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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-04-19 · Heft 47 (19.4.1838) · p. Seite 186

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 47 (19.4.1838)
Date
1838-04-19
Page
Seite 186 (sequence 2)
Language
German
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186 Gott gewiß sein Gedeihen nicht versagen wird, auch Me Wohlthät hinzu, diese Gemeinde aus ihr eigenes Wohl aufmerkssm zu mache«, und dadurch Taufende» und abermals Tausenden von unberechenbarem Nutzen zu sein, den» durch bessere Leitung werden humanere Begriffe allgemeiner, und unsere Gegner werden es selbst unterlassen, langst nicht mehr in Anwendung gebrachte Edikte wieder neuerdings aufs Tapet zu bringen , wie dies leider -in der in Rede stehenden Stadt erst jüngst der Fall war. Die Betreffenden werden gewiß das Bessere unter solcher Autorität einstimmig anerkennen, und späte Generationen werden diesen Einfluß segnen. Theologie. Hamburger religiöse Zustände. (Fortsetzung.) Wir wenden uns jetzt zum rechten Centrum der Synagoge. Aber in Hamburg ist man gewohnt neben dem Schiffe auch gleich de» Schiffer zu nennen. Also: Schiff: Synagoge, Kapitain: Bernays; daher zuerst ein Wort über diese vielbesprochene Persönlichkeit, über die in der Gemeinde selbst die inkohärentesten Urtheile, von der Vergötterung an abwärts, zirkuliren. Da heißt es von der eine» Seite: Er thut nichts, der bemoosteste Bartrabbine hat mehr Sinn für Fortschritt mit der Zeit. De» großen Riß, der durch die ganze Judenheit geht, und den das kleinste Kind schon empfindet, ignorirt er vornehm.; schützt aber, um sich auch der geringsten Reform zu widersetzen, Furcht vor dem unbedeutendsten Dispüt vor. Sich schreibt er zu, was der Zeitgeist, im Erziehungswcsen, auch ohne ihn.gethan hatte, während er eigentlich nichts wichtig achtet, als seine theoretische Symbolik, die seine Predigten immer unverständlich, abstrus und durchaus unpraktisch macht, u. s. w. Don einer andern Seite hört man dagegen: er hegt und verbreitet nichts weniger als einen wahrhaft jüdisch-religiösen Sinn. Statt der unbedingten Folgsamkeit gegen alles, was Gesetzeskraft erlangt hat in Israel, füllt er die Köpfe an, mit metaphysischen Grille» und Deduktionen, und vernachlässigt alle die Mittel, durch welche unsere alten Rabbinen, ja sogar die „neumodischen-Prediger" die Herzen der Gläubigen zu erschrecken und zu schmelzen verstanden. Ausgezeichnete Frömmigkeit, wie doch ein Rabbine, als vorleuchtenbes Beispiel sie ausüben soll, ist nie bei ihm zu bemerke«. Würde es wol Jemand eknfallen, auch nur zu erwarten, er möchte z. B. am sogenannten 2., 5. und 2. Tage fasten? u. dgl. m. Schwere Beschuldigungen freilich für einen Mann, der eine beispiellos einflußreiche- Stellung einnimmt, der früher vielleicht mit einem Hauche seines Mundes die Religionsangelegenheiten Israels in halb Deutschland hätte umgestalten können; schwere Beschuldigungen, aber eben verdächtig, weil sie von so verschiedenen Seiten erschallen, und dadurch wenigstens schon beweisen, daß der Mann, warlich keine Kleinigkeit in unserm wie in jedem Zeitalter, den Muth hat, seinen eigenen Weg zu gehen und fortzusetzen. Hören wir nun aber auch die Stimme unbefangener Prüfung, die den praktischen Boden des Ausführbaren und des unbedingt Nützlichen nicht verläßt. Sie zeiget in Bernays einen Mann, der es gewagt, hat, die Kette derPseudo- Semicha zu unterbrechen, auf die leicht rrcungmen rabbinischen und Farultäts-Grade und auf den noch leichter sich darbietenden eines „Cultus-Reformators" zu verzichten, der, obwol durchdrungen von dem Geist einer Philosophie des 19. Jahrhunderts, willig entsagt hat dem Umgänge und dem Weihrauch des größten ^Theils der Erleuchteten, um mit seinem eigenen Geiste niederzutauchen in den Geist der Masse unsererNation,um diesen, durch Mißhandlung, Verkennung und Hohn jeder Art, auf das Aeußerste geangstigten und niedergedrückten Geist zu kräftigen, zu erheben und ihm seine Stelle anzuweifen auf den Höhe« der gottbewegten Menschheit. Sie zeigt uns einen Mann, der den Muth hat, (durch die Praxis) allen kabbalistischen Superfötationen entgegen zu treten, vom positiven Standpunkt aus, der Autoritätengel» tung in unserer Theologie ihre Grenze genau anzuwrisen, und das Jmponiren asketischer Frömmigkeit verschmähend, durch sein Beispiel seine'Gemeinde von allen religiösen Uebertrerbungen zu entwöhnen; den fabianischen Muth endlich, sich durch keine Provokationen aus dem unnahbaren Terrain persönlicher, mündlicher Mittheilung verlocken zu lassen. Und was hat dieser Mann gewirkt? Vorsindend eine Gemeinde, in deren geistige Herrschaft dumpfe Bigotterie, gedankenlose Gewohnheitsfrömmigkeit und ausgedörttes Formenwesen sich theilten, wo selbst talmudische Gelehrsamkeit mangelte, und die Reformbegierigea sich eben erst als Tempelverei» abgesondert hatten, während die übrigen durch instinktmäßige Opposition kaum noch dahin gebracht waren, sich einen studirten glattkinmgen Geistlichen gefallen zu lassen — war die erste Forderung, die

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