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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-05-01 · Heft 18 (1.5.1903) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 18 (1.5.1903)
Date
1903-05-01
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 stein durch den Herrn Vorsteher L. Kuh, sowie einer Deputation, bestehend aus den Herren H. Grimstein, Ferd. Stiebet und Joseph Löwenstein (Kultnsdeputierte) überreicht. Herr Kuh hielt die Ansprache, in der er die Intelligenz des Herrn Weinstein, der nicht nur Vertreter der Gemeinde, sondern auch seit Jahren in der Stadtvertretung tGemeiuderal). hervorhob. In seiner Antwort auf diese Ansprache drückte Herr Weinstein die Absicht aus, seine Dienste auch ferner der Sache unserer Gemeinde zu widmen. Hoffentlich ist es dem um seiner Geistes-und Herzenseigeuschasten hier allgemein hochgeachteten Manne noch lange beschieden, seine bedeutende Kraft dem Gemeindewohl widmen zu können! r. Koburg, 20. April. Eine eigenartige Stiftung, ans deren Erträgnissen u. a. Vz auf protestantische und Vs auf israelitische Handwerkslehrlinge sowie angehende Maler, Bildhauer, Architekten ans dem Herzogtum Koburg entfällt, besitzt die Stadt Koburg. Das gesamte Kapital, inklusive zweier Paläste in Florenz, bewertet sich auf 600 490 Mark. Stifter ist ein getaufter Israelit, der spätere „Freiherr Ferdinand von Rast. H. Sachsen-Koburgscher Kammerherr-, geboren zu Berlin 1831 als M. Liebmann, gestorben zn Koburg 1863. Sein Vater war Viehgrobhändler und hieß Samter Liebmann; er selbst betrieb einen umfangreichen Garnhandel. a. Hamburg, 23. April. Im Anschluß an die Totenfeier im israelitischeil Tempel hielt gestern, Sonntag. Herr Rabbiner Dr. Leim - d örfer in seiner Festtagspredigt einen tiefergreifendeil Nachruf dem in der vergangenen Woche verstorbenen großen Völkerpshchologen Geheimrat Professor Dr. M o r i tz Lazarns. Dieser hatte als Professor der Philosophie an der königlichen Kriegsakademie und an der Universität Berlin oft Gelegenheit, bei seinen Vorträgen die Kaiserin Augusta zu sehen; er war ein Fürst im Reiche des Wissens, um den die gesamte gebildete Welt — besonders die deutsche — trauere. Der Redner wies auf die vor 10 Jahren hier in Hamburg stattgehabte Anwesenheit des berühmten Gelehrten hin, sowie auf seine Bereicherung der deutschen Wissenschaft durch die Werke „Ideale Fragen", „Das Leben der Seele" und seine Forschungen über die Ethik. — Die seinem verewigten Freunde gewidmeten Worte des Herrn Dr. Leimdörfer machten ans die äußerst zahlreich versammelte Festgemeiude einen großen Eindruck. ctzn Frankfurt a. M., 23. April. Die orthodoxe „jüdischliterarische Gesellschaft" Brener'scher Richtung gibt folgendes bekannt: Im vorigen Jahre hat sieb hier eine jüdisch-literarische Gesellschaft konstituiert mit der Ausgabe, alle Bestrebungen, welche geeignet sind, die jüdische Wissenschaft zn heben und zn fördern, tatkräftig zu unterstützen. Die Gründung der Gesellschaft hat in weiten Kreisen lebhaften Anklang gesunden, weil sie einem lange und tief gefühlten Bedürfnis abzuhelfeu verspricht. Soweit es ihnen möglich war, haben die Gründer der Gesellschaft am Wohnort und in Nachbarstädten über die Ziele der Gesellschaft aufklärend gewirkt, und hatten den Erfolg, daß jeder, der von ihnen bisher ausgesucht werden konnte, gerne seinen Beitritt erklärte. Durch diese vorläufige Propaganda sind bereits so namhafte Jahresbeiträge gewonnen worden, daß die Gesellschaft schon im ersten Jahre ihres Bestehens es wagen durfte, zwei hochdotierte Preise auf wissenschaftliche Arbeiten auszusetzen und die Herausgabe eines umfangreichen Jahrbuches vorzubereiten. Indessen sind die Aufgaben, welche sie sieh stellen muß, so bedeutend und mannigfaltig, und berühren so sehr die vitalsten Interessen des Judentums, daß nur die Mitarbeit weitester Kreise ihre vollkommene Losung ermöglicht. Die Gesellschaft will Gelehrte zum Forschen anregen und ne und andere, die nicht erst auf die Anregung warteten, ermuntern und in stand setzen, die Ergebnisse ihrer Studien der weitesten Oeffentichkeit zu unterbreiten. Bücher, die jüdisch-wissenschaftliche Gegenwände zum Inhalt haben, werden heute wenig gelesen und gekauft nid darum vor allem nicht in genügender Zahl geschrieben. Zur Ermunterung und Förderung der Gelehrten gehört es, ein teilnehmendes und aufmerksames Publikum zu schaffen: auch dies ist ein Ziel für die Gesellschaft. Durch ausgesetzte Preise für hervorragende Leistungen, durch Zuschüsse bei Herausgabe von wissenschaftlichen Werken, uirch periodisch erscheinende Aussätze denken wir zunächst auf die Gelehrtettwelt einzuwirken; unsere Jahresberichte, ein Jahrbuch oder ine Quartalsschrist, die Ermöglichung wohlfeilen Bezugs der von uns unterstützten Werke sollen das Interesse des Publikums wach halten und weithin Aufklärung und Belehrung über die Geschichte unseres Volkes und die Entstehung der herrlichen Denkmäler seines geistigen Schaffens verbreiten. Der mindeste jährliche Beitrag ist auf zehn Mark festgesetzt. Der Vorstand der jüdisch-literarischen Gesellschaft: Rabbiner Dr. Auerbach, Halberstadt; Provinzialrabbiner Dr.Bamberger, Hanau; Dr. E. Biberfeld, Berlin; Rabbiner Dr. Bondi, Mainz; Eduard Feist. Frankfurt a. M.; Distriktsrabbiner Dr. Kohn, Ansbach; Rabbiner Dr. Kottek. Homburg; Direktor Dr. Lange, Frankfurt a. M.; Jos. N. Rothschild. Frankfurt a. M. o. Wiesbaden, 23. April. In einer Festpredigt am siebenten Tage des Pcssachfestes gedachte Rabbiner Dr. Silbe rst ein in ehrenden Worten des verstorbenen Geheimen Regierungsrales Professor Dr. Lazarus und feierte ihn als wackeren Vorkämpfer für die Wahrheiten unserer Religion. Die ganze Gemeinde erhob sich, als der verehrte Redner den Namen des großen Heimgegangenen nannte, im Gefühle der Trauer um den herben Verlust, welchen die gesamte Judenheit erlitten hat. ----- Tübingen, 22. April. Sein fünfundzwanzigjähriges Jubiläum als Kirchenpfleger der hiesigen israelitischen Gemeinde feierte am letzten Donnerstag Kaufmann Gustav Hirsch. Herr Hirsch ha» nicht nur dieses Amt stets unentgeltlich verwaltet, sondern sich auch sonst um die Gemeinde große Verdienste erworben. Aus diesem Grunde veranstaltete letztere zu Ehren des Jubilars ein Bankett, das sehr zahlreich besucht war. Im Verlause desselben wurde dem Jubilar als Anerkennung ein silberner Pokal mit entsprechender Widmung überreicht. Möge es ihm vergönnt sein, noch lange seines verdienstvollen Amtes zu walten! Oesterreich - Ungarn. Wien, 27. April. In der Neichsratssi tzu n g vom 24. d. M. hat der Ministerpräsident von Koerbcr die alberne Interpellation des antisemitischen Abgeordneten Stein und Genossen beantwortet, in welcher verlangt wurde, „daß dem Reichsrat die Ergebnisse der Untersuchung bekannt gegeben werden, die aus Anlaß der Anschuldigung eingeleitet worden war, daß dem Dienstmädchen Marie Hanel in Jägerudors Blut zu rituellen Zwecken abgezapft wurde." Herr von Koerber teilte mit, daß durch die eingehende, umfassende Untersuchung die völlige Grundlosigkeit der Anschuldigung festgestellt worden sei. Die Hanel, welche sich bei ihren wiederholten Vernehmungen fortwährend in Widersprüche verwickelte und deren Aussage auch mit den Angaben ihrer Mitbediensteten in keiner Weise übereinstinnnte, wies zwar au den Fußsohlen verschiedene Verletzungen auf. aus denen aber nach Aussage der Sachverständigen höchstens einige Tropfen Blut geflossen sein können, so daß die Verletzungen zu einer „Blutentnahme" ganz ungeeignet waren. Ueberdies sei es ausgeschlossen, daß die Verletzungen der Marie Hanel von dritter Hand zugesügt wurden. Die Erhebungen haben auch zweifellos ergeben, daß Marie Hanel sich die Verletzungen selbst beige bracht hat, und zwar wahrscheinlich aus Haß gegen ihren Dienstgeber, der ihr den Dienst gekündigt hatte und dem sie Unannehmlichkeiten bereiten wollte. Gegen Marie Handel wurde deshalb auf Grund des erdrückenden Beweismaterials wegen falscher Zeugenaussage, Verbreitung eines falschen beunruhigenden Gerüchtes und wegen Ehrenbeleidignng die Anklage erhoben und eine Strafe von vier Monaten Kerkers verhängt, welche sie gegenwärtig abbüßt. — In dem Flecken Uhnow in Galizien fanden großen Unruhen gegen die Juden statt. Am 23. d. M. brach dort eine große Feuersbrunst durch Brandlegung aus. Bis 10 Uhr »raren 40 Häuser verbrannt. Die Bevölkerung vermutete in den Urhebern Juden, weil das Feuer im Schuppen des Konvertiten Jschel Klein ausgebrochen war! Die Menge stürmte die Judenhäuser und warf alle Fenster ein. Noch während der Brand wütete, nahmen dieNuheftörungen einen überaus ernsten Charakter an. Jschel Klein wurde totgeschlagen mehrere Personen so schwer verwundet, daß an ihren» Auskommen gezweifelt wird. Die Gendarmerie war außer stände, die Ruhe herzustellen. Ein Jägerbataillon wurde aus Nawa Ruska nach Uhnow kommandiert. Die Meldung des „Kuryers Lwowski", daß in Uhnow fünf Personen getötet worden seien, wird amtlich in Abrede gestellt. Aber der „Dziennik Polski" bestätigt, daß Jchel Klein seinen Verletzungen erlegen sei, und auch der amtliche Bericht bestätigt, daß durch Gewalttaten des Pöbels jüdische Verkaufsläden zerstört und in den Judenhäusern alles Zertrümmert, sowie mehrere Inden schwer verletzt worden seien. — In Leipnik ist der greise Rabbiner Dr. S. Kulka am 19. d. eines sausten Todes verschieden. Der Heimgegangene war durch seine

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