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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-06-12 · Heft 24 (12.6.1903) · p. Seite 285

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 24 (12.6.1903)
Date
1903-06-12
Page
Seite 285 (sequence 11)
Language
German
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2si5 rte diese in dem > in der Wirkens, miß, das. eten . . . roch sehr getrübt. gebracht > wichtig es stand einmal: Religion : „War erkundet eführten : Anzahl genannt Summe ochanan Harnack >ie Jesus »arstellt? e Größe weitens: enschens? Seit nne der Frieden Zeit der üi. Bei zwischen nen der ein. in sittlichbei der hes sich ülhaftig ttesreich uch die i beantindiviseligkeit, bhängt, me der Zesamt- Univerortlich? he Beritionale ) nicht irs der besteht >ee, daß rsgaben sse, das or dem >eit der at nun esreichounden ngelien nicht zu finden ist. Ganz anders verfährt Oskar Holtzmann ') in echter deutscher Geradheit: Ihm steht es felsenfest, daß das messianische Reich Jesu in völlig nationalem also individualistischen Rahmen sich bewegt, das; von einer absoluten Berwirklichung der reinen Messiasidee keine Rede sein könne. Ist dies aber richtig, dann können wir auch eher begreifen, wie Jesus sich als den Messias bezeichnen konnte. Denn so gewiß sein messianisches Reich nur eine relative Frömmigkeit und keine absolute im Auge hatte, so gewiß kann sich auch Jesus in seiner Eigenschaft als Messias nur als den relativ Frömmsten bezeichilet haben. Ja, gerade das Messiasbewußtsein Jesu bildet so recht die Probe für seine Fassung des Gottesreichbegriffes. Wie dieses relativen Charakters ist, so auch sein messianisches Selbstbewußtsein. Wir können deshalb verstehen, wie neuere christliche Forscher gar zu gern das Messiasbewußtsein aus dem Leben Jesu streichen möchten, denn es bildet den schärfsten Gegensatz zum Gottesreichbegriff der Propheten. Mit welchem negativen Erfolg zeigt uns gerade die Schrift Oscar Holtzmanns. Hatjaber dev Zielbegriff der evangelischen Dogmatik diese nationale Schranke nicht zu überwinden vermocht, so wissen wir auch, wie wenig in ihr der Gottesvaterbegriff* 2 3) universale Bedeutung hat. Und auch die bessere Gerechtigkestb) läßt demgemäß die universale Ausdehnung vermissen; so können wir es begreifen, daß Jesus das Gesetz, jene partiknlaristische Schranke der universalen Ethik, nicht zu überwinden vermochte. Es soll nicht bestritten werden, daß viele seiner Sprüche auf eine Preisgabe der nationalen Schranken Hinweisen, wie solche bei den Essenern und Therapeuten schon längst zum Teil beseitigt waren; aber zu einem endgültigen Bruch kam es bei ihm so wenig wie bei den Pharisäern. Die Duplizität der Begriffe, die sich nach H. Holtzmanns Ansicht durch die Evangelien hindurchzieht, läßt die Harnack'sche These von der absoluten Reinheit der Lehre Jesu in Nichts zerfallen. Es liegt uns fern, die Verdienste Jesu zu schmälern; aber bei aller Anerkennung bleibt, wenn wir von Jesu Glauben an seine Messianität absehen, der Satz Chwolsons im Recht: „Christus hat nichts gesagt und nichts gelehrt, was y Oskar Holtzmann, Das Messiasbewußtsein Jesu und seine neueste Bestreitung. 2) In dem Ausdruck „mein Vater" „unser Vater im Himmel" kommt Wohl die intimste Beziehung zwischen dem Individuum und seinem Gotte zum Ausdruck, aber in ethischer Hinsicht bedingt dieser Begriff absolut keinen Fortschritt. Denn, wenn sich die göttliche Liebe nur auf seine Anbeter erstreckt, so bleibt sie in allen Fällen ebenso partikularistischen Charakters wie die religiöse Anschauung seiner Verehrer. 3) Unter >, besserer Gerechtigkeit" versteht man die rein ethische Gesinnung im Gegensatz zur äußerlichen Werkheiligkeit, wie solche durch Beobachtung des statutarischen Ritualgesetzes znm Ausdruck kommt. Nun wird ja von den meisten christlichen Gelehrten übersehen — eine Ausnahme bildet besonders Kuenen — daß die jüdische Religion doch nicht ausschließlich aus Ritualgesetzen bestand, daß für die freie Entfaltung des sittlichen Geistes noch sehr viel Raum blieb. Dagegen kann nicht geleugnet werden, daß das ganze Prinzip des Ritualgesetzes ethisch verfehlt ist; durch die Propheten war zum erstenmal der Gottesbegriff ethisiert worden, dies konnte nur geschehe», wenn die ethischen Attribute als unendliche Forderungen betrachtet wurden. Die Unendlichkeit der ethischen Forderungen aber schließt jede Absolutheit der Inhalte aus. Aber auch in Bezug aus die Erfüllbarkeit der ethischen Aufgaben muß das Ritualgesetz als störend abgewiesen werden. Denn, wenn es kaum möglich ist, daß der empirische Mensch die ethische Ausgabe in ihrer unendlichen Totalität erfüllt, wie soll ihm da noch Zeit bleiben für Aufgaben, die außerhalb der Ethik liegen? Auch der Vorwurf der Heteronomie läßt sich nicht entkräften. Es genügt eben nicht, daß der einzelne subjektive Geilt seine Zustimmung zu irgend einer Handlung gibt — dann könnte auch eine unsittliche Forderung als autonom bezeichnet werden — sondern der Geist der Sittlichkeit, der ethischen Gemeinschaft muß von der Zweckmäßigkeit überzeugt sein. die echten Pharisäer nicht hätten nnterschreiben können, und nichts getan, was dieselbeir hätten mißbilligen inüssen." Es ist auch anzunehmen, daß Jesns sicher niemals vom Judentum verstoßen worden wäre, wenn er das Messiasbewußtsein nicht zum Ausdruck gebracht hätte. Wie ivenig er daran gedacht hatte, als radikaler Reformator aufzutreten, geht besonders aus deir Glaubensanschauungen seiner Jünger und der Urgemeinde hervor. Ueberall finden wir neben dem Glauben an seine Messianität strenges Festhalten an beu pharisäischen Gesetzen und Gebräuchen, ja, in der Polemik gegen Paulus läßt sich so recht erkennen, wie ernst es der Urgemeinde mir die Beobachtung des Gesetzes zu tun war. Und was den Glauben an die Messianität betrifft, so iväre sicher auch er dirrch die Macht der ihm widerstreitenden geschichtlicheir Tatsachen in Vergessenheit geraten, wenn nicht ein Mann arif der Walstätte erschienen wäre, der gerade diesen Glauben zum Centralpunkt einer völlig neuen Arrschauung erhoben hätte. Dieser Mann war — Paulus. Und nnrr gelangen wir zur eigentlichen Kernfrage unseres Themas: Inwiefern hat Paulus es vermocht, die Religioir des Urchristentums zur Uiliversalreligion der Propheten auszugestalten? Daß er das Urchristentum zur Universalreligion erhoben, läßt sich ans Grund der geschichtlichen Tatsachen nicht mehr bezweifeln. Aber darnach wurde nicht gefragt. Die Frage heißt vielmehr: Ist der Universalisnms des Paulus identisch mit dem Universalismus der Propheten? Die Lösung dieses Problems ist innigst verknüpft mit der Frage nach der Geschichte und Lehre des Apostels: Wer war Paulus und was hat er gelehrt? Paulus oder Saulus — beide Namen hatte er nach damaliger Sitte, bei seiner Geburt erhalten') — verbrachte seine Jugend im elterlichen Hause, in Tarsus, der Hauptstadt Ciliciens. Weder Jahr noch Ort seiner Geburt sind uns genau bekannt. Er war der Sohn eines freigelassenen römischen Juden und hatte sich offenbar schon in seiner Jugend mit der griechischen Sprache und der Religion alexandrinischer Juden beschäftigt. Hieraus erklärt sich seine bedeutende Fertigkeit in dein Gebrauch der griechischen Sprache, die säst ausschließliche Benutzung der griechischen Bibelübersetzung, seine typischallegorische Schrifterklärung, die nahezu wörtliche Uebereinstimmuug mit philonischen und apokalyptischen Sätzen?) seine spätere Vorliebe für die Heidenmissivii und die ausschließliche Betonung derjenigen Cerenivnialgesetze, die besonders bei den alexandrinischen Juden noch in Ansehen standen. In seinen Schriften begegnen wir einer großen Bekanntschaft mit der Agada, dagegen einer völligen Gleichgültigkeit gegenüber der Halacha, die offenbar nur in dem geringen halachischen Wissen der alexandrinischen Inden ihre Erklärung findet. Wir werden des weiteren noch Gelegenheit haben, auf diesen Punkt zurückzukommen. Jedenfalls läßt sich die Behauptung nicht aufrecht erhalten, daß Paulus ein großer Schriftgelehrter war, was aber doch die Möglichkeit offen läßt, daß er zu Füßen des Rabban Gamaliel gesessen hat. Ob er Jesus gekannt, bleibt fraglich. Bei seiner Ankunft in Jerusalem widmete er sofort erhöhte Ausmerksamkeit der Urgemeinde, die bald in ihm ihren griilnnigsten Verfolger erkennen mußte. Gelegenheit hierzu bot ihm das Auftreten eines geivissen Stephanos, „eines Mannes von hervorragend geistiger Begabung und durchseine hellenistische Bildung geistig freier als andere". Was hatte nun dieser Stephanos im Namen Jesu gelehrt, daß er den Zorn der Pharisäer erregte, die seine Hinrichtung bewirkten? __ (Fortsetzung folgt.) lj Bergt. Jülicher, Einleitung in das neue Testament, ferner Friedländer, Zur Entstehungsgeschichte des Christentums. 2) Vollmer, Die Alttestamentlichen Citate bei Paulus.

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