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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-05-15 · Heft 20 (15.5.1903) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 20 (15.5.1903)
Date
1903-05-15
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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zu lindern. Der Hilssverein hat einstweilen aus seinen Mitteln 10000 Mark nach Kischinew geschickt. Einen Aufruf für Kischinew erläßt auch das hiesige Lokalkomitee der ^llianeo I8raä1it6 universvlls. Von der Alliance sind bereis über 40 000 Franks nach Kischinew geschickt worden. Möge angesichts dieser entsetzlichen Katastrophe allerorten das jüdische Herz sich regen! 22 Berlin, 10. Mai. Vor kurzem ist Nummer 15 der Mitteilungen des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin" erschienen. Von besonderem Interesse ist der einleitende Artikel, der einen Rückblick aus die Tätigkeit der Liberalen und der sogenannten Konservativen während ihrer Amtsperiode enthält. Es wird darin gezeigt, daß die Liberalen in den drei Jahren, wo sie die Majorität bildeten, zwei Rabbinereinen orthodoxen und liberalen, ferner einen Prediger gewählt, die sechste Religionsschule eingerichtet und eine andere übernommen, einen Iugendgottesdienst veranstaltet, den Plan zur Errichtung einer neuen Synagoge und den Bau einer dritten Alterversorguugsanstalt in die Wege geleitet. Außerdem haben sie dafür gesorgt, daß jüdische Schülerinnen nicht gezwungen werden, am christlichen Religionsunterricht teilzunehmen; sie haben ein neues Statut für das Krankenhaus ausgearbeitet und — was wir ihnen als besonderes Verdienst allrechnen — eine Gemeindebibliothek eingerichtet. Das sind große Verdienste und positive Leistungen. Was haben die Orthodoxen dagegen getan? Nichts als Zänkereien und kleinliche Debatten über nichtige Dinge. Es wäre zu wünscheil, daß der Tenor dieses Rückblicks an alle Gemeindemitglieder verschickt würde. Außerdem enthält die Nummer noch einen lesellswerten Aufsatz über Freisinn, Orthodoxie und Radikalismus. 8. Berlin, 11. Mai. In der neu gebildeten Südwestgruppe des (5e ntra l - V er e ins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hielt heute Herr Professor Dr. Martin Philippson vor einem sehr zahlreich versammelten Auditorium einen äußerst interessanten und lehrreichen Vortrag über „die Juden im heutigen Deutschland." Von den traurigen Folgen des Judengesetzes von 1847 ausgehend, schilderte der Redner in scharfen Umrissen die gegenwärtige Lage der deutschen Judenheit, die außerdem noch durch das Auftreten des Antisemitismus eine sehr ernste geworden sei. Es fehle an Kraft und Mut, an Einigkeit und energischer Zusammenfassung der vorhandenen Kräfte und Mittel. Nur dadurch konnte es gelingen, die Juden zum größten Teile von allen öffentlichen Berufen auszuschließen, und zwar nicht nur in Preußen, sondern fast nn ganzen Deutschland. Aber gerade dieser den Juden aufgezwungene Kampf nach außen muß diese anspornen, sich innerhalb ihrer Gemeinschaft zu einträchtigem Wirken zusammenzufinden, alle Schäden, die ihnen anhaften, zu beseitigen und dem materialistischen Treiben der Zeit gegenüber ihre uralte idealistische Lebensanschauung wieder zu betätigen. Der Redner ging sodann zu den religiösen Strömungen innerhalb des deutschen Judentums über. Er besprach die Reform, die Orthodoxie und auch den Zionismus nach ihrer Existenzberechtigung, nach ihren Aufgaben und Zielen innerhalb der Gesamtheit. Mit scharfen Worten geißelte der Vortragende den Jndifferentismus und vor allem den Abfall, gleichviel ob dieser aus mißverstandenen Motiven, aus Gleichgültigkeit oder gar aus materiellen Gründen erfolge. Die Darlegungen des Redners waren streng sachlich und von wohltuender Objektivität. Sie fanden deshalb auch allgemeinen und lebhaften Beifall. Dem Vortrage ging die Begrüßungsansprache des Vorsitzenden voraus, einige geschäftliche Mitteilungen folgten demselben. Ohne Zweifel wird auch diese neugebildete Gruppe dem so segensreich wirkenden Verein neue Mitglieder und neue Mittel zuführen. I'. Berlin, 10. Mai. Frau Justizrat Anna Apolant hat zur Erinnerung an ihren verstorbenen Schwiegervater, Herrn Prediger und Religionsschulleiter Dr. Samuel Apolant, und an ihren gleichj falls verstorbenen Gatten, Herrn Justizrat Dr. Eugen Apolant, mit einem Kapital von 10000 Mark eine Samuel und Eugen Apolant- Stiftung mit der Bestimmung begründet, daß jüdischen Lehrern der Beitritt zur Verbandspensionskasse durch Gewährung von Zuschüssen zu den Beiträgen erleichtert werden solle. Gesuche um Gewährung von Zuschüssen sind unter Nachweis der besonderen Bedürftigkeit alljährlich bis zum 1. Juni bezw. 1. Dezember an den Vorsitzenden der Kasse, Herrn Lehrer M. H a n s f, Berlin iX W. Lessingstraße 26, zu richten. Königsberg, 11. Mai. Am 20. und 21. d. M. findet in Königsberg (Epsteins Hotel, Kaiserstraße) die Jahresversammlung > der jüdischen Religionslehrer Ostpreußens statt. Die Tagesordnung lautet: Mittwoch, den 20. Mai, abends 7 Uhr. Generalversammlung (nur für die Mitglieder). 1. Jahresbericht über die Tätigkeit des Vereins, erstattet vom Vorsitzenden Sturmann-Osterode. 2. Kassenbericht, erstattet vom Kassierer Karo-Allenstein. 3. Wahl des Vorstandes. 4. Ueber „Kassenpropaganda", Peritz-Königsberg. 5. Freie Besprechung über Vereinsangelegenheiten auf Anregung aus der Versammlung. Donnerstag, den 21. Mai. vormittags 9 Uhr. Oeffentliehe Versammlung. 1. Begrüßung und Gebet. 2. Vortrag: „Der Uebergang von der biblischen zur jüdischen Geschichte. Referent: Rabbiner Dr. Olitzki-Allenstein. 3. Vortrag: Welche Gebiete aus der nachbiblischen Geschichte sind für die verschiedenen Schulsysteme vornehmlich auszuwählen? Referent: Guttmann-Königsberg. 4. Lehr- Probe: „Das goldene Kalb", gehalten von Bergmann - Wormditt. 5. Der neue Lehrplan für die jüdischen Religionsschulen Ostpreußens, besprochen von Rabbiner Dr. Vogelstein-Königsberg. 6. Der Normalkontrakt für die jüdischen Religionslehrer und Kultusbeamten in Ostpreußen; besprochen voll Peritz-Königsberg. 7. Ueber die Schulinspektion in Ostpreußen. Referent: Sturmann-Osterode. 51. Hildesheim, 11. Mai. Am 28. v. M. feierte das Rentier Wolf Güdemannsche Ehepaar Hierselbst in voller körperlicher und geistiger Frische im Kreise seiner Kinder, Enkel, Verwandten und Freunde das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Aus diesem Anlaß hat das Jubelpaar, getreu feiner allezeit bewährten aufrichtigen religiösen Gesinnung, der hiesigen Synagoge eine Thorarolle mit kostbarem Mäntelchen und wertvollem silbernem Gehänge gestiftet und eine Jahrzeitstiftung für einen vor langen Jahren verstorbenen Sohn begründet. — Der hier wohnende Sohn des Jubelpaares, Herr Moritz Güdemanll, erfüllt von demselben echt jüdischen Geiste wie seine Eltern, bezeugte seine Ehrerbietung und Dankbarkeit gegen diese dadurch, daß er zwei prachtvolle silberne Leuchter für das Gotteshaus spendete. Auch der Bruder des Jubilars, Herr Oberrabbiner Dr. Moritz Güdemann in Wien, der mit Gattin und Kindern der Feier beiwohnte, überreichte der Gemeinde zum ewigen Andenken an diese Jubelfeier eine sehr schön gearbeitete und wertvolle Habdalah-Büchse zum Gebrauche in der Synagoge. — Die freudige Anteilnahme an dem seltenen Familienfeste war eine allgemeine und wurden dem Jubelpaare von allen Seiten Beweise ehrender Anerkennung in der mannigfachsten Form dargebracht. Vorstandsseitig erschienen die beiden Vorsteher, Herr Gustav Sabel und Herr Rechtsanwalt Oppenheimer, und überbrachten die Glückwünsche der Gemeinde. Herr Landrabbiner Dr. Lewinsky überreichte mit einer ergreifenden Ansprache die dem Jubelpaar vom Kaiser verliehene Ehejubiläumsmedaille. Ein Gastmahl in KnaupsLogensaal, gewürzt durch ernste und heitere Trinksprüche, verschönert durch passende Vorträge der Enkelschar und Verwandten, beschloß die allen Teilnehmern in steter Erinnerung bleibende schöne Familienfeier. — Die Einweihung der neuen Thorarolle fand am darauffolgenden Sabbat statt. Dr. Lewinsky nahm im Anschluß au seine Predigt, der die Worte: „Und ihr sollt darbringen eine neue Gabe dem Ewigen" zu Grunde gelegt waren, Veranlassung, die hohe Bedeutung der Gotteslehre in beherzigenswerter Weise darzulegeu. Möge dem wackeren Ehepaar noch ein recht langer ungetrübter Lebensabend beschieden sein! v. Nürnberg, 10. Mai. Nachdem bis zum Jahre 1880 in Nürnberg die Privatkrankenpflege nur durch zumeist ungeschulte Kräfte ausgeübt wurde und dadurch unhaltbare Zustände sich allmählich eingestellt hatten, entstand in diesem Jahre der Verein für Krankenpflege durch Neuendettelsauer Schwestern, der der stetig wachsenden Bevölkerung jetzt etwa 20 Schwestern für die private Krankenpflege zur Verfügung stellt. Ihm gesellte sich alsbald der Martha. Marie- und der Verein für Krankenpflege durch die Niederbronner Schwestern hinzu, so daß insgesamt nunmehr gegen 60 Schwestern in Krankheitsfällen zu helfen bereit sind. So erfreulich groß diese Zahl an und für sich ist, so ist die Schwesternzahl doch sür eine Industriestadt von 270,000 Einwohnern schon in normalen Zeiten nicht groß genug und muß in Zeiten ernster Epidemien vollständig versagen. Es entsprach deshalb gewiß einerseits einem wirklichen Bedürfnisse und war anderseits unstreitig ein glücklicher Gedanke, daß auch die Nürnberger Israeliten auf diesem bislang noch wenig kultivierten Gebiete der Wohltätigkeit, auf dem Gebiete der Krankenpflege, aktiv vorgingen und auf Anregung des israelitischen Wohltätigkeitsvereins im Jahre 1899 einen Verein sür jüdische Kranken-

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