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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-05-08 · Heft 19 (8.5.1903) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 19 (8.5.1903)
Date
1903-05-08
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 kräftigst zu unterstützen. Die eigentliche Tagesordnung fand schnelle Erledigung. Der Kassenverwaltung wird auf Antrag der Revisoren einstimmig Decharge erteilt, und ebenfalls einstimmig erfolgt die Wiederwahl der Revisoren Julius Cohn und Emanuel Appel, und die Genehmigung des Voranschlags des Etats mit 27000 Mark für 1903—1904. Dem Anträge des Kuratoriums zufolge wird Herr Joses Frankel anläßlich seines kürzlich stattgesundenen fünfundsiebzigsten Geburtstages und in Anbetracht seiner großen Verdienste um die Gründung und Entwickelung des Lehrlingsheims zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt. Das Kuratorium des Vereins „Lehrlingsheim Pankow" besteht aus den Herren Kommerzienrat I. Löwe, Josef Frankel, Rechtsanwalt Kraft, Direktor Dr. Strelitz, Julius Bodenstein, Dr. I. Ginsberg, Rudolf Mosse, Direktor Dr. Jutrosinski, Regierungsrat Dr. Magnus, M. D. Feilchenfeld, Maurermeister M. Adler. — Breslau, 1. Mai. Nachdem sich die Notwendigkeit eines Neubaues des alten israelitischen Krankenhauses in der Antonienstraße ergeben hatte, wurde im Herbst 1898 ein öffentlicher Wettbewerb für die gesamte Anlage aus dem gewählten Terrain an der Hohenzollernstraße ausgeschrieben. Von den eingegangenen 40 Entwürfen durfte derjenige des Regierungsbaumeisters a. D. Herold in Berlin den ersten Rang beanspruchen. Der Vorstand übertrug ihm daher die fernere Bearbeitung des Bauprojektes unter Mitwirkung des königlichen Baurats Schmieden in Berlin. Die Vorarbeiten wurden so gefördert, daß im März 1901 mit dem Bau begonnen werden konnte und der Rohbau schon im Dezember desselben Jahres fertiggestellt war. Der innere Ausbau und die Einrichtung nahmen noch ein weiteres Jahr in Anspruch. Am 27. v. M. fand nun die feierliche Einweihung des in seiner ganzen Größe und praktischen Organisation sich darbietenden Krankenhauses statt. Der eigentliche Festaktus spielte sich in dem Synagogenraum des Krankenhauses vor einem geladenen Publikum ab. Der Einladung des Vorstandes der israelitischen Krankenverpflegungsanstalt hatten unter anderem der Erbprinz von Sachsen- Meiningen, Oberpräsident Fürst Hatzfeldt-Trachenberg mit Gemahlin, Regierungspräsident von Holwede, Stadtkommandant, Generalleutnant v. Trotha, Polizeipräsident Dr. Bienko, Oberbürgermeister Dr. Bender, Stadtverordnetenvorsteher Geheimer Rat Dr. Freund, sowie Vertreter von Kunst und Wissenschaft, der Presse und des Rabbinatskollegiums Folge geleistet. Als Vertreter der Berliner Synagogengemeinde war Herr Louis Sachs erschienen. Nach einem einleitenden Chorgesang hielt der Vorsitzende des Kuratoriums der Anstalt, Herr Eduard Sachs, eine Ansprache, in der er den Anwesenden für ihr Erscheinen dankte und in der er, Rückschau haltend, ein anschauliches Bild des Entstehens und Werdeganges der Anstalt gab. In tiefempfundenen Worten dankte Herr Sachs den staatlichen und städtischen Behörden, den Architekten, den Aerzten, dem Gartenbaudirektor Richter, den opferwilligen Geldspendern und allen sonstigen Förderern, welche die Durchführung und Verwirklichung des Planes zum Bau des groß angelegten Krankenhauses unterstützten. Seine Rede klang in ein Hoch auf den Kaiser aus. An diese Rede schloß sich ein Rundgang durch sämtliche Räume des Krankenhauses. Das Institut ist nach modernsten, wissenschaftlichen Grundsätzen gebaut und eingerichtet. Besonders ins Auge fällt der hygienische Komfort, mit dem die Operatioussäle, Krankenzimmer, Baderäume und überhaupt sämtliche zu der Anstalt gehörige Räumlichkeiten ausgestattet sind. Besonders betont sei. daß nach Errichtung dieses Neubaues das Statut der israelitischen Krankenhausverpflegungsanstalt dahin erweitert worden ist, daß Kranke ohne Unterschied der Konfession in dem Krankenhause Ausnahme finden. Am folgenden Tage fand die feierliche Einweihung der Synagoge des Krankenhauses statt, bei welcher Gelegenheit Dr. Guttmann eine vortreffliche Rede hielt. ----- Hannover, 3. Mai. Aus Einladung der beiden hiesigen Mitglieder des Centralkomitees, der Herren Senator Leopold Fischer, Vorsitzenden des Vorstandes unserer Synagogengemeinde, und Emil L. Meyer, denen sich nahezu 120 Notabilitäten aus Stadt und Provinz Hannover angeschlossen hatten, fand am 22. v. M. hier eine große Versammlung statt, deren Zweck die Begründung einer Provinzial- und Lokal-Organisation des „Hilfsvereins der deutschen Juden" bildete. Nachdem Herr Senator Fischer die Erschienenen begrüßt und in großen Zügen den Grund der Zusammenkunft dargeregt hatte, ergriff Herr Justizrat Cassel-Berlin das Wort, um in wirksamer Rede den Jammer der Verhältnisse, unter denen unsere Glaubensgenossen in den Ländern des Ostens leben, u schildern, unter Hinweis auf die Größe der Aufgaben, welche darar s für die gesamte Judenheit erwachsen, die Existenz-Notwendigkeit d s „Hilfsvereins" darzutun und dann über die Mittel und Wege sich z r verbreiten, welche zur Verwirklichung seiner hehren Ziele in Aussü t genommen sind. Sodann entwarf Herr Siegmund Bergel-Berlin e u Bild der vielseitigen, fruchtbaren Tätigkeit des „Hilfsvereins" ui Galizien und der von dem Redner angeregten Vorarbeiten, welc e derselben vorangegangen seien. In tiefer Ergriffenheit lauschten d e Hörer. Dann nahm Herr Dr. Hirsch Hildesheimer-Berlin das Won, um zunächst dem durch nichts begründeten Vorurteil entgegenzutrete i. daß der „Hilfsverein" die Wirksamkeit der ^ilianes Israelite llr, verseile beeinträchtige, während er dieselbe doch ergänze und > weitere, indem er neuen, ihm räumlich näher liegenden Aufgaben s h zuwendend und an den alten mithelfend, in edlem Wetteifer d e wirtschaftliche und geistige Hebung der Brüder in den Ostlände r herbeiführt. In der angeregten Diskussion gab zunächst Justizr t Dr. Berend seiner vollen Uebereinftimmung mit den Vorrednern ur d der sicheren Ueberzeugung Ausdruck, daß die Synagogengemeiu e Hannover einmütig dem„Hilfsverein" sich anschließen werde. Landrabbin r Dr. Lewinsky-Hildesheim versicherte Namens seiner eigenen Gemeind und derer der Provinz, daß sie mit freudiger Bereitwilligkeit dem edbu Werke ihre Förderung widmen würden. Rabbiner Dr. Jaco- Göttingen schloß sich dieser Erklärung an. Referendar Dr. Groneman, Vorsitzender der hiesigen zionistischen Ortsgruppe, versicherte, daß du auch die Anschauung aller seiner Gesinnungsgenossen sei, welche i der Tätigkeit des „Hilfsverein" eine wirksame Vorarbeit für die End ziele des Zionismus erblicken. Nachdem sodann die Konstituierung de Lokal- und Provinzial-Organisation durch einstimmigen Beschluß gu! geheißen war, wurden die provisorischen Stadt- und Provin Vorstände mit dem Rechte der Kooptation gewählt. Das Hiesite Komitee bilden die Herren Justizrat Berend, Dr. Bergmann, Lom - Blumenthal, Dr. Katzenstein, Senator Leop. Fischer, Leop. Gompen, Landgerichtsrat Hammerschlag, Bankdirektor Jsenstein, Svminardirekt^ Dr. Knoller, Emil L. Meyer und Rechtsanwalt Dr. Wolfes. Zu Migliedern des Provinzialkomitees wurden, vorbehaltlich weitere Ergänzung, ernannt: die Herren Landrabbiner Dr. Löb-Emden, Landrabbiner Dr. Lewinsky, Rechtsanwalt Oppenheim und Herm. Hes Hildesheim, Rabbiner Dr. Jacob-Göttingen, Markus Heinemam Lüneburg und Boas-Bremerhaven. Vertreten waren 14 Gemeindender Provinz; ihre briefliche Zustimmung haben sechs erteilt. t. München, 4. Mai. Am28. v. M. hatte Rabbiner Dr. Werne. die Ehre in der Münchener Orientalischen Gesellschaft einen eii einhalbstündigen Vortrag über Mohammed und das Judentum vc dem Prinzen Ludwig von Bayern und einer zahlreichen und ansehr lichen Versammlung zu halten. Der Vorsitzende, der kaiserliche Unte staatssekretär und Universitätsprofessor Dr. von Mayr dankte der; unter reichem Beifall schließenden Redner, indem er sagte, daß dc Redner geistvoll, begeistert und begeisternd mit einem seltenen Sprach schätz und seltener Sprachkunst gesprochen habe. Nach einer längere: und bewegten Diskussion zog alsdann Prinz Ludwig den Redner des Abends in eine mehr als eiustündige Unterhaltung, wobei ih - derselbe seine Anerkennung für den gehörten Vortrag ausdrückte. Oesterreich-Ungarn. LI Wien, 4. Mai. Bei uns ist von einer Wendung zum besser vorläufig noch nichts zu merken, so lange u. a. aus bloße falsche Ar gaben hin das schönste Blutmärchen erfunden — und geglaubt wird wie dies jetzt wieder einmal in Humpoletz (Böhmen) geschehen ist Am 25. v. M. kam zum dortigen Kantor eine Gerichtskommissior bestehend aus dem Untersuchungsrichter, Bürgermeister und Reichsrat abgeordneten Beczvar, dem Gendarmeriewachtmeister u. s. w., um eir Hausdurchsuchung vorzunehmen. Die vierzehnjährige Tochter d s Vorstehers in Bystra bei Humpoletz hatte die Anzeige erstattet, dci; sie dieser Tage, als sie bei P. Tauben zum Verkauf anbot, einchristlichen Knaben hängen sah und außerdem drei bärtige Jude welche sich mit dem Knaben zu schaffen machten. Es wurde nun eis e gründliche Hausdurchsuchung vorgenommen, ohne daß etwas Be dächtiges vorgefunden wurde. Herr P. klärte aber die Kommissü'i auf. Er hat in der Tür einen Turnapparat und konnte sich e - inner«, daß das Mädchen gerade ins Zimmer trat, als sein Sohn turnte! Jedenfalls herrschte in der Stadt große Aufregung; jetzt ist

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