Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1903)
- Date
- 1903-06-19
- Page
- Seite 293 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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293 e Phrase ) daraus! Staatsischläfern wirkliche irdneten, msrechte rißkandisenliten" o lveiter Wandel hat mit chlaf, in verfallen den luir litismus ne nur t. Wir vill ttn§ Jm entsivahlen kleinen bst „behebende Deutschen muß Sie ist klärung ande lt te. :nt], sich llis der Rechten nd eine uß „im Ph. nD. )ug ge- 3ei den he Versuchten, lkunftsseinen welche Ethik nd unbangt" r dritte und raraktelichung immer wieder: „Mit Spannung warten wir auf das Erscheinen des zweiten Bandes!" Von den Fragern allen, die dazwischen im heimatlichen Europa Hausen, gar nicht zu reden! — Schon wollen die Uebersetzer sich des zweiten Bandes versichern, und wenige Tage vor seinem unerwarteten Tode lächelte mein Mann in der ftiöeit Wehmut, die in den letzten Wochen nicht mehr von ihm wich, als die „Odessaer Gesellschaft für Verbreitung der Bildung unter den Juden" in ihrem Schreiben vom 29. März versicherte: „Den moralischen Einfluß hochschätzend, den das Buch anszuüben vermag, haben wir beit Beschluß gefaßt, auch den zweiten Band, dessen Erscheinen mit Ungeduld erwartet wird, ins Russische zu übersetzen," u. s. w. Die Flut der Beileidsbezeugungen ebbt mählich ab, aber die Frage: „wann kommt der zweite Band Ethik" kehrt mit einer Beharrlichkeit wieder, die mich beglückt und — bedrückt. Ich kann nicht mehr persönlich antworten! Augen und Nerven schmerzen bereits von der Ueberanstrengung der letzten Monate, uub niemand steht der so plötzlich grausam Vereinsamten helfend zur Seite. Und doch drängt es mich unwiderstehlich, den Fragern aller Orten Rede zu stehen. So nehme ich endlich meine Zuflucht zur Zeitung des Judentums. Der Name ihres Redakteurs ist einer der wenigen, die mein Mann auf dem Sterbebett liebevoll-fürsorglich mir genannt. Ich höre bis all inein Lebensende die sanfte, verlöschende Stimme .... * * * Um die Tragik der Situation begreiflich zu machen, müßte ich die Geschichte dieses zweiten Bandes der Ethik erzählen, — müßte das Hinzögern der Vollendung aufklären, damit nielnand glauben darf, der Schöpfer des Werkes habe in seinem Eifer nachgelassen, während er tatsächlich für diesen zrveiten Baud lebte und — starb. Ja, starb! Der Gram darüber, ihn ohne meine Hilfe nicht vollenden zu können, hat ihlll das Fieber verursacht. Das Fieber hat ihn dann langsalll getödtet. Ich konnte ihni aber llicht so helfen, wie wir es uns von Anfang all gedacht, denll die häuslichen Obliegenheiten, die — uns völlig überraschend — plötzlich mir allein aufgebürdet wurden, nahmen lllich von Jahr zu Jahr mehr in Ansprllch, llnd Lazarus — in der wunderbaren Mischung von Stolz und Bescheidenheit, die den Grulld seines Wesens bildete — verzichtete auf meine Handlangerdienste, denn mehr lväre es ja nicht gewesen, aber sie waren für ihli, den Geschwächten, so llötig, wie der Mörtel nötig ist zur Festigung der Bausteine. So blieb das Convolut Materialien zum zweiten Ballde der Ethik jahraus, jahrein auf seiner bestimmten Stelle, meinelll Manll ganz zur Hand, unberührt liegen; nur jede Reise im Sommer machte es mit, denn eher mochte die ganze Billa Ruth heruuterbrennen, ehe mein Mann seinen Manuskriptschatz hätte gefährdet sehen mögen! Von Zeit zu Zeit legte er ein nelles Blatt dazu. Der Haufe wuchs in die Höhe — und meine Hoffnung sank. Nicht seine Hoffnung! — Acht Tage vor Ostern sagte er mir: „Wenn ich das nächste Vierteljahr arbeiten kann, alle Tage nur zwei Stllllden" — und sein lieber Blick schiel! dabei zu fragen: die wirst Dll doch für mich erübrigen fömtert? — .dann sind wir fertig! Und Du weißt, zu Pessach ist mir immer besser geworden." Ja wohl — am zweiten Pessachtage schlief er ein . . . für immer . . . * * * Das achte Kapitel -- Fortsetzung des ersten Bandes — ist noch von seiner Hand fertig geschrieben. Dann kommen viele vereinzelte ausgeführte und druckfertige Partien. Dazwischen im ganzen noch etwa 1000 Notizblätter. Alles ist aber bereits in Kapitel geteilt und die Reihenfolge bis zum letzten Paragrapheli festgestellt, auch was in den Anhallg gehört, was im Vorwort gesagt werden soll. Die beiden jüngeren Gelehrten, die mein Mann mir auf meine Frage, was denn mit der Ethik werden soll? — wenige Stunden vor seinem Tode genannt hat, als diejenigen, deneli er die Bearbeitung und Herausgabe seines hinterlassenen Lebenswerkes anvertraut — sie werdeli einen wohlgeebneten Weg gehen, voller unfehlbarer Wegweiser und immer — aufwärts! Noch sei zur beruhigenden Orientierung aller, die sich so warm für das Zlistandekommen des großen Werkes unseres Meisters begeistern, folgende vergleichende Bemerkung gemacht: Der erste Balld der Ethik des Judentums behandelt bekanntlich die Quellen der Sittenlehre; er enthält also eine tiefgründige Untersuchung aller bezüglichen biblischen und talmudischen und späteren literarischen Werke wie aller Volkstraditionen re. Nach der dllrch diesen ersten Band genomlnenen systeuiatischen und historischen Erkenntnis gibt der zweite Balid die psychologische Anleitullg zilr Ausbildung des Gemütes, zur Erziehung des Charakters. Erster Band: Wissenschaftliche Forschung nach den Prinzipien der Sittenlehre. Zweiter Band: Pädagogische Unterweisung zur Erfüllung der erkannten Pflichten, zur Realisierung der Ideen; also in prägnantester Kürze ansgedrückt: Erster Band enthält: Das Ziel der Sittlichkeit. Zweiter Band „ : Der Weg zur Sittlichkeit. Der Psychologie ist in diesem zweiten Band ein großartiger Boden bereitet. Geradezu verführerisch ist die Versuchung, aus der Fülle der Gedanken einige Aphorismen abzuschreiben. Aber wohin sollte das führen? Und wann sollte man aufhören? Ethische Ansprüche stehen da von einer Größe der Gesinnung und Reinheit der Empfindung, die eine weihevolle Stinunung Hervorrufen müssen. Dann kommen scharfsinnige theologische Gedankengänge, kritische Bemerkungen über die Sucht nach „Einfällen", über die Begierde nach Neuem, über beit Mißbrauch der philologischen Kunst, blitzähnlich erleuchtende Lehren über präzises Denken, über den Ursprung des Bösen, ironische Hinweise, scharf in der Beobachtung, aber sanft in der Form, über Müßiggang der Frauen, Leerheit des inneren Daseins, Ergreifendes über den Schmerz als Salz des Lebens, über Buße und Reue, Mitschuld, Mitleid, Mitfreude. Tiefsinnige Mahnungen enthält das Kapitel: „Der Staat und die Völker." „Heilig ist diejenige sittliche Anschauung, welche immer und unbedingt das Sittliche zur Erscheinung bringen, es verwirklichen will. Nun erscheint zwar das Sittliche immer in beit Personen, in ihren Motiveil und Handlungell, in den Einzelnen und gebildeten Einheiten, Gemeinschaften derselben. Aber im Begriff der Heiligkeit der absoluten Sittlichkeit liegt es, daß es sich gar nicht bloß um die Personen, sondern um das Sittliche selbst handelt. Ob iu dieser oder jener Person, in diesem oder jenem Volk, ob jetzt oder in Zukunft, — darauf kommt es an, daß das Sittliche nur Tatsache werde, daß das Gesetz der Sittlichkeit erfüllt, daß die Idee der Sittlichkeit eine Realität werde. Darum verschwindet auf dieser Höhe der Betrachtung jeder Unterschied von Mensch zu Mensch, von Volk zu Volk. Alles was zur Sittlichkeit berufen, alles, was der Sittlichkeit fähig ist, ist durch das Band des gemeinsamen Berufes, der einigen, in allen gleichen Aufgabe vereinigt." Und weiterhin: „Die Welt ist so eingerichtet, daß die Liebe darin walten und durch Wohltat sich bewähren kann. Ein Mensch kann