Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1903)
- Date
- 1903-06-05
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3228527-3228551--59843-3296388- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Berlin, 5. Juni 1903, lksbücherei >ern öfter bei An- 07. Jadr§an§. No. 23. Vetlage Der Kemeindebote. zur „Allgemeinen Leitung de^ Judentums. s Zenträlllbstellung ndern die sönlichkeit!ehrer) be^ ild. Auch ntstehung tb Herabden ent* emitischen ng wurde onfisziert. ung und he gelten, n Bücherrlen einrwünscht, )ens den eranlaßt, id Höcker d eschner. pfthlung gebracht, rfahrnng 'zugeben, l h r b a r e jüdischen ltnis der daß es rs dieses Rechnung st richtig aus jede eben sich Beispiel peft§ zu »elbaumbringen ter Linie die Oel- Dementing verwissen, Widerii dieser or jeder ft". ite. Es solchen e Sache das ist Kolonirfahren »herein ß. Die ele für )or der m auch l b u s. Korrrlponürn-rn und Nachrichten. Deutschland. L2 Berlin, 29. Mai. Die Wiener kaiserliche Akademie der Wissenschaften wählte für die philosophisch-historische Klasse Herrn Professor Dr. Moritz Steinschneider zum korrespondierenden Mitglieds. Es ist dies die höchste Auszeichnung, die die Wissenschaft zu vergeben hat, und es gereicht auch dem Judentum zur Ehre, daß die Verdienste, die sich ein Gelehrter um seine Wissenschaft erworben hat, anerkannt zu werden beginnen. Die Berliner Akademie hat sich zu einer solchen hohen Anschauung noch nicht emporgerungen: Steinthal war Mitglied der Akademie zu — Upsala, Steinschneider ist Mitglied der Akademie zu — Wien. Den Kommentar zu diesen Tatsachen mag sich der Kundige selbst machen. L2 Berlin, 31. Mai. Nummer 60 der Mitteilungen vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde" ist soeben erschienen. Das Heft ist wie immer lehrreich und interessant. Man kann aus demselben die gedeihliche aufsteigende Entwickelung des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes mit aufrichtiger Genugtuung entnehmen. Alle seine Institutionen sind in bester Ordnung. Sein Jnteressenkreis erweitert sich iminer mehr und Alles, was im Wesentlichen durch die Initiative des wahrhaft unermüdlichen Vorsitzenden in Angriff ge°. nonlmen wird, gelangt auch zu zweckmäßiger Ausgestaltung. Es gibt wenige jüdische Organisationen, die so planvoll, sachgemäß und fleißig arbeiten wie das Bureau des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes. In dem neuesten Heft interessieren uns vor allem die Rundfragen über das Wahlrecht der Ausländer, über Friedhofsordnungen und über Feuerbestattung. Aus die letztere Frage, als die interessanteste, kommen wir noch ausführlich zurück. Ferner enthält das Hest sehr interessante Mitteilungen über die Friedrich Wnqelm Viktoria-Stiftung, die beiden Fürsorgeerziehungsanstalten des Bundes, die Arbeiterkolonie Weißensee rc. Der Kassenbericht ist ebenfalls ein sehr lehrreiches Studium. Wir entnehmen daraus nämlich die Tatsache, daß man auch mit geringen Mitteln Großes und Gutes leisten kann, während andere Organisationen mit großen Mitteln leider nur sehr kleine Leistungen aufzuweisen haben. ----- Berlin, 31. Mai. Die unter dem Protektorat des Kaisers und der Kaiserin Friedrich zu gedeihlicher Entwicklung gelangten Ba r uch Auerbachschen Waisenerziehungs-Anstalt en weisen nach dem eben erschienenen 70. Jahresbericht in ihrem neuen Heim an der Schönhauser Allee einen gegenüber denr bisherigen nur erst um sieben Zöglingsstellen erhöhten Bestand aus, während Raum und teilweise auch schon Einrichtung für weitere 30 Zöglinge vorhanden ist. Indessen haben nach Ausweis des Rechenschaftsberichtes die Einnahmen der lediglich auf ihre eigenen Mittel und die Zuwendungen ihrer Gönner angewiesenen Anstalten nicht einmal für den gegenwärtigen Bestand von 54 Knaben und 30 Mädchen ausgereicht. Die Verpflegung erforderte 18 425 Mark, d. h. 49^ Pfennig für den Kops und Tag, die Bekleidung kaum 100 Mark für jeden Zögling, die gesäurten Bedürfnisse einschließlich Gottesdienst, Büreau, Renten, Stipendien u. a. Zuschüsse 77390 Mark. Hiervon sind durch Zinsen des Anstaltsvermögens und sonstige bestimmte Einnahmen nur etwa 56 800 Mark gedeckt. Die Zöglinge genießen den Unterricht großenteils in höheren Schulen. Besonders begabte Knaben bleiben bis zur Abgangsprüfung, die Mädchen in der Regel bis zur erlangten Erwerbsfähigkeit im Hause. Der rveitreichenden Fürsorge für die-entlassenen Zöglinge, welche besonders wirksam bei ihrer Selbständigmachung oder Verheiratung eintritt, dient eine größere Anzahl von besonders verwalteten Stiftungen, die für die unmittelbaren Anstaltszwecke unantastbar bleiben. Den Vorstand bilden neben dem Direktor Dr. Strelitz die Herren Berthold Marckwald, Kommerzienrat Emmanuel Lohnstein, Generalkonsul Eugen Landau, Professor Dr. Felix Liebermann, Kommerzienrat Hermann R. Israel und Kommerzienrat Isidor Loewe. Ehrenmütter sind Frau Recha Marckwald und Frau Professor Dr. Cäcilie Liebermann. F. Berlin, 1. Juni. Die „Wissenschastliche Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin" hielt ihre Märzsitzung am 7. März im Vereinslokal ab. Lehrer Auerbach sprach über den Religionsunterricht in den Berliner Gemeindeschulen nach dem neuen Lehrplan. Im Anschluß an die Verlesung der Verfügung des Provinzial-Schulkollegiums, den Wegfall des Hebräischen im Betriebe des jüdischen Religionsunterrichts an den Berliner Gemeindeschulen betreffend, entwickelte der Vortragende unter möglichst allseitiger Berücksichtigung der durch dieses Verbot zu erwartenden Konsequenzen seine Ansichten ungefähr dahin: Der Unterricht im Hebräischen ist durchaus notwendig, um die Kinder für die lebendige Teilnahme am Gottesdienst zu befähigen; sollen sie in Wirklichkeit auch Mitglieder der Religionsgemeinschaft werden, dann kann der Religionsunterricht des Hebräischen nicht entraten, wenigstens so lange nicht, wie letzteres noch Sprache des Kultus ist. Selbst die beste Uebersetzung ist nicht im stände, den wahren Geist des Originals wiederzugeben. Andacht wie religiöse Erbauung und Erhebung im Gotteshause sind nur möglich, wenn das Kind dem Vorbeter zu folgen vermag, während sonst Langeweile und Zerstreutheit infolge mangelnden Verständnisses nicht ausbleiben. Der Jugendgottesdienst bietet dafür dem aufmerksamen Beobachter den unwiderleglichen Beweis. Von einer Ueberbürdung durch Beibehaltung des Hebräischen kann nicht die Rede sein. Die Zahl der Unterrichtsstunden war nach dem früheren Lehrplan nicht größer als nach dem jetzigen, nur daß bisher die Hälfte der Stunden auf Hebräisch entfiel, was eine angenehme Abwechslung mit sich brachte, die belebend und erfrischend wirkte. Die Behörde geht von der irrigen Vorstellung aus, daß wir es mit einer fremdsprachlichen Disziplin zu tun haben, die nicht in die Volksschule gehöre, während in Wirklichkeit das Hebräische nur die Aufgabe hat, Verständnis für die gottesdienstlichen Handlungen i anzubahnen. Der Unterrichtsgegenstand wird tatsächlich nur aus dem | Lehrplan der Volksschule eliminiert, bleibt aber sonst für voraussichtlich den größten Teil der Kinder bestehen, die nunmehr in den Religionsschulen an dem Unterricht im Hebräischen teilnehmen werden. Diese Schulen werden sich dadurch zu einer Ergänzungsanstalt für die Gemeindeschnlen der Stadt gestalten und allmählich den an den ' städtischen Gemeindeschulen erteilten Religionsunterricht ganz und gar übernehmen, weil die Eltern, die ja das Recht haben, ihre Kinder, welche eine Religionsschule besuchen, vom anderen Religionsunterricht zu besreien, sie nicht l.durch einen doppelten Unterricht überbürden werden. Gehen die Religionskurse an den Gemeindeschulen aber ein, so zieht das verhängnisvolle Folgen für die zukünftige jüdische Lehrerschaft au den Gemeindeschulen nach sich. Es fehlt in der Folgezeit die wichtigste Begründung für die Anstellung jüdischer Lehrkräfte, die in erster Reihe für den jüdischen Religionsunterricht herangezogen werden und die dann erst andere Stunden erhalten, um anstellungsberechtigt zu sein. Bleibt aber auch der Religionsunterricht an den Gemeindeschulen bestehen, so läuft er Gefahr, sich zu verschlechtern, weil wegen der durch die Ausschaltung des Hebräischen abnehmenden Zahl der Kinder kein wohlgegliederter Stufengang möglich sein wird, sondern Kinder verschiedenen Alters und Wissens in einen Coetns zusammengeworfen werden müßten. Bei vier Stunden Unterricht ohne Hebräisch würde der biblischen Geschichte ein zu großer Raum zugewiesen werden, und es dürfte dahin kommen, daß man beim Ueberfluß an Zeit an Stoffmangel leiden würde. Geradezu betrübend und beschämend für uns ist der Umstand, daß die Behörde zu wissen oder zu glauben vermeint, daß „in jüdischen Kreisen vielfach auf den Unterricht im Hebräischen kein Wert gelegt wird." Es müßten alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, der Behörde, die dem jüdischen Religionsunterricht wohlwollend gegenübersteht, die Ueberzeugung beizubringen, daß wenigstens ein bescheidenes Maß des Hebräischen als integrierender Bestandteil des jüdischen Religionsunterrichts im Plane desselben nicht fehlen dürfe. — Eine angeregte Diskussion über die Notwendigkeit des Hebräischen im Religionsunterricht schloß sich an den mit großem Beifall anfgenommenen Vortrag.