Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 47 (19.4.1838)
- Date
- 1838-04-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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II. Jahrgang. No. 4V. Zeitung -es Ju-enthums. Ein unpartheüsches Organ für alles jüdische Interesse (Mit König». Sächsischer attergnädigfter Concenwn.) Leipzig, den 19. April 1838. Geöffnete Concurrenz für eine Rabbinats t Assessor - Stelle in Breslau. Das unterzeichnet« Collegium beabsichtiget, die durch Qutescirung eines Mitgliedes des hiesigen Rabbinats- Collegii erledigte Stelle eines Rabbinats-Assessors (J^l) baldmöglichst wieder zu besetzen. ES wird für dieses hochwichtige Amt, innerhalb einer deutschen Gemeinde von mehr als 5090 Seelen, ein Cottesgelehrter von umfassender biblischer und talmudischer Gelehrsamkeit, von gründlicher wissenschaftlicher Bildung und von strenger Religiosität gewünscht, der außer den amtlichen Functionen eines Dajan zugleich die Abhaltung allsabbatlicher belehrender und erbaulicher Synagogal-Reden in rein deutscher Sprache Hu übernehmen im Stande ist. Der dem Rabbinats - Assessor zu fixirende Gehalt und die mit seinem Amte verbundenen Emolumente, sichern dem zu Erwählenden ein gutes Auskommen, und das allgemein und lebhaft sich aussprechende Verlangen der hiesigen Gemeindemitglieder nach religiöser Erhebung und Erbauung, eröffnet dem gewissenhaften Seelenhirtcn einen überaus erfreulichen Wirkungskreis. Diejenigen Herren Theologen, welche um das gedachte Amt sich zu bewerben geneigt sind, wollen ihre Gesuche mit Beifügung der nölhigen Studien- und Rabbinats-Befähigungs-Zeugnisse innerhalb der nächsten drei Monate dein Unterzeichneten Collegium zukommen lassen. Breslau, Ende März 1838. Das Qber-Vorsteher-Collegium der israelitischen Gemeinde. Zeitungsnachrichten. AusBöhmen, 1. April (Privatmitth.). Ich erlaube mir. Ihnen, H. Red. , folgende Thatsache einfach vorzulcgen: Als in der Stadt K.. .. n, wo eine Jsraeliten- Gemeinde von zweitausend Seelen sich befindet, die sich bereits durch ihren Wohlthatigkeitssinn dem Herrn Redacteur bemerkbar gemacht, der dortige sehr hochgeachtete Rabbine mit Tode abging, und der größere Theil der Gemeinde die Nothwendigkeit fühlte, einen dem Zeitgeiste gemäß gebildeten Mann an ihre Spitze zu berufen, wozu auch die nöthigen Maßregeln bereits eingeleitet waren, und mehre dem Posten gewachsene, fähige Männer diese so einflußreiche Stelle zu übernehmen sich erboten, erfrechte sich ein gelehrt sein wollender Handelsmann am Kol-Nidre-Abend, wo alle Gemüther empfänglich, wo jeder mit dem reinsten Borsatze für die Zukunft die heilige Schwelle betritt, sich durch eine Predigt folgenden Inhalts der Gemeinde als Rabbine anzuempfehlen. Gleich im Eingänge sprach er bas Anathema über jede Art von Aufklärung; er nannte jeden Aufgeklärten einen Gottesläugner, einen Dummen; veröffentlichte, daß es seiner Meinung nach, die er'durch einen gewiß mißverstandenen 1 Midrasch unterstützte, weit sträfllicher ist, sich in der Sefira und den drei Wochen zu rasiren, als vtn nVat* D'»i M'am, ganz in dem Sinm jenes Laval'schen Missionärs, der in Chatogonthicr predigte, es wäre Gott gefälliger, fünf Mordthaten begangen zu wissen, als einen Fasttag ungefastet zu sehen. Er endete mit der Bitte, da er in Erfahrung gebracht, man sei Willens, einen jüngem aufgeklärten Mann als Rabbine« zu berufen, dieses sich ja nicht einfallen zu lassen, da dies nur die schlimmsten Folgen herbeiführen könnte. Wir müssen einen Rabbine« haben, der uns nur Bitteres nicht aber Süßes vorschreibt — dies feine eigenen Worte. Ich erlaube mir also. Sie hochverehrter Herr Redatteur zu fragen: kan» und darf ein anders denkender Manu dazu schweigen und sehen, wie man diese fürs Gute gewiß sehr empfänglich« Gemeinde mit' solche» schädlichen Pillen vergiftet, «der ist es Pflicht, öffentlich gegen dies« verderblichen Ansichten aufzutrete»? Dies» Stelle ist «och immer nicht besetzt, und es wäre ungemein schmerzlich, wenn zweitausend unserer Brüder von solch erwähnten Männern noch länger geleitet würden. Vielleicht fügen Herr Redacteur zu dem vielen Guten, das Sie schon gestiftet, zu den segenreichen Bemühungen, denen