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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-06-05 · Heft 23 (5.6.1903) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 23 (5.6.1903)
Date
1903-06-05
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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— Berlin, 29. Mai. 2lm 26. d. M. starb hier nach kurzem Leiden Dr. med. David Haußmann im 64. Lebensjahre. Haußmann gehörte zu denjenigen Aerzten, die in der Ausübung einer allgemeinen Praxis und ohne sich in einer Stellung an einer wissenschaftlichen Anstalt zu befinden, Zeit und Befähigung haben, der wissenschaftlichen Arbeit obzuliegen. Sein Arbeitsgebiet war die Frauenheilkunde. Zu einem Teile aber gehen Haußmanns Studien über das engere Interesse der Frauenärzte hinaus, und zwar in zwei Richtungen. Einmal ließ es sich Haußmann angelegen sein, Fragen zur Lehre von der Uebertragbarkeit von Krankheiten zu prüfen. Auf diesem Felde war er zu einer Zeit tätig, wo derlei Studien noch bei weitem nicht die Beachtung fanden, wie jetzt, wo durch die Grundlegung der Bakteriologie durch Koch und Pasteur ganz andere Handhaben zur Erforschung der Ansteckung gegeben sind. Weiterhin aber greisen Haußmanns Untersuchungen auch in den Bereich der öffentlichen Gesundheitspflege hinüber. David Haußmann, 1839 zu Ratibor geboren, machte seine Studien in Breslau und Berlin und promovierte 1862 an der Universität Berlin zum Doktor. Im Jahre darauf erlangte er die Approbation als Arzt. Seit 1866 war Haußmann in Berlin tätig. Die Beerdigung des geachteten und beliebten Arztes fand heute in Weißensee statt. Ehre seinem Andenken! 20 Berlin, 28. Mai. Am 26. d. M. ist hier plötzlich im Alter von 57 Jahren der Bibliothekar der jüdischen Lesehalle, Adolf Pick, gestorben. Aus einer alten Rabbinerfamilie stammend, hatte sich Pick selbst auch für den rabbinischen Beruf entschieden. Er besuchte mehrere Jahre das jüdisch-theologische Seminar in Breslau, wendete sich aber später medizinischen Fachstudien zu. Auffallende Kränklichkeit ließ ihn leider nicht zum ersehnten Ziele gelangen. Als Bibliothekar der Lesehalle war der Verstorbene ganz auf seinem Platze. Er war ein sorgsamer, treuer Beamter, der das lebhafteste Interesse für das Institut hegte und für das Gedeihen und Wachstum der Bibliothek eifrig bemüht war. In früheren Jahren war Pick auch vielfach literarisch tätig. Seine Uebersetzungen aus neuhebräischer Dichtung zeichneten sich durch Schwung und Innigkeit ans. Auch unser Blatt hat ihm manchen wertvollen Beitrag zu danken. Alle, die den guten und bescheidenen Mann kannten, werden ihm ein freundliches Andenken bewahren. Friede seinem Geiste! 20 Berlin, 27. Mai. Wie wir bereits kurz gemeldet, ist am 21. d. M. hier die Gattin des Herrn Justizrats Dr. Edmund Friedemann, Frau Auguste Friedemann, geb. Szkolny, nach langen Leiden gestorben. Die Beerdigung fand am Sonntag unter Beteiligung einer nach Hunderten zählenden Trauerversammlung auf dem Friedhof in der Schönhauser-Allee statt. Frau Justizrat Friedemann nahm auf dem Gebiete sozialer Bestrebungen in Berlin eine hervorragende Stellung ein. Sie war u. a. Vorsitzende des Damenkomitees des Pestalozzi-Fröbel-Hauses und einer Gruppe des Vereins für soziale Hilfsarbeit. Bei der Trauerfeier widmeten ihr warme Worte der Erinnerung die Herren Geheimer Legationsrat Cahn, Reichstagsabgeordneter Schräder und Stadtrat Münsterberg. Das Andenken der vortrefflichen Frau wird ein gesegnetes sein. Berlin, 29. Mai. Gestern Abend 7 Uhr fand in der Aula des Lettevereins eine Gedächtnisfeier für die in der vorigen Woche in Meran verstorbene Frau Kommerzienrat Rosa Arons statt. Einem Orgelpräludium folgte das von dem Schülerinnenchor gesungene Lied „Trost am Grabe", von Mathias Claudius, komponiert von Schulz. Dann gedachte in warm empfundenen Worten die Vorsitzende des Vereins, Frau Kaselowsky. der Verdienste der Geschiedenen, die 33 Jahre eine treue Mitarbeiterin der Vorstandsdamen gewesen sei. Freundin und Beraterin, gütig und warmherzig, erfüllt von dem Segen rechter Frauenarbeit. Den Schluß der stimmungsvollen Feier bildete das Lied: „Mag euch die Liebe vereinen". o. Küstrirr, 29. Mai. Der Neligionslehrer und Prediger unserer Gemeinde, Herr Haase, beging am 21. d. M. mit seiner würdigen Gattin das Fest der silbernen Hochzeit. Obwohl die Gemeinderst spät von dieser Tatsache erfuhr, ließ sie es sich doch nicht nehmen, die Gesühle der Dankbarkeit und Verehrung ihrem Beamten gegenüber zum Ausdruck zu bringen. Eine Deputation des Vorstandes überbrachte den! Jubelpaar die Glückwünsche, und der Vorsitzende Herr I. D. Müller überreichte in Anbetracht der zufriedenstellenden Amtstätigkeit des Herrn Haase ein ansehnliches Geschenk zur freundlichen Erinnerung mit dem Wunsche, daß das friedliche Verhältnis niemals gestört werde. Auch die Schüler und sämtliche Mitglieder der Genreindc beteiligten sich an diesem freudigen Ereignis und gaben ihrer Freude durch Geschenke und allerlei Aufmerksamkeiten Ausdruck. Danzig, 31. Mai. Der Verwaltungsbericht des Ausschusses des Verbandes der Westpreußischeu Synagogengemeinden für das sechste Verbandsjahr ist anläßlich des am 21. d. M. in Thorn stattgehabten Geineindetags, über den wir nächste Woche berichten, ausgegeben worden. An Stelle des Herrn Gustav Davidsohn-Danzig, welcher dem Verbände seit seiner Begründung Vorstand und auf dem letzten Gemeindetage aus dem Ausschuß ausschied, wurde vom Gemeindetage Herr Adolf Eisen-Danzig in den Ausschuß gewählt. In der am 9. November d. I. in Danzig abgehalteuen Ausschußsitzung wurden dann gewählt: Zum Verbandsvorsteher: Rechtsanwalt Behrend-Danzig, zum Stellvertreter des Vorstehers und Schriftführer Dr. Freudenthal-Danzig, zum Schatzmeister: Martin Kadisch-Danzig. Dem Verbände gehörten am 1. April 1902 an: 43 Gemeinden und 206 persönliche Mitglieder. Der Ausschuß hat es sich angelegen sein lassen, in einem motivierten Rundschreiben die dem Verbände noch fernstehenden Gemeinden zum Beitritt einzuladen. Ein gleiches Rundschreiben wurde an die Vertrauensmänner in denjenigen Städten, in denen ihm noch gar keine oder nur sehr wenige Persönliche Mitglieder angehören, mit der dringenden Bitte gesandt, sich für den Beitritt persönlicher Mitglieder zu interessieren. Wir müssen mit Bedauern konstatieren, daß diese Rundschreiben mit einer dankenswerten Ausnahme neue Beitrittserklärungen nicht zur Folge hatten, ja fast ausnahmslos einer Antwort überhaupt nicht gewürdigt wurden. Trotz eifriger Bemühungen gehören dem Verbände 11 Gemeinden immernoch nicht an. Seiner Inspektion unterstanden im Jahre 1901/1902 46 Schulen, zu denen noch die Schulen an denjenigen 12 Orten kommen, an denen Rabbiner amtieren. Im letzten Verwaltungsjahr wurde mit Unterstützung des Vorstandes eine neue Religionsschule für die Kinder ans zwei ländlichen Gemeinden eingerichtet und dem Rabbinat Berent unterstellt, so daß der Inspektion des Verbandes jetzt 47 Schulen unterstehen, von welchen wir 14 (gegen 11 im vorigen Berichtsjahre) mit einem Gesamtbeträge von Mark 2282,50 (gegen 1890 Mark) subventionieren. Nach dem Bericht soll es zunächst bei dem bisherigen Modus verbleiben, nach welchem die Zuteilung der zu inspizierenden Schulen an die einzelnen Herren Inspizienten den! Rabbinerverbande überlassen wird. Aus welchem Grunde bedauerlicherweise einzelne Gemeinden die Inspektion nicht zulassen wollen, konnte der Verband nicht feststellen. Jnl verflossenen Berichtsjahre wurde auch zum erstenmal der Versuch gemacht, das Interesse der Kinder und Eltern am Religionsunterricht dadurch zu heben, daß an die fleißigsten und tüchtigsten Schüler und Schülerinnen Prämien verteilt wurden und zwar Bibeln, Geschichtsbücher rc. Wie in den Vorjahren haben die Herren Inspizienten auch im letzten Jahre in 16 Gemeinden gelegentlich der Inspektionen gottesdienstliche Vorträge vor der versammelten Gemeinde und nach diesen Vorträgen Aussprachen mit den Gemeindevorständen und einzelnen Mitgliedern über dringende, das Judentum berührende Fragen gehalten. Dank einer intensiven und erfolgreichen Propaganda des Kuratoriums hat sich im letzten Jahre das Interesse für das Waisenhaus in unserer Provinz und außerhalb in solchem Maße gesteigert, daß die Anstalt, nachdem im Laufe des Winters die erforderlichen baulichen Veränderungen ausgesührt und die zur Aufnahme von zunächst 15 Waisenkindern nötigen Einrichtungen und Anschaffungen bewirkt waren, am 1. Mai cr. in Betrieb genommen werden und die Aufnahme von zunächst 14 Waisenkindern erfolgen konnte. Der Ausschuß besteht aus den Herren: Rechtsanwalt Behrendt, Vorsitzender, Dr. Freudenthal, Martin Kadisch, Belgard, Eisen, Goldfarb, Landshut, Lewinneck, Löwenstein, Dr. Rosenberg, Sternberg, Wolff. ---Könitz, 26. Mai. Ein Nachspiel zu den Konitzer Prozessen bildet das rechtskräftig gewordene Erkenntniß des ärztlichen Ehrengerichts für die Provinz Westpreußen gegen Dr. Arthur Müller in Könitz. Das Verfahren gegen Dr. Müller Warans Grund der Bekundungen des Ersten Staatsanwalt- Schweigger aus Könitz im Prozeß wider Bruhn und Genossen eingeleitet worden. Dr. Arthur Müller hatte aus Akten, die seinem Vater, der als Kreisarzt mit der Begutachtung der Winterschen Todesursache betraut war, amtlich zugestellt worden waren, heimlich Abschriften genommen, und dem antisemitischen Berichterstatter Werner gegeben. Als die Indiskretion ruchbar wurde, kam es zur Einleitung einer Disziplinaruntersuchung gegen Beamte der königlichen Staatsanwaltschaft, bis

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