Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1903)
- Date
- 1903-05-08
- Page
- Seite 228 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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228 Tat, wenn es seinem Wohle gilt, oder glaubst Du an ein Wunder, das ihn noch von hinnen nimmt, dieses Scheusal, ehe es ihm gelingt, meinem geliebten Kinde verderblich zu nahen." „O daß ein solch gottgefälliges Wunder sich doch bald vollzöge, ehe es zu spät wird. Die Zeit drängt! Wir müssen handeln, Fürstin, allein nicht in offener Empörung, — das ist kein Weg zur Rettung." „Steht Dir ein anderer zu Gebote!" kam es atemlos aus Alexandras Mund. „Die Flucht!" „Fliehen?-Ich sollte mich von Aristobul trennen? Nimmermehr! Im Angesichte der Mutter soll der Tyrann es wagen, dem Sohne entgegenzutreten." „Er wird es wagen. Alexandra? Wir aber müssen dies zu verhindern wissen. Du bist so klug, erhabene Fürstin, und Deinem erleuchteten Geiste wird sicherlich ein Mittel erscheinen, wodurch Du mit dem geliebten Sohne vereint der Euch drohenden Gefahr entrinnen kannst!" „Du hast Recht, mein Freund, in meinein Kopfe kreuzen sich die verwegensten Pläne. Laß mich zur Ruhe kommen. Vor meinem Auge braust es und wilde Stürme durchtoben «nein Inneres! Ach zu sehr hat Deine Unglücksmär mich getroffen — ach zu lange schon habe ich mich ruhiger Sicherheit hingegeben und dem heuchlerischen Treiben des Königs Glauben geschenkt. O daß es noch Zeit sei, daß es uns noch gelänge, der Gefahr zu entweichen. .." „Der Arm Mattes leite Deine Schritte, v Fürstin, Gott erleuchte Deinen Sin». . ." „Und sende mir seinen Racheengel, das Haupt des schamlosen Emporkömmlings zu zermalmen!" „Der frevle König wird der Rache nicht entgehen, allein für uns, edle Alexandra, gibt es jetzt anderer Dinge zu gedenken, wir müssen die Hilfe des Allerbarmers jetzt für Deine Rettung erflehen." „So laß uns denn, mein treuer Philo, unseren Gott anrufen und in heißem Gebete seinem Throne nahen, auf daß er uns den Weg weise aus der Wirrnis der Gefahr." In heißem, inbrünstigem Flehen sandten sie ihre Gebete zu Gott empor. Bald leise klagend, mit tränenschwerem Flüstern, dann wieder schluchzend und jammernd in schneidendem Wehlaut. (Forts, folgt.! Literarische Mitteilungen. Biblische Geschichte und Religionslehre, fortgeführt bis zum Ende des jüdischen Staates. (Erweiterte Ausgabe des „Buches für unsere Kinder"). Von S. Müller. Stuttgart. I. B. Metzler. — Es ist keine leichte Ausgabe, ein Lehr- und Lernbuch der biblischen Geschickte zu schreiben, welches dem Anspruch, ein Buch für unsere Kinder zu sein, voll und ganz gerecht wird. Wie dem homerischen Odysseus die Skylla und Charybdis. so drohen dem Verfasser eines solchen Buches zwei Gefahren. Entweder er hält sich zu sehr an den Urtext der Bibel, gebraucht Bilder und Redewendungen, die unfern Kindern absolut unverständlich sind, und gestaltet durch allzugroße Weitschweifigkeit den Gang des Unterrichts zu einem schleppenden; oder aber er verfällt durch zu weitgehende Abstraktion in den trockenen Toll eines.Exzerpts und streift dadurch den ganzen poetischen Duft der biblischen Erzählungen ab. Das Verdienst, den richtigen Mittelweg gefunden zu haben, hat sich unbestreitbar der Verfasser obigen Werkes erworben. Dies beweist schon die Tatsache, daß das „Blich für unsere Kinder", welches 1897 zum erstenmale erschien, demnächst seine vierte Auflage erleben wird. Wer, wie Schreiber dieses, das genannte Buch seit seinem Erscheinen in der Praxis verwendet hat, wird ihm eine Fülle von Vorzügen zuerkennen müssen, die es ganz besonders als Lehr- und Lernbuch für das schulpflichtige Alter geeignet machen. Ich erwähne nur die Anpassung der Darstellung an die jeweilig Altersstufe, die Klarheit und Anschaulichkeit der Form, die Frische und Lebendigkeit der Sprache, das ungezwungene Hervortretenlassen d r ethischen Momente durch den Gang der Erzählung selbst, die Einfügung einer Blutenlese aus den Psalmen, Propheten, Sprüchen r.. geordnete und zweckentsprechende Zusammenstellung der „Lehren und Gebote", Verknüpfung des Neuzuerlernenden mit dem Bekannten Die Schüler haben das Buch liebgewonnen, weil es ihre Sprache redet und weil ihnen die handelnden Personell und die Situationen kl.u und anschaulich vorgeführt werden. — Das neu vorliegende Buck st eine erweiterte Ausgabe des „Buches für unsere Kinder" und soll namentlich, wie der Verfasser in seinem Geleitwort bemerkt, den weit-rgehenden Bedürfnissen möglichst gegliederter Anstalten, also auch d r Mittelschulen dienen. Vor allem erfreut uns die vermehrte Einfügm § einer Reihe hochpoetischer Psalmen und Prophetischerl Reden, ebewo wie mit tiefem Verständnis ausgewählter Stellen aus Hiob und dem Prediger; dadurch eignet es sich nun auch als Lese- und Erbauung^ buch für die reifere Jugend und für die Familie. Bei dem Laien reicht heutzutage mindestens bei uns in Deutschland das Studium der hebräischen Sprache nicht so weit, um ihn zum Verständnis*dm Bücher der Propheten zu befähigen. Wenn nun durch die Einfügung vorzüglicher Uebertragungen der Verfasser dazu beiträgt, daß d e Schönheit und Erhabenheit der Sprache von einem größeren Kreit? gefühlt wird, so ist dies allein schon ein großes Verdienst. Der Lehrm wird, nachdem er durch Schilderung der politischen und religiöse - Situation das Verständnis vorbereitet hat, durch das bloße Genießenlassen sich und den Schülern manche Stunde der wahren Erbauung bereiten. Dasselbe gilt für die Psalmen, bei denen außer einigen vorauszuschickenden Bemerkungen über Veranlassung, Aufbau, metriscl c Form der Lehrer den Schüler dem ungestörten Genüsse der poetischen Sprache überlassen möge. Ein Zerpflücken dieser Blüten hebräischer Poesie würde den Genuß nur beeinträchtigen. Außerdem hat die Neu ausgave manche Bereicherung erfahren, wovon vielleicht manche bisher ungern vermißt wurde, so die Episode von Eldad und Medad, der nächtliche Kampf Jakobs mit dem Engel u. a. m. Das Kapitel 40? ist eine fast unentbehrliche Beigabe für diejenigen Oberklassen, fiu welche kein besonderes Religionsbuch eingeführt ist. Die Erläuterungen zum Dekalog sind in ihrer präzisen Form geeignet, der in der Schn? vorgenommenen eingehenden Erklärung zur Befestigung zu dienen Die übersichtliche Darstellung der Festtage im Anhang ist eine sehr n begrüßende Ergänzung zu Kapitel 41; auch der Abschnitt über jüdisch Kolonien in Palästina dürfte den Schülern wesentliches Interest bieten, ebenso wie die jeder Geschichte beigefügte Angabe über d? entsprechenden Kapitel der Bibel manchen wißbegierigen Schüler vee anlassen mag, die Geschichte im Quellenbuche selbst nachzulesen. Kur durch die erwähnten und noch andere Hinzusügungen hat das Buu den Kreis seiner Verwendbarkeit entschieden erweitert, und der Ver fasser mag mit Recht der sehr begründeten Hoffnung Raum geben daß sich auch dieser erweiterten Ausgabe die Pforten einer große' Anzahl von Schulen öffnen werden. Das Buch wird überall Freund erwerben, wo man sich ohne Vorurteil mit ihm beschäftigt. 8. k'. ----- Hillel, der Babylonier. Eine Erzählung aus jüdische Vorzeit für Jung und Alt von I. Herzberg. Frankfurt a. Maii- 1902. In Form einer Erzählung wird uns hier Hillel, seine Uin gebung und seine ganze Zeit geschildert, und der Leser lernt daran den großen Weisen und seine Zeitverhältnisse besser verstehen urn würdigen, als aus großen Geschichtsbüchern. Aus dem Inhalte geb ich nachstehende Kapitelüberschriften an: „Der fremde Babylonier' „Vor dem Lehrhause", „Im Synhedrin". „Im Kampfe ums Dasein' „Auf höchster Stufe", „Eines Weisen Tugenden". „König und Fürst" Im Anhänge werden die bekanntesten Aussprüche Hillels aussührlia erläutert. Der billige Preis ermöglicht jedermann die Anschaffung de Buches. Ganz besonders ist es Literaturvereinen und Schülerbibliv theken zur Anschaffung zu empfehlen. H. k- Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.