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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-05-01 · Heft 18 (1.5.1903) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 18 (1.5.1903)
Date
1903-05-01
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 in der eigenen Mitte der Juden ein Ende bereitet hätte. Der Redner gab zum Schlüsse seiner unter stürmischem, wiederholtem Beifall gegebenen Darlegungen seiner innersten Ueberzengung Ausdruck, daß dereinst wiederum eine derartige Propaganda und zwar durch sich selbst entstehen werde, daß das Judentum sich erhalten müsse, um Zeuge zu werden seiner groben Hoffnung, des Sieges des reinen Monotheismus. Der Vorsitzende, Rechtsanwalt Dr. Horwitz, gab noch kurz einige geschäftliche Mitteilungen, berichtete, daß dem Verein im letzten Jahre 3000 neue Mitglieder beigetreten sind, gedachte in warmen Worten der in der letzten Zeit verstorbenen Mitglieder, besonders des großen Toten Professor Lazarus, und stellte dem erfreulichen Bilde der inneren Entwickelung die traurige äußere Entwickelung unserer Zeit gegenüber. Der Verein wird bei den bevorstehenden Parlamentswahlen überall dort seine Tätigkeit entwickeln, wo es die Bekämpfung eines antisemitischen Kandidaten gilt. o. Berlin, 21. April. Zu einer erhebenden Feier gestaltete sich auch Heuer die Ei n s egn ung der Konfirmanden, die am 2. Peßachfesttags im Tempel der N e f or mgeniei n d e stattfand. Unter Orgelklang wurden die Konfirmanden (21 Knaben, 9 Mädchen) von den Predigern und fungierenden Vorstehern der Neformgemeinde in das festlich geschmückte Gotteshaus geführt, welches in allen seinen Räumen dicht gefüllt war. Prediger em. Or. Oppenheimer hielt die Liturgie, die in der Tefillah eine besondere aus die Konfirmation Bezug nehmende Benediktion aufwies. Auch der aus der Thora verlesene Festabschnitt 5. B. M. 6, 4—9 (das Schema) stand in engem Zusammenhänge mit der Feier. Prediger Dr. Klemperer, welcher die jungen Glaubensgenossen vorbereitet hatte, hielt eine tief empfundene und geistvolle Predigt, in der er über den Text 2. B. M. 12, 23 sprach (Und Gott wehrte dem Verderber, daß er nicht zerstörend nahe euren Häusern), die im Unterricht vorgetragenen Lehren kurz zusammensaßte und die Liebe zu den Eltern als die Quelle aller Tugenden des Menschen und Israeliten schilderte. Nach dem Gebet einer Schülerin (Martha Joachim) trugen die Konfirmanden einzeln die Sprüche aus der Bibel und den Pirke Aboth vor, die sie sich als Leitsterne für das Leben gewählt hatten. Nachdem ein Konfirmand (Georg Nathanson) im Namen aller das Glaubensbekenntnis abgelegt hatte, bereiteten sich die Kinder durch kill stilles Gebet zum Empfange der Segensspende vor; während dessen spielte die Orgel leise die Melodie des Priestersegens. Nach der Einsegnung sang der Chor: „Der Herr hat unser gedacht" von Lewandowski. t. Berlin, 24. April. Im Handelsregister des „Reichs-Anzeiger" befand sich dieser Tage eine Notiz betreffend die Eintragung einer Jüdischen Orten t-Kol onisations-Gesellschaft (Adresse für Anmeldungen und Zuschriften: Berlin, Großbeerenstr. 73) als Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht zu Berlin. Die Gesellschaft verfolgt den Zweck, sür jüdische Auswanderer im Orient Heimstätten vorzubereiten, und die meist dem Handwerker- und Kaufmannsstand ungehörigen jüdischen Auswanderer zu landwirtschaftlicher Beschäftigung überznführen. Zur Erleichterung dieser bekanntlich schwierigsten Aufgabe der jüdischen Kolonisationsfrage will die Gesellschaft im Orient Land erwerben und durch bezahlte Lohnarbeiter hauptsächlich mit Bäumen und Gemüse bepflanzen und in einen ertragfähigen Zustand bringen lassen. Da die Erntearbeit bei tragenden Obstplanlagen eine verhältnismäßig sehr leichte Arbeit ist, und da außerdem Baumfrüchte — speziell Oliven — ein sicheres Absatzgebiet haben und auch zu industrieller Verwertung Gelegenheit geben, so wird durch eine Vorbereitung von Land eine Auswanderung ziemlich großen Umfanges ermöglicht, welche sich aller Wahrscheinlichkeit nach in sehr ruhiger und sicherer Weise abspielen wird. Der uns vorliegende Prospekt rechnet damit, daß sowohl Emigranten selbst (d. h. solche, die innerhalb der nächsten Jahre anszuwandern denken), wie auch andere Freunde der jüdischen Kolonisation sich an der Genossenschaft beteiligen werden. Sind die Kolonien in blühenden! Zustand, und die Uebersiedelung erfolgt, so soll die in Berlin zentralisierte Gesellschaft einer aus den ansässigen Kolonisten gebildeten neuen Genossenschaft ihren Koloniebesitz zu leichten Zahlungsbedingungen überlassen und die aus dem Verkauf flüssig gewordenen Gelder zur Anlegung neuer Kolonien verwenden. Im großen und ganzen finden wir in dem Prospekt die Prinzipien der Siedlungsgenossenschaft zur Geltung gebracht, deren Hauptverfechter Dr. Franz Oppenheimer auch dem Aussichtsrat der neuen Gesellschaft angehört. Es steht zu hoffen, daß dieser neue Kolonisationsplan im Gegensatz zu den früheren Versuchen ähnlicher Natur eine durchgreifende Aenderung in der jüdischen Orientkolonisation herbeiführen wird. In jedem Falle unterscheidet sich der gesamte geschäftsmäßige Ton, welcher wenigstens in dem geschäftsmäßigen Teil des Prospektes durchklingt, sehr vorteilhaft von der bisherigen rein philanthropischen Kolonisationsweise, der zwar große Verdienste nicht abzusprechen sind, die sich' aber doch als unzureichend erwiesen haben gegenüber einem so großen Problem, wie es das der jüdischen Auswanderung ist. Wie wir hören, macht sich heute schon in den verschiedensten Kreisen ein lebhaftes Interesse für den neuen Plan geltend. Berlin, 26. April. Am 24. d. M. feierte der allgemein bekannte und wegen seines gemeinnützigen Wirkens hochgeachtete Subdirektor der „Victoria", S. I. Leszynsky, sein 25jähriges Berufsjubiläum unter allgemeiner Teilnahme weiter Kreise. Schon am Morgen empfing derselbe vier Deputationen der Victoria : das Generaldirektoriat, die Beamten vom Außendienst und die Bureaubeamten, die denl Jubilar in herzlichen Worten ihre Verehrung aussprachen. Schöne Geschenke und Adressen wurden überreicht. Hierauf folgte eine große Anzahl Deputationen jüdischer Vereine und Institutionen, die den Jubilar als einen wackeren Förderer der Interessen der Judenheit feierten. Für den Deutsch-Israelitischen Gemeindebund sprach Professor Dr. Philippson, indem er die großen Verdienste des Jubilars um diese Institution in beredten Worten feierte, für die Synagoge Potsdamer Brücke Herr Jacob Bamberger. Vertreten waren außerdem das Kuratorium und der Lehrkörper des Nabbinersennnars, die Synagogengemeinde Ahawath Zion und viele andere religiöse und wohltätige Institutionen der Berliner Gemeinde. Möge es dem Jubilar noch sehr lange beschieden sein, in gleich gedeihlicher Weise zu wirken. m. Bütow i. P., 22. April. Am 20. d. M. wurde hier der älteste Bürger, der Stadt, Herr Eduard Wolffram zur ewigen Ruhe bestattet. Im Jahre 1813 geboren, war er noch bis vor drei Jahren geistig vollkommen frisch. Die Stadt hatte ihm schon früher, als er seine Ehrenämter niederlegte, zum „Stadtältesten" ernannt. Lange Jahre bekleidete er das Amt eines Stadtverordneten, eines Ratsherrn; er war Mitbegründer der hiesigen Kreissparkasse, Vorsteher der jüdischen Gemeinde; unter seiner Leitung wurde die Synagoge gebaut. Seine Beerdigung fand von der Synagoge aus statt, wo der Lehrer und Prediger Frank eine tiefempfundene Gedächtnisrede hielt. Stadt und Gemeinde waren fast vollzählig offiziell vertreten. Der Verstorbene war beliebt und bekannt in Stadt und Land von Hinterpommern. Sein Andenken wird in Ehren fortleben! — Breslau, 23. April. Das Breslauer Schöffengericht hatte bekanntlich den Redakteur und Herausgeber des jüdischen Volksblattes Dr. L. Neustadt wegen Beleidigung des Lehrers Weichel in Könitz, der mit der Ermordung des Gymnasiasten Winter in Verbindung gebracht worden war, zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Während der Prozeß in der zweiten Instanz schwebte, haben sich die Parteien geeinigt. Der Beklagte leistete in seinem Blatte Abbitte und zahlte an den Kläger eine Buße von 1000 Mark zu dessen freier Verwendung. Darauf wurde die Klage zurückgenonnnen und das Verfahren eingestellt. p. Leipzig, 17. April. Am 4. d. M. fand hier im großen Saas des Zentraltheaters eine von den Herren Alphons Jacobson und David Magnus einberusene Versammlung statt, in der Herr Dr. Paul Nathan aus Berlin über „die Zwecke und Ziele des Hilfs Vereins der deutschen Juden" referierte. An den Vortrag schloß sich eine lebhafte Diskussion, die mit dem einstimmigen Beschluß beendigt wurde, eine Ortsgruppe des Hilfsvereius der Deutschen Inden sür die Kreishauptmannschaft Leipzig zu bilden. Ein Komitee aus elf Per sonen, an dessen Spitze die beiden oben genannten Herren stehen, wurde sofort gewählt und eine grobe Anzahl der anwesenden Herren traten dem Verein unmittelbar als Mitglieder bei. v. Eiskirach, 24. April. Es sind nun gerade 25 Jahre, daß Herr S. Weinstein als Kultusdeputierter in hiesiger Gemeinde wirkt. In der ersten Sitzung dieses Jahres brachten die Deputierten dem Jubilar, dessen Sitz mit Blumen geschmückt war, ihre Glückwünsche dar. Der Herr Vorsteher L. Koh gratulierte namens der Gemeinde und dankte dem Herrn Weinstein sür das rege Interesse, welches er stets der Gemeinde entgegengebracht habe. Gleichzeitig wurde dem Jubilar mitgeteilt, daß als Zeichen des Dankes ihm eine Glückwunschadresse zugehen werde. Der Jubilar dankte tief bewegt. — Die kunstvoll gearbeitete Adresse wurde nunmehr dem Herrn Weinstein durch stehend ai Löwenstein in der er! der Gerne (Gemeindei drückte Hei Sache uns« Geistesun noch lang widmen zr r Ko Erträgnisse werkslehrli dem Herz» gesamte K< 600 490 M Ferdinand zu Berlin Vater war einen umso n. 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