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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-06-12 · Heft 24 (12.6.1903) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 24 (12.6.1903)
Date
1903-06-12
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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C7. Jahrgang. No. 24. lierlin, 12. Juni 190U. Der Gemeindevote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deK IudentumK" 5mrrespanl>rn?m unv Aachrichten. Deutschland. — Berlin, 9. Juni. Wie wir erfahren, haben die Sammlungen des Hilfsvereins der deutschen Juden zu Gunsten unserer unglücklichen Glaubensgenossen in Kischinew bisher die Summe von 425 000 Mark ergeben. Der Erfolg ist ein außerordentlich erfreulicher, aber gegenüber dem Unglück muß daraus hingewiesen werden, daß sehr große Anstrengungen werden gemacht werden müssen, um es den zahlreichen, völlig zerstörten wirtschaftlichen Existenzen zu ermöglichen, wieder in geordnete soziale Verhältnisse zu gelangen.— Für die Zwecke des Hilssvereins sind in diesen Tagen weitere 300000 Mark verfügbar geworden. Die verstorbene Frau Baronin von Cohn-Oppenheim hat ihrem Verwandten, Herrn Dr. Paul Nathan, dem Geschäftsführer des Hilfsvereins im Ehrenamte, testamentarisch 300 000 Mark vermacht mit dem Anträge, dieselben zu Gunsten des Hilfsvereins zu verwenden. — Bei der Alliance israelite universelle sind bisher für Kischinew 400000 Francs vereinnahmt worden. Darin sind im wesentlichen nur Zahlungen aus Amerika, Frankreich, sowie des Hamburger Lokalkomitees enthalten. Die Sammlungen anderer Komitees, namentlich des Lokalkomitees Berlin, welche bisher über 70 000 Mark ergeben hat, sind tu dieser Summe nicht inbegriffen. o. Berlin, 7. Juni. Die 7. Generalversammlung des Vereins zur Förderung der Interessen der israelitischen Taubstummen in Deutschland fand am 26. v. Monats hier statt. Bei dieser waren drei Vorstandsmitglieder des Hilfsvereins jüdischer Taubstummen, die Herren Löwenberg, Neumann und Reichenheim, und als Delegierter des Breslauer Zweigvereins Herr Rosenthal anwesend. Der Vorsitzende Herr Willy Oppenheimer erstattete den Bericht über die erfolgreiche Tätigkeit des Vereins. Der Verein zählt gegenwärtig 72 ordentliche Mitglieder. Einige hatten um Unterstützung nachgesucht, welche ihnen zum Teil gewährt wurde. Im Dezember v. Jahres fand eine Verlosung anläßlich der Channkahbescherung zum Besten der bedürftigen israelitischen Taubstummen sowie taubstummen Kinder statt. Der erzielte Reingewinn von 176 Mark wurde an bedürftige Mitglieder und Nichtmitglieder, sowie an Lehrlinge und bedürftige Zöglinge der israelitischen Taubstummenanstalt in Neuweißensee verteilt. Am 22. v. M. fand das Stiftungsfest statt, welches gut verlaufen ist. Ferner erstattete der Vorsitzende den Bericht über die letzten Verhandlungen zwischen dem jüngst begründeten Hilfsverein jüdischer Taubstummen in Deutschland und unserm Verein, sowie über das Entstehen des ersteren Vereins, auch erklärte er einige wichtige Punkte in dem zwischen beiden Vereinen geschlossenen Vertrag, besonders wegen Uebergabe des Vereinsvermögens und wegen Anschlusses der bisherigen außerordentlichen Mitglieder und Wohltäter unseres Vereins an den Hilfsverein. Unser Vereinsvermögen bezifferte sich im letzten Jahre aus 12549,56 M., von welchem nach Vereinbarung zwischen beiden genannten Vereinen 6000 Mark als eiserner Fonds und als Eigentum des Vereins zur Förderung der Interessen der israelitischen Talrbstummen in Deutschland betrachtet wird, die übrigen 6 549,56 Mark dem Hilfsverein jüdischer Taubstummen in Deutschland gehören. Herr Rosenthal, der Obmann des Breslauer Zweigvereins, erstattete beit Bericht über die Wirksamkeit desselben. Darauf gab der Schatzmeister Herr Lesser den Kassenbericht. Nach Abrechnung der Ein- und Ausgaben betrug der Kassenbestand 1885.33 Mark. Im ganzen beziffert sich das Vereinsvermögen aus 12 549.56 Mark. Der Kontrolleur Herr Königsberg sowie die drei Revisoren Herren Löwy, Schüler und Hirschfeld bestätigten, die Bücher und Beläge der Kasse in Ordnung befunden zu haben. Zum ersten Vorsitzenden wurde Herr W. Oppenheimer wiedergewählt, zum zweiten Vorsitzenden Herr Moor, zum ersten Schatzmeister Herr E. Lesser, zum zweiten Schatzmeister Herr A. Deutsch neugewählt, zum ersten Schriftführer Herr Bodenheimer wiedergewählt, zum zweiten Schriftführer Herr Löwy neugewählt, zum Kontrolleur Herr Königsberg, zum Beisitzer Herr Grätz wiedergewählt. Der Vorsitzende bat die Mitglieder, dem Vorstand nur Vertrauen entgegenzubringen und fest zusammenzuhalten, damit der Fortschritt des Vereins nicht gehemmt werde. 8. Berlin, 8. Juni. Das Jüdische Genesungsheim in Lehnitz kann auch mit den im Jahre 1902 erzielten Fortschritten außerordentlich zufrieden sein. Der soeben erschienene Bericht des Vereins gibt an, daß 75 Mitglieder neugewonnen wurden, das Grundvermögen sich um 9300 Mark erhöht hat, so daß 321 Frauen und Mädchen im Laufe des Jahres in das Heim, das nur kurze Zeit während des jüdischen Osterfestes geschlossen blieb, ausgenommen werden konnten. 34 Pfleglinge waren über 50 Jahre alt, andererseits wurden unter Abweichung von der sonst gegebenen Norm in mehreren geeigneten Fällen erholungsbedürftige Personen unter 16 Jahren ausgenommen. Der Erfolg war in den Monaten des geringeren Andranges, im März, April, Mai, September. Oktober, ein mindestens so guter wie in den besonders beliebten Monaten Juni, Juli, August. Die Aufnahme konnte trotz der großen Zahl von Gesuchen in allen dringenden Fällen gewährt werden. Mangelhafte Kurerfolge, die in diesen Fällen auf die Schwere der Grunderkrankung zurückzuführen sind, waren nur in geringer Anzahl zu verzeichnen. Eine dem diesjährigen Bericht von der bewährten Leiterin des Heims, Frau Oberin Herzfeld-Heynemann, beigegebene Beschreibung des Lebens der Pfleglinge im Heim wird allen denjenigen Freunden und Gönnern des Vereins, welche sich noch nicht mit eigenen Augen von den glänzenden Vorzügen der Anstalt überzeugt haben, recht erwünscht sein und Interesse bieten. Hiernach war bei den meisten Pfleglingen der Erfolg ein glänzender; im Durchschnitt betrug bei einem vierwöchentlichen Aufenthalte die Gewichtszunahme sechs Pfund, in einem Falle sogar 23 Pfnnd. Die Anstaltsleitung versucht in erster Linie die Körperkräfte der durch Arbeit, resp. Krankheit geschwächten Frauen zu heben, den Appetit zu wecken durch den Aufenthalt in der freien Lust, durch Spaziergänge im Walde, durch Ausflüge per Motorboot um den See und nach Oranienburg, durch leichte gymnastische Uebungen. durch Spiele, durch Bäder und Duschen. Im Berichtsjahre wurden u. a. 160 Soolbäder, 60 Fichtennadelbäder verabreicht, auch Bäder im Lehnitz-See werden mit besonderem Vergnügen genommen. Außer den nur in dringenden Fällen gebotenen Arzneien stehen diese Heilmittel an erster Stelle. Es braucht kaum hervorgehoben zu werden, daß auf die Ernährung größte Sorgfalt gelegt wird und daß nur Nahrungsmittel bester Qualität zur Verpflegung herangezogen werden. Einige Zahlen, die wir auszugsweise geben, mögen dies beweisen. Es wurden in der Saison 1902 für die Bewohner der Anstalt verbraucht 3500 Pfuud Fleisch, 324 Pfund Fische. 14 000 Liter Milch, 960 Pfund Butter, 18 Tonnen Malzbier, 70 Pfund Kakao, über 1000 Pfuud Zucker, 150 Pfund Reis. 550 Dosen Gemüse. 180 Flaschen Rotwein, 6 Flaschen Kognak rc. Die bisherigen, seit der Begründung der Anstalt nunmehr fünfjährigen Erfahrungen haben den zweifelsfreien Beweis erbracht, daß das Genesungsheim, dessen Bestrebungen wärmste Unterstützung in immer weiteren Kreisen vollauf verdienen, einem tiefen Bedürfnisse Abhilfe geschaffen hat. In der zahlreich besuchten Generalversammlung. die in dem herrlich gelegenen Heim selbst stattfand, konnte der Vorsitzende des Vereins, Herr Martin Simon, darauf Hinweisen, daß der Verein nicht im gewöhnlichen Sinne Armenpflege treibe, sondern seine vornehmste Ausgabe darin sehe, die gesunkenen Kräfte der erholungsbedürftigen Patienten, welche Gefahr lausen, durch ihre Tätigkeit Schaden zu leiden, zu heben und ihnen dadurch die Möglichkeit zu geben, während des übrigen Teiles des Jahres wieder arbeitsfrisch zu werden. Wesentlich' durch die dankenswerte Propaganda der Stifterin Frau Sachs wurden dem Verein im Laufe dieses Jahres 50 neue Mitglieder zugesührt, so daß die Mitgliederzahl nunmehr ans 650 gestiegen ist. An Verpflegungszuschüssen gingen dem Heim in diesem Jahre von der Armenkommission 4219 Mark, vom Krankenhanse der jüdischen Gemeinde 3774 Mark, von anderen Instituten 1739 Mark zu. Für die Verwaltung wurden im ersten Jahre des Bestehens 20 400 Mark ausgegeben, die Kosten haben sich trotz der vermehrten Zahl der Pfleglinge in diesem Jahre bis auf 19 300 Mark herabgemindert. Das

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