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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-06-05 · Heft 23 (5.6.1903) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 23 (5.6.1903)
Date
1903-06-05
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 gaben ihrer druck. Ausschusses e m e i n d e n in Thorn Woche be- :n Gustav Begründung Zschuß ausgg in den Ranzig ab- Verbandsr des Vorhatzmeister : April 1902 rsschuß hat hreiben die rinzuladen, rer in denehr wenige esandt, sich müssen mit kenswerten en, ja fast den. Trotz en immer 1901/1902 12 Orten ltungsjahr sschule für und dem andes jetzt n vorigen 50 (gegen »nächst bei ilung der mten den» auerlicheren, konnte »re wurde er Kinder ß an die;n verteilt Borjahren Gemeinden der vern mit den ende, das siven und len Jahre rußerhalb Zause des ährt und gen Einr. in Be° - Waisen- Herren: r Kadisch, >r. Rosenk o n i tz e r niß des :n gegen üller war chweigger worden, ls Kreisaut war, nen, und Als die Zziplinar- Haft, bis durch Zufall die Täterschaft Dr. Müllers offenbar »vurde, obwohl er seine Aussage verweigerte. Das Erkenntniß lautet: „In dem nicht förmlichen ehrengerichtlichen Verfahren gegen den Arzt Dr. Arthur Müller hat das ärztliche Ehrengericht für die Provinz Westpreußen, unter Vorsitz des Dr. Liavin, »»ach mündlicher Anhörung des Angeschuldigten beschlossen: Der Angeschuldigte Dr. Arthur Müller in Könitz ist der Verletzung der ihm als Arzt obliegenden Pflichten (§ 3 des Gesetzes vom 25. November 1899) schuldig und wird deshalb zu einem Verweise und zur Tragung der Kosten des Verfahrens verurteilt." Breslau, 31. Mai. Das hiesige „Jüdische Volksblatt veröffentlicht folgenden mili täri scheu Briefwechsel: „10. Komp. N. 11. Breslau, den 7.5.03. Herrn Hauptmann, Handlungskommis, Breslau, Wallstr. 14 pt. ... mit der Mitteilung, daß der Herr Hauptmann auf Ihre Einstellung als Zlveijährig-Freiwilliger bei der Kompagnie verzichtet, da Sie jüdischen Glaubens sind, welches die Kon»pagnie erst nachträglich erfahren hat. Anbei Meldeschein zurück. Im Aufträge gez. Klossa." — Daraus schickte der Redakteur des „Jüdischen Volksblattes". Dr. L. Neustadt, dieses Schreiben an den Kon»»nar»deur des 2. Schles. Grenadierregiments No. 11 mit der Anfrage, ob Bestim- »nungen existieren, welche der Einstellung von Juden als Zweijährig- Freiwilligen hinderlich sind bezw. den Verzicht des Herrn Hauptmanns rechtfertigen. Fünf Tage später erhielt derselbe nachfolgenden Bescheid des Oberst Rohrscheidt vom genannten Regiment: „Was die Form des abschlägigen Bescheides anbelangt, kann das Regiment dieselbe nicht billigen. Bestimmungen darüber, daß Leute als Zweijährig-Freiwillige nicht eingestellt rverden dürfen, existieren nicht. Die Beantwortung war Umstände halber nicht eher möglich. v. Rohrscheidt." 8. Breslau, 20. Mai. Ein Jahr ist verflossen, seitdem Herr Joel Struck nicht mehr unter den Lebenden weilt. Noch wird die Lücke, die der Heimgang dieses vortrefflichen Mannes yinterlassen, in allen Kreisen der jüdischen Gemeinde schmerzlich empfunden und unvergessen »vird sein Name weiter sortleben. Am heutigen Jahrzeitstage versammelten sich auf dem Friedhose an der Lohnstraße die Angehörigen, Verwandte, Freunde, die der Vorstand der Gesellschaft der Brüder und Freunde, Mitglieder des Repräsentantenkollegiums der Synagogengemeinde u. a., um der Enthüllung des Grabsteins beizuwohnen. Man merkte, daß sein Andenken fortlebt bei allen, die ihm näher standen, ihn kannten und ihn verehrten. Diesen Gedanken brachte Rabbiner Dr. Rosenthal in erhebenden Worten zum Ausdruck. Wenn wir auch mit Wehmut an den Verewigten denken, der mit seinen vorzügliche»» und vornehmen Eigenschaften eil» vnerniüdlicher Wohltäter der Armen und Verlassenen, nicht mehr in unserer Mitte weilt, so wirkt es doch erhebend, daß sein Geist, der in seinen Schöpfungen fortlebt, ewig und unvergänglich ist. So charakterisiert ihn auch die Inschrift auf dem Grabstein, die in deutschern und hebräischem Text von dem Schwager des Verstorbenen, Professor Dr. A. Berliner versaßt worden ist. Der deutsche Text lautet: Joel Struck wirkte im Rate der Gemeinde und ihrer Vereine, liebte die Armen und die Verlassenen, lebte für die Seinen und die Freu»»de, starb mit den» guten Namen köstlicher denn gutes Oel. Sein Andenken zum Segen! — Hamburg, 24.Mai. Der „Hamb.Eorrespo»»dent" bringt folgenden charakteristischen Artikel eines der angesehe»»sten nichtjüdischen Rechtsanwälte: „Die Juden in Kischinew. Ei»» Aufruf, der von einer Reihe angesehener jüdischer Mitbürger unterzeichnet ist, wendet sich an „edle Menschen" mit der Bitte, z»»r Milderung der Notlage schwer betroffener Inden in Kischinetv beizutragen. In den Tagesblättern des letzten Sonntags erschien das erste Gabenverzeichnis, und mit Beschärnung müssen wir bekennen, daß der Ansruf anscheinend nur (oder mindeste»»s fast l»ur) bei Juden Gehör gesunden hat. Und dies bei uns in Han»- bürg, wo es keine »vohltätige Veranstaltung — es fei denn eine solche, die ausschließlich christliche Kultuszlvecke betrifft — giebt, bei welcher nicht ein erheblicher Teil der Gaben, wenn nicht der größere, von unsere»» jüdischen Mitbürgern beigesteuert »vird! Handelt es sich hier denn um eine ausschließlich jüdische Angelegenheit? Doch »vohl nur insoweit, als die Juden in Kischinetv ihres Glaubens und ihrer Rasse »vegen verfolgt werde»». Sind sie deswegen als schwer hein»gesuchte Mensche»» der Unterstützung anderer we»»iger bedürftig oder würdig? Nach Meinu»»g des Unterzeichneten fordert gerade diese Tatsache die Hilfe »»ichtjüdischer Kreise heraus; denn die verblendeten Verfolger jener Unglücklichen sind — leider — unsere eigenen Glaubensgenossen! In den Kirchen sollte mau sammeln, um »veuigstens einen Teil des hierd»»rch verschuldeten Elends wieder gut zu machen und dadurch gleichzeitig der weiteren Verbreitung judenhetzender Ideen entgegenzutreten. Die Zurückhaltung christlicher Gaben in diesem Falle könnte aussehen wie eine stillschweigende Billigung des furchtbaren Verbrechens, oder als ob man sagen wollte: „Ihr Juden habt Geld genug, helst Euch allein." Selbstverständlich ist dies nicht die Meinung. Aber »»»an meide auch den bösen Schein und lasse die sonst stets be» »vährte harnburgische Wohltätigkeit nicht un»kehren vor der Schwelle der Juden!" H. Bagge Dr. M. G. Geisa, im Mai. Den» »»ach langjähriger gesegneter Berufsarbeit in den Rllhestand tretenden Lehrer A. Heilbrunn »veihte die israelitische Gemeinde Gehaus im Großherzogtum Weimar am 24. Mai d. I. eine synagogale Feier, bei »velcher die wann ernpsundenen Worte des großherzoglichen Landrabbiners Dr. Wiesen, das festlich geschrnückte Gotteshaus, die Anwesenheit der gesamten jüdischen und eines großen Teiles der christlichen Bevölkerung, des Ortspfarrers und Ortsschulvorstandes Zeugnis davon ablegten, welch herrliche Früchte das vorbildliche Wirke»» dieses treuen Lehrers gezeitigt. Möge ihm ein segensreicher Lebensabend beschieden sein. ». Hamm, 28. Mai. Wie wir bereits kurz gemeldet, ist am 22. d. M. der hiesige Stadtrat Moritz Bachara ch in Wiesbaden, wo er Heilung suchte, im 70. Lebensjahre gestorben. Seit 1870 Stadtverordneter, wurde er im Jahre 1893 zum Magistratsmitgliede gewählt; er hat mithin länger als drei Jahrzehnte hindurch seiner Vaterstadt treue Die»»ste geleistet und durch die U»»eigennützigkeit seines Charakters, d»»rch seinen nie ermüdenden Wohltütigkeitssinn sich Achtu»»g und A»»sehen bei seine»» Kollege»» in der städtischen Verwaltung und in der Gemeindevertretung und die Liebe seiner Mitbürger erworben. D»rrch die aus Anlaß seiner 25 jährigen Mitgliedschaft der städtischen Kollegien zu gunsten hilfsbedürftiger Wöch»»erinne»» gegründete „Bacharach-Stiftung" hat er seinem Bestreben, gutes zu tun, eine»» besonders dankenswerten Ausdruck gegeben. In den Nachrufen, die der Magistrat und der Stadtverordnetenvorsteher, sowie der Vorstand und die Repräsentanten der israelitischen Gerneinde »»nd der Vorstand des Bürger-Schützen-Vereir»s den» Verblichene»» zollen, tritt seine liebenswerte Persönlichkeit hervor. Ebenso war er den» Kriegerverein ein langjähriges, treues Mitglied. Doch seine Hauptbedeutu,»g lag aus kommunalen» Gebiete. “ Frankfurt a. M., 31. Mai. Der Frankfurter Stadt - bibliothek ist, »vie uns der Direktor derselben, Professor Ebrard, mitteilt, die Erwerbung der hervorragenden Abraha»»» Merzbacherschen hebräische»» Bibliothek in München gelu»»gen. Die erforderlichen bedeutenden Mittel wurden ausschließlich von Gönnern der Stadtbibliothek zur Verfügung gestellt. Die Bibliothek enthält etiva 150 Handschriften, darunter an 20 Perga»r»enthandschrister», z»»m Teil aus den» 13. und 14. Jahrhundert. von »velchen »nehrere künstlerisch ausgesührt und mit Malereien versehen sind; serner 42 sog. Inkunabeln oder Wiegendrucke sin der Zeit vor 1500 gedruckt) und eine fast vollständige San»n»lu»»g aller Talmud-Ausgaben u»»d Responsen-Werke; i»n ganzen un»faßt sie etwa 6000 Bä»»de. Inden» diese »vertvolle Sammlung den früher gleichfalls »»»eist durch Schenkung erlvorbeneu Bibliotheken Fuld, Brüll, Berliner und von Rothschild hinzutritt, nirnmt die Hebraica- und Judaica-Bibliothek unserer Stadtbibliothek jetzt überhaupt den ersten Rang auf dem Kontinent ein. »'. Göppingen (Württemberg), 28. Mai. Mit der Ei nweih un g der neuen Komm u nal-Friedhofsa »»läge dahier »var ein Weiheakt verb»»nden, der sich in einfachen Forrnen hielt, aber insofern von erfreulicher Bedeutung war, als die Geistlichen der drei Konsessionen dabei in Amtstracht Funktio»»en hatten, die zuvor in gemeinschaftlicher Besprechung festgestellt waren. Der evangelische erste Stadtgeistliche hielt eine Ansprache, der katholische Stadtpfarrer verlas eine Liturgie und der Rabbir»er sprach den „Priestersegen", nachdem er in einigen Worten darauf hinge»viesen hatte, daß bie israelitische Kirchengemeinde Göppingen, die bisher aus Anhänglichkeit zur Muttergemeinde Jlberhauseu gleichsarn in heimatlicher Erde ihre teuren Toten bestattet habe, von nun an auch hier auf dieser ge»neinsamen Friedhofanlage ihren Lieben die letzte Ruhestätte bereiten rverde. Der separate Friedhosteil, welcher der israelitische»» Kirchengemeinde in einen» Umfange von 1V2 Morgen seitens der bürgerlichen Kollegiei» kostenlos z»»r Verfügung gestellt w»»rde, schließt unmittelbar an den allgemeinen an und wird später einen Teil der zur Erweiterung vor-

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