Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1903)
- Date
- 1903-06-19
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
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2 Repatriierung überaus wichtig sind, aufzusordern, der Organisation beizutreten. Herr Laskar klagt darüber, daß bei der Zurückbeförderung in den meisten Fällen nicht nach einer festgesetzten Norm verfahren werde, worauf Herr Martin Simon-Berlin erwidert, daß man bei Wohltätigkeitsangelegenheiten nicht strikte nach Instruktionen handeln könne. Herr I. Borchardt-Berlin will, daß junge Leute nicht ohne weiteres nach Hause geschickt werden, er meint, man müßte ihnen vielmehr Arbeit verschaffen und sie eventuell in die Arbeiterkolonie schicken. Dr. Cohn-Kattowitz meint, es müßte versucht werden, Leute zu ihren Angehörigen, wenn auch na ch England und Amerika zu befördern. ebenso müßte es jenen Frauen, die zu ihren Männern nach Uebersee wollen, ohne deren nähere Adressen zu wissen, möglich gemacht werden, dorthin zu gelangen. Herr Oschinsky-Breslau teilt mit, daß Köln sich der Organisation anschließen wolle. Dr. Cohn-Kattowitz bittet, die Rückwanderer nicht an Tagen vor den Sonnabenden und Feiertagen befördern zu lassen. Herr Laskar-Hamburg berichtet, daß der dortige Verein im vergangenen Jahre 23 770,75 Mark für Durchreisende ansgegeben habe. G. Berlin, 14. Juni. In der Maisitzung der Wissenschastrichen Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin sprach Herr Dr. Loewenberg „Ueber Lehrmittel im jüdischen Geschichtsunterrichte an höheren Lehranstalten." Der Vortragende prüfte den unterrichtlichen Wert der allgemein eingeführten Lehrbücher für den Unterricht in der jüdischen Geschichte. Zur Ergänzung und Vertiefung zog er dabei die Gesichtspunkte jüdischer Pädagogen für die Auffassung dieses Unterrichtsgegenstandes heran, sowie diejenigen, welche venvandte oder parallele Bestrebungen im Unterrichte in der Kirchen- und allgemeinen Geschichte ergeben haben. So wurde der Gegensatz zwischen Mahbaum und Jacob angeführt, inwiefern die jüdische Geschichte als Entwickelungsgeschichte gelten könne, und Maybaums Forderung, daß das Leben und Wirken der eigentlichen Träger der Geschichte nur im Hinblick auf die Entwickelung des religiösen Lebens behandelt werden solle, als zu eng bezeichnet. Da die jüdische Geschichte infolge ihres vorwiegend ideellen Charakters noch mehr als die allgemeine für pragmatische Behandlung geeignet ist, so empfiehlt es sich, das Kulturhistorische sowohl als Grundbedingung wie als Ergebnis der religiösen Ideen mehr als bisher heranzuziehen. Quellenstücke sind als Mittel eines anschaulichen und kraftbildenden Unterrichts zu benützen. Die nachmendelssohnsche Zeit darf deswegen nicht zu kurz behandelt werden, weil sie den Schüler über die Strömungen und Aufgaben im Judentum der Gegenwart zu unterrichten vermag. Das Lehrbuch soll den Schüler aus der Kenntnis des Entwickelungsganges der jüdischen Lehre zu einem bestimmten Parteistandpunkte führen. Die Anordnung des Lehrstoffes soll hauptsächlich biographisch sein und neben den Lebensbildern einzelner Männer abgerundete Bilder aus der Volksgeschichte bieten. Im übrigen gelten in bezug auf Umsang und Form der Darstellung für das Lehrbuch der jüdischen Geschichte dieselben Forderungen, wie sie all ein solches der allgemeinen Weltgeschichte gestellt werden. — Der Verein dankte dem Vortragenden durch lebhaften Beifall für seine gehaltvollen Ausführungen. In der Debatte wurden diese im einzelnen ergänzt. Der Vorsitzende teilt noch mit. daß von dem Verbände der jüdischen Lehrervereine eine Literaturkommission zur Prüfung von Lehrbüchern für den Religionsunterricht unter Leitung des Kollegen Herbst-Lissa gegründet worden sei, und die Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Schulmänner bestimmte Herrn Dr. Loewenberg zu deren Mitgliede. ----- Berlin, 14. Juni. Der Verein zur Bekleidung armer jüdischer Kinder, dessen Zweck es ist. arme israelitische Kinder mit allem Nötigen auszurüsten und zu bekleiden, bittet alle Menschenfreunde, ihn durch Beitritt als Mitglied oder durch Ueberweisung voll Bekleidungsgegenständen jeder Art: z. B. Anzügen, Kleidern, Wäsche, Stieseln und Mützen rc., zu unterstützen und zu fördern. Statuten und alles Nähere in der Geschäftsstelle des Vereins, Berlin W. 30, Eisenacherstr. 8; auch die Gesuche um unentgeltliche Ueberlassung von Kleidungsgegenständen sind an die Geschäftsstelle zu richten. ----- Berlin, 11. Juni. Nach längerem Leiden starb am 9. d. M. Professor Dr. Meyer Hamburger, Dozent an der Technischen Hochschule zu Berlin-Charlottenburg. Hamburger war als Mathematiker geschätzt. Insbesondere stand er als Forscher auf dem Gebiete der Lehre von den Differelltialzeichnungen im Ansehen. Wenn sein Name über die sachwissenschastlichen Kreise wenig hinausgedrungen ist, so hat dies mit wesentlich seinen Grund in der bescheidenen Art Hamburgers. Es lag ihm fern, an die Oeffentlichkeit zu treten. Sein Leben war ganz von der Forschung und dem Unterricht ausgesüllt. Als Lehrer übte Hamburger eine doppelte Wirksanlkeit aus, deren beide Teile weit auseinander lagen. Er war viele Jahre hindurch Lehrer all der Knabenschule der jüdischen Gemeillde und Professor an der Technischen Hochschule. Während Hamburger dort im Rechnen und höchsterls in der Elenlentarmathematik zu unterrichten hatte, lag ihm an der Technischen Hochschule ob. Studierende in die schwierigeren Probleme der höheren Mathematik einzuführen. In beiden Arten der Lehrtätigkeit hat sich Hamburger aufs beste bewährt. Er hinterläßt eine große Zahl dankbarer Schüler. Was die wissenschaftliche Arb nt Hamburgers angeht, so hat er auch auf andererr Zweigen der Mathematik Hand angelegt. Trotz seines Leidens war Hamburger bis in die letzte Zeit wissenschaftlich tätig. Dem Lehrkörper der Technischen Hochschule gehörte er zuerst als Privatdozent an: 1884 wurde er zum Dozenten befördert. Kurz darauf erhielt er den Professortitcl. Er ist 65 Jahre alt geworden. Die Beerdigung fand heute in Weißensee statt. Berlin, 12. Juni. Zum Besten der Kischinewer Juden hat der „Jüdische Verlag", Berlin, den Ertrag eines.kleinen Buches bestimmt, welches die Judenmetzeleien von Kischinew auf Grund von authentischen Materialien und Originalberichten behandelt. (Der Schrift sind eine Anzahl von photographischen Reproduktionen beigegeben). Der Preis des Buches ist auf 1 Mark festgesetzt worden, und es soll nun für die denkbar größte Verbreitung Sorge getragen werden. Besonders sei jüdischen Vereinen und Institutionen der Bezug und Vertrieb dieser Schrift nahegelegt, damit durch möglichst große Massenauflage die Hilfsaktion gestärkt und zugleich das öffentliche Gewissen aufgerüttelt werde. --- Königsberg, 9. Juni. Unter dem Vorsitz des Herrn Stadlrat Magnus fand am 4. d. M. eine Sitzung der Een tral-Arm enkomMission der hiesigen Shnagogengemeinde statt zur Prüfung und Erledigung der bisher eingegangenen Gesuche um Bewilligung von Unterstützungen zu ärztlich verordneten Kuren bezw. Landaufenthalt an bedürftige hiesige Glaubensgenossen. Von 34 Anträgen konnten 21 berücksichtigt werden und zwar mit einem Gesamtbeträge von 1130 Mark. Die einzelnen Unterstützungen bewegten sich in Höhe zwischen 30 und 100 Mark. Bei der Prüfung der Petitionen wurden in erster Reihe diejenigen Bittsteller in Betracht gezogen, welche infolge akuter Erkrankungen erwerbsunfähig geworden, um sie wieder erwerbsfähig zu machen. Soweit die Mittel es gestatteten, wurden dann auch chronisch leidenden, sowie altersschwachen Bedürftigen Unterstützungen gewährt. Im Vorjahre wurden circa 1800 Mark für diesen Zweck verausgabt. L. Posen, 7. Juni. In dem Sitzungssaals des Gemeindehauses. Teichstraße 10, fand heute die statutenmäßige Generalversammlung des Verba ndesderSynagoge n gemein dendesRegi er ungsbezirkes Posen statt. Der Verbandsvorsteher, Herr Schönlank, eröffnete die Sitzung mit herzlichen Worten der Begrüßung an die Erschienenen und erstattete sodann in Erledigung des ersten Punkts der Tagesordnung den Jahresbericht. Demselben entnehmen wir. daß dem Verbände zur Zeit 34 Gemeinden angehören, die circa 750 Mark Jahresbeiträge zahlen. Auffallenderweise gehört die zweitgrößte Gemeinde des Bezirkes Lissa dem Verbände noch nicht an. Auch im Berichtsjahre sind zur Erteilung des Religionsunterrichtes einige Beihilfen geleistet und für das unter Leitung des Gemeinderabbiners Herrn Dr. Feilchenfeld stehende Institut zur Ausbildung von Kultusbeamten (Kantoren, Schächter und Religionslehrer) 950 Mark aufgewandt worden. Herr Rabbiner Dr. Feilchenfeld berichtet sodann über obiges Institut und erwähnt insbesondere, daß von den bisher ausgebildkten dreizehn Beamten sieben im Regierungsbezirk Posen amtieren. Der Religionsunterricht ist vielfach inspiziert und in einer Gemeinde auch ein Gottesdienst mit Predigt abgehalten worden. Die Jahresrechnung wird von einer aä hoc erwählten Kommission geprüft und sodann entlastet. Nachdem der Etat pro 1903 festgesetzt ist, erfolgt die Wiederwahl von fünf ausscheidenden Ausschußmitgliedern, und an Stelle des Verbandsvorstehers Herrn Schönlank, der mit Rücksicht auf seine angegriffene Gesundheit die Wiederwahl entschieden ablehnt, wird aus dessen Vorschlag Herr Bankier Goldschmidt, Posen gewählt. Als letzter Punkt der Tagesordnung kamen einige Anträge zur Verhandlung, die als nicht im Rahmen der Verbandssatzungen liegend abgelehnt werden. Eine längere Debatte ruft die Frage der