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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-06-19 · Heft 25 (19.6.1903) · p. Seite 299

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 25 (19.6.1903)
Date
1903-06-19
Page
Seite 299 (sequence 13)
Language
German
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2SS >urch Austen Leben. Zehre mit egründe»,;r >var es Jesu, die e. (Jesus rhung. so uden und ulinischeu sah sich i schlagen, wie wir ptet, das; ung Jesu er komm zur Teilr lautete iederkunft lus selbst : Wiedersiou an >ird die en legen sicht vor. erflichkeit all ergab übte sich vor dem del. Ein die Geü greifen, h wieder negierte, d Jndenuäum zu fiel von vohl die stich den lvoll die sittlichem ißte das merhafte ese Tat Theorie? die Erriu- Jesu die Antüber die r darin, Nenschen hheit er- >l solchen and die nau das rnbe an lerstaud, so ivirst t deines ich deine l diesen t ich mit erstehung Engel- und Menschenzungen zu euch rede und hätte derLiebe nicht, ich iväre ein tönelides Erz oder eine klingende Schelle." Indessen bleibt noch eine Frage zu erledigen: Wenn Paulus das Gesetz in seine alten Rechte setzte, wodurch unterschied sich denn fein Christentum von dem Christentum der Urgemeinde, die ihil verhetzte und bekämpfte? Hat nicht auch sie das Gesetz in Verbindung mit Jesu Messiauität gebracht? Also war Paulus Schwenkung eine Kapitulatioil vor seinen Gegnern? Keinesivegs! Welches Gesetz nahm er denn wieder aus, das von halachischen Grundsätzen durchflochtene der palästinensischen Christen, oder nicht vielmehr das von halachisch - rituellem Beiwerk entkleidete Moralgesetz der alexandrinischen Inden? Die geringe Bedeutung, die Paulus analog den alexandrinischen Juden, den Kultvorschriften, lvie Taufe uild Abendmahl, beilegt, beweisen zur Genüge, daß er nicht das palästinensische, sondern das alexandrinische Gesetz in seinen neuen Kanon aufnahm. Jenes Gesetz also, das in erster Aeihe die reine Moral predigte, den wahren israelitischen Prophetismus, der in dem Sittengesetz und nur in dem Zittengesetz die Summe aller Religion erblickt. Also wäre Paulus doch ein Nachfolger der alten Propheten? Ganz zewiß, wenn nicht ein Element seiner Theologie uns verböte, hn als den Vertreter des prophetischen Universalismus zu bewachten — seine Exemplifikation auf Jesus. Die These des Paulus lautet: Jesus hat seinen Menschheitsberuf lückenlos erlillt, er ist der Architypns der Menschheit, die Verwirklichung aer Idee. Diese These wird das Judentum niemals billigen ou»en. Nicht ein Mensch, und hätte er noch so tugendhaft gelebt, bildet im Judentum, im prophetischen wie im phariäischen, das Ideal der Menschheit, sondern nur Gott mit feinen ältlichen Attributen. Und so gewiß es ist. daß das Wesen Gottes in seiner Einigkeit besteht, so gewiß ist es auch als Inbegriff der sitt- .scheu Aufgabe ewiges, unerreichbares Ideal. Wer die llnendlichkeit der sittlichen Aufgabe preisgibt, für den fällt Gott als ethisches Wesen. Ueber diese Klippe kommt keine Interpretation, keine historische Annahme hinweg. „Die Verwirklichung kann nnr in der Annäherung bestehen." Allein, nicht nur Gott fällt als ethisches Wese», die Ethik ststbst wird durch die Zerstörung ihres Unendlichkeitscharakters annulliert/ Das Wesen der Ethik besteht in der Ueberwindung 'es Jndividnalwohls durch das Universalwohl. Sie ist deshalb rst erfüllt, wenn das letzte Selbstinteresse des Einzelnen vor ^em allgemeinen Interesse der Menschheit verschwunden ist. Saß dieses Ziel nur am Ende und nicht am Anfang der Tage, n der Zukunft und nicht in der Vergangenheit erfüllt sein ünin, ist wohl selbstverständlich. Und noch ein drittes: „Wenn der Weg zu Gott nur über stesus führt, so sind alle diejenigen welche die Sittlichkeit ohne zesus erreichen, gottlos." Welch furchtbare partikularistische Konsequenzen in diesem Satze enthalten sind, erzählen lins die Scheiterhaufen des Mittelalters und der Neuzeit. Die Lehre des Paulus ist universal, weil sie einen großen Teil des Universums beherrscht; sie ist im höchsten Grade "artikularistisch, weil sie mit dem prophetischen Gedanken von der Einheit des Menschengeschlechtes nichts gemein hat. Das Judentnin aber hielt "zu allen Zeiten, trotz der ihm anhaftenden nationalen und partikularistischen Schlacken, au dem Satze der Pharisäer fest: „Die Frommen aller Völker haben Anteil am ewigeil Leben." KllfflSllBIMW Versunkene Weiten. Isistorische Erzählung aus Judäas Königszcit. Von Carola Buchheim. XII. East schien es, als sei der König glücklich, die schwere Last -^3 der Herrschaft von seinen Schultern zu wälzen und wieder einmal heiter zu sein mit den Fröhlichen. Ungezwungen scherzte der König heute, und mit schrankenloser Heiterkeit gab er sich dem Feste hin. Der fröhlichsten einer jedoch war der junge Aristobul. Hatte bereits während der Tafel die Aufmerksamkeit aller sich auf seine blendend schöne Erscheinung gelenkt, hatte man ihm. als er in wohlgesetzter Rede dem hohen Gaste den Willkommensgrub brachte, zugejubelt, so war er jetzt, wo seine sprudelnde, von Jugendlust überströmende Heiterkeit alles mit sich riß, der Gegenstand allgemeiner Huldigung. Ja, sogar der König «vetteiferte mit den anderen um die Gesellschaft Aristobuls und schien die bezaubernde Nähe desselben auch nicht einen einzigen Augenblick mehr missen zu wollen; ja, jetzt, wo es Salome gelang, sich an den geliebten Jüngling heranzudrängen und ihn in die schattigen Gänge des Gartens zu führen, trat ihr Herodes in den Weg, und mit übermütigem Lachen ui»d Scherzreden suchte er ihr den Jüngling zu entziehen, kaum daß es ihr gelang, ihm ein paar Worte zuzuflüstern: „Komm, ich harre Dein des Abends!" und beglückt durch ein zustimmendes Neigen seines Kopfes folgten ihre brennenden Augen seiner mit dem Könige dahineilenden schlanken Gestalt. — jetzt verdeckte ein dichter Strauch die beiden Fürsten, Salome wandte sich zur Seite, ihr Auge begegnete dem wild lauernden Blick ihres Gatten Josefus und sie erbleichte Jäh. Durch die Laubgänge des Parkes erklang mit hellem Silbertou das laute, übermütige Lachen Aristobuls. Der König war nun mit seinem jugendlichen Begleiter bis an einen großen Platz gekommen; hier tununelten sich bereits einige aus dem Kreise der Gesellschaft auf dem weichen, üppigen Rasen. Schäumend vor Lust und übermütiger Freude war Aristobul mitten unter den lauten, fröhlichen Kreis getreten, und bald war er der Lustigste und Uebermütigste. Seine Augen glühten und seine frischen Wangen waren mit rosiger Glut bedeckt. Leidenschaftlich gab er sich den verschiedenen Spielen hin und stets war er der Siegreiche; keiner konnte so gewandt den Ball auffangen, kein anderer so kunstgerecht die im goldenen Sonnenschein erglitzernden Reifen werfen und dem Wurfgeschoß nachjagen. Seines jugendfrische, Lust und Leben atmende Fröhlichkeit riß alle mit in den Bannkreis seiner Laune, selbst den König, und eifrig gleich den anderen beteiligte sich Herodes an den Spielen der Jugend. Ein wilder Taumel hatte sich ihrer bemächtigt. Mit lautem Jauchzen gaben sie sich dem Spiele hin, einander verfolgend und haschend in unbezähmbarer Lust. Lautes fröhliches Gelächter erscholl ringsum und steigerte sich zu ausgelassener Fröhlichkeit, als jetzt der Ball des Königs mit lautem Geplätscher im nähen Teiche verschwand. „Ha, ha, ha!" rief laut lachend der König, „nun seht, wie ihr ihn wieder zurückerobert!" Aber da hatten sich auch schon mehrere tollkühne Schwimmer kopfüber in den Teich gestürzt und legten den durchnäßten Ball dem König zu Füßen. i!

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