Gemeindevertretung >egen Platzmangels nicht teilnehmen. Dagegen richtete der Vorstand Beileidstelegramme an König Georg und die Königin-Witwe Carola, welche von denselben hnldvollst beantwortet wurden. König Georg ewährte außerdem den Vertretern der vaterländischen israelitischen >emeinden eine Audienz; Vertreter unserer Gemeinde war Herr Max Bergmann. Zu dem am 11. September aus Anlaß der Anwesenheit es Königs demselben von der Stadt Chemnitz dargebotenen vestkonzerte im Kasino hatten auch Rabbiner Dr. Mühlfelder, sowie er Vorsteher unserer Gemeinde, Herr Max Bergmann nebst dessen >attin eine Einladung erhalten und derselben Folge geleistet. — Am Dezember fand eine Besprechung der Gemeindemitglieder statt, ans 'elcher die Gründung einer Hilfsvereinigung für bedürftige Gemeindeuitglieder hervorgehen dürfte. Von der Konkursverwaltung der ejpzjger Bank, durch deren Zahlungseinstellung unsere Gemeinde men finanziellen Verlust erlitten hatte, wurden bis zum Schlüsse des ahres 4618,90 Mark zurückgezahlt, eine Nestquote ist noch zu erwarten. — Rabbiner Dr. Julius Grünthal aus Posen, welcher infolge Erkrankung des Herrn Dr. Mühlselder seit 18. Oktober 1901 als Prediger und Religionslehrer in unserer Gemeinde fungierte, verließ diese Stellung, am 15. Mai. an welchem Tage Herr Dr. Mühlder seine bisherigen Funktionen wieder übernehmen konnte, me fortgeschrittene Schülerzahl unserer Religionsschule machte die Anstellung einer weiteren Lehrkraft erforderlich. Die Gemeinde- Kollegien beschlossen deshalb, mit Beginn des Schuljahres 1903 einen werten Religionslehrer anzustellen und demselben gleichzeitig die Funktionen als Rabbiner-Stellvertreter zu übertragen. Die Anzahl wer Schüler betrug 181 (93 Knaben und 88 Mädchen). Das Lehrerkollegium bestand ans dem Schulleiter Herrn Dr. Mühlfelder und den Herren Lehrer Sommerfeld, Kantor Goldberg und Dr. Grünthal. — Die Einnahmen der Gemeinde betrugen Mark 39 704,81; die Ausgaben Mark 35 253,77. Der Vorstand war 1902 folgendermaßen zusammengesetzt: Herr Max Bergmann, Vorsitzender; Herr Bernhard Kupferberg, stellvertretender Vorsitzender; Herr Hugo Oppenheim, Schriftführer; Herr Markus Bernstein, stellvertretender Schriftführer; Herr Willy Lippmann, Kassierer; Herr L. I. Joachimsthal, stellvertretender Kassierer. t. München, 7. Juni. In den Amtsblättern liest man fortwährend. während im ganzen Königreich doch nur etwa 50 000 Juden wohnen, daß ein ganz unverhältnismäßiger Anteil an den gemeinnützigen und öffentlichen Zwecken dienenden Stiftung en vonJuden errichtet ist; erst vor einigen Monaten sind die großen in die Millionen gehenden Stiftungen des Magistratsrats Michael Kohn in Nürnberg der Oeffentlichkeit bekannt geworden. Heute berichten die Zeitungen, daß der Prinzregent die von dem verstorbenen Rentier Sigmund Neu st ä t t er in München testamentarisch mit einem Kapital von 100000 Mark errichtete zur Unterstützung würdiger und armer weiblicher Patienten der Münchener Krankenhäuser und Kliniken bestimnite Rosa und Sigmund Neustättersche Stiftung genehmigt und hierbei gestattet hat, daß mit dem Ausdruck Allerhöchster Anerkennung des vom Stifter bekundeten Wohltätigkeitssinnes, diese Stiftung zur öffentlichen Kenntnis gebracht werde. — Gestern stand in den Zeitungen, daß die Söhne der vor kurzem verstorbenen Komnierzienratsgattin Jeanette Benditt in Fürth eine Wohltätigkeitsstiftung von 15000 M. und zwar ausschließlich zu gunsten Angehöriger der christlichen Religion errichtet haben, während die Familie Benditt voraussichtlich für jüdische Zwecke ebenfalls entsprechende Zuwendungen gemacht haben wird. — Das Judentum kann wohl stolz darauf sein, daß trotz der Anseindungen, wie sie betrübender seit 30 Jahren sich nicht haben beobachten lassen als jetzt, trotzdem die Mehrheit der Kammer ihre unfreundliche Gesinnung gegen die Juden mit dem Heimschen Antrag ausgedrückt hat, seine Bekenner durch ihre Stiftungen Zeugnis von ihrer Menschenliebe fortwährend ablegen. — Wen übrigens der Sommer nach Süddeutschland führt, der darf sich einen Aufenthalt in Nürnberg gönnen, um den auf dem Marktplatze errichteten Kunstbrun neu anzusehen. Angesichts der Marienkirche, die einstmals vor mehr als 500 Jahren das Bethaus der Juden war. umsäumt von den Häusern des Marktes, an denen vielfach die in dein protestantischen Nürnberg sonst seltenen Marienbilder dem Kenner der Nürnberger Geschichte bezeugen, daß es alte Judenhänser waren, die nach der Judenvertreibung der Kaiser der Stadt geschenkt hatte, steht der herrliche Brunnen, den zu sehen allein schon einen Aufenthalt in dem Schatzkästlein Nürnberg verlohnen würde. Wie ich mir dieser Tage den herrlichen Brunnen, wie es gleich schönere auf der Welt nicht allzuviele geben wird, betrachtete, habe ich doch, ein großes Vergnügen daran gehabt, daß eine bescheidene Tafel an der Außenseite des Brunnenbassius dem Beschauer besagt, daß der Brunnen von dem Kommerzienrat von Gerngros und seiner Frau gestiftet sei. Die Nürnberger haben übrigens bekanntermaßen den Stifter, der durch seine Stiftung viel Menschenkinder erfreut und in den fernsten Zeiten noch erfreuen wird, auch durch die Ernennung zum Ehrenbürger, eine sehr seltene und hohe Auszeichnung, seinerzeit geehrt. Gesterreich-Ansam. □ Wien, 15. Juni. Das Geschick hat uns gnädig vor dem Entsetzlichsten bewahrt, und der Schlag, den ein Wahnsinniger gegen die Equipage des Kaisers geführt, hat, Gott sei es gedankt und dem Schutzengel unseres Volkes, das teure Haupt unseres verehrten Kaisers auch nicht im leisesten gestreift. Allein die Tatsache, daß ein notorisch Irrsinniger sich frei in den Straßen umherbewegen kann, ist bezeichnend für die Jrrenpflege unseres Landes — gerade deshalb aber weil die Irrenhäuser überfüllt find und ein Jude scholl am allerwenigsten Aufnahme findet, wenn er das traurige Los hat, der Vernunft beraubt zu sein — gerade aus diesem Grunde sollten unsere jüdischen Millionäre doch endlich ihr Augenmerk auf diesen wichtigen Punkt richten und Mittel zur Errichtung eines Zufluchtsortes für jüdische Irre beschaffen. Jetzt, in einem Augenblick, in dem man mit Grauen der Folgen gedenkt, welche die Tat des wahnsinnigen Jacob Reich hätte herbeisühren können, jetzt wäre ein dringender Appell an die Herzen unserer begüterten Glaubensgenossen von einschneidendster Wichtigkeit, und sicher würde der Erfolg nicht

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