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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-05-29 · Heft 22 (29.5.1903) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 22 (29.5.1903)
Date
1903-05-29
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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67. Jahrgang. No. 22. Berlin, 29. Mai 1903. Der Lemeindevote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung de^ Judentums". ikorrrlpondrn?rn und Aachrichtrn. DeutschlMd. 8. Berlin, 24. Mai. Die heutige Repräsenta nten-Versammlung bot zwar eine sehr reichhaltige Tagesordnung, aber darin wenig Interessantes. Der Gemeindevorstand ist dem Beschlüsse der Repräsentanten beigetreten, 10 000 Mark für die Inden in Kischinew zu bewilligen. Die Einsetzung einer gemischten Deputation über die Art der Vorbereitung der Wahl von Mitgliedern in die Verwaltungskommissionen hat der Gemeindevorstand genehmigt und in dieselbe Herrn Netter als Vorsitzenden und Herrn Landgerichtsrat Pleßner abgeordnet; die Vorlage betreffend das Gehalt der akademisch gebildeten Lehrer an den Gemeindeschulen hat er zurückgezogen. Erteilt ferner mit, daß Herr Wall ich der Alterversorgungsanstalt 10000 Mark zugewendet hat. An Stelle des Herrn Berlin wird alsdann der für diesen einberufene Stellvertreter Herr Immanuel Sachs in den Ausschuß I gewählt. Die Baronin von Cohn-Oppenheim hat der hiesigen Gemeinde für wohltätige Zwecke, wie Krankenpflege, Unterstützung von Armen, Förderung der Erziehung und Bildung 50 000 Mark zugewendet. Eine allgemeine Testamentsbestimmung über die Natur der Vermächtnisnehmer ergibt klar, daß dieses Kapital nur für jüdische Zwecke verwendet werden darf. Das Legat wird angenommen. Eine längere Debatte erhebt sich bei der Subvention an die Jüdische Lesehalle und Bibliothek. Die Subventionskommission hat auf Grund eines ausführlichen Gesuches der Lesehalle 500 Mark — die bisherige Subvention belief sich auf 300 Mark — bewilligt, der Gemeindevorstand hat jedoch nur 300 Mark genehmigt. Der durch Prof. Blaschke auf den Plan gerufene Gemeindevorstand erklärt durch Landgerichtsrat Pleßner, daß Erhöhungen von Subventionen im Laufe der Etatsperiode nicht vorgenommen werden sollen, und daß mit Rücksicht auf die viel benutzte Gemeindebibliothek ein Bedürfnis für die höhere Subventionierung der Lesehalle zur Zeit nicht vorliege. Den Beschluß der Subventionskommission vertritt Rechtsanwalt Cohn. Er teilt mit, daß die Kommission die Eingabe sehr peinlich geprüft und in Anbetracht der sehr bedeutenden Unkosten der Lesehalle (s. u.) die Erhöhung genehmigt hat. Man sollte sich darüber freuen, daß eine jüdische Lesehalle, deren Frequenz stetig steige, derartig in Anspruch genommen sei, daß sie größere Räume mieten müsse. Inzwischen ist ein Antrag Blaschke eingegangen, der Lesehalle eine Subvention von 300 Mark und eine einmalige Beihilfe von 200 Mark zu gewähren. Vorsteher Jacoby erklärt, daß es eigentlich richtig gewesen wäre, die Subventionierung der Lesehalle nach Einrichtung der Gemeindebibliothek sofort aufzuheben; die Unterstützung werde, sobald die Gemeindebibliothek in vollem Umfange in Betrieb sei, in Fortfall kommen. Zu einer Erhöhung der Subvention habe kein Grund Vorgelegen und der Gemeindevorstand, dem allein ein Urteil über die Bedürfnisse der Gemeinde und über die notwendigen Ausgaben zustehe, müsse mit dem Gelde der Gemeinde sparsam wirtschaften. Er hält es jedoch nicht für ausgeschlossen, daß der Vorstand dem Anträge Blaschke seine Zustimmung gibt. Prof. Blaschke gibt an, daß die Verhandlungen der Lesehalle mit dem Gemeindevorstande betreffs der Uebernahme der Lesehalle Monate hindurch in Anspruch genommen hätten und daß nur deshalb die Lesehalle nicht rechtzeitig den Antrag aus Subvention habe stellen können. Im Jahre 1902 habe die Lesehalle gar keine Unterstützung bekommen, der Gemeindevorstand spare somit noch 100 Mk., wenn er jetzt dem Anträge gemäß 500 Mk. bewillige. Sehr treffend führte er aus, daß der Vorstand, wenn er jetzt die Lesehalle als unnötig erkläre, zu dem Resultat hätte kommen müssen, dieselbe zu übernehmen. Der Antrag Blaschke wird einstimmig angenommen. Debattelos wird die Bewilligung einer Subvention von 1600 Mark an den Luisenstädtischen Brüderverein, von 300 Mark an den Religionsverein Oranienburger Vorstadt, von 2000 Mark für die Lipman-Tauß-Synagoge angenommen. Der Religionsverein Steglitz ist um 3000 Mark vorstellig geworden, die Subventionskommission hat 1800 Mark bewilligt, der Gemeindevorstand aber nur 1300 Mark gutgeheißen. Professor Blaschke plaidiert für 1800 Mark; er schildert die Notlage der Neligionsvereine, die naturgeniäß keine Eratsperiode haben und sozusagen von der Hand in Mund leben. Die Prüfung in der Kommission sei eine sehr sorgfältige gewesen. Landgerichtsrat Pleßner beklagt es als einen Uebelstand, daß für die Subventionierungen keine feste Linie innegehalten werde; man sei in der Kommission jetzt im Begriffe, bestimmte Grundsätze für die Subventionen aufzustellen. Vorsteher Jacobh erklärt, daß der Vorstand im Bewußtsein seiner Verantwortlichkeit die Handelsgeschäste bei den Subventionen nicht mitmachen könne; ein Beweis für die Erhöhung um 500 Mark gegen den vom Vorstand genehmigten Betrag sei nicht erbracht. Rechtsanwalt Cohn bezeichnet das Verfahren des Vorstandes als unnobel; die Neligionsvereine nähmen der Gemeinde eine Verpflichtung ab und die Gemeinde habe dafür die Pflicht einer angemessenen Gegenleistung. Werde die Erhöhung nicht bewilligt, so werde im nächsten Jahre der Verein ein erhebliches Defizit ausweisen Geheimrat Blnmenthal gibt des Genaueren die Art der Prüfung in der Subventionskommission an. Er beantragt, die Vorlage an den Vorstand zurückzuverweisen, um letzteren zu überzeugen, daß die Kommission nach Pflicht und Gewissen ihre Entscheidung getroffen hat. Die Versammlung beschließt demgemäß. Eine Zurückverweisung der Vorlage wird auch — aber erfolglos — bei der Subvention an den Religionsverein Beth Zion beantragt. Der Verein ist um 3280 Mark eingekommen, 1700 Mark hat die Subventionskommission, 1500 Mark der Ausschuß I bewilligt; die letztere Summe hat der Vorstand genehmigt. Kommissar Netter, der als Referent in dieser Sache sungiert hat. führt im einzelnen die Gesuche des Vereins vor, welcher im Jahre 1895 mit 400 Mark begonnen hat und trotz gleichen Mitgliederbestandes nun schon bis zur Höhe von 3280 Mark angelangt ist. Auch Herr Man he im er bemängelt, daß die Forderungen der Vereine ins Ungemessene gehen und hält eine Maßnahme hiergegen für dringend erforderlich. Geheimrat Blumenthal bittet, den Repräsentanten die von der Kommission ausgearbeitete tabellarische Uebersicht über die Leistungen der Religionsvereine zugänglich zu machen, welche eine zweckmäßige Grundlage für die Forderungen der Vereine abgeben werde. Die Vertagung wird abgelehnt und 1500 Mark bewilligt. — Für die Mietung des 1050*Personen fassenden Saales Spichernstraße 3 für festgottesdienstliche Veranstaltungen auf ein Jahr werden 3000 Mark bewilligt. Professor Baginsky hält den Mietspreis für sehr hoch. Für den Saal Koppenstraße 29 (Kellers Festsäle) werden 1500 Mark genehmigt, ebenso 823 Mark für die Mietung von Räumen am Schiffbauerdanun zur Aufbewahrung der Utensilien für die festgottesdienstlichen Veranstaltungen. Zur Reparatur des Mosaikpflasters auf dem Friedhofe Schönhauser Allee werden 3442.57 Mark bewilligt. Der Rechnungsabschluß betreffend Speisung von Soldaten am Pessachseste ergibt die Ausgabe von 368 Mark; die Kommission wird dechargiert. An Mazzoth sind am diesjährigen Pessachseste 352 Centner im Betrage von 7826.25 Mark an 8183 Personen verteilt worden. 173,75 Mark konnten gegen das Vorjahr erspart werden, weil die Mazzoth billiger war. Mit der Entsendung des Herrn Netter als Gemeindemitglied in die Kommission für die baulichen Angelegenheiten schließt die öffentliche Sitzung. n. Berlin, 21. Mai. Zu Ehren des Herrn Professor Dr. A. Berliner, des Dozenten für Geschichte am hiesigen Rabbinerseminar, der jüngst seinen 70. Geburtstag begehen konnte, fanden am 14. und 15. d. Mts. verschiedene Veranstaltungen seitens seiner Hörer und Verehrer statt. Anl 14. nachmittags feierte ihn das Seminar in einem an das Minchah-Gebet anschließenden Festgottesdienste. Der Rektor, Dr. Hoffmann, hielt die Festrede, für die Hörer sprach Dr. Galliner. Jener feierte den Gelehrten und Kollegen, dieser insbesondere den Lehrer in dem Jubilar. Am Abend vereinigte ein vom Verein „Dibbuk Chawerim" veranstalteter Festkommers die Festgemeinde in Dräsels Festsäleu. Nach einer Begrüßungsrede des Präsiden Herrn eunä. phil. Winter hielt Dr. Stein die Festrede und überreichte dem Jubilar ein Album sämtlicher früheren und gegenwärtigen Schüler.

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