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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-05-22 · Heft 21 (22.5.1903) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 21 (22.5.1903)
Date
1903-05-22
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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67. Jahrgang. M. 21. Weitage Dev Gemeint ei» sie. «--»». zur „Allgemeinen Zeitung des ZuöenkHums". KornIpondkNHM und Nachrichten. Delitschisnd. n. Berlin, 18. Mai. Im hohen Alter von 81 Jahren verschied nach langen, schweren Leiden Frau Amalie Neumann, geb. Hurwitz, Gattin des allgemein verehrten Sanitätsrats Dr. Neumann. Feine Bildung und hohe Begabung, Edelmut und Zartsinn des Empfindens zeichneten die Verewigte aus. Einer alten und hochberühmlen jüdischen Familie entsprossen, hatte sie die Traditionen ihrer Ahnen tief ins Herz gepflanzt; von tiefinnerlicher Religiosität durchdrungen, bekundete sie für das Judentum, sttr seinen Lehrinhalt und seine Literatur bis in das Greisenalter hinein ein lebhaftes Interesse. Die vielen philanthropischen Bestrebungen ihres Gatten, seine emsige Tätigkeit für die Förderung der Wissenschaft des Judentums fanden in der Heimgegangenen eine verständnisvolle, warmherzige Förderin; ihr gastfreies Haus, das durch die Vornehmheit der Hausfrau eine eigenartige Weihe erhielt, war ein Sammelpunkt für jüdische Philanthropen und jüdische Gelehrte aus allen Ländern. Von der Beliebtheit und Verehrung der Heimgegangenen und ihres Gatten zeugte die Beisetzung heute Mittag 12 Uhr, die ein sehr zahlreiches Publikum aus den besten Kreisen unserer Gemeinde auf dem Friedhof in Weißensee vereinigte. Herr Rabbiner Dr. Ungerleider hielt die Grabrede. Das Andenken der Verewigten bleibt zum Segen. Den schwergebeugten Hinterbliebenen möge Gott seinen Trost spenden, insbesondere dem greisen Gatten Kraft und Ausrichtung verleihen, aus daß er noch lange erhalten bleibe zum Segen der zahlreichen Institutionen, die er leitet und fördert. ----- Berlin, 19. Mai. Die Bibliothek der jüdischen Gemeinde, Oranienburgerstraße 60/63, ist von jetzt an geöffnet: wochentäglich von 11 bis 2 Uhr, ferner Montag, Dienstag, Mittwoch von 6 bis 9 Uhr. Zu denselben Stunden werden auch Bücher verliehen. Damit sind wohl alle Uebelstände beseitigt, die sich einer fleißigen Benutzung dieser immer mehr sich vergrößernden Bibliothek seitens unserer Gemeindemitglieder bisher entgegengestellt haben. £2 Berlin, 15. Mai. Am 5. Mai feierte der Verein jüdischer Studenten zu Berlin seine Semester-Antrittskneipe. Cand. med. Leo Cohn eröffnete mit einem Salamander auf Seine Majestät, den Deutschen Kaiser, die Kneipe und begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste. Als das Farbenlied verklungen war, entwickelte Bor. Witkowski in begeisterter Rede die Tendenzen des Vereins, schilderte die Arbeit im Innern, das Wirken nach außen und betonte, daß alle jüdischen Studenten willkommen wären, sofern sie etwas für das Judentum übrig hätten. Redner schloß mit einem Salamander aus die Gäste. Zeugnis für die Sympathien, die der Verein in weitesten Kreisen genießt, und die freundlichen Beziehungen, die er zu andern jüdischen Verbindungen unterhält, gibt die stattliche Korona der Gäste, insbesondere die Vertreter verschiedener Korporationen, so der freien Verbindung Hasmouäa und des Vereins Dibuk Chawerim. Nachdem diese sowie einige andere Herren ihre Sympathien für den Verein in Ansprachen fundgegeben hatten, hielt eine fröhliche Fidulität alle Anwesenden noch lange zusammen. — Zu Chargierten für das Sommersemester 1903 wurden im Verein jüdischer Studenten Berlins gewählt: eand. med. Leo Cohn x, stud. im*. Richard Witkowski XX, stud. med. Sam. Weiß xxx. ----- Berlin, 12. Mai. Der aus einem längst empfundenen sozialen Bedürfnisse hervorgegaugene, von Fräulein Pauline Münchhausen angeregte humanitäre Verein Israelitisches Lehrerinnenheim hat seit der Zeit seiner Begründung vor drei Jahren, einen bewundernswert raschen Aufschwung und Erfolg gezeitigt. Der edle Zweck desselben, unseren würdigen, alleinstehenden Lehrerinnen aus allen Orten des deutschen Vaterlandes, die in langjähriger Privattätigkeit. im erschwerten Existenzkampf gealtert und berufsmüde geworden sind, an Stelle der nicht erreichten staatlichen Versorgung, ein gemächliches, sorgenfreies Altersheim zu schaffen, hat einen eindringlichen Appell bei allen Menschenfreunden erweckt und überall freudigen Widerhall gefunden. Den begeisterten Anklang aber hat er unter den Lehrerinnen selbst hervorgerufen, beneit sich für das mit Sorgen bedrohte Alter eine freundliche Aussicht eröffnete. Durch edler Stifter und Gönnerinnen, sowie durch Beiträge der Mitglieder, hauptsächlich aber durch Schenkungen großen Stils ist am 29. März d. I. ein ueuerbautes eigenes Heim in Gr. Lichterfelde W, Karlstraße 112 a feierlichst eröffnet und seiner Bestimmung übergeben worden. Zwölf Lehrerinnen aus verschiedenen Städten haben bereit? in dem komfortabelen, der Neuzeit entsprechenden villenartigen, zweistöckigen Hause gegen eine geringe, einmalige Einzahlung, Aufnahme und Verpflegung für ihre Lebensdauer gefunden. Das schöne Heim, in gesunder Lage, mit prächtigem Garten, behaglich eingerichteten Zimmern, gemeinsamem Speisesal und Gesellschaftszimmer, Veranden, sowie die vorzügliche wirtschaftliche Fürsorge darin, wird den Bewohnerinnen gewiß zum Segen gereichen. Auch ein „Erholungsheim" zu mehrwöchigem, vorübergehendem Aufenthalt für noch im Berufe stehende, rekonvaleszente Lehrerinnen, welche nachher mit frischen Kräften, neugestärkt wieder zu ihrem Wirken zurückkehren, ist in dankenswerter Berücksichtigung dem Heim angereiht. Somit begrüßen wir diese neue Errungenschaft als einen verstärkten Beweis jüdischen, gebefreudigen und hilfsbereiten Schaffens! Den idealen, weiteren Bestrebungen des Vereins aber ist zu wünschen, daß sich allerorts in unseren Gemeinden viele Gönner, hauptsächlich die gesamte Lehrerschaft und alle Lehrerinnen dem Berliner Verein als Mitglieder anschließen, um die Mittel verstärken zu helfen, den immer zahlreicheren Aspirantinnen aus allen Gegenden Deutschlands die Segnung der Altersversorgung im Heim zugänglich zu machen. Gesuche um Aufnahme, Anfragen rc. sind zu richten an den Vorstand: Herrn Sanitätsrat Dr. Wiesenthal, Linkstraße 3, Fräulein P. Münchhausen, Friedrich Wilhelmstraße 17. Frau Direktor May. Wilhelmstraße 133. ----- Mederschönhausen, 10. Mai. Unser Ort, einer der besten und gesündesten nördlichen Vororte Berlins, hat in dem „Israelitischen Erziehungsheim für geistig und sittlich schwachsinnige Kinder besserer Stände einen Zuwachs erhalten, der wohl auch zur Hebung unserer Villenkolonie beitragen wird. Das Institut ist von Herrn Direktor Rosenbaum, einem bewährten Pädagogen, gegründet worden und befindet sich in der Uhlandstraße 51. Es ist das erste und einzige jüdische Institut auf dem Gebiete der Heilpädagogik und ist zu erwarten, daß es regen Zuspruch haben wird. Die nerven - ärztliche Leitung liegt in den Händen des Herrn Dr. Mendel. Das Erziehungsheim ist am Schönhansener Walde gelegen und hat außer Zier- und Gemüfegärten einen schönen Turn- und Spielplatz, so daß die Pfleglinge reichlich Gelegenheit haben, sich körperlich zu kräftigen Die Besichtigung des Erziehungsheimist gestattet. — Lande«? (Westpr.), 1. Mai. In unserem kleinen Orte wohnt eine arme, aus drei taubstummen Geschwistern bestehende jüdische Familie. Dieselben sind in den achtziger Jahren, gänzlich verarmt und können von der kleinen hiesigen jüdischen Gemeinde, die auch nur aus ärmeren Mitgliedern besteht, nur ganz wenig unterstützt werden. Die Stadtverwaltung gewährt ihnen im christlichen Armenhause eine Stube. Der eine der drei Geschwister hat die andern beiden bisher noch durch Hausieren mit Lumpen notdürftig ernährt, ist aber jetzt nicht mehr im stände, etwas zu verdienen. Wir erlauben uns daher für diese Armen an das Wohlwollen unserer Glaubensgenossen zu appellieren, um dieselben vor großer Not zu bewahren. Es ist dies ein wirkliches Werk der Barncherzigkeit und Menschenliebe. Es dürste wohl vereinzelt dastehen, daß drei taubstumme Geschwister in solchem Alter sich noch ernähren müssen. Zur Empfangnahme von Gaben ist Herr Julius Falck, Vorsteher der jüdischen Gemeinde, Hierselbst bereit. (Wir empfehlen diesen Aufruf unfern Lesern auf das Wärmste! Die Red.) K. Joharrnisbttrg, 10. Mai. Unser erster Vorsteher Herr Nathan Lublinski feierte seinen 70. Geburtstag. Herr Lublinski. der seit 36 Jahren dieses Ehrenamt mit seltener Treue und Energie verwaltet,

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