Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1903)
- Date
- 1903-06-19
- Page
- Seite 300 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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300 Dann aber eilten sie wieder zu der spiegelglatten Wasserfläche hin, die mit ihrer bläulich - grünen Fläche einladend winkte. „Wahrlich, ich beneide euch um das Vergnügen eines erfrischenden Bades!" rief der König, und sich an Aristobul wendend, setzte er lachend hinzu: „Ich sehe es Dir an, mein Aristobul, auch Du sehnst Dich nach der erfrischendeu Kühle des Bades, wohlan, geh nur, mein Teuerer, fern sei es von mir. Dich dieser Wonne zu berauben, — Deine Wangen glühen wie Purpur uub die Hitze ist wahrlich zum Erdrücken." Dann wandte er sich an Josefns, den Gatten seiner Schwester, an dessen Seite er einige Augenblicke flüsternd verweilte, und lenkte seine Schritte den inneren Gemächern des Palastes entgegen. Mit einem jubelnden Ausschrei freudiger Lust hatte der königliche Jüngling seine Kleider abgeworferr und nun stürzte er mit übermütigem Sprunge in den Teich. Jauchzend und lachend begrüßten ihn die Badenden, nub nun, als der lästige Zwang der Kleider, der lähmende Druck der sengenden Hitze von ihnen genommen war und sie sich los und ledig aller beengenden Fesseln im kühlen Bade tummelten, da erfaßte sie unbändige Heiterkeit, und sie ergingen sich in tollen Späßen. Jagend und haschend umfaßte einer beit anderen und lauter Jubelruf erscholl aus ihren Kehlen, wenn es ihnen gelang. einander unterzutauchen. Jetzt hatte sich auch Josefus der fröhlichen Schar der tm Wasser Plätschernden zugesellt, sein Auge suchte die Gefährteil und ein Blick stummen Einverstandnisses zllckte in seinen harten Zügen auf. Fröhliches Lachen und lustiges Plätschern wechselte ab mit übermütigem Kreischen und abwehrenden Scherzveden der Badenden. Einem Götterbilde gleich ruhte der Vollendet schöne Leib des jungen Priesters auf dem Wasser. Mit Vollendeter Meisterschaft beherrschte er das feuchte Element, und seine blauen Augen leuchteten auf in seliger Lust. Lachend wehrte er den anderen, die all seiner Seite schwammen, wenn sie ihm mit vollen Händen das Wasser iit Gesicht und Augen spritzten. „Ja, ja!" rief da mit lautem Gelächter einer aus der Schar. „Wie Du mir, so ich Dir! Hast Tu uns Mund und Nase Vollgespritzt, so sollst Du es nun auch haben!" Und dabei schüttete er dem jungen Priester eine ganze Sturzwelle ins Gesicht. Den Kopf zurücklverfend suchte Aristobul sich des auf ihn eindrillgenden Elementes zu erwehren. „Ha, ha, ha!" lachten die anderen. „Nun fürchtest Du gar das bißchen Wasser, das Dir Mund und Nase befeuchtet, — nun sehe doch einer den kühnen Schwimmer!" und dabei tauchten starke Arme den Kopf des jirngen Mannes in die Flut. Doch im nächsten Augenblick schon tauchte das jugendfrische Antlitz loieder aus dem Wasser und mit lachendem Munde rief er dem Kuhnen ein paar Worte zll — aber da hatte sich ihm Josefus schwimmend gellähert und indem er mit mehreren seiner Gefährten sich ihn: anschloß, versuchte er das gleiche Spiel mit den Wellen. Mehrerernale wiederholte sich der gefahrvolle Scherz und stets erschien das goldumflossene Haupt des jungen Priesters über der nassen Flüche — doch da' begegnete sein Auge dem auf ihn gerichteten Blick des Josefus und kalter Schauer durchrieselte seinen Leib. Mit der Macht der Verzlveiflung umtlammerte er den Arnr des ihn umdrängendeu Feindes, mit vor Todesangst weit aufgerissenerr Augen suchte er in den Mienen der ihn Umringenden nach einem Zeichen von Mitleid — vergebens! Blutgierigen Schakalen gleich umklammerten sie ihr Opfer — kein Zug von Milde, von Mitleid mit dem Unseligen schlich sich in ihr vertiertes Herz. Noch einmal tauchte das bleiche Jünglingshaupt auf die Oberfläche empor noch einmal richteten sich seine kindlichen Augensterne mit heißem Flehen nach seinen entmenschten Mördern hin, ein letztes Mal versuchte der schlanke geschmeidige Körper seinen Peinigern zu entrinnen, umsonst! Keine Rettung! Verloren! Vernichtet! Ausgelöscht aus dem Buche des Lebens, von grausem Tode erfaßt, noch ehe die Sonne des Lebens gelacht! Noch einmal leuchtete sein weißer Arm hervor, noch ein letztesmal erschien die goldige Lockenflut auf den plätschernden Wellen, ein letzter brechender Blick aus den strahlenden Kinderaugen, ein gurgelnder Schmerzenslaut und sein Körper versank in die Fluten .... (Forts, folgt.) Litersrilchr Mitteilungen. Im „Jüdischen Verlag". Berlin, ist soeben erschienen: Indische Statistik. Herausgegeben vom Verein für jüdische Statistik unter der Redaktion von Dr. Alfred Nossig. Voran geht eine Einleitung von Dr. Alfred Nossig: Indische Statistik (Quellen, Bedeutung, Aufgaben, Organisation). Der erste Teil enthält eine Bibliographie der jüdischen Statistik, ein Werk großen Fleißes, hergestellt von den Sektionen des Vereins sür jüdische Statistik in den verschiedenen Ländern, die erste Grundlage für eine jüdische Wellstatistik. Der zweite Teil enthält: Statistische Arbeiten jüdischer Organisationen. Zum erstenmal ist es dem Verein gelungen, fast sämtliche große jüdische Organisationen zu gemeinsamer Arbeit an einem dem Judentum gewidmeten Werke zu vereinigen. Mit dankenswerter Bereitwilligkeit haben dieselben dem Verein für jüdische Statistik durch ihre offiziellen Vertreter Berichte über ihre statistischen Arbeiten zukommen lassen. So wird dieser Teil ein übersichtliches Bild von allem, was in der letzten Zeit auf dem Gebiete der jüdischen Statistik unternommen wurde, geben und zwar: 1. Arbeiten des Vereins sür jüdische Statistik. Von Louis Leopold. Generalsekretär des V. f. j. St. 2. Arbeiten der Jevvish Colonization Association. (Statistik der Juden in Rußland.) — Mitgeteilt von Leo Bramsohn, Sekretär des Centralkomitees der J. C. A. in St. Petersburg. 3. Arbeiten des Bnei-Brith-Ordens. (Erhebungen über die Lage der jüdischen Landbevölkerung in Baden.) Von Dr. Julius Moses, Vorsitzenden der August Lameh-Loge in Mannheim und anderen. 4. Arbeiten der Oesterreichisch-Jsraelitischen Union und des Hilssvereins sür Galizien. (Enquete über die Lage der jüdischen Bevölkerung Galiziens.) — Von Dr. Siegfried Fleischer, Sekretär der Oest.-J. U. 5. Arbeiten des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes Von Dr. Wilhelm Neumann, Generalsekretär des D.--J. G.-B. 6. Arbeiten der Anglo-Amerikanischen jüdischen Jahrbücher. (Statistik der Juden in England und Amerika.) Von Gotthold Weil. 7. Arbeiten des Bureaus für Errichtung einer jüdischen Hochschule (Enquete unter den jüdischen Studierenden der westeuropäischen Hochschulen.) Von Berthold Feiwel, Mitglied des Hochschule-Komitees. Der dritte Teil enthält: Beiträge zur Statistik der Juden in einzelnen Ländern. Er ist vor allem der Erforschung der Verhältnisse jenes bedrängten Teiles des jüdisches Volkes gewidmet, welcher in seinen Heirnatsländern bei großer Anhäufung den furchtbarsten Katastrophen ausgesetzt ist, die Existenzgrundlagen immer mehr verliert und sich zur Auswanderung gezwungen sieht. Berufene Autoren verfolgen hier in ihren Originalarbeiten die Lage des mobilen jüdischen Weltproletariats auf seiner Wanderung aus dem europäischen Osten nach England und Nordamerika einerseits, nach Palästina andererseits. Im vierten Teil finden sich Beiträge zur Gesamtstatistik der Juden, und zwar: Dr.J.M.Judt (Warschau). Die Juden als physische Rasse. Dr. Arthur Rnppin (Halle a. S.), Die Verteilung der Juden auf Stadt und Land. Jüdische Weltstatistik, Zahl, Verteilung und Zunahme der Juden auf der Erde. Nach Dr. Alfred Nossig, Js. Harris, Dr. G. Barnett, Direktor Zeller. Dr. Arthur Rnppin u. a. Die erste Publikation des V. f. j. St. — ein stattlicher Oktavband mit zahlreichen Tabellen — ist sicher unentbehrlich sür alle, die einen Einblick in die tatsächlichen Verhältnisse der jüdischen Bevölkerung aller Länder gewinnen wollen. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.