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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-05-22 · Heft 21 (22.5.1903) · p. Seite 244

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 21 (22.5.1903)
Date
1903-05-22
Page
Seite 244 (sequence 6)
Language
German
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244 nannt, und wußte nichts besseres zu tun, als seine ehemaligen Glaubensgenossen blutig zu verfolgen. Dr. Kohn verfolgt sie auch, wenn auch nicht blutig, aber nach der Sitte der Zeit mit papiernen Dolchen, d. h. in seiner „Olmützer Zeitung". Judenfreundlich ist dieser Hohepriester der Religion der Liebe nicht. Dafür hat er dem Judentum mehr geschadet, als er ihm jemals hätte nützen können. Man höre, was der alldeutsche Schreier Eisenkolb in unserem vom wütendsten Antisemitismus durchseuchten Parlament ausruft: „Dieser Kohn zeigt alle Rasseneigentümlichkeiten des Judentums!" Er hatte diese Worte noch nicht ausgesprochen und die ganze antisemitische Meute heulte ihm Beifall zu. Eisenkolb hat gesprochen, und was dieser Menschheitsretter sagt, muß wahr sein. Nun frage man gefälligst nach, ob ein jüdischer Grundbesitzer seine Leute so behandelt, wie der Fürst Schwarzenberg zum Beispiel, der den armen Leuten wahre Hnngerlöhne bezahlt. Wir können jüdische Fabrikanten aufzählen, die für ihre Arbeiter Wohlfahrtseinrichtungen getroffen haben, wie kaum der Staat für seine Diener. Das ist auch jüdische Raffeneigentümlichkeit, ihr alldeutschen Judentöter! Man fürchtet auf katholischer Seite, Dr. Kohu werde dem Katholizismus oder, was wohl mit diesem gleichbedeutend ist, dem Klerikalismus, schaden. Die Herren können ruhig sein. Dieser von den höchsten Gewalten im Staate geschätzten Macht wird nicht ein Härchen gekrümmt werden, aber das Judentum kann sich bei dem Erzbischof von Olmütz bedanken, denn er hat wieder Anlaß gegeben, um gegen uns loszufahren, und dies geschieht nun in der sattsam bekannten Weise. Angenommen, der Herr Erzbischof wäre wirklich human gegen seine Untergebenen vorgegangen, hätte man da auch davon gesprochen, daß es jüdische Rasseneigentümlichkeit ist, sich der Armen zu erbarmen, wohltätig zu fein und Menschlichkeit zu üben? Wir wagen es zu behaupten, daß keiner von den Genossen Eisenkolbs in einem Jahre soviel Arme unterstützt, wie mancher weniger begüterte Jude oft in einem Monat oder in einer Woche. Wegen Schönerer hat ein seinem Gute benachbarter Pfarrer einen Selbstmord verübt, und was soll ich von Wolf sagen oder dem wohlbekannten Herzog? Kommt bei diesen Herren auch die Rasseneigentümlichkeit zum Durchbruch? Wir kennen diesen Erzbischof Kohn schon längere Zeit, wir kannten ihn, als er noch gewöhnlicher Professor an der theologischen Fakultät in Olmütz war. Damals war der Mann mit den rosigen Wangen, der immer in der Soutane ging, der Sekretär seines Vorgängers, des Fürsten Fürstenberg. Er war seine rechte Hand und sein steter Begleiter. Bescheiden und einfach lebte er. — wie ein Bauernsohn. Fürstenberg war ein Kavalier, d. h. er ließ seine Beamten tun, was sie wollten. Einige von ihnen starben als reiche Leute, trotzdem sie geringe Gehalte bezogen hatten. Da wurde, zum Erstaunen der Welt, nach dem Tode Fürstenbergs, Dr. Kohn von den Domherren zu dessen Nachfolger gewählt. Wie dies gekommen? Man geht wohl nicht fehl, wenn man annimmt, es sei eine Art Vergeltung gewesen, welche an den hohen Herren geübt wurde, die da vermeinten, die Millioneneinkünfte des Olmützer Erzbistums gehören den verschuldeten Angehörigen ihres Standes. — Als Kohn Erzbischof geworden war, ging er daran, den Augiasstall zu säubern. Er schaute den Herren Beamten genau auf die Finger, verlangte strenge Pflichterfüllung von Seiten der Weltlichen und Geistlichen, und das behagte den Herrschaften nicht. Den Tschechen war er zu wenig tschechisch, den Deutschen der tschechische Bauernsohn und Judenstämmling, während er in Wirklichkeit ein ausgewachsener Antisemit ist. Nun wurde er verbittert gegen alle Parteien und begann über die Schnur zu haueu. Was Wunder, daß sich die Wut aller gegen ihn richtete. Die Tschechen nannten ihn Verräter an ihrer Nation. Sie griffen ihn in ihren Blättern in maßloser Weise an. Die Deutschen schimpften über den schäbigen Juden, und die Herren Kavaliere hatten eine Riesenfreude, denn der Beweis war geliefert, die Millionen, die Güter, die Schlösser und Gärten des Olmützer Erzbistums gebürten nur Einem der Ihrigen. So spricht man jetzt davon, ein Prinz Hohenlohe, Probst an der Maurizkirche zu Kremsier, harre schon darauf, das reiche Erbe anzutreten, das vor zehn Jahren dem verschuldeten Domherrn Grafen Potulickh durch den Bauernsohn Kohn aus Bresnitz, Bezirk Hradisch in Mähren, weggeschnappt wurde. Hier haben Sie die Geheimnisse des Olmützer Erzbistums, hier die Gründe der Hetze, die nun gegen Dr. Kohn veranstaltet wird, und bei der die Herren Alldeutschen zu Gevatter stehen. Diese Weisen, sie wissen wirklich nicht, was sie tun; sie holen den Herren Kavalieren die Kastanien aus dem Feuer. Und warum dies alles? Weil der Erzbischof unglücklicherweise Kohn heißt, ein größeres Malheur hätte ihn nicht passieren können. Salomo Halewi nannte sich Paulus Burgensis, Josua Halorki, Leibarzt des Papstes Benedikt XIII. Hieronymus de Santa Fö, der Fürstbischof von Görz heißt wenigstens Kahn — warum wurde aus dem Saulus Kohn nicht irgend ein Paulus? Ju einer Zeit, in der in Rußland die Juden totgeschlagen werden, ein Delitzsch den Monotheismus der Bibel zu einem Babels macht, Paul Heysi > höhnisch einen betrunkenen Hohepriesterssohn Verse von Propheten citieren läßt, Eisenkolb von jüdischen Rasseneigentümj lichkeiten faselt und die „liberalen" Zeitungeil spaltenlange Artikel über jede Bewegung des Papstes bringen, darf ein! Erzbischof voll Olmütz nicht Kohn heißen. Er mag viel an dem Gewissen haben, aber das ist sein größtes Verbrechen Briete aus Äem Orient. Im Mai IW , Tn der letzten Zeit haben vorwiegend die Juden von Adrianopel und Saloniki das öffentliche Interesse durch I aus eigener Initiative geschaffene Werke der Wohlfahlt in höherem Grade in Anspruch genoinmen als die Jude»! Konstantinopels. Im Jahre 1898 kam der Direktor der Schule der Titian«! Israelit«; in Adrianopel auf den glücklichen Gedanken, ei >I jüdisches Arbeitershndikat zu errichten. Das in bescheidenem! Umfange eingerichtete Institut hat sich dank der Tatkra t seines Schöpfers aufs beste entwickelt, darf auf die Bedeutung eines wirtschaftlichen Faktors Anspruch erheben und zähl heute bereits an 200 Mitglieder. Das Syndikat hatte anfangs als Aufgabe eine gegenseitige Kreditgabe unter den Gesellschaftern, alsdann kam eine Darlehnskaffe hinzu und endlich! wurde eine Krankenkasse ins Leben gerufen, aus welcher jed Mitglied für den Einheitspreis von vier Sous die verschieden! artigsten Medikamente beziehen kann. Eine weitere Ausdeh-I nung erfuhr das Werk durch die Errichtung einer Genossenschaft, die ihren Mitgliedern sämtliche Lebensmittel zu mäßige:»! Preise liefert. Augenblicklich steht man im Begriff, daran eine! eigene Bäckerei anzugliedern, wodurch sich natürlich der Preis! für die Waren wesentlich billiger stellen wird als bei de»! anderen Bäckereien der Stadt. Auch für die geistige und! sittliche Förderung seiner Mitglieder trägt der Verein in best" Weise Sorge. Drei- oder viermal im Monat werden Vorn lesungen über Gesundheitslehre, Geschichte und andere Wissens I zweige gehalten, ganz abgesehen von den Abendkursen stnl Arbeiter. Mr. Loupo will sich aber mit dem bisher Geschaffene»! noch nicht begnügen, sondern Plant, in der Umgebung! Adric arbei nopel ein > führ» geste! umso die der sich entfa wir - natei völke dem in d hat - Hani finde Grui iverk bitte gern allgc ausl und schlu Besc! hätt Geld anzr genn ich i gewi hier seit Esel Wo» Sä NI seine wert türki Sprl

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