Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1903)
- Date
- 1903-06-05
- Page
- Seite 275 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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275 eliebtheit , soweit md, die ner dem s lernen;ung der :r „Beding der lich der der, wie imteilen ner unjüdischer in der Freilich irschung! Juden tzfindige ldern in ften sich die als gezogen Volfram x haben, gerade jen der Prachen n frante, und lgendes l Jude, diesen ins aus ch noch bekannt t Stiüi Werk« nicht itnmcn* \ jeder »viederrschichte aß der ^enheit" carck in s vormderen ze nicht n, daß latteteu in gut id, um ehmen. derer, t, das ge Raersöhnt dieses VerlunKene Metten. historische Erzählung aus Iicdäas Lönigszeit. Von Carola Buchheim. X. ^^^er Abend hatte sich gesenkt und hatte die Stadt mit ihren Hütten und Palästen in dunkle Schatten gehüllt. Im Palast des Königs herrschte nach dem regen und geschäftigen Treiben des Tages, au dem Boten aus den entfernteren Teilen des Reiches gekommen waren, Krieger die Befehle ihres obersten Kriegsherrn entgegengeuommen hatten, tiese Stille, und nur der gleichmäßige Schritt der Wachen hallte in den weiten Gängen wider. Jetzt öffneten sich die Pforten, die aus den Gemächern Alexandras in den Vorsaal führten und heraus trat die hohe Gestalt, in einen dunklen Mantel gehüllt, Aristobul. Die Fürstin hatte ihm das Geleit gegeben und jetzt berührte sie mit mütterlicher Zärtlichkeit seine Stirn, und ihr feucht glänzender Blick folgte seiner dahineilenden schlanken Gestalt. Er >var schon nahe dem Haupteingang, dessen Marmorstufen in den Garten führten, da ließen sich auf dem mit Teppichen bedeckten Korridor leise, hastende Schritte vernehmen. Sein Fuß stockte und sein Auge glitt suchend durch die halb erleuchteten Gänge, um zu erspähen, woher das Geräusch der ihm folgenden Schritte komme — aber da vertrat eine in dunkle Gewänder gehüllte Gestalt seinen Weg. „Verzeih, hoher Herr," flüsterte sie, „wenn ich Deinen Weg kreuze . . ." „Was keinesfalls etwas Gutes zu sagen hat!" lachte der junge Priester, „denn alte Weiber bringen böse Kunde! Was begehrst Du?" fuhr er nach einer Weile ernsten Tones fort. „Meine Herrin, die Fürstin Salome ist krank, und sie bittet Dich durch ihre getreueste Sklavin um die Gnade Deines priesterlichen Besuches." „Salome?" Betroffen war Aristobul zurückgetreten, aber da hatte die Alte, ganz den hohen Rang des Jünglings vergessend, seine Hand ergriffen und raschen, eilige» Schrittes geleitete sie ihn in den gegenüberliegenden Flügel des Palastes, durch zahllose Korridore, bis an die Gemächer Salomes hin. Hier nahm sie den verhüllenden Mantel von seinen Schultern und kauerte sich gleich einem wachsamen Hunde vor die Türe hin, durch die Aristobul nun eintrat. Mattes, gedämpftes Licht erhellte den mit den köstlichsten Wohlgerüchen erfüllten Raum, schwere kostbare Gewebe verhüllten die Wände, weiche Teppiche dämpften ben Schritt. Auf einem Lager, dessen Gestell von Elfenbein und dessen Füße von Gold waren, ruhte, in die weichen Kissen hingelehnt, Salome, die Schwester des Königs. Ihre volle, üppige Gestalt, umhüllte ein kostbares, durchsichtiges Gewebe, das den weißen Nacken und die vollen Arme frei ließ, ihre laugen, schwarzen Haare waren mit glänzenden Nadeln und Kämmen geziert und ihre Füße staken in goldenen mit Edelsteinen besetzten Sandalen. Ein betäubender Wvhlgeruch erfüllte den Raum, in dem ein Hauch süßer berauschender Sinnlichkeit wehte, der auch mit unsagbarem Zauber die Gestalt der Fürstin verklärte und ihren bei Tageslicht fast harte» Zügen unnennbaren Reiz verlieh. Betroffen von dem ungewohnten Anblick, der sich ihm hier bot, war Aristobul regungslos stehen geblieben. Jetzt aber hatte sich Salome halb aufgerichtet, und indem sie mit grüßender Bewegung ihren Arm erhob, lud sie ihn mit lächelndem Munde ein, näher zu treten. „Du zürnest nicht, o Herr," sagte sie und ihr Auge erhob sich mit schmachtendem Aufleuchten zu seiner hohen Gestalt, „daß ich Dich zu mir gebeten, jedoch", suhr sie zögernd fort, „ich hätte' gar zu gerne mit Dir eine Fortsetzung unseres gestrigen Gespräches geführt und das hätte ich ja auf anderem Wege nicht herbeizusühren vermocht." „Allein Du schweigst," setzte sie hinzu, da der Jüngling noch immer regungslos ihr gegenüber saß. Doch da erhob sie das Auge und ein Blick in das heiß erglühende Antlitz ihres Gegenübers belehrte sie, daß der Zauber ihrer Erscheinung bereits gewirkt, denn unverhohlene Bewunderung, gemischt mit jugendlicher Verwirrung, malte sich in seinen Zügen. Gewaltsam riß er sein Auge von der bestrickenden Erscheinung der jungen Frau und stotternd, mit knabenhafter I Verwirrung kämpfend, erwiderte er ihre Fragen: Wie er den I Tag verbracht, ob er sich glücklich fühle in seiner hohen Stellung, ob er sich nicht zuweilen danach sehne, die Bürde seines priesterlichen Amtes von sich zu schütteln, gleich anderen Sterblichen zu fühlen und anderen Beneidenswerten gleich alle Schranken fallen zu lassen und nur dem Drange seines Herzens leben zu können — und ob er des gestrigen Festmahles noch gedacht — und auch ihrer .... „Du fragst, Salome! O! ich habe Dein gedacht des Tages und des Nachts und ein heißes Verlangen, Dich wiederzusehen, erfüllte meine Brust .... Wie gerne wäre ich noch gestern zu Dir geeilt, ich wollte Dich fragen . . . ." Doch da stockte er und glühende Röte särbte mit verräterischer Glut seine Wangen. „Du wolltest mich fragen? Nun vollende!" und sich zu ihm neigend berührte sie mit ihren Fingern sein goldig leuchtendes Haar. „Ich wollte Dich fragen, v Salome," kam es in heiß aufwallender Erregung aus seinem Munde, „warum mich der Gedanke an Dich nie mehr verläßt, warum mich Dein Bild stets umschwebt, im Traume der gestrigen Nacht und im Wachen des heutigen Tags, sag, Fürstin, was ist das?" „Das ist, mein süßer Aristobul." und sie senkte mit verzehrendem Leuchten ihre dunkeln Augen in seine, einer blauen Blume gleichenden Augensterne, „das ist das Verlangen nach mir, nach Deiner Salome . . ." „Und daß es mich wie im Fieber durchtobt, wenn ich Dein gedenke und all der Worte, die Dein Mund zu mir redete..." „Das ist etivas Köstliches, mein Jüngling," Und sie erfaßte seinen Kopf und wühlte mit heißen, zuckenden Fingern in der goldigen Fülle seiner lang herabwallenden Haare. „Und daß es mir siedend heiß durch die Adern rinnt und wie verzehrendes Feuer in meinem Busen glüht . . ." „Das ist die Liebe," und sie zog ihn zu sich nieder und schmiegte sich a» seine hohe Gestalt. Er aber sank zu ihren Füßen hin und verbarg sein junges in knabenhaftem Erröten erglühendes Gesicht in den Falten ihres Gewandes. * * * Bon der sengenden Glut der Sonne wachgeknßt, reifte die süße Frucht der Rebe, die Dattelpalme neigte sich unter der reichen Fülle köstlicher Früchte, in betäubender Pracht prangten Jasmine und Rosen und im wogenden Felde erglänzten die goldenen Aehren. Der Sommer mit seinem lachenden, wolkenlosen Himmel, mit den glutheißen Tagen und den erschlaffend lauen Nächten bereitete sich zn scheiden. Das Laubhüttenfest mit all dem Glanze und der verschwenderischen Pracht, die es geleitete, sollte auch diesmal glanzvoll unb mit großem Gepränge in Zion gefeiert werden.